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17.12.2020

Schallwandler Podcast: Robert Babicz

Gespräche mit Klangforschern und Soundtüftlern

Robert Babicz spricht über seine Kindheit in Polen, Klänge fremder Galaxien, Cosmic Orgasm, den Sound of Frankfurt, Klangbearbeitungsmaschinen und seinen AKG BX 20 Federhall.

Als Anfang der 90er Jahre in Deutschland das Acid-Fieber ausbrach, erschien Robert Babicz auf der Bildfläche und war mit seinen fast 2 m Körpergröße nicht zu übersehen, geschweige denn zu überhören. Unter anderem als „Rob Acid“ verwandelte er seine Roland TR-303 in einen aggressiven Flammenwerfer, prügelte damit auf die verzückten Fans ein und wurde so eine der zentralen Figuren der Acid-Techno-Szene.

Seine erste Platte Acid Science Trax Vol 1. erschien 1992, damals noch als „Colone“. Mit der kurz darauf veröffentlichten „Pro Deux EP“ und dem darauf enthaltenen Stück „Happy Answer“ gelang Babicz prompt der Einzug in die englischen Dance-Charts. Seine Veröffentlichungen, inzwischen über 1000 auf renommierten Labels wie Kompakt, Mille Plateaux, Treibstoff oder Steve Bugs Audiomatique sowie auf seinen eigenen Labels Junkfood und Babiczstyle, waren und sind in den Cases aller wichtigen DJs weltweit zu finden.

Geboren wurde Robert Babicz 1973 in Polen im oberschlesischen Niemodlin. 1980 zog er mit seinen Eltern nach Deutschland, wo er in einem Aussiedlerheim in Köln aufwuchs.Zur Musik gelang Robert durch eine Mischung aus Zufall und Frustration. Ein nicht zu findender Fehler trieb den jungen Programmierer eines nachts wieder aus dem Bett und aus Frust setzte er sich an das Tracker-Programm seines Commodore Amigas. Damit war das Feuer entfacht. Seit jener schlaflosen Nacht ist das Musizieren zu seiner größten Leidenschaft geworden.

Seinen ersten Liveact spielte Robert in Köln auf einer der legendären Cosmic Orgasm Partys von den de-bug Mitbegründern Sascha Kösch alias bleed und Riley Reinholds aka triple R. Ein Live-act war ausgefallen und Robert sprang ein ohne einstudiertes Set und mit geliehenem Equipment von Oliver Bondzio (eine Hälfte von „Hardfloor“), auf dem er bislang noch nie gespielt hatte. Eine 909, 303 und 606 war alles, was Robert damals benötigte, um seine ersten Erfolge zu landen. Kurze Zeit später  gegründete Babicz mit seinem Kumpel das Label „Junkfood“ und auch das entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem der angesagtesten Labels für die neu entstandene Acid-Szene. Dort erschien auch seine erstes Club-Brett unter dem Pseudonym „Acid Warrior“

Sven Väth liebte diesen Track und lud Robert nach Frankfurt ins Omen ein. Damit stand seinem internationalen Durchbruch nichts mehr im Weg. In der Blütezeit der „Rave Years“ 1995, 1996 machte sich Rob einen Namen als Live-Act und rockte auf allen in dieser Zeit populären Großveranstaltungen wie Mayday, Loveparade usw. und auch die ersten Auslands-Bookings führten den Rising-Star der Szene in die USA, Kanada, Malta, Estland und kreuz und quer durch Europa. Aufgelegt im klassischen Sinne hat Robert Babicz nie. Er war und ist als Live-Performer bekannt, da er in jedem Set, das er spielt, Synthesizer und Live-Equipment verwendet und improvisiert. Damals wie heute.

Robert Babicz hat sich nie auf seinen Erfolgen ausgeruht, im Gegenteil. Stets tüftelt der umtriebige Künstler an neuen Sounds, die er dann veröffentlicht, wie sein neuestes Album „Utopia“, inzwischen das achte Studioalbum für Mark Romboys Label „Systematic Recordings“, beweist. Außerdem arbeitet der vielbeschäftigte DJ, Produzent und Software-Programmierer regelmäßig als Sounddesigner u. a. für Roland oder die Software-Schmiede Native Instruments, wo es demnächst ein neues „Rob Acid Sample Pack“ für „Maschine“ geben wird.

Schallwandler

Als Robert Babicz Anfang der 90er auf der Bilfdfläche erschien, war ich in derselben Kölner Szene unterwegs. Für mich war jede der Warehouse Partys und jeder Cosmic Orgasm (Na, wer findet mich auf dem Dancefloor?) ein neuer Lichtblick in meinem damals sonst eher trost- und vor allem noch ziemlich orientierungslosen Leben. So hangelte ich mich von Party zu Party, um meinen Körper im zuckenden Strobo-Gewitter und zu diesen fremden Acid-Klängen zu bewegen. Ich nannte das damals „Insektenmusik“. Zu der Zeit war mir auch noch ziemlich egal, wer da nun Musik spielte, Hauptsache, sie spielte, daher habe ich Robert oder auch Rob Acid nicht bewusst wahrgenommen, aber viele seiner Stücke sind mir bis heute in Fleisch und Blut übergegangen und haben mich damals in Ekstase versetzt. Mit dem Bewusstsein von heute wäre ich auf jeden Fall mal von der Tanzfläche zu ihm rüber gegangen, schon allein, um zu sehen, womit der diese aufregenden Klänge erzeugt .

Aber das konnte ich jetzt immerhin noch nachholen, wenn auch leider nicht persönlich von Angesicht zu Angesicht. Vor einigen Jahren hat Robert ja seinen Lebensmittelpunkt von Köln nach Malta verlegt. Und das ist ja jetzt nicht gerade nebenan und im Zuge dieser Challenge namens „Pandemie“ wäre es sicher auch keine gute Idee, von einem offiziellen Risikogebiet wie Berlin Kreuzberg auf die schöne Insel zu fliegen, um Viren zu verbreiten. Daher haben wir uns über Zencastr zum Quatschen im Internet verabredet und du kannst dich nun zu uns gesellen. Mit einem Ohr in Malta, mit einem in Kreuzberg und du mittendrin, jetzt in dieser Ausgabe vom Schallwandler:

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