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Schallwandler Podcast: Martin Kohlstedt

(Photo by Konrad Schmidt)
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Martin Kohlstedt stammt aus Breitenworbis in Thüringen, wo er 1988 das Licht der Welt erblickte. Sein Vater und sein Bruder spielten gern am Lagerfeuer akustische Gitarre, doch Martin fühlte sich schon früh eher von den Klängen eines alten, verstimmten Klaviers, das im Wohnzimmer stand, angezogen. Bereits als Dreikäsehoch haute er verzückt lauschend in die Tasten. Als Teenager besuchte er die Musikschule und mit achtzehn Jahren machte er seinen Klavieroberstufenabschluss. An der Bauhaus-Universität in Weimar studierte Kohlstedt zunächst Medienkunst/Mediengestaltung und machte parallel eine Ausbildung für interaktives Klavier. In dieser Zeit probierte sich Martin in verschiedenen Bandprojekten aus, u .a. spielte er von 2009 bis 2015 Keyboard in der Leipziger Elektro-Pop-Formation Marbert Rocel an der Seite von DJ Malik, Panthera Krause und der Spunk Sängerin Antje Seifarth.
Damals gründete Kohlstedt auch schon seine eigene Musikproduktionsfirma und veröffentlichte neben allerlei Kommerziellem auch Film-Soundtracks und Science-Fiction-Hörspiele. Sein Studium in Weimar brach er schon bald wieder ab und widmete sich seitdem komplett seiner Musik. 2012 veröffentlichte Martin Kohlstedt sein erstes Solo-Klavier-Album „Tag“.

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Zusammen mit dem Nachfolger „Nacht“, der zwei Jahre später erschien, entstand eine zusammengehörige Einheit, auf der die ersten 26 Jahre seines Schaffens verewigt wurden.Seine Stücke sind, wie er selbst sagt, nie abgeschlossen, sondern entwickeln sich mit jedem Konzert weiter. Auch heute spielt Martin Kohlstedt live immer wieder Stücke und Themen von diesen beiden Alben, die er dann z. B. elektronisch instrumentiert oder neu interpretiert. Kohlstedt hat sich für diese Arbeitsweise ein „modulares Kompositionskonzept“ ausgedacht, in dem alle Module je nach Bedarf frei kombiniert werden können. Diese Methode stellte der junge Musiker 2017 im Rahmen eines TEDx-Talks in Aachen vor.

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Im selben Jahr erschien auch das dritte Studioalbum von Martin Kohlstedt „Strom“. Der Name war Programm, denn dies war seine erste Platte, auf der nicht nur rein akustische Klavierstücke zu hören waren. Stattdessen gab es mehrschichtige Kompositionen mit Klavier- und Elektronikkomponenten. Dann folgte im letzten Jahr „Ströme“, wo Kohlstedt sowohl neue als auch kompositorische Module seiner vorherigen Alben mit eigens dafür entwickelten und teilweise improvisierten Chor-Kompositionen zusammenführte. Der Leipziger GewandhausChor, mit dem Martin dafür zusammenarbeitete, „wirkt wie ein lebendiger, vielstimmiger analoger Synthesizer“, schwärmte der NDR Kultur-Redakteur Mischa Kreiskott.

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Nach Alben, die den Diskurs mit Elektronika und Chören als Gegenüber suchten, kehrt Martin Kohlstedt nun zurück zu seinen Wurzeln und spielt wieder Piano solo. „Flur“  heißt sein neuester Streich. Kohlstedt nahm das Album in seiner Dachgeschosswohnung auf, mit Blick auf Weimar, mit all den Vögeln, Winden, Regentropfen, dem Licht, mit der Geometrie und Tiefe, die diese Tage begleiteten und sich nun auf dieser Platte wiederfinden …

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Schallwandler

Es war ein etwas wolkenverhangener und dennoch recht milder Tag, als ich zum Interview mit Martin Kohlstedt aufgebrochen war. Mit meinem orangenen Hollandrad und meinem kanariengelben Sommermantel rollte ich als leuchtender Farbtupfer durch die graue Stadt von Kreuzberg nach Mitte. In den Räumen von Warner am Monbijou Park haben wir uns getroffen. Da Martin bei meiner Ankunft noch bei einem Telefoninterview war, saß ich zunächst Holunderbrause schlürfend und wartend in der Küche. Da ich jedoch die Promoterin bereits kannte und sie aufgrund des vorherigen Lock-Downs lange nicht gesehen hatte, plauderten wir unerwartet und erfreut von Frau zu Frau. Irgendwann war dann aber auch Martin so weit und wir haben uns in einen hellen, loungig eingerichteten Konferenzraum mit sehr hohen Decken zurückgezogen. Ich war etwas nervös und ganz angenehm überrascht, dass Martin meinen Vorschlag, sich doch auf den bunten Flokati am Boden statt in die weißen Lederpolster zu setzen, gut fand.
So saßen wir also wie die Blumenkinder am Boden, mit dem der Pandemie angemessenen Sicherheitsabstand, das Mikrofon vor uns auf dem Tisch und dann ging es auch schon los. Ich muss sagen, das war eine wunderbare Erfahrung. Es war eine höchst philosophische Unterredung und das ganz ohne Rotwein oder Rauchwaren. Na gut, das Licht hätte man noch ausknipsen können …Wir haben auf jeden Fall beim Reden Raum und Zeit vergessen und uns so gut unterhalten, dass die Promoterin irgendwann energisch an die Tür klopfte, da wir statt sechzig schon fast neunzig Minuten plauderten und Martin noch einen Termin hatte. Schade, ich hätte das Gespräch gern fortgesetzt. Aber vielleicht ergibt sich ja mal wieder eine Gelegenheit. Bis dahin könnt ihr ja erst mal diesem Dialog lauschen. Nur so viel, es geht ums Ganze und das Große. Ein existenzialistischer Talk unter anderem über das Dudeln zum Defragmentieren, Selbstkontrolle und die Zwischenräume der Routine …
Voilà, in dieser Episode vom Schallwandler. Viel Vergnügen!

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von Krause Manuela (manou)

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