Test
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20.03.2015

REON Driftbox R Test

Analoger Desktop Synthesizer

Krawall und Remmidemmi

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, den analogen Desktop Synthesizer REON Driftbox R einem Test zu unterziehen. Die Analogsynthesizer und Sequencer dieses kleinen Herstellers aus Japan sind (noch) echte Exoten und außerhalb Japans kaum zu bekommen. Wenn man den Gerüchten glauben darf, könnte sich das jedoch bald ändern: Man munkelt, dass REON in Roland einen namhaften Synthesizer-Hersteller als Vertriebspartner gefunden hat, der die Driftbox R demnächst auch hierzulande in den Handel bringen könnte. Immerhin wurde das Gerät in Japan schon einmal auf einem Messestand von Roland inmitten der AIRA-Serie gezeigt. Grund genug für uns, den kleinen Synthesizer auf die bonedo-Teststrecke zu schicken.

Die REON Driftbox R ist ein monophoner, analoger Synthesizer mit zwei VCOs, einem 24dB-Filter und einer Envelope. Analog heißt hier wirklich vollständig analog – es gibt noch nicht mal MIDI und die einzige Verbindung zur Außenwelt ist das gute alte CV/Gate. Zwar erlebt diese Technik zur Zeit eine Renaissance und es gibt wieder etliche kompatible Geräte auf dem Markt. Aber ist das Analogrevival tatsächlich schon soweit angekommen und klingt die Driftbox R so gut, dass man als digital verwöhnter DAW-Benutzer auf den Komfort von MIDI verzichten mag? Ich habe die REON Driftbox R ausprobiert und für mich eine Antwort gefunden.

Details

Gehäuse und Anschlüsse

Die REON Driftbox R steckt in einem kleinen Kästchen aus Metall mit einer Grundfläche von etwa 15 x 10 cm und findet damit in jedem Setup noch einen Platz. Das Gehäuse wirkt ausgesprochen stabil. Im Lieferumfang befinden sich vier Gummifüße zum Aufkleben. Die Oberseite ist eng bestückt mit griffigen Potis und Kippschaltern, die allesamt fest mit der Frontplatte verschraubt sind. Das Gerät hat einen gewissen Bastel-Charme – zum Beispiel ist der Drehwiderstand nicht bei allen Potis exakt gleich – aber die Verarbeitungsqualität scheint insgesamt zu stimmen.

An der Rückseite findet man die Anschlüsse, die ebenfalls vorbildlich verschraubt sind. Neben dem Anschluss für das Netzteil gibt es hier eine Klinkenbuchse als Audioausgang. Daneben befinden sich fünf Miniklinkenbuchsen für CV/Gate: Gate In/Out und drei CV-Inputs für die beiden Oszillatoren und das Filter. Das war's. Die Driftbox R besitzt weder einen MIDI-In noch einen USB-Anschluss, sodass sie ausschließlich über CV/Gate gespielt werden kann. In Verbindung mit analogem Equipment wie den anderen Instrumenten von REON – die Firma bietet eine Art Modularsystem aus verschiedenen solchen Boxen an – ist das kein Problem, in einem DAW-Setup schon eher. Um sie aus einer DAW anzusteuern, kommt ein MIDI-to-CV-Interface in Frage oder ein Synthesizer, der als solches arbeiten kann, z.B. der Arturia MiniBrute oder der neue ARP Odyssey.

Bedienfeld und Klangerzeugung

Das Bedienfeld der REON Driftbox R besteht aus 14 Potis, 13 Schaltern, ebenso vielen grünen LEDs und einem Trigger-Taster. Alles macht qualitativ einen guten Eindruck, erinnert gleichzeitig aber auf eine sympathische Weise an ein DIY-Projekt. Links geht es los mit den beiden Oszillatoren, die jeweils mit Potis für Frequenz, Lautstärke und Modulationstiefe ausgestattet sind. Beide lassen sich zudem mit je einem Schalter (High/Low) um eine Oktave transponieren, wobei der mit dem FREQ-Poti einstellbare Tonumfang sowieso schon sehr groß ist. Die VCOs können so langsam schwingen, dass sie auch als LFOs benutzbar sind.  

Die Wahl der Schwingungsformen erfolgt mit den WAVE-Schaltern. VCO1 liefert Sägezahn, Dreieck, Rechteck, Puls 75%, Puls 25% sowie weißes oder rosa Rauschen. Mit dem Schalter kann man durch diese Liste „steppen“ – bei jeder Betätigung wird die jeweils nächste Schwingung ausgewählt. Die darüber liegende LED zeigt die Auswahl durch Blinken in unterschiedlichen Geschwindigkeiten an. Das ist natürlich nicht gerade das komfortabelste Verfahren, aber bei der Driftbox R ist sowieso eher Hinhören und Ausprobieren gefragt und immerhin weiß man so, wann die Liste wieder von vorn anfängt. VCO2 lässt sich zwischen Sägezahn und Rechteck umschalten. Übrigens wurde glücklicherweise an einen CV-Link-Schalter gedacht, der die Steuerung beider Oszillatoren über einen gemeinsamen CV-Input ermöglicht. Pulsbreitenmodulation ist hingegen zu meinem großen Bedauern leider nicht möglich.

Mit den MOD-Potis und zwei dazugehörigen Schaltern kann man für beide Oszillatoren verschiedene Modulationen definieren. Bei VCO1 schaltet der Switch EG/FM zwischen einer Frequenzmodulation per Hüllkurve oder durch VCO2 um, deren Stärke mit dem Poti eingestellt wird.  

Bei VCO2 heißt der Switch SYNC/FM und ermöglicht die Synchronisation zu VCO1 oder die Frequenzmodulation durch ebendiesen.

Ihr merkt schon: Die Driftbox R verfügt trotz ihrer überschaubaren Eckdaten über allerhand extremes Klangpotenzial, allein schon durch die Modulationsmöglichkeiten der VCOs.

Es folgt nun ein Tiefpassfilter mit 24dB/Okt. Flankensteilheit, das über drei Potis für Cutoff, Resonanz und EG-Modulationstiefe verfügt. Zusätzlich lässt sich das Filter von beiden VCOs modulieren, was durch zwei Schalter aktiviert wird. Die Modulationstiefe ist jeweils vom Lautstärkepoti des betreffenden Oszillators abhängig.

Die einzige Hüllkurve der Driftbox R lässt sich per Schalter zwischen den Varianten Attack-Sustain-Release und Attack-Decay-Release umschalten. Ein weiterer Switch invertiert die Kurve, die auf die Frequenz des VCO1, den Filter-Cutoff und/oder den VCA wirken kann. Der Trigger-Button löst die Hüllkurve manuell aus.

Der VCA bietet ein Poti für die Hüllkurvenintensität, eines für die Gesamtlautstärke und einen HOLD-Schalter. Letzterer macht den Amp vom Gate-Signal unabhängig, sodass er permanent „geöffnet“ ist.

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