Test
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05.12.2017

Reloop RP-7000 MK2 Test

DJ-Plattenspieler

Reloop Reloaded

Rund drei Jahre nach dem RP-7000 haben Reloop ihrem Topmodell-Turntable ein Update verpasst. Der MK2 kommt mit 2,5 Kilo mehr Gewicht, einem resonanzärmeren S-förmigen Tonarm, einer neu gestalteten Tonarmbase und einem stärkeren Motor. Zwei Farben gibt’s, tiefschwarz-metallic und classic-silber. Zum Test steht das schwarze Modell auf dem Tisch.

Details

Im Lieferumfang befindet sich das Turntable-Chassis, der Plattenteller, eine Slipmat, ein Tonarmgewicht, die abnehmbare LED-Nadelbeleuchtung, ein abgewinkeltes Cinch-Kabel mit integriertem Massekabel, ein ebenfalls abgewinkeltes Stromkabel sowie das Handbuch. Ein Tonabnehmer ist nicht enthalten. Dem Testgerät lag ein Ortofon Concorde Reloop Pickup bei. Der Zusammenbau geht flott vonstatten und nach kurzer Justierung von Gewicht und Tonarmbasis ist der Turntable startklar.

Auf den ersten Blick folgt der Reloop RP-7000 MK2 dem klassischen Technics Turntable-Design. Alle notwendigen Bedienelemente sind am seit Jahrzehnten gewohnten üblichen Ort. Allerdings bringt der Reloop auch zusätzliche Funktionen und frischen Wind mit.

Wie schon der RP-7000 hat er einen zusätzlichen Start/Stopp-Taster, der bei vertikaler Aufstellung des Plattenspielers in der sogenannten „Battle-Position“ leicht erreichbar ist. Über die Buttons auf der Oberseite des RP-7000 MK2 kann zwischen den drei Geschwindigkeiten (33 1/3, 45 & 78 RPM) umgeschaltet werden. Außerdem gibt es einen Button zur Anwahl von Vorwärts- und Rückwärtslauf.

Alle Schalter kommen im „klassischen“, eckigen, metallgebürsteten Look daher. Die Beschriftung ist bis auf die Start/Stopp-Taster rot hintergrundbeleuchtet. Da hat DJ auch im dunklen Club sofort den Überblick über die Geschwindigkeit, die Pitchfader-Range, Reverse und Reset. Weitere Besonderheiten sind die beiden kleinen flachen Potis für Torque und Brake-Adjust. Die Anlaufgeschwindigkeit kann stufenlos zwischen „Classic“ und „Turbo“, das Bremsverhalten zwischen „minimal“ und „6 Sekunden“ geregelt werden.

Schon die erste Inkarnation des Reloop RP-7000 verfügte über einen starken Direktantrieb von 2,8 - 4,5 kg/cm. Der MK2 kommt nun mit einem noch stärkeren Motor daher, der stufenlos von 1,6 kg/cm bis 4,5 kg/cm eingestellt werden kann. Dadurch hat der RP-7000 MK2 sehr kurze Anlauf- und Bremszeiten und kann auch richtig schnelle Kreise ziehen. Die Auflösung des Pitchfaders wird per dedizierten Tasten von klassischen +/- 8 auf +/-16 Prozent verdoppelt und bei Druck auf beide Tasten sogar auf den sogenannten „Ultra-Pitch“ von +/- 50 Prozent umgeschaltet. Beim Umschalten wird sofort die neue Range übernommen.

Der Pitchfader ist nicht nullgerastert. Das ist erst mal schön, weil das Angleichen um einen gerasterten Nullpunkt herum erfahrungsgemäß einfach sehr nervig sein kann. Die einzige grüne LED leuchtet, wenn der Plattenspieler so ungefähr auf +/- 0 Prozent läuft. Aktiviert DJ den Reset-Button, wird die Platte unabhängig von der Pitchfader-Position mit der Originalgeschwindigkeit abgespielt.

Der Plattenteller wiegt gute 1,5 kg und ist von unten mit einer fetten Gummischicht bezogen. Er ist deutlich höher als der Plattenteller eines Technics-1210: 2,1 cm im Vergleich zu 1,4 cm. Grund dafür ist der durchgehende chromfarbene Ring, der sich unter den vier Stroboskopringen befindet. Der Mitteldorn ragt übrigens mit 1,5 cm kecke drei Millimeter höher hervor als beim Technics.

Das Gehäuse des Reloop RP-7000 MK2 besteht aus Metall-, Gummi- und Kunststoffelementen und wurde laut Hersteller zusätzlich versteift und beschwert. Das äußert sich in 2,5 kg Mehrgewicht im Vergleich zum Vorgänger. Dadurch soll der RP weniger anfällig gegenüber Vibrationen sein, die beispielsweise durch lauten Bass in der DJ-Booth verursacht werden.

Der Plattenspieler steht auf dicken schockabsorbierenden Plastikfüßen, die mit weichem Gummi gepuffert werden. Diese können natürlich einzeln in der Höhe eingestellt werden. Schick ist auch das neue Finish in Tiefschwarz- oder klassischem Silber-Metallic. Mit hochwertigem und unempfindlichem Lack veredelt, soll es besonders resistent gegenüber Kratzern sein. Wie robust das Finish tatsächlich ist, wird man erst in Jahren sehen.

Der S-förmige Tonarm mit hydraulischem Lift und Anti-Skating-Mechanismus steht statisch ausbalanciert auf einer neu entwickelten Tonarmbasis, die sich smooth justieren und dann auch per Verschlusshebel fixieren lässt. Der Tonarm selbst besteht laut Reloop aus besonders resonanzarmem, satinierten Material und kommt mit einem universellen Anschluss für Tonabnehmersysteme.

Die sehr helle LED-Nadelbeleuchtung aus Aluminium ist drehbar, sodass die Nadelposition auch im Dunkeln gut zu erkennen ist. Außerdem ist sie abnehmbar. Das ist erstmal superpraktisch, um auch im dunkelsten Club gut die Rillen zu sehen. Als Clubbesitzer und Equipment-Verleiher hätte ich jedoch auch Sorge, dass die Damen und Herren Gast-DJs nicht nur die Tonabnehmersysteme mitgehen lassen könnten, sondern auch noch gleich die Beleuchtung. Es ist manchmal eine böse Welt da draußen.

Rückseitig bietet der Reloop RP-7000 MK2 ein versenktes Anschlussfeld mit vergoldeten Cinch-Buchsen, einem Stromanschluss, einem Wahlschalter für 220 und 115 Volt und eine Erdungsschraube, die praktischerweise einen so dicken Schlitz hat, dass sie sich auch mit einer Münze drehen lässt.

Das mitgelieferte Cinch-Stereokabel mit integrierter Erdung und das zweipolige Stromkabel sind abgewinkelt, sodass der RP-7000 MK2 auch ohne geknickte Strippen in ein Case eingebaut werden kann. Mitgedacht! Reloops Plattenspieler kann sowohl am Phono- als auch am Line-Eingang des Mixers betrieben werden. Der entsprechende Wahlschalter befindet sich ebenfalls hinten.

Eingeschaltet wird der RP-7000 MK2 ganz Technics-like über ein gerädeltes Rädchen am Stroboskop-Türmchen. Dies ist dankenswerterweise von einer Schutzkante umrahmt, damit der Plattenspieler nicht versehentlich beim Scratchen oder Mixen ausgeschaltet wird.

Die Staubschutzhaube inklusive Scharniere ist übrigens optional für 55,- Euro erhältlich und wird an den rückwärtig dafür vorgesehenen Schraublöchern befestigt. Braucht man das? Eigentlich selten. Bei mir stehen die Technics auch zu 99 Prozent ohne Mütze herum. Ein Single-Puck fehlt ebenso. Klar, dort wo beim Technics die Mulde für den Puck ist, hat der Reloop seinen zweiten Start/Stopp-Schalter. Kann man nichts machen. Is’ so!

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