Gitarre Hersteller_Quilter_Performance_Amplification
Test
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13.08.2021

Praxis

Wo sich der Quilter Superblock UK schon mal auf die Fahne schreibt, den Sound im Stil der beiden Klassiker Vox AC 30 und einem JMP Marshall zu reproduzieren, habe ich den Miniamp mit in den Proberaum genommen und kurzerhand mit meinen originalen Amps aus den 70ern verglichen. Sowohl mein alter Marshall-Amp als auch der AC 30 sitzen in Topteilgehäusen, sodass ich die beiden Klassiker und den modernen Winzling an derselben 4 x 12 Box testen konnte. Eines vorweg: Das soll jetzt natürlich kein Vergleichstest werden, weil das extrem unfair wäre. Deshalb gibt es hier auch keine Vergleichs-Soundbeispiele. Mir ging es in erster Linie darum festzustellen, ob die versprochenen Marshall-und Vox-Tendenzen überhaupt erkennbar sind und ob das Pedal genug Durchsetzungskraft und Dynamik besitzt, um als Amp-Ersatz live überhaupt mithalten zu können. Im direkten Vergleich mit der unglaublichen Brachialität des 100 Watt JMP Marshall-Boliden sieht der Quilter Superblock UK natürlich alt aus, aber welcher Amp tut das nicht? Die eher kantige Marshall-Zerrstruktur haben die Ingenieure meiner Meinung nach aber ganz gut getroffen. Im Gegensatz dazu hat das Pedal klanglich und auch lautstärkemäßig weitaus mehr Ähnlichkeiten mit meinem alten Vox AC 30. Ich konnte es kaum glauben, welches Pfund das kleine Pedal erzeugt. Bei Clubgigs und "normalen" Rock/Top 40-Proben kann man hier locker mithalten. Erst wenn man es sehr weit aufreißt, tritt eine weiche Kompression ein, die relativ natürlich klingt. Hier befinden wir uns aber bereits in Lautstärkedimensionen jenseits von Gut und Böse. In Bezug auf seine Livetauglichkeit gibt es also schon mal Entwarnung, auch wenn ich das ehrlich gesagt so nicht erwartet hätte. Also auf ins Studio und ran an die Bouletten. Der Amp klingt bereits dann ausgewogen, wenn sich Treble, Mid und Bass in der 12-Uhr-Position befinden. Klar kann man die Frequenzen dann noch verfeinern, aber Klang- und Zerrstruktur bleiben erhalten.

Zuerst gibt es einen kleinen Überblick über die verfügbaren Gainreserven in den drei Modes AC Top, AC-Norm und 1979 JMP. Im ersten Soundbeispiel hört ihr das AC Top-Imitat zuerst mit dem Gain-Regler auf 9 Uhr, gefolgt von der 12-Uhr- und der Maximalstellung. Die verwendete Box ist eine 2x12 Vox mit Greenbacks, die nachträglich hinten verschlossen wurde. Als Mikro kommt ein SM 57 zum Einsatz.

Hier der AC Normal-Kanal mit denselben Gain-Einstellungen. Der Unterschied zwischen den beiden Einstellungen ist zwar nicht weltbewegend, aber grob gesagt klingt die Norm-Einstellung einen Tacken weicher.

Mode: AC-Top - Gain 9 Uhr / 12 Uhr / Max.Mode: AC-Top - Gain 9 Uhr / 12 Uhr / Max.

Die vom Marshall inspirierte Einstellung bringt den aggressivsten Sound, der mir mit viel Gain im Proberaum am besten gefallen hat. Beim Einspielen der Audios für diesen Test fand ich ihn zwar fast schon zu hart, aber im Bandkontext und im Playback setzt man sich mit etwas mehr Biss oft deutlich besser durch.

Die beiden integrierten Speakersimulationen klingen im Gegensatz zu einer richtigen Gitarrenbox weitaus flacher. Der Sound kann vom Toningenieur bei Bedarf mit dem EQ aber noch nachgebessert werden. Hier die Cab-Sim "Norm" mit den drei Ampmodellen in folgender Reihenfolge: Zuerst hört ihr den AC Top, gefolgt vom AC Norm und dem Marshall. Klangregelung und Gainregler stehen hier auf 12 Uhr.

Hier noch einmal dasselbe mit der britischen Speakersimulation, die ganz anders daherkommt, denn hier klingt es deutlich schlanker und obertonreicher. Einmal davon abgesehen, welche der beiden eingebauten Simulationen man bevorzugt, spielt auch im richtigen Leben der verwendete Lautsprecher eine unglaublich große Rolle, denn er ist das Nadelöhr, das den Sound des Amps erst hörbar macht. Je mehr Gain, umso stärker färbt der Speaker bzw. die Gitarrenbox den finalen Sound. Darum sind die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Gitarrenlautsprechern bei cleanen Sounds sehr viel geringer als bei High Gain-Einstellungen.

Die Klangregelung arbeitet ähnlich wie bei einem richtigen Röhrenamp. Sie ist weder zu extrem noch zu lasch und man kann den Sound in gewissen Maßen an seine Bedürfnisse anpassen. Hier gehe ich die Klangregelung einmal komplett durch und beginne mit dem Treble-Regler, gefolgt vom Mid-Regler und dem Basspoti. Zu hören sind immer die drei Einstellungen 9 Uhr , 12 Uhr und 16 Uhr.

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