Software
Test
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24.01.2019

Plugin Alliance SPL Iron Test

Mastering Compressor Plugin

Virtuelles Eisen!

Läuft bei Plugin Alliance. Vor Kurzem erst der Release von Elysia Phil's Cascade, dann schon der SPL IRON. Und wenn man denkt, die machen jetzt nur noch „richtige Hardware“, kommt eine NAMM 2019 Meldung, dass bald auch Software-Synthesizer kommen. Das wird spannend!

Aber zurück zum Tagesgeschäft: Kompressoren. Kann man nie genug haben. Und der SPL IRON ist ein ganz besonderer Verdichter, nennt sich selbst ja schon Mastering Compressor. Und der macht eindrucksvoll laut, ohne auch nur einen Anschein von Anstrengung zu zeigen oder gar zu pressen. Er wird von mir seit seinem Erscheinen vor rund drei Jahren deshalb auch äußerst geschätzt und geliebt – in meinem Studio ist er mittlerweile die erste Anlaufstelle, wenn es raus in die analoge Welt geht. Umso gespannter war ich, was das Plugin kann!

 

Details

Allgemeines von der Modeling-Front

Plugin Alliance versteht sich vor allem als Lieferant von Plugins, die alte und teure Hardware emulieren; ähnlich wie bei Universal Audio, nur eben ohne deren DSPs. Das Preissegment ist bei beiden ähnlich hoch – manchmal gibt es sogar Überschneidungen, wie beim Brainworx bx_masterdesk und eben auch bei SPL. Den IRON gibt es bisher aber nur nativ.

Das Original ist das Original

Der SPL IRON ist zwar ein noch recht junger Erfolg, aber bereits jetzt ein Klassiker. Man könnte sogar besser sagen, Neo-Klassiker, da er das „old but gold“ Variable-Bias- aka Vari-Mu-Prinzip – was man seit dem Fairchild kennt – äußerst erfolgreich mit modernen Ansätzen kombiniert. Im Ergebnis ist der 4 HE Bolide äußerst flexibel und dabei sehr, sehr „clean“.

120 Volt, Dual-Tube und ordentlich Eisen im Weg

Das liegt zunächst an der proprietären 120-Volt-Technik von SPL, die Headroom ohne Ende gibt und auch kein Rauschen oder Verzerrungen kennt. Ergänzt wird das vom erfolgreich angewandten Dual Tube Prinzip, das pro Kanal zwei Röhren parallel betreibt, um die Regelcharakteristiken der optimierten Arbeitsbereichen zu mischen, namentlich eine 12AX7 im Sharp-Cutoff und eine 12AU7 im Remote-Cutoff. Abgeschmeckt wird das Ganze von eigenen Übertragern in den Ein-und Ausgängen, die aus Eisen sind und sich für die Namensgebung verantwortlich zeichnen. So viel zu den Besonderheiten „unterm Blech“.

Komplexer Sidechain, purer Audiopfad

Die „offensichtlichere“ Besonderheit ist der extrem umfangreiche Steuerspannungsweg (Sidechain) der rückwärtsgerichteten Regelung. Der Gleichrichter kennt dabei unterschiedlichste Dioden und Dioden-Kombinationen, die das Regelverhalten umfangreich beeinflussen – aber eben nicht den Klang an sich, weil der Audioweg grundsätzlich frei von diesen Elementen und puristisch gehalten ist. Zusätzlich gibt es zuschaltbare, fixe EQ-Kurven, Marke Wolfgang „Wolf“ Neumann, für den Sidechain sowie einen External Sidechain, um die Detektion noch gezielter oder von außerhalb zu beeinflussen. Simpel gesprochen: Weniger Bass im Steuerspannungssignal bedeutet weniger Kompression durch Bass im Audioweg.

Die Sidechain-EQ-Kurven und auch die Dioden („Rectifier“) können auf der Front umgeschaltet werden (Germanium, Silizium, LED und Germanium-Silizium-Kombination), kennen aber außerdem noch ein eigenständiges und vorwärtsgerichtetes Opto-Element, das in seiner Ergänzung die Spitzen im Sidechain abfängt. 

Auch der Tube-Bias lässt sich dreistufig verändern, wodurch der Arbeitspunkt der beiden Röhren verschoben werden kann. Attack und Release kommen auch deshalb ohne Zeitwerte aus, weil diese eben programmabhängig sind und damit ständig variieren – vor allem aber in Kombination mit den unterschiedlichen Gleichrichtern. Naja, und das alles und noch viel mehr versucht auch die Plugin Alliance zu emulieren.

1:1 und mehr

Die GUI des Iron Plugins bildet grundsätzlich alle Optionen des Originals ab. Den bisher unerwähnten Rest möchte ich jedoch nur noch nennen, da grundlegenden Elemente einem Interessenten für solch einen Boliden geläufig sein müssen: Neben Attack, Release und Threshold kennt der Iron für das korrekte Gain-Stageing also auch noch einen Input- und Output-Regler sowie ein zwischen Pegel und Reduction umschaltbares, ziemlich großes VU-Meter. 

Den mittigen Bypass und Auto-Bypass ( Host-Sync-bar) muss man auch nicht weiter erklären. Die kleinen Air Bass und Tape Roll Off Kippschalten hingegen vielleicht schon: Es handelt sich hierbei um fixe, passive EQ-Kombinationen in Form einer Hifi-Badewanne (max. +2 dB) und eines sanften High Roll Offs (-3 dB @ 18 kHz) zur subtilen Abrundung der Kompression bzw. Kompensation.

1 HE bx Extras

Der 4 HE IRON wird von einer weiteren Höheneinheit Extras in SPL Bonbon-LED-Optik garniert, auch wenn Brainworx dran steht und auch drin ist. Dazu zählen zunächst mal der Parameter-Link und der optionale M/S Mode, weil die Kiste ja nun mal ein Dual Mono Compressor ist, auch wenn bei einem Plugin niemand auf die Idee kommen wird, ihn wirklich Dual Mono zu nutzen. Bei der Hardware gibt es „nur“ einen Sidechain-Link – keinen „alle Parameter“-Link wie hier zusätzlich, was bedeutet, dass beim Original trotz Link Input und Output getrennt eingestellt werden können bzw. müssen. Mit Parameter-Link muss bzw. kann man das auch nicht.

Dass beide Link-Funktionalitäten in das GUI gepackt wurden, zeigt vom übermütigen Spieltrieb der Entwickler und wird nur von dem Farbwahl-Schalter (Red, Black, All Black) getoppt. Einen Zoom gibt es jedoch nicht, wirklich schade. Und nur für den Fall dass ihr euch wundert: Ja, mein IRON ist höchstwahrscheinlich ein Einzelstück: „All Black“, aber trotzdem mit gelben VUs, weil mir die dunklen „in echt“ zu schlecht lesbar waren. Bei mir gilt: Form folgt Funktion. So hat wohl jeder seinen Spleen. 

Definitiv nützlicher als die Dreifaltigkeit der Farbspiele ist der bx-Monomaker, der unterhalb seines Grenzwertes alles mono macht, was in der Praxis äußerst hilfreich ist, genau wie das optionale Sidechain-Filter, der zusätzliche Stereoweiten-Regler und die Parallel-Mix-Funktion. 64 Preset-Speicherplätze, 34 Presets, A/B/C/D-Variationen, Undo/Redo, Copy/Paste, Reset und Solo M/S runden den Funktionsumfang ab.

TMT Inside

Mysteriös mutet nur noch nur das TMT Feature der linken Seite an. Es ist aber schnell erklärt, wenn man mal ins Handbuch lukt oder sich an meinen bx_masterdesk Test erinnert. Die „Tolerance Modeling Technology“ versucht Bauteile-Schwankungen einzufangen, denn „in echt“ klingt ja auch keine Hardware-Kiste wie die andere. Sie variieren alle immer ein wenig, egal wie Premium der Hersteller ist. Ein Plugin hingegen klingt immer gleich. Warum also nicht mal zwanzig verschiedene Bauteil-Variationen in ein Plugin ballern? Eben. Möchte man also 10 Instanzen vom virtuellen Iron nutzen, muss man sich nicht schnöde wiederholen und kann auf jede Spur eine andere „Seriennummer“ packen – für den subtilen Unterschied, Sie verstehen.

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