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Test
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10.02.2015

Pioneer XDJ-1000 Test

Multimedia-Netzwerk-Player

Touch-and-Play im Netzwerk-Verbund

Pioneer XDJ-1000 ist ein Multiformat-Media-Player mit integriertem, berührungsempfindlichen 7-Inch-Farbdisplay, großem Jogwheel und umfassender Netzwerk-Unterstützung. Zudem ist er ein vollwertiger MIDI/USB/HID-Controller, der sich nahtlos in ein vorhandenes Serato-System einfügt. Audiodateien nimmt er wahlweise via USB-Medium, proprietärer Netzwerkverbindung mit anderen Pioneer-Playern oder WiFi-Stream aus der Rekordbox-Software entgegen. Ein CD/DVD-Laufwerk sucht man vergeblich, denn ansonsten wäre die Typbezeichnung ja folgerichtig „CDJ-1000“ – und dieses DJ-Tool gibt es ja schon einige Jahre.

Der XDJ-1000 von Pioneer ist also nicht nur ein „Auflegewerkzeug“, sondern auch eine Positionsbestimmung dahin gehend, wie sich die „Auflegepraxis“ weiter entwickelt. Er kostet 989 Euro und ist Gegenstand dieses Testberichts.

Details

Ohne jetzt ins Philosophische abdriften zu wollen, lässt sich festhalten, dass die Begriffe „DJ" und „Technik" sehr gut zusammengehen. So gut, dass am Ende eine gewisse Bedeutungsschwammigkeit zwischen der zum Einsatz gebrachten Technik und der vom DJ ausgeführten Auflegetechniken entsteht. Neusprachliche Szenekenner behelfen sich hier gerne mit der Unterscheidung in DJ-Technologie und Technique (entlehnt dem legendären Hip-Hop-Track von Eric B & Rakim „Don't sweat the technique“ von 1992). Wohingegen Letztgenanntes das DJ-Handwerk oder die „Skills“ bezeichnet, steht Erstes quasi für die Plattform, derer sich der Musikdienstleister für seine Darbietung bedient. Hier kommt nun der XDJ-1000 ins Spiel, der dem DJ nicht nur eine Plattform stellt, sondern auch manches ehemalige „Skill“ auf Tastendruck abruft.

Auspacken

Dem Karton entnehme ich den Player selbst, ein Cat.5-Netzwerkkabel, ein Strom- und Stereo-Cinch-Kabel und eine Kurzanleitung. Die vollständige, mehrsprachige Anleitung können Interessenten bei Bedarf in Eigenregie von der Pioneer-Website herunterladen.

Erster Eindruck

Der XDJ-1000 fügt sich nahtlos in das vom Flaggschiff-Player CDJ-2000NXS vorgegebene Design-Konzept ein, sodass auf den ersten Blick eine Verwechslung durchaus möglich ist. Denn auch die Abmessungen entsprechen mit 305 (Breite) x 382,5 (Tiefe) x 110 Millimetern (Höhe) exakt dem großen Bruder. Mit seinen 3,3 Kilo vermittelt der XDJ-1000 vom ersten Augenblick an das gute Gefühl, ein „Erwachsenenspielzeug“ zu sein – mit einer Ausnahme: dem Jogwheel. Diesem attestierte ich schon beim CDJ-2000 ein gewisses Understatement. Besonders dem Umstand, dass die Berührungserkennung über einen Schalter und nicht etwa über den Körperwiderstand erfolgt.

Dass ich die Plastik-Haptik trotzdem gerne mag, liegt neben der präzisen Kontrolle, die mit dem Jogwheel möglich ist, auch daran, dass von ihm etwas Einladendes, ja Spielerisches ausgeht. Ein bisschen so, wie man auch als Erwachsener gerne noch Star-Wars-Sachen in die Hand nimmt.

Auffällig ist im Vergleich zum „Zweitausender" das merklich aufgeräumtere Bedienfeld des XDJ-1000, was vornehmlich daran liegt, dass einige Taster wie Hotcues oder auch die Needle-Search-Bar nun in das berührungsempfindliche Display gewandert sind, das neben dem 203-Millimeter-Jogwheel natürlich der Blickfang des Geräts ist. Und nun ist eben endlich auch das möglich, was man sich im Stillen eigentlich schon für den CDJ-2000 gewünscht hat: Touch-Bedienung. Diese haben Pioneer, so viel sei schon mal verraten, tadellos umgesetzt, denn das Display reagiert schnell und verlässlich auf jeden Anwender-Input, wozu sicherlich auch das gute Screen-Design seinen Beitrag leistet.

Anschlüsse

Der Blick auf die Rückseite offenbart die Anwesenheit von Remote-Start (Miniklinke), Strombuchse, Stereo-Cinch-Ausgang, Kensington-Lock, CAT5-Ethernet- und USB-Buchse sowie Power-Taster. Der Ethernet-Verbindung kommt, neben der Konnektivierung von mehreren Playern untereinander, auch die Aufgabe zu, die Verbindung zu einem optionalen WiFi-Access-Point herzustellen. Somit dürfen Mobilgeräte (iOS/Android) mit Rekordbox auf den Player zugreifen. Die USB-Buchse ermöglicht die direkte Rechneranbindung, wo sich der XDJ-1000 als HID/MIDI-Gerät und 24-Bit Soundkarte zu erkennen gibt, die mit einer maximalen Samplingfrequenz von 48 kHz arbeitet.

Pioneer Rekordbox 3

Pioneer lassen offenkundig keinen Zweifel daran, dass sie ihre Software für das Playlisten-Management „Rekordbox“ so langsam zum iTunes für Pioneer-DJs machen wollen. Ob auf der Website, dem Karton oder in der Bedienungsanleitung, alles ist voll mit Hinweisen auf das Verwaltungs-Tool. Mit Rekordbox lassen sich nicht nur Playlisten, Tags, Hotcues, Loops und Beatgrids erstellen und modifizieren, sondern zudem auch Musikstücke direkt auf angebundene Pioneer-Laufwerke laden. Die Qualitäten der Software gar nicht in Frage stellend, wäre es natürlich wünschenswert, wenn Pioneer-Geräte beispielsweise auch Meta-Informationen von Traktor problemlos lesen würden. Hinzu kommt, dass die Registrierung von Rekordbox den Anwender automatisch auch bei „Kuvo“ anmeldet, einer Social-Media-Plattform von Pioneer, auf der sich DJ-Profile, Mixe, Playlisten, Kluberfahrungen und Fotos publizieren und betrachten lassen.

Rekordbox ist in der aktuellen Versionsnummer 3.2 zu einer mächtigen Software für die Set-Vorbereitung und das Playlisten-Management herangewachsen. Die Möglichkeiten reichen hier von individuellem Tag-Management, der iTunes-Integration, Daten-Synchronisation und Backups auf verschiedene Medien und Endgeräte, über Inline-Preview, Hotcue- und Grid-Modifikation bis hin zu musikbasierten Titelvorschlägen und einem integriertem Dual-Deck-Mixer zum Testhören von Übergängen. Das übrigens auf Wunsch auch im automatischen Beat-Sync. Letztlich fehlt hier nicht mehr viel (EQ, Mixer, Effekte und Controller-Integration) und Rekordbox wäre eine vollwertige DJ-Software, die problemlos gegen ein Traktor oder Serato antreten kann.

Kurz: Pioneer schaffen hier einen großen Anreiz und einen echten Mehrwert, um DJs zur Rekordbox-Migration zu bewegen und ich bin mir fast sicher, dass dies das eigentliche Ziel der Übung ist. Also weniger das altruistische Vorhaben, dem DJ eine kostenlose Management-Software an die Hand zu geben, sondern mehr, ihn durch die Benutzung eines bestimmten Systems und Workflows an das Produkt und somit auch an den Hersteller zu binden. Aber gut – das wollen eh alle.

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