Test
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12.04.2017

Praxis

Für den Praxistest wird der Mixer wird mit zwei Pioneer-PLX500 Turntables verkabelt, die im Handel für etwa 350 Euro in den Farben schwarz und weiß erhältlich sind und sich gut in das Preissegment des DJM-250MK2 einreihen. Dazu gesellen sich ein MacBook Pro und der DDJ-SP1 MIDI-Controller (hier im Test). Rekordbox ist von Pioneers Internetpräsenz zu laden. Für Windows gibt es eine 32- und 64-Bit Variante, außerdem steht eine MacOS-Version bereit und selbst eine iOS-App ist verfügbar.

Das für rekordbox dvs erforderliche RB-VS1K Control-Vinyl ist nicht Bestandteil des Lieferumfangs, sondern separat zu erwerben. Das mag daran liegen, dass der DJM-250MK2 natürlich auch für Besitzer von Pioneers XDJs, CDJs MIDI-Controllern oder Dritthersteller-Software interessant sein könnte und nicht nur für „Vinylisten“. Wer allerdings Control-Vinyls benötigt: Die kosten etwa 32 Euro im Doppelpack.

Nach dem Hochfahren wird rekordbox dj über das Konfigurationspanel aktiviert, wo sämtliche Seriennummern, auch potenziell erworbener Erweiterungen eingegeben werden können.

rekordbox dj

Was einst als Vorbereitungssoftware für Pioneers CDJ-Line-up begann, hat sich mittlerweile zu einer vollwertigen DJ-Software gemausert, die im Funktionsangebot zu den Platzhirschen aufschließt. Die Musikverwaltung - hier der vollständige Test und ein Workshop zum Thema Track-Prepping von Broombeck - ist sehr umfangreich. Für  das Live-Remixing gibt es zahlreiche Tools, darunter Hotcues, Beatjumping und Slicer oder DJM-Effekte, also Beat, Color und Release FX. Dazu gesellt sich ein Sampler und die Möglichkeit, Videos zu mischen.

Im Konfigurationspanel von rekordbox dj legt man fest, ob ein CDJ- oder Turntable-Setup verwendet wird und wie das Kanal-Routing erfolgen soll. Im DVS-Betrieb erlaubt rekordbox den absoluten und relativen Abspielmodus. Erstgenannter orientiert sich an der Laufzeit der Schallplatte und ermöglicht präzise Needledrops auf dem Vinyl, das im Minutenschnitt gefertigt ist. Bedeutet: zehn Tracks auf Seite A (Laufzeit 10 Min.) und 15 Tracks auf Seite B (15 Min.). Sync-, Hotcue- und Slicer-Aktionen etc. sind diesem Fall gesperrt. Im relativen Modus nicht, dafür hat das Versetzen der Nadel keine Auswirkung. Neigt sich das Timecode-Vinyl vor dem Musikstück dem Ende zu, schaltet rekordbox in den internen Abspielmodus.

In the mix

Die Quellenauswahl erfolgt mittels Schalter über dem Kanalzug. Der Wechsel zwischen Software-Decks und Turntables im laufenden Betrieb ist kein Problem. Apropos Turntables: Pioneer empfiehlt den Mixer in Kombination mit rekordbox auch als Tool, um sein Schallplattenarchiv zu digitalisieren. Das lässt sich am besten mit kleinem Besteck - dem Export-Modus – bewerkstelligen. Die Aufnahmequalität ist sehr ordentlich.

Ob digital oder analog, das Mixen mit dem Pult macht Laune. Der DJM-250MK2 fühlt sich sehr wertig an. Sanft gleitende Linefader treffen auf angenehm drehende Equalizer, die eine Anhebung der Mitten, Höhen und Bässe um musikalische 6 dB erlauben oder das jeweilige Signal entgegen den Uhrzeigersinn gedreht komplett auslöschen. Das ist zwar anders als beim benachbarten DJM-9000NXS2 beispielsweise, denn hier steht auch ein klassischer 26-dB-Cut zur Verfügung, aber nicht wenige User dürften - sollten sie sich entscheiden müssen - Kill-EQs bevorzugen.

Im Zentrum sind zwei neunsegmentige LED-Ketten zur Pegelvisualisierung der beiden Hauptkanäle (-24 bis + 12 dB) verbaut, für den Master ist ein Stereometer vorgesehen, über dem eine Clipping-Anzeige thront. Alles ampelfarbcodiert versteht sich und ausreichend lang, wie ich finde. Darunter laden die beiden großen silberfarbenen Knobs zum Schrauben ein. Sie bedienen den Cutoff des Kombifilters, also rechts Hipass, links Lowpass, und werden statt via Drehung per Einschaltknopf scharf geschaltet, der länger festgehalten auch als Wake-Up dient.

Damit man noch mehr Einfluss auf die Klangcharakteristik hat, offeriert der neue Parameterregler links außen, der genau wie die Filter-Knobs und EQs mit gerasterter Mittenstellung nebst Markierungsnabe aufwartet, eine Resonanzanpassung. Wie das klingt, verraten die nachstehenden Audiodateien. Obendrein lässt sich eine Effektsektion aus rekordbox dj via USB-Send/Return nutzen.

Scratchern dürfte das Crossfader-Upgrade entgegenkommen, denn nun setzt Pioneer wie beim DJM-900NXS2 den hauseigenen, butterzarten Magvel ein. Dem kontaktfreien Magnetsystem attestiert Pioneer eine Haltbarkeit von Millionen von Fades. Der Cut-in liegt bei etwa drei Millimetern, eine Schnellwechselvorrichtung ist nicht vorgesehen. Wer den Crossfader nicht benutzt, kann ihn deaktivieren. Das hier verbaute Exemplar ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Magvel „Pro“, der ist nur beim S9-Battlemixer (1799 Euro) an Bord und erlaubt unter anderem eine Anpassung des Feelings sowie die Auswahl unterschiedlicher Gummieinlagen als Rückpralldämpfung.

Mikrofon und Aux

Wer gelegentlich zum Mikrofon greifen muss, bekommt in der entsprechenden Sektion neben dem Pegelregler noch einen Tone-Knopf (Höhen/Tiefenanpassung) an die Hand, Einschaltknopf und Clip-LED wären schön gewesen. Eine Talkover-Absenkung wird in dieser Preisklasse nicht erwartet.

Darüber logiert der Aux-Regler. Der Hilfskanal kann über die rückseitigen Cinch-Inputs gefüttert werden, beispielsweise um eine Sample-Station wie Pioneers Toraiz-SP16 anzuschließen oder auch ein Tablet et cetera. Das Signal wird auf den Master gemischt. On Top lässt sich hier auch der USB-Kanal 5/6 einspeisen, beispielsweise der rekordbox Sampler. Klangliche Anpassungen via EQ sind nicht vorgesehen, der Tone-Knopf ist ausschließlich für das Mikrofonsignal zuständig.

Unterm Strich bietet Pioneers DJM-250MK2 all die Eigenschaften, die man von einem Battlemixer dieses Typs erwartet. Dabei leistet sich das Gerät auch in den Punkten Klang und Verarbeitung keinen Schnitzer. Wer mehr als digitale Tracks aus rekordbox dj mit Plattenspielerunterstützung mischen will, sollte sich allerdings Regelwerk jenseits der Computertastatur und Maus zulegen, etwa den DDJ-SP1, der sich als guter Partner für den DVS-Betrieb erweist.

Wer bereits über ein anderes Gerät verfügt, kann die Bedienelemente über den rekordbox MIDI-Mapper mit Befehlen belegen, das geht gut von der Hand. Ebenso lässt sich ein Tablet mit geeigneter Controller-App verwenden, derer wir hier einige vorgestellt haben. Seitens Pioneer gibt es aktuell zwar die Apps rekordbox und remotebox, die unterstützen jedoch ausschließlich die Geräte CDJ, XDJ, R1 und Aero. Weitere Tipps zu rekordbox dj findet ihr in unserer Crashkurs-Serie.

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