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Test
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03.09.2019

Pioneer DJ Toraiz SQUID Test

Multitrack Hardware Sequenzer

Schaltzentrale für alles, was USB, MIDI, CV/Gate, DIN Sync und Clock versteht

Pioneer DJ hatte sich mit dem Toraiz SP16 Sampler und dem Toraiz AS-1 schon weit aus der DJ-Booth herausgelehnt und leistungsstarke Produktionsmaschinen gebaut, die durchaus andere Wege gingen, als die etablierte Sequenzer-Konkurrenz, aber immer auch auf das Zusammenspiel mit dem DJ-Equipment der Firma bedacht waren. Nun legen die Japaner nach und den Toraiz SQUID vor, einen Multisequenzer ohne eigene Klangerzeuger und ohne weitere Einbindung ins Pioneer DJ-Biotop. Ja, selbst der Name „Pioneer“ fehlt auf dem Gerät, so als wäre nun „Toraiz“ der alleinige Markenname für die Studioequipment-Sektion.

Der SQUID (englisch für Kalmar) hat aber auch tatsächlich das Zeug dazu, zu einem Standardwerkzeug im Hardware-Sequenzer-Bereich zu werden, soviel darf schon verraten werden.

Details

Vorweg: Der Toraiz SQUID enthält selbst keine Tonerzeugung: Er ist ein reiner 16-Track-Hardwaresequenzer, an den Klangerzeuger aller Art angeschlossen werden. Dazu hat das kompakte pultförmig angeschrägte Gerät sämtliche notwendigen Anschlüsse an Bord, um von Prä-MIDI-Geräten der 1970er Jahre bis hin zu Laptop Plug-Ins jedwede Synthesizer anzusteuern oder Drum-Maschinen zu synchronisieren.

Auspacken

Im bunten Karton finden wir neben dem SQUID nur noch eine Schnellstartanleitung und ein 5V-Netzteil, dass ganz international eine Stromzufuhr von 100 bis 240 Volt akzeptiert. Der SQUID kann auch USB-powered betrieben werden, die einzige Einschränkung ist, dass die Buttons und das Display dann weniger hell leuchten. Dabei ist das Gerät so robust, dass das Netzteil abgezogen und auch wieder angesteckt werden kann, wenn der SQUID am Laptop hängt, ohne das es Probleme gibt.

Der ca. 37,5 x  72  x 24 cm große und 1,9 kg leichte Hardwaresequenzer wirkt auf den bisher bekannten Photos größer, als er dann tatsächlich erscheint, wenn er erst mal auf dem Tisch liegt. Wahrscheinlich, weil aufgrund der dominant wirkenden 4 x 4-Padmatrix gleich Assoziationen an Größenverhältnisse á la Akai MPC und NI Maschine aufkommen. Der SQUID ist also ein erfreulich kompakter Kalmar*.

(*Kalmar: Deutsche Übersetzung für den namensgebenden maritimen Zehnkopffüßler, der als Grillspeise in Japan große Beliebtheit genießt)

Der Toraiz SQUID macht auf Anhieb einen sehr gut verarbeiteten Eindruck. Die mattschwarze, griffig-gummierte Oberfläche des soliden Plastikgehäuses fühlt sich sanft und wertig an, aber auch Staub, Schmutz und Fingerabdrücke haften gut darauf. Neun Endlosregler dienen zum Erstellen und Manipulieren von Sequenzen, ein weiterer Endlosregler mit Push-Funktion steuert die in den beiden OLEDs dargestellten Menü-Punkte.

Aufbau

Grob gesagt besteht der SQUID aus drei Sektionen: Oben die Ebene für Transport und Logistik, rechts die Produktionsstätten für die Sequenzen und links die Kreativabteilung zum Verändern der Sequenzen während einer Performance. Es gibt erfreulich wenige Doppelfunktionen, die über die Shift-Taste ganz oben links aufzurufen wären, das Meiste befindet sich im direkten Zugriff: Start/Stop/Record und ein Tap-Button.

Kehrseite dieses einfachen Zugangs sind die 65 Sub-Menüs, durch die sich User per Endlosregler scrollen muss, um globale Einstellungen zu tätigen. Das reicht von den Projektsettings (Laden, Speichern, Löschen, etc.) über gerätespezifische Einstellungen (Display, Pads, CV/Gate, Sync, Clock, MIDI), über Einstellungen für den Randomizer, bis hin zu den „Etcetera Settings“ wie Systeminfo (Version 1.1.1), die Auskunft über den verbleibenden Speicherplatz, der bis zu 128 Projekte und 1.600 möglichen Patterns gibt, und das mögliche Abschalten des automatischen Abschaltens.

Ja, der SQUID schaltet sich nach vier Stunden Nichtnutzung automatisch ab, und erfüllt damit aktuellste EU-Richtlinien, verliert dann aber auch alle bis dahin programmierten Projektdaten. Diese Funktionen habe ich sofort deaktiviert. Eine Auto-Save-Funktion habe ich übrigens nicht entdeckt, gelegentliches Zwischenspeichern ist also durchaus empfehlenswert. So nervig das Scrollen durch so viele Menüpunkte auch sein kann, allzu oft sind solche Settings nicht notwendig und so sind zumindest alle Einstellungen an einem zentralen Ort zu finden, und müssen nicht lange gesucht werden.

Die beiden OLED-Screens sind zwar mit jeweils 3,6 x 1,5 Zentimetern ziemlich klein, allerdings aus jedem Winkel gut ablesbar und gestochen scharf, sodass ganz rechts auch die Nummern des aktuell angewählten Tracks, Patterns und dessen Triggerbelegung zumindest für Menschen mit Adleraugen einwandfrei dargestellt werden.

Anschlüsse

In den Settings werden auch diverse Optionen für die einzelnen Anschlüsse geschaltet. Und die Rückseite des SQUID ist voll davon. Hier findet man zwei DIN Sync-Anschlüsse zum Synchronisieren von Geräten wie Roland TB-303/TR-606/TR-808. DIN Sync 2 kann hier als Eingang oder zweiter Ausgang dienen. Pro Ausgang kann eine Sync-Rate von 24 oder 48 angewählt werden. Daneben finden sich Ein-und-Ausgang für Clock-Signale, z. B. von einem Modularsystem. Für Eingang wie Ausgang ist die Polarität und ein Einstellwert von 1ppqn, 2ppqn, 4ppqn, 24ppqn oder 48ppqn schaltbar.

Weiter auf der Rückseite gibt es noch zweimal CV- und Gate-Ausgänge, die im Global Menü auf folgende Spannungen konfiguriert werden können: V/Oct -5V, V/Oct 10V, V/Oct 5V, V/Oct 2V, V/Oct 1V und Hz/V 8V. Der passende Wert für meinen Roland SH-101. Diese Einstellung, V/Oct 5V, war bereits in den Grundsettings vorgegeben. Die nächsten rückwärtigen Anschlüsse sind das übliche MIDI-Trio in DIN-Größe, es sind also keine fummeligen Adapter notwendig, danke dafür. Der Thru-Port kann als zweiter Ausgang definiert werden.

Abgerundet wird die Rückseite durch den 5V-Stromanschluss und einen USB-B-Port zum Verbinden mit einem Computer. Dann taucht der SQUID als MIDI-Device in die Voreinstellungen der DAW ein und kann ziemlich tief in den Workflow der DAW eingebunden werden.

Was mir im Detail gut gefällt: Die einzelnen Anschlüsse sind auch auf der Oberseite in dezenter Schrift vermerkt, sodass das Stecken der Kabel auch ohne Blick auf die Rückseite möglich ist. Gerade bei Sessions, in denen des Öfteren mal umgekabelt wird, ist es eine enorme Erleichterung, wenn man nicht ständig das Gerät drehen muss, um die Anschlüsse auf der Rückseite zu identifizieren.

Sequenzer

Zentraler Blickfang des Sequenzers sind die 4 x 4 schwarz-gummierten anschlagdynamischen Pads mit RGB-Außenumrandung. Durch die verschiedenen Farbcodes hat der Anwender nach kurzer Einarbeitung sofort den jeweiligen Modus im Blick, z. B. rot für Scale, orange für Trigger, violett für gebundene Noten, oder Transpose.

Auch die Größe von zwei mal zwei Zentimetern scheint gut gewählt. Links davon werden die einzelnen Pad-Modi über eine Reihe senkrecht angeordneter Buttons mit hintergrundbeleuchteter Schrift und gutem Druckpunkt angewählt: Track-Anwahl, Track-Stummschaltung, Pattern-Anwahl, Scale, Transpose, Trigger, Tie und Active.

Die fünf Endlosregler (ohne Pushfunktion) am rechten Rand dienen zum Einstellen von Tonhöhe, Tonlänge und Anschlagdynamik. „Count“ ist wie ein Offset für die folgenden Noten: Hiermit kann eine Note bis zu vier Mal wiederholt werden, sodass alle folgenden Noten entsprechend später abgespielt werden. Noch interessanter fand ich „Divide“: Hier können bis zu vier Trigger auf einer Sechzehntelnote angespielt werden, was je nach angeschlossenem Klangerzeuger zu interessanten Flams oder Stottereffekten führt.

Wird der SQUID per Shift und Trigger in den CC-Modus versetzt, senden die fünf Regler Control Change-Daten und können so zum Kontrollieren von Hard-und-Softwaresynths verwendet werden. Die CCs können übrigens im Sequenzer aufgezeichnet werden. Direkt rechts neben den Pads dienen drei weitere Buttons zur Interpolation, womit automatisch Parameter zwischen vorher definierten Start-und-Endpunkten in der Sequenz erzeugt werden.

Damit die Sequenz durch irrwitzige Count-Einstellungen nicht komplett aus dem Ruder läuft, kann mit dem „Fixed Length“-Button eine feste Patternlänge definiert werden, bei der das Pattern auf der ‚eins‘ wieder mit dem ersten Event startet. Unter den 16 Pads finden sich schließlich in der Harmonizer-Sektion noch sechs programmierbare Chord-Memory-Buttons.

Kontrollmöglichkeiten

Ausgefuchste Programmierfunktionen stehen jedem Sequenzer gut zu Gesicht, aber was, wenn die Noten programmiert sind? Die hohe Kunst fängt erst dann an, wenn man nicht nur mit den Parametern der angeschlossenen Klangerzeuger jammen kann, sondern mit den Sequenzen selbst. Und hier bietet der Toraiz SQUID sehr viele innovative Möglichkeiten. 

Somit finden wir, von links oben nach rechts folgende Funktionen:

  • Speed Modulation
  • Melodic Control
  • Groove Control
  • Running Direction,
  • Speed Control
  • Rhythmic Control

Wie man mit Sequenzen jammt, erfahrt ihr im Praxis-Teil.

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