Test
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25.04.2017

Pioneer DJ Toraiz AS-1 Test

Monophoner Analogsynthesizer

Dave Smith Inside

Das kam dann doch überraschend: DJ-Equipment Hersteller Pioneer produziert in Zusammenarbeit mit Synthesizer-Guru Dave Smith einen analogen monophonen Desktop-Synthesizer. Nachdem schon den Toraiz SP-16-Sampler der Tief/Hochpassfilter des Sequential Prophet-6 zierte, hat der brandneue Toraiz AS-1 gleich eine komplette Stimme dieses hochgelobten Synthesizers an Bord. Dazu kommen Effekte, Sequencer und Arpeggiator, alles verschnürt in einem kompakten, bühnen- und kanzeltauglichen Gerät.

Details

Dave Smith selbst erklärt handschriftlich im Handbuch zum Pioneer DJ Toraiz AS-1: „Basierend auf der Prophet-6 Voice bietet er Old-School-Synthese, die gut in ein modernes DJ-Setup passt und ist ein idealer Standalone-Synth für schnellen Zugriff auf klassische analoge Sounds.“

Dazu befähigen den analogen, monophonen Synthesizer zwei spannungsgesteuerte Oszillatoren (VCO), spannungsgesteuerte Tief- und Hochpass-Filter (VCF) wie im Toraiz-SP-16 (aber ohne Drive-Regler), ein spannungsgesteuerter Verstärker (VCA), zwei Hüllkurven (EG) und ein LFO. Diese ziemlich komplette Synth-Architektur entspricht einer Stimme des hochgelobten DSI Prophet-6. Dazu kommen zwei vom „großen Halbbruder“ geerbte digitale Effektmodule. FX1 bietet die Wahl zwischen Eimerketten-Delay (BBD aka Bucket Brigade Delay), Distortion oder Ringmodulator. FX2 hat lediglich Chorus und Phaser im Angebot. Beide FX-Units können entweder parallel oder in Reihe genutzt werden.

Der AS-1 kommt mit einem relativ großen Soundspeicher von zehn Bänken mit jeweils 99 Programmen (fünf Werksbänke, fünf identische Benutzerbänke). Das sind satte zweimal 495 Presets, designt vom Dave Smith Team. Die Presets wurden wirklich liebevoll und programmatisch programmiert. So gemahnt gleich das erste Preset mit dem Namen „BA Pro-One“ daran, dass auch der Sequential Circuits Pro-One eine Stimme des Prophet-5 war und der AS-1 die gleiche DNA in sich trägt. Und bei vielen Sequenzen hatte ich sofortige Déjà-vu-Momente an eine Zeit, wo ein Prophet-Sound noch beinah unerschwinglich teuer war.

Andere Presets zeigen eindrucksvoll, wieviel Klangfülle und Nuancen der AS-1 aus nur einer analogen Stimme herausholt: Strings, Hooks, Dreamy Arpeggios, Knarz und synthetische Drums, alles da.

Natürlich dürfen beim AS-1 auch ein paar typische EDM-Hype-Sounds nicht fehlen, aber insgesamt gibt sich der Toraiz ganz in Prophet-Tradition eher klassisch mit vielen liebevoll programmierten 80er Jahre Miniaturen.

Jedes Programm merkt sich nicht nur sämtliche Soundparameter, sondern auch die Sequenz und die Arpeggiator-Einstellungen. Eine Sequenz mit verschiedenen Sound-Presets auszuprobieren ist dank „Lock Sequence“ kein Problem: Beim Wechsel des Presets ändert sich zwar der Sound, nicht aber die Sequenz.

Äußerlichkeiten

Eine komplette Prophet-6-Stimme wird mit vielen Parametern geformt, aber gesteuert werden die Echtzeitsoundveränderungen am Toraiz AS-1 durch lediglich fünf Potis mit silber-schwarzen old-schoolig angehauchten Kappen. Sie regeln die Filter sowie Attack und Decay/Release beider Hüllkurven. Das Poti für den LFO ist ebenso wie vier weitere als Endlosregler ausgelegt, diese jedoch in Mattschwarz. Dadurch wirkt das Design des AS-1 von weitem durchaus puristisch.

Die Endlosregler sind allesamt für tiefer greifende Parameteränderungen zuständig, die im brillanten schwarzweißen OLED-Display angezeigt werden. Bonbon-bunte Pads und Buttons hat sich Pioneer glücklicherweise verkniffen. Der Toraiz AS-1 sieht seriös und professionell aus und ähnelt mit seiner Folientastatur ein wenig einem aufgepimpten KORG Monotron. Im Gegensatz zum kleinen Pocket-Synth steckt der Toraiz aber in einem relativ großen schweren Metallgehäuse mit robusten Seitenteilen aus Hartplastik und ist mit 1,4 kg auch kein Leichtgewicht. Er sitzt satt auf dem Tisch und rutscht kein bisschen.

Die 13 „Tasten“ auf der Folientastatur sind leicht, aber spürbar erhöht, sodass man nicht im Ungewissen „tappt“. OK, es ist kein Roli Seaboard, aber so lasse ich mir ein Touchstrip-Keyboard durchaus gefallen.

Durch zwei Oktavschalter lässt sich der Tastaturbereich auf fünf Oktaven erweitern. Ein weiterer Touchstrip mit acht roten LEDs befindet sich links am Gerät, den kennt man schon vom SP-16. Dem sogenannten „Slider“ sind sieben Funktionen zugeordnet, deren Intensität sich in 254 Schritten positiv oder negativ einstellen lässt: Oszillatorfrequenz 1 und 2, Lowpass, Hipass und LFO-Amount sowie die Lautstärke beider Effekteinheiten.

Mit dem Slider das Delay halb auffahren und den Chorus gleichzeitig ganz, dazu noch etwas LFO-Geblubber, das klingt dann schon ganz schön gewaltig. Dadurch wird der Slider zum Action-Fader, der ein wenig über die recht schmale Anzahl an Hardware-Reglern hinwegtröstet. Die Latch-Taste ist sozusagen die Hold-Taste für den Slider.

Auch der Arpeggiator hat neben dem An/Aus-Schalter eine Hold-Taste auf der Geräteoberfläche. Mittig über der Tastatur befinden sich Play/Stop und Record-Taste. Aufnahmen sind nur im Step-Modus möglich, Live-Recording ist leider nicht vorgesehen.

Die Rückseite ist solide bestückt: Neben dem Powerschalter befindet sich der Anschluss für den „Line Lump“ aka Netzteil. Per USB kann der AS-1 an den Computer MIDI senden und empfangen, am wichtigsten ist hier jedoch die Anbindung an den optional erhältlichen Editor. Dazu später mehr.

Die Funktionalität der beiden fünfpoligen DIN-MIDI-Buchsen für In und Out/Thru kann im „Global Menü“ bestimmt werden. Über den Trigger-Eingang kann man den Toraiz per Fußschalter starten und stoppen. Entsprechende An/Aus-Befehle werden aber auch durch Triggerimpulse von Step-Sequencern und Modularsystemen gesendet. Zwei Klinkenbuchsen für den Stereoausgang, eine große Kopfhörerbuchse sowie ein Kensington-Lock gegen Langfinger machen die Rückseite komplett.

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