Test
5
20.02.2018

Praxis

Nach der Installation von Software und Treiber sowie einem gegebenenfalls durchgeführten Firmware-Update kann es losgehen. Der DDJ-1000 wird von rekordbox dj (hier unser Crashkurs) ängen und 6 Ausgängen aus, arbeitet mit 24 Bit aber lediglich 44,1 kHz. Hier hätte es ruhig mehr sein dürfen.

Fader und Pots machen nicht nur optisch (der neuerdings komplett dunkle Look der Faderkappen fügt sich gut ins Gesamtbild ein) einen guten Eindruck, sondern auch haptisch. Das Regelwerk fasst sich gut an, lässt sich geschmeidig drehen und schieben und der Dreiband-Equalizer arbeitet musikalisch mit Kill-Cut und 6 dB Boost.

Der Crossfader ist wunderbar leichtgängig. Mangels Fadercurve-Controls an der Hardware sind Kurvencharakteristik und Cut-In-Lag nur via Software einzustellen. Hier kann man auf bis zu 0,3 Millimeter runtergehen und das Signal ist quasi sofort da, wenn man den Fader bewegt. Scratcher (zum Workshop von DJ Rick Ski hier entlang) werden das mögen, die „echten“ Regler aber vermissen.

Im Mix gelingt der Wechsel zwischen internen Decks und Externa oder zwei Notebooks, auf denen rekordbox läuft, problemlos, mit den adäquat ausfallenden Pegelmetern im Kanal ist das angleichen der zugeführten Signale sehr gut zu bewältigen.

Der Controller ist außerdem rekordbox dvs certified, lässt sich also mit Timecode-Medien zur Steuerung der Software-Decks mit Vinyl auf dem Plattenspieler einsetzen. Dafür muss allerdings das kostenpflichtige „plus pack“ freigeschaltet sein. 

Mehr ist einfach mehr

Die 20 Zentimeter im Durchmesser betragenden Jogwheels sind sehr gut zu handhaben, sehen toll aus und lassen sich im Drehwiderstand anpassen, wie man es vom CDJ her kennt. Selbst langsamste Bewegungen und Scratches werden übertragen, prima, aber man muss schon richtig drücken, ein sanftes „Touch“ reicht nicht aus.

Die integrierten Displays mit Wellenform, Hotcues, Master/Sync-Status, Artwork Needle-Indikator und diversen Informationen wie Tonart und Abweichung, Deck-Nummer und Status (hell/dunkel/on-air/slip/track end), Cuepoint-Scope (4 Beats vor und 16 nach aktueller Wiedergabeposition) sind nützlich und man ist zu Beginn versucht, ständig rüber auf die Screens zu schielen, ein Eyecatcher halt. Hier hat man allerdings auf den Waveform-Zoom, den man via „Shift + Browser-Encoder“ für das GUI einleitet, verzichtet.

Apropos-Shift. Der Player biete gut zwei Dutzend dokumentierte (Faderstart z.B. ist nicht dokumentiert) Shift-Funktionen, die man auf Wunsch bei Betätigung der (etwas kleinen) Taste als Popup auf dem Computerbildschirm nachlesen kann. Das erleichtert den Einstieg in die zusätzliche Befehlsebene. Die gibt es natürlich auch bei den Performance-Pads, die mit folgenden „Standard-Modi“ (inklusive Shift-Layer und weiterer Seiten via Pages-Tasten) aufwarten.

Hot Cue: 2x 8 Hotcues pro Deck

Pad FX1: 2x 8 Effekte

Beat Jump: Sprung im Takt vor und zurück, diverse Größen

Sampler: 2x 8 Sample Slots

Und via Shift zugänglich:

Keyboard: hoch/runter pitchen für ausgewählten Cuepoint, 5 Pages verfügbar

Pad FX 2: weitere 2x 8 Effekte

Beat Loop: Schleifen von 1/64 bis 512 Beats

Key Shift: Track hoch/runter pitchen, 5 Pages verfügbar

Performance-Pads und Pad-Editor

Den Zollstock an die Pads angelegt, ergeben sich 20 Millimeter Kantenlänge, ausreichend groß, um zielsicher zu spielen, allerdings ist keine (optionale) Anschlagdynamik auszumachen, schade, würde es den Sampler doch noch aufwerten. Die Pads illuminieren je nach Modus in diversen Farben und können im Software-GUI hinsichtlich des abgefeuerten Befehls konfiguriert werden (welche FX, wie lang sollen Loops und Rolls sein etc.). Sie fühlen sich gut an und reagieren prima, Erinnerungen an den DDJ-XP1 werden wach. Via Pad-Editor kann der Anwender von den Vorgaben abweichende Betriebsarten für die Performance-Pads deklarieren oder bestehende kombinieren.

Der Pad-Editor ist schnell erklärt: Ihr habt die Möglichkeit, die vier direkt abrufbaren und ebenso viele via Shift zuweisbaren Modi frei zu belegen, also auch mit Features wie dem Slicer, Active Censor oder Sequence Call für Sampler-Recordings. Dazu kommen acht User-Presets, kombinierbar mit den Standard-Modi, Pioneer-Werkskombinationen oder eigenen Vorgaben. Ihr könnt also quasi jedes Pad einzeln zuweisen, müsst jedoch bedenken, dass einige Funktionen mehrere Pads verlangen. Das Ganze jetzt noch geheckspoilert mit kleinen Textdisplays analog zu den ausgewählten oder zugewiesenen Pad-Modi statt der Siebdrucke und ich zöge den imaginären Hut und gäbe Szenen-Applaus.

Ja, der Pioneer DDJ-1000 ist schon ein Controller, der Spaß macht. Klanglich bekommt man grundsolide Pioneer-Qualität geboten, da gibt’s nichts weiter zu meckern. Die Kommandozentrale für den digitalen DJ fühlt sich dabei sehr wertig an, ist übersichtlich und bietet genug „Luft“ zum Arbeiten und weiß sich auch optisch in Szene zu setzen.

Gut gefällt mir auch, neben den ganzen Kreativfunktionen, der satten Master-Tempo-Qualität und den Mixhilfen wie Sync, Keysync, Slip und Co, dass man via Tastenkombination die Ansichten im GUI umschaltet, sich durch die Playlist-Palette mit den Favoriten-Playlisten hangeln kann und praktischerweise Direktzugriff auf die „Related Tracks“ hat. Hier kann man eigene Parameter vergeben, anhand derer man passenden Musikstücke vorgeschlagen bekommt und die „intelligenten“ Listen via Encoder anfahren (siehe Screenshot). Sehr schön. Nachstehend noch einige Klangbeispiele zu den neuen integrierten Beat-FX und den Color-FX.

Dass die Color-FX ohne Parameter-Regler auskommen müssen, ist schade. Im Rekordbox-Betrieb kann man die Klangcharakteristik über den Regler im grafischen Benutzerinterface der Software beeinflussen, muss aber einen Wertesprung beim Wechsel auf analog im Hinterkopf haben. In Verbindung mit den rekordbox Decks lassen sich dafür auch andere Color-FX als die „standalone internen“ abfeuern.

Auch beim Sampler hätte ich mir gewünscht, das Output-Routing direkt von der Hardware aus alternativ auch auf einen der vier Hauptkanäle schicken zu können und nicht nur auf die Summe. Hier wäre auch noch einmal „Anschlagdynamik“ für die Pads gewünscht – zumindest von mir persönlich. Braucht ihr nicht? Auch gut. Last but not least ist es ziemlich schade, dass man nicht in einen Library-Mode bei den Jogwheel-Displays wechseln kann, um in der Musik zu stöbern, statt zum Laptop zu schielen. Es geht also immer noch ein kleines bisschen besser.

Vor dem Fazit noch der Hinweis auf den Utility-Modus. Hier lassen sich Dinge wie eine Master-Dämpfung, Talkover und Mikrofonausgabe, Leuchtstärke des Rings und Displays, Anzeigeelemente am Jogwheel Display et cetera einstellen.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare