Hersteller_Pioneer
Test
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23.10.2009

Praxis

Des Wahnsinns fette Beute

Man braucht kein Nostradamus zu sein, um zu erahnen, dass auch das vorliegende Gerät ausschließlich FAT und FAT32 formatierte Speichermedien einliest. Voraussetzung ist jedoch ein Tastendruck, der von CD- auf USB-Modus umgeschaltet. Als partieller Mac-Nutzer ärgert mich ein wenig, dass Mac-Dateisysteme nicht unterstützt werden. Weiterhin lassen sich weder unter Windows noch unter OSX <10.4 mit Bordmitteln Fat32-Partitionen erstellen, die größer als 32 Gigabyte sind.  Bedeutet dies, dass ich eine externe 1TB-Harddisk erst in circa 30 Partitionen unterteilen muss, bevor diese vom 400-er erkannt werden? Unter oben genannten Umständen ja. Für meine 160 Gigabyte große NTFS-Platte heißt dies ebenfalls: Du musst leider draußen bleiben!  Als nächstes steht die Überprüfung diverser externer Speichermedien ins Haus. Der 4GB-USB-Stick war im Rekordtempo abspielbereit. Flash-Karten (SD, HDC, MiniSD, Memory-Stick) im USB-Cardreader stellten die Geduld schon etwas mehr auf die Probe (bei ein bis zwei Gigabyte ab zehn Sekunden) wobei die Datenübertragungsrate des Lesegerätes sicherlich auch eine Rolle spielt. MP3-Player werden meist nur erkannt, wenn sie auch unter Windows als Laufwerke auftreten. Creatives Zen Stone, iPod Touch, Phillips HDD 120 Jukebox und Samsung YEP liefen nicht, iPod Video hingegen brachte Kategorien mitsamt Titel, Genre und sogar Wiedergabelisten auf das zweifarbige Dot-Matrix-Display. Wer also direkt vom MP3-Player spielen will, sollte vorher sicherheitshalber einen Erkennungs-Test machen. Was bedeutet das nun für die Praxis? Gehen wir von einem CDJ-400 Doppel-Set aus, verhält es sich im Grunde wie bei optischen Speichern. Ein Laufwerk kann nicht auf die Daten seines Pendants zugreifen, Tracks müssen vielmehr auf zwei USB-Medien kopiert werden. Will man absolut flexibel in der Songauswahl sein, benötigt man also ein exakt identisch bespieltes Exemplar. Sollten dies zwei USB-Sticks sein und der Nutzer hat seine Songs zudem auf dem Rechner, als externes Backup, sowie auf dem MP3-Player für U-Bahn-Fahrten vorliegen, ist das schon ein wahnsinnig fat-ter Datenwust. Kopier- statt Brennorgie. Immerhin sind die Sticks im Mix nicht vibrationsanfällig, zumindes wenn man sich nicht mit der flachen Hand direkt auf sie stützt. Den restlichen Schütteltest bestand unser Proband im Großen und Ganzen recht gut, normale Bassvibrationen im Club dürften keine Auswirkungen haben. Pioneers CDJ-400 besitzt ölgelagerte Laufwerke und verzichtet auf einen Anti-Schock-Puffer.

Keycorrection

Die automatische Tonhöhenkorrektur lieferte ein insgesamt passables Ergebnis. Bis zu einer Tempoänderung von plusminus drei Prozent waren keine Artefakte zu vernehmen, bei sechs Prozent hörte man das Time-Stretching schon deutlich heraus.

Virtuelle Lesezeichen

Pioneers Mittelklasse-Solist setzt, falls der DJ den Einsprungspunkt nicht manuell festgelegt hat, eine Markierung am Anfang eines Musikstückes. REALTIMECUE ermöglicht einen Ankerwurf während des Abspielvorgangs. Obendrein beherrscht der Prüfling AUTOCUE. Der Schwellwert ist in einem Intervall von -78 dB bis -36 dB einstellbar. Bei aktiviertem AUTOCUE wartet der Song genau an der Position, wo dieser festgelegte Wert erstmalig überschritten wird, auf ein Startsignal. So lassen sich eventuelle „leere“ Stellen vor einem Track überspringen. Auch diese Marker bleiben im internen Kurzzeitgedächtnis. Wird eine CD ausgeworfen, vielleicht sogar versehentlich, spielt sie nach erneutem Einlegen von der letzen Abspielposition weiter. Um Cue- oder Loop-Punkte ins redundante Langzeitgedächtnis zu schauflen, genügt ein Druck auf MEMORY. CALL ruft sie jederzeit wieder ab. Auf externen Datenträgern abgelegt, lassen sie sich zwischen mehreren 400-ern austauschen, allerdings ist pro Song nur ein Marker speicherbar. Dass Cues heute mehr kreative Möglichkeiten bieten als die reine Abspielvorbereitung, zeigt Stantons C.324 nachdrücklich. Er speichert bis zu vier Markierungen pro Track, die über spezielle Pads live gejuggelt werden können.

Effekte

Die Effekt-Sektion wartet mit insgesamt fünf unterschiedlichen Spezies-Vertretern auf, von denen jeweils drei im Vinyl- oder Jog-Mode aktiviert werden, allerdings nicht verkettet. VINYL ermöglicht den Zugriff auf BUBBLE, TRANS und WAH. Diese Effekte modulieren automatisch taktsynchron, einzelne Parameter lassen sich nicht anpassen. Das ist mir etwas zu wenig. Zumindest die Effekt-Tiefe würde ich lieber selbst bestimmen. Pioneers Auto-Effekte laufen zudem manchmal aus dem Ruder. Das liegt an der internen BPM-Analyse, denn der Beatcounter interpretiert das Tempo komplexer Songs teilweise verspätet oder gar falsch. Ungewöhnlicherweise fehlt der obligatorische TAP-Button zur manuellen Korrektur der Geschwindigkeit. Nachfolgend hört ihr eine Kostprobe der Auto-FX.

Im CDJ-Modus kann sich der DJ mithilfe des Jogdials an einem Parameter austoben. Damit JET, ROLL oder WAH aktiv sind, muss er entweder HOLD oder Jogwheel drücken. Auch in dieser Betriebsart können RATIO und TIME nicht getrennt voneinander geregelt werden. Ich persönlich sehe die Effektabteilung des 400ers eher im semiprofessionellen und sporadischen Einsatz.

Rollercoaster-Rumble

Dass Loops nicht nur bei Achterbahn-Besuchern, sondern auch bei Clubgängern für regelrechte Auf-, respektive Abfahrten sorgen können, ist gerade in technoid verwurzelten Kreisen hinlänglich bekannt. Schön, dass auch Pioneers CDJ 400 einen nahtlosen Schleifen-Baukasten mitbringt. Ein simpler Tastendruck auf IN, gefolgt von OUT und der Loop roll, oder auch nicht. Alternativ können Auto-Loops auf Basis der internen Tempoanalyse, mit den bereits angesprochenen Nachteilen, gesetzt werden.
Dazu genügt es eine der BEAT LOOP Tasten zu triggern. Loop-Divide unterteilt sie dann bei Bedarf in sechs Größen (halb/doppelt), jedoch ist die maximale Länge einer Schleife auf etwa vier Beats, also einen Takt, beschränkt. HOT LOOP springt bei jeder Betätigung an den Startpunkt der Schleife. OUT ADJUST verschiebt die rechte Flanke per Jogwheel innerhalb der vorgegebenen Vier-Beat-Grenze. Insgesamt empfinde ich die Loop-Sektion als nur teilweise geglückt, zu rudimentär sind mir einige Features umgesetzt. So ist nicht ersichtlich, welche Teil-Größe der laufende Auto-Loop gerade aufweist. Beschriftete LEDs (1/8, ¼,   ½,  1/1 ...) und etwas mehr als ein Beat Länge dürften es schon sein.

MIDI-Kompatibilitäts-Test

Ein heiß diskutiertes Thema ist MIDI-Steuerung von Mix-Software, denn nicht zuletzt durch die neue Generation professionell verarbeiteter MIDI-Einheiten wie Vestax-VCI-100, sind manche DJs auf diese ultramobilen Kontrolleinheiten umgestiegen, oft auch als Zweitsystem. Daher ist es nur verständlich, dass Hersteller von Tabletops auch dieses zugträchtige Pferd satteln. CDJ-400 brachte USB-MIDI in etwa zeitgleich mit Erscheinen des marktweisenden high-quality Vestax Controllers. Für den MIDI-Nutzer drängt sich ein Preisvergleich auf. Hochwertige Gerätschaften wie Vestax VCI-300 oder ein NI-Audio8 / VCI-100 Bundle belaufen sich auf rund 700 Euro. Ein Set aus zwei CDJ-400 Laufwerken und einem DJM-400 Mischpult des gleichen Herstellers kostet stolze 1900 Euro, das übertrifft sogar den Preis des Edel-Controllers Numark NS7 (circa 1500 Euro). Dafür erhält der Käufer allerdings ein Universal-System, das Laptop-Nutzung ermöglicht, Timecode CDs verarbeiten kann und sich beim Supergau Computerabsturz in Windeseile als CD oder stickgefüttertes Set weiterbetreiben lässt. Das ist doch mal klasse. Was die Controller-Belegung angeht: Buttons, Schieber und Potis machen normalerweise keine Probleme beim Mapping, häufiger aber Hi-Res-, HID- oder andere Geräte, die sich nicht am aktuellen MIDI-Standard orientieren. Bei knapp 2000 Euro Investition, sollte man wissen, ob die DJ-Software der Wahl mit dem potentiellen Objekt der Begierde zusammenarbeitet. Einen kurzen Kompatibilitäts-Einblick möchte ich nachfolgend geben.

 

Native Instruments Traktor Duo und Pro (99/199 Euro)

Beim Test mit Native Instruments Traktor mussten die MIDI-Funktionen gar nicht erst gemappt werden, Version 1.2.1 der beliebten DJ Software unterstützt Pioneers Clubrocker von Haus aus und war innerhalb von Sekunden eingerichtet. Hierzu bieten sich zwei Wege an. Der erste führt über den Setup-Wizard, der zweite über den Controller-Manager, wobei man sich von der kryptischen HID-Bezeichnung nicht ins Boxhorn jagen lassen sollte. Vorausgesetzt, der Pioneer-Treiber wurde zuvor auf dem System installiert, lässt sich das interne Audio-Interface unter ASIO betreiben. Das Jogdial ist sehr gut eingebunden und weist keine merklichen Verzögerungen im Handling auf. Native Instruments Belegung bringt unter anderem Play, Cue, Hotcue, Tempo, Loop mit Resize und Reloop, Browsing Deck-Loading, Sync, Keylock und sogar Effektsteuerung mit. Insgesamt ein vorbildliches Mapping.

Pioneer DJS (ca. 120 Euro)

Pioneers hauseigene DJ-Software startet im Fullscreen-Modus, der sich nicht abschalten lässt und überrascht mit einem ziemlich eigenwilligen, dafür aber sehr übersichtlichen und einsteigerfreundlichen Design. Die Dot-Matrix der Hardware liefert sämtliche relevante Song-Informationen. Leider kann die Applikation nicht mit Effekten aufwarten und auch Loop-Resizing ist nicht möglich.

Mixvibes Cross (ca. 150 Euro)

Cross erlaubt je nach Fokus Zugriff auf beide internen Decks. Effekte besitzt es nicht, bietet aber drei Hot-Locators, Loops, Reverse,Trackscanning und Browsing an. Im Test tauchten keinerlei Probleme auf. Bedauerlicherweise wird das 400-er Display momentan noch nicht angesteuert.

Deckadance (ca. 90 Euro)

Image-Lines Deckadance unterstützt eine wirklich hohe Anzahl an MIDI-Controllern. Leider ist CDJ-400 nicht mit an Bord und so musste mein Testexemplar manuell mit der Lernfunktion gemappt werden. Bis auf Scratching liefen die individuell ausgewählten Features dann nach einer guten Konfigurations-Stunde ohne HID-Unterstüzung

PCDJ-DEX (ca. 155 Euro)

Pioneers 400-er wird leider auch von DEX nicht nativ gemappt, kann aber mit dem integrierten Editor angelernt werden. Obwohl dieser zunächst etwas umständlich anmutet, ist die grundlegende Konfiguration in einer guten Stunde vollzogen.

Virtual DJ (ca. 210 Euro)

VDJ bereitete mir eine unerwartete Überraschung. Statt der Effekte lagen auf den entsprechenden Buttons zwar Hotcues, ansonsten war Vier-Null-Null aber vorbildlich eingebunden. Alles funktionierte direkt so, wie ich es mir gewünscht hätte. Scratch, Keylock, Sync, Reverse, Loop, Resize, Tempo, Browse, Load – alles kein Problem. Und on-top erscheinen die Titelinformationen in der Dot-Matrix. Klasse.

Unter Ultramixxer und Mixx verweigerte mein Testkandidat den Dienst. Seltsamerweise wurde er von Ultramixxer als DENON HC-4500 erkannt, versagte aber dennoch Audioausgabe und MIDI-Steuerung. Das kostenlose Programm MIXXX erlaubte die Soundausgabe über den ASIO-Treiber, MIDI funktionierte hier trotz eines lernfähigen Wizards nicht.

 

Timecode:

Zwei Kandidaten sollten die Tauglichkeit des Tabletops im Zusammenspiel mit Timecode-CDs auf die Probe stellen. Die 3000 Kilohertz Mixvibes-Scheiben ließen Scratch-Mannöver mit einer sehr guten Latenz zu, der Unterschied zu einer Audio-CD war kaum wahrnehmbar. Genauso verhielt es sich beim Traktor Scratch Control-Vinyl. Das sollte reichen.

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