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Test
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30.06.2012

Pearl Rhythm Traveler Gig Drumset Test

Transportables Einsteiger-Drumset

Ein Drumset zum Spritsparen

Ein kurzer Blick auf die Spritpreis-Tafel meiner Stamm-Tankstelle, und mir wird schlagartig klar, dass meine 300 Euro Gage heute wahrscheinlich komplett für Auto-Verschleiß und Fahrtkosten drauf gehen werden. Die schier grenzenlose Liebe zum Trommeln macht den Schock natürlich wieder erträglicher, aber irgendwann will man ja auch mal einen Sack Reis für sich und seine Familie kaufen, wenigstens um ganz grob so gerade eben zu überleben. Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre doch, wenn man etwas genauer kalkulieren könnte, was am Ende des Tages vom Ertrommelten übrig bleibt. Die Deutsche Bahn hat natürlich direkt den passenden Rechenschieber parat und schlägt mir eine relativ einfache Kalkulation vor: 'Wenn du eine Bahncard 50 kaufst, dann kosten dich die Hin- und Rückfahrt auf der Strecke Hamburg - Frankfurt 114,00 €. Ahhhh...schade, dass du Schlagzeuger bist, und deine Drums transportieren musst, denn das geht natürlich in der Bahn nicht...'. Und dann wird man einen Mitarbeiter von Pearl rufen hören: 'Wetten doch, dass das geht? Mit unserem "Rhythm-Traveler-Gig"-Kit!'. 'Das werde ich mal unter die Lupe nehmen', erwidere ich und klemme mir das Drumset unter den Arm.

Das Pearl Rhythm-Traveller-Kit ist klein, extrem günstig und lässt sich wie eine russische Matrjoschka ineinander stapeln. Ob das Ding allerdings tatsächlich die perfekte Reiselösung darstellt und ob man damit überhaupt vernünftig trommeln kann, erfahrt ihr in diesem Test.

DETAILS

Um das Schlagzeug klein, günstig und transportabel zu halten, bedient sich Pearl vieler kleiner Tricks. Unter anderem sind die Kessel kurz und die Durchmesser gering. Die Toms werden außerdem nur einseitig bespannt, was jeweils einen ganzen Satz Böckchen, Schrauben, Felle und Rims einspart. Auf der Kesselrückseite ist nach durchschnittlich zehn Zentimetern ganz unromantisch Schluß mit Holz. Da freuen sich natürlich alle Spar-Fanatiker, weil man für die Rückseite keinen Gratungs-Maestro braucht - der auf der Gehaltsliste ungleich weiter unten stehende Azubi mit der Laubsäge kann das auch. Die Snare und die drei Toms werden mit Halte-Armen aus Stahl auf der Bassdrum-Oberseite befestigt, was bereits einiges an Ständermaterial einspart. Des Weiteren sind alle Kessel mit Triple-Flange-Hoops ausgestattet. Alle, sogar die Bassdrum! Die Kick sieht mit den Rims aus wie eine Standtom, die man waagerecht gelegt hat. Die dennoch Bassdrum genannte Trommel steht auf vier Füßen, die dafür sorgen, dass das Instrument etwa auf zehn Zentimeter über den Boden gestemmt wird, damit der Klöppel jeder handelsüblichen Fußmaschine möglichst mittig auf der Trommel aufschlägt.

Das Pedal wird an einer Klemmvorrichtung montiert, die zwar etwas improvisiert aussieht (eine Art Klemme mit Haltelasche wird an einem verkürzten Stück Rohr befestigt, das unterhalb der Bassdrum in den Kessel gesteckt wird), aber einen stabilen Eindruck macht. Für den guten Ton sollen jeweils sieben Lagen Mahagoni-Holz sorgen. Jedenfalls wird aller Orten behauptet, dass es sich um Mahagoni-Holz handele. Sollte das den Tatsachen entsprechen, kann nicht das üblicherweise dunkle Kernholz gemeint sein. Das wiederum verwundert nicht, aber dass sieben Lagen Mahagoni aussehen können wie ein Integrationskindergarten für Holzsorten macht mich etwas stutzig, wenngleich die Reihenfolge der Schichten offensichtlich einem bestimmten System folgt - auf dem Foto von der Gratung ist das gut sichtbar.

Echte Trommelästheten können spätestens an dieser Stelle im Text die Biege machen, denn jetzt geht's um die Folierung, die sich an jeder Trommel aufgrund des etwas mangelhaften Klebers leicht ablöst. Ich kann aber jetzt schon vorwegnehmen, dass es sich bei diesem Set sowieso nicht um High-End-Studiodrums handelt. Alles, was es können soll, ist Schlagzeug-Einsteiger glücklich zu machen und professionellen Drummern ein gutes Übedrumset zu sein. Und wenn man das Rhythm-Traveler-Gig tatsächlich mit der Bahn und einer Schubkarre zum Gig rollt, ist vermutlich alles Mögliche wichtig, nur nicht, ob sich die Folie an einigen Stellen vom Kessel löst. Jetzt zu einem wesentlichen Aspekt guter Mobilität: Alle Trommeln passen in die Bassdrum. Sogar ein paar Softcases würden noch hineinpassen. Die Hardware findet leider keinen Platz mehr in der 16 mal 14 Zoll große Basstrommel und müsste separat transportiert werden.

Alle Trommelkanten (abgesehen von den Unterseiten der Toms) sind mit einer 45 Grad gefrästen Gratung versehen, als Fellauflage dient die zweite Holzschicht von außen, die etwas breiter ist als die anderen Schichten. Besonders gut verarbeitet ist die Fellauflage der Bassdrum und der zehn Zoll großen Snare. Letztere ist ausgestattet mit einem 20-spiraligen Snareteppich aus Stahl. Der Strainer arbeitet simpel aber effektiv, wenngleich ein paar Nieten an Stellen sitzen, an denen für längere Haltbarkeit besser geschraubt worden wäre.

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