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Workshop
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17.02.2016

Noten lesen lernen für Gitarristen 2

Die Stammtöne in der ersten Lage

Noten lesen für Anfänger – Schritt für Schritt erklärt

Nachdem wir uns in der ersten Folge mit den Leersaiten der Gitarre in Notenschrift bekannt gemacht haben, gehen wir heute einen Schritt weiter. Heute soll es um die Noten der Stammtöne auf der ersten Lage gehen, also um die ersten vier Bünde. Beim letzten Mal erwähnte ich die sieben Stammtöne als Grundlage unserer Musik und wir erfuhren, wo sie im Notensystem positioniert sind.

Aber naturgemäß sind alle Stammtöne auf der Gitarre mehrfach vorhanden und in dieser Folge unseres Workshops wollen wir alle Möglichkeiten, sie in der ersten Lage zu spielen, Saite für Saite durchgehen und uns dabei ihre Darstellung im Notensystem einprägen.

Die Stammtöne auf den unteren beiden Saiten

Beginnen wir mit der ersten Saite:

Hier finden wir die Töne e' (Leersaite), f' (1. Bund) und g' (3. Bund).

Bsp. 2 zeigt diese drei Töne nun in Notenschrift.

Üblicherweise werden sowohl die Notenlinien als auch die Zwischenräume von unten nach oben gezählt. So befindet sich e' im vierten Zwischenraum, f' auf der fünften Notenlinie und g' über dem Notensystem.

Die Leersaite e' kennst du schon aus dem ersten Teil des Workshops, die beiden gegriffenen Töne solltest du ebenfalls auswendig lernen.

Nun schreiten wir zur Tat:

Die Aufnahmen zu den Notenbeispielen wurden von mir diesmal im Tempo 80 bpm eingespielt. Ihr solltet allerdings jedes Beispiel erst einmal wesentlich langsamer zum Metronom üben, bevor ihr zur Kontrolle dann auch zur Aufnahme mitspielt.

Natürlich gibt es zur Übung an dieser Stelle gleich auch ein paar Praxisbeispiele mit den Tönen der ersten Saite:

Das nächste Beispiel steht im 3/4-Takt, hier zählen wir bekanntlich nur "1, 2, 3".

Beispiel 5 steht im 6/8-Takt. Rein rechnerisch dasselbe wie 3/4-Takt, handelt es sich jedoch um eine eigenständige Taktart mit anderen Betonungen und einer anderen Zählweise. Wir zählen hier die Achtelnoten: "1, 2, 3, 4, 5, 6".

Kommen wir nun zur zweiten Saite. Auf ihr können wir in den ersten Lagen ebenfalls drei verschiedene Stammtöne spielen: h (Leersaite), c' (1. Bund) und d' (3. Bund).

Im Notensystem befindet sich h genau in der Mitte, also auf der mittleren Notenlinie, c' zwischen dritter und vierter Notenlinie und d' auf der vierten Notenlinie.

Die folgenden drei Notenbeispiele sind Übungen mit den Tönen der zweiten Saite:

Nun ist es an der Zeit, die Töne der ersten und der zweiten Saite zu verbinden. Schauen wir uns zunächst einmal die in dieser Folge bisher gelernten Töne im Überblick an. Hier siehst du diese sechs Töne noch einmal als Punkte auf dem Griffbrett:

Dieselben sechs Töne in der "amtlichen" Notendarstellung:

Je mehr Töne in Kombination vorkommen, desto schwieriger wird natürlich auch das Lesen und "Vom-Blatt-Spielen". Die nächsten Beispiele sind wieder Praxisübungen.

Die Stammtöne auf den mittleren beiden Saiten

Auf der dritten Saite merken wir uns in der ersten Lage nur zwei Stammtöne, g und a. Zwar können wir im vierten Bund zusätzlich den Ton h greifen, diesen haben wir aber bereits durch die zweite Saite (Leersaite) abgedeckt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit spielen wir h vorerst immer als leere h-Saite.

Im Notensystem befindet sich g auf der zweiten Notenlinie, a im zweiten Zwischenraum.

Die folgenden Übungen bestehen folglich nur aus den beiden Tönen g und a.

In Beispiel 18 kommt noch eine andere Schreibweise der Achtelnoten zum Einsatz, "Fähnchen" statt "Balken". Die Darstellung mit Querbalken funktioniert nur für Gruppen von Achtelnoten. Im letzten Takt befinden sich hier jedoch zwei einzelne Achtelnoten. Diese werden nicht mit Querbalken, sondern mithilfe von "Fähnchen" am oberen Ende des Notenhalses dargestellt.

Verlängerung von Noten durch Punktierung

Für das dritte Notenbeispiel zur g-Saite muss ich dich noch mit einer weiteren rhythmischen Besonderheit vertraut machen, der Punktierung von Noten. Ein Punkt hinter einer Note verlängert diese um die Hälfte ihres Wertes.

Um die Länge einer solchen Note exakt einzuhalten, müssen wir sie zunächst gedanklich halbieren. Eine Viertelnote entspricht in ihrer Dauer zwei Achtelnoten. Zu einer punktierten Viertelnote müssen wir dementsprechend noch eine Achtelnote, also die Hälfte ihres Wertes, hinzurechnen.

Sie hat also insgesamt einen Notenwert von drei Achtelnoten.

Auf der vierten Saite finden wir wieder drei Stammtöne: d (Leersaite), e (2. Bund) und f (3. Bund).

Die Note für d befindet sich unter dem Notensystem, die für e auf der ersten Notenlinie und die für f im ersten Zwischenraum.

Die folgenden Übungen beinhalten nur diese drei Töne.

Wichtig: Die Darstellung der Breite eines Taktes sagt nichts über seine gespielte, musikalische Länge aus. So kann es sein, dass ein nur aus einer ganzen Note bestehender Takt schmaler dargestellt wird als ein Takt mit acht Achtelnoten. Trotzdem sind beide Takte musikalisch gesehen gleich lang.

Verlängerung durch Haltebögen (Ligaturen)

In Beispiel 25 sind wir noch mit einer weiteren Möglichkeit konfrontiert, Töne zu verlängern. Eine gespielter Ton kann mit unseren bisherigen Möglichkeiten immer nur so lange dauern, wie der Takt lang ist. Natürlich gibt es im "wahren Leben" aber auch Töne, die über den Taktstrich hinaus klingen sollen. Für diesen Fall können Noten mithilfe eines Haltebogens verbunden werden. Die erste der beiden Noten wird dabei "normal" angeschlagen, aber zusätzlich um die Länge der zweiten Note verlängert. Zwei benachbarte Noten können also zu einer einzigen verbunden werden, was das Notieren von Tönen mit mehreren Takten Dauer möglich macht.

Auch innerhalb eines Taktes finden Haltebögen mitunter Verwendung, sie können die Lesbarkeit des Notenbildes im Einzelfall verbessern. In den Takten 4 und 6 gäbe es rein rechnerisch auch andere Möglichkeiten, Töne dieser Längen zu notieren, die Schreibweise mit Haltebögen dient hier jedoch der Übersichtlichkeit.

Die nächste Aufgabe besteht darin, die Töne der mittleren beiden Saiten zu verbinden. Hier siehst du sie im Überblick auf dem Griffbrett:

Dieselben fünf Töne als Noten im Notensystem:

Nun wollen wir natürlich auch diese fünf Töne mithilfe dreier Notenbeispiele üben:

Die Stammtöne auf den oberen beiden Saiten

Auf der fünften Saite finden wir die Töne A (Leersaite), H (zweiter Bund) und c (dritter Bund).

Im Notensystem finden wir A auf der zweiten Hilfslinie, H unter der ersten Hilfslinie und c auf der ersten Hilfslinie.

Die folgenden Übungen bestehen ausschließlich aus den Tönen der fünften Saite.

Nun kommen wir schon zur sechsten und letzten Saite, dann ist es geschafft!

Spielen wir die sechste Saite als Leersaite, erklingt ein E, der gegriffene Ton im ersten Bund heißt F und der im dritten Bund G.

Als Note dargestellt finden wir E unter der dritten Hilfslinie, F auf der dritten und G unter der zweiten Hilfslinie.

Übung macht den Meister, also gibt es gleich wieder drei Übungen mit diesen neuen Tönen:

Der Vollständigkeit halber wollen wir an dieser Stelle auch noch die Noten der fünften und der sechsten Saite in einigen Übungen kombinieren, bevor wir dann, wie schon in der ersten Folge des Notenworkshops, alle gelernten Töne in einer Abschluss-Etüde üben werden.

Schauen wir uns die sechs Töne noch einmal auf dem Griffbrett an:

Und hier zur Erinnerung noch einmal dieselben Töne in Notenschrift:

Es folgen drei Übungen mit den Tönen von E- und A-Saite.

Kombination aller Stammtöne der ersten Lage

Nun wird es heftig: Wir kombinieren alle bisher gelernten 17 Töne! Das folgende Beispiel zeigt alle Stammtöne der ersten Lage im Überblick:

Und hier noch einmal alle Stammtöne als Noten:

Als Abschluss dieser zweiten Folge dieses Notenworkshops gibt es nun noch eine längere Noten-Etüde, bei der alle bisher gelernten Töne in Kombination vorkommen. Hier kannst du testen, ob du schon alle Töne auswendig gelernt hast!

Das ist natürlich schon ganz schön viel Material, sodass du womöglich eine Weile brauchen wirst, bis du die Noten alle verinnerlicht hast. Das soll dich jedoch nicht entmutigen, denn mit etwas Geduld wirst du diese Noten bald wie geschriebenen Text lesen und sofort umsetzen können.

Die Stammtöne sind die Basis für alles Weitere, weswegen du hier unbedingt am Ball bleiben solltest. Nimm dir zum Üben möglichst jedes Mal wieder ein anderes, neues Notenbeispiel vor, sodass du nicht Gefahr läufst, immer ein- und dasselbe Beispiel mit der Zeit auswendig oder nach Gehör zu spielen, was ja nicht das Ziel der Übung ist.

Viel Spaß und viel Erfolg!

Christian

P.S. Videos zu diesem Thema und weitere Notenbeispiele zum Herunterladen findest du auch auf "www.gitarrenvideounterricht.de"

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