Hersteller_Clavia Stagekeyboard
Test
3
20.11.2012

Praxis

Bei den inneren Werten des neuen Nord Electro interessiert aus Sicht seiner Vorgänger natürlich vor allem die Orgelabteilung, welche nicht nur mit den neuen Drawbars glänzt, sondern auch eine überarbeitete B3-Simulation inklusive eines neuen Percussionsregisters und verbesserter Click-Sounds aufzuweisen hat. Wen dies im Detail interessiert, dem möchte ich den hervorragenden Bericht des Kollegen Schaadt zur Nord C2D hier auf bonedo.de empfehlen.

Die Überarbeitung der Orgelsektion ist wirklich sehr gelungen und bringt den Nord Electro noch deutlich näher an die originalen Vorbilder ran, obwohl es auch zuvor schon keinen Grund zur Klage gab über Clavias Arbeit in diesem Bereich. Klanglich hat sich zuvorderst etwas getan in Bezug auf die Hammond B3 und den Leslie-Effekt, während die Vox- und Farfisa-Sounds, die auch zum Repertoire des Nord Electro gehören, identisch geblieben sind. 

Ganz vorne sind bei den Fortschritten natürlich die neuen Zugriegel zu nennen. Clavias früherer Sonderweg, bei dem die Riegel aus LED-Ketten bestanden und mit Hilfe von zwei Tastern virtuell gezogen oder geschoben wurden, hatte zugegebenermaßen zwei klare Vorteile: Zum einen ermöglichte diese Lösung eine kompakte Bauweise. Zum anderen umging man elegant das sogenannte Recall-Problem. Wie von Mischpulten vielleicht bekannt, können echte Hardware-Bedienelemente einen abgespeicherten Zustand nur dann wirklich reproduzieren, wenn sie motorisiert sind. Da dies bei den Zugriegeln einer Orgel kein gangbarer Weg ist, hat man gewöhnlich das Problem, dass die Positionen der Riegel nicht den Werten eines gespeicherten Sounds, den man aufruft, entsprechen können. Es gibt von diesem Punkt an zwei Möglichkeiten: Entweder der Sound „springt“, sobald man einen Fader bewegt, zum neuen Wert, oder man muss den gespeicherten Wert „einholen“, also den Riegel genau an die gespeicherte Position bewegen, und erst dann reagiert der Sound auf Bewegungen des Bedienelements. Beide Varianten sind im Spielbetrieb nicht optimal. Clavias LED-Lösung hingegen zeigt immer den eingestellten Wert an, so dass man tatsächlich vom gespeicherten Sound ausgeht, sobald man etwas ändert.

Auch wenn ich Kollegen gesehen habe, die ziemlich behände mit dieser Clavia-Besonderheit umzugehen wissen, blieb sie für echte Orgelspieler doch eine Krücke. Und selbst für Gelegenheitsorganisten wie mich war die Lust sehr begrenzt, mit Hilfe der LED-Ketten beherzt am Sound rumzuschieben, weil es einfach umständlich und unsexy ist. Deshalb ganz klar: Auch wenn die neuen Drawbars irgendwie gewöhnlicher sind, bringen sie das Ganze doch extrem voran. Die Riegel selbst kommen in einer modernen Form daher, die sich vom Hammond-Vorbild absetzt, nämlich als Schieberegler mit aufgesetzten Kappen. Sie lassen sich gut bedienen, fallen aber qualitativ deutlich ab gegenüber der recht edlen Machart der anderen Bedienelemente. Bei der C2D hat man sich zum Thema Recall-Problem übrigens ganz gut aus der Affäre gezogen mit Hilfe von LEDs und Presets (siehe Artikel zur C2D). Beim Nord Electro bleibt das erwähnte Problem: Die Einstellungen springen beim Bedienen der Riegel sofort auf den neuen Wert.

Klanglich lassen sich die Fortschritte am besten messen, indem man den Neuen mit einem Vorgänger vergleicht. Deshalb habe ich den Nord Electro 4D gegen meinen Nord Electro 3HP antreten lassen. Die Veränderungen bei den Clicksounds und im Percussionsregister gehen klar hörbar in Richtung mehr Schmutz. Beim Click muss die Vorgängervariante mit einem Sample auskommen, das beim Loslassen der Taste getriggert wird – einem mittigen Klacken. Beim 4D neu hinzugekommen ist ein heftig schmatzendes zweites Samples, das ausgelöst wird, wenn man die Tasten sehr schnell loslässt. Dadurch entstehen beim Staccatospielen Nebengeräusche, die deutlich aggressiver daherkommen als beim 3HP, was in Reinform für meinen Geschmack beinahe absurd klingt (man kann die Lautstärke der Geräusche im Menü verändern). Schickt man das Ganze allerdings durchs Leslie, macht alles wieder Sinn. Es entsteht ein deutlich rotzigerer, lebendigerer Sound. Auch das Percussionsregister wurde in Richtung Aggressivität überarbeitet. Es klingt sehr viel metallischer. Dagegen mutet der Nord Electro 3HP insgesamt fast brav an.

Auch die eigentliche Klangerzeugung der B3-Simulation wurde überarbeitet. Zwischen ihr und der C1-Variante im 3HP liegen mittlerweile zwei Generationen. Die Neue klingt zwar nicht völlig anders, wirkt aber sonorer und die hohen Register scheinen mir durchsetzungsfähiger zu pfeifen.

Merklich verbessert zeigt sich auch das Leslie, welches diesmal dem Modell 122 nachempfunden ist. Man kann sogar zwischen einer sehr schön räumlich klingenden normalen Variante und einer Ausführung mit naher Mikrophonierung wählen. Wie die Audiobeispiele zeigen, ist die neue Leslie-Simulation ein spürbarer Schritt nach vorne, sie klingt organischer, in ihrer Räumlichkeit viel natürlicher und irgendwie differenzierter als die ältere Version im 3HP. Zwar ist das alles noch ein gutes Stück entfernt von den Besten der Zunft (wie dem Ventilator), ganz zu schweigen vom Original. Dennoch: Daumen hoch für diese Weiterentwicklung.

Der Vergleich mit der älteren Orgelversion im 3HP zeigt ganz klar, dass die mehreren kleinen Verbesserungen insgesamt große Wirkung haben. Ohne den Vergleich kann man mit der B3 aus dem 3HP sehr zufrieden sein. Die Orgel aus dem Nord Electro 4HP hat jedoch viel mehr Lebendigkeit, Tiefe und, wenn gewünscht, Aggressivität und lässt das ältere Modell tatsächlich etwas alt aussehen.

In der Piano-Sektion des Nord Electro tummeln sich nicht nur die eigentlichen Piano- (Flügel und Uprights) und E-Pianosounds (Rhodes, Wurlitzer, CP-80), sondern auch Clavinet, Harpsichord sowie die Sounds aus der Nord Sample Library. Im Grunde ist also die Bezeichnung "Piano" etwas verfehlt. Übrigens muss man sich beim Nord Electro zwischen Orgel- und Piano-Sektion entscheiden. Es kann immer nur eines von beidem gespielt werden, während beispielsweise das Nord Stage in einem Programm alles gleichzeitig anbietet. Damit fallen Layersounds oder Splits leider flach.

Der Piano-Bereich lässt den Spieler beim Sound zwischen sechs Kategorien wählen: Grand, Upright, E-Piano1, E-Piano2, Clavinet/Harpsichord und Sample Library. In diesen Kategorien gibt es dann jeweils verschiedene (durchnummerierte) Varianten, also zum Beispiel bei E-Piano1 ein Rhodes MkI, ein MkII etc. Auch hier erschwert leider das fehlende Display die Arbeit, denn anders als beim Nord Stage muss man wissen, welche Variante welchen Samples entspricht, es ist nirgendwo ablesbar.

Spannend ist nun, dass man mit Hilfe der mitgelieferten Software die Kategorien so befüllen kann, wie man möchte. So stehen zum Beispiel nicht weniger als sieben Flügel zur Verfügung, die man kostenlos von der Clavia-Seite herunterladen kann. Diese werden zudem in verschiedenen Qualitäten von schlicht bis superdetailreich angeboten, was das Jonglieren mit dem spärlichen Speicherplatz etwas erleichtert. Da Clavia außerdem, wie schon oft von mir hervorgehoben, sehr fleißig ist beim Anbieten neuer Sounds, kann man den Nord Electro ganz nach den eigenen Vorstellungen umbauen, gerade so, als bekäme man in regelmäßigen Abständen eben ein neues, anders klingendes E-Piano.

Da die Sounds der jeweiligen Librarys schon in mehreren Tests besprochen wurden, wage ich hier zunächst mal eine kleine Zusammenfassung. Alle Pianosounds gehören nach meinem Dafürhalten zum Besten, was aktuell (in Hardwareform) zu haben ist. Ich habe sie nun über viele Jahre in allen möglichen Situation live und im Studio benutzt, und sie erstaunen mich immer wieder mit ihrer grandiosen Spielbarkeit, ihrer Durchsetzungsfähigkeit und gleichzeitig großen Detailtreue. Ein neues Feature schon beim Nord Electro 3HP, und jetzt auch beim 4D, sind das für akustische und elektrische Pianos wählbare längere Ausklingverhalten (also weniger Dämpfung) und die Saitenresonanzen, die bei gedrücktem Sustain-Pedal einen sehr schön schwebenden und komplexen Klang erzeugen.

Die Rhodes-Sounds gefallen mir ebenfalls sehr gut, auch wenn Clavia hier nicht so exzeptionell ist wie bei den Pianos. Gut zu gebrauchen sind das CP-80 und das Clavinet, welches die vier Pickup-Varianten des Originals einfängt und sich außerdem über die Clav-EQ-Buttons in 15 verschiedenen Einstellungen filtern lässt, genau so wie beim echten D6. Bei den Harpsichords bin ich immer ein wenig zurückhaltend bei der Beurteilung, da mir hier das Original so fern ist. Für meine Ohren klingen die beiden angebotenen Varianten okay, ob man damit aber in der Kölner Philharmonie antreten möchte, weiß ich nicht – wohl eher nicht.

Das Stiefkind der Sammlung ist und bleibt leider der so wichtige Wurlitzer-Sound. Hier hat Clavia, trotz vielfach geäußerter Kritik, seit Jahren nicht nachgebessert. Zwar erscheinen in regelmäßigen Abständen neue akustische Pianos, aber die einzige Wurli-Version, die zur Verfügung steht, bleibt unangetastet. Sie ist, das muss man sagen, nicht richtig schlecht – insbesondere, wenn man ihr mit Tremolo und Amp-Simulation ein wenig auf die Beine hilft. Aber von einem beindruckenden, geschweige denn authentischen Wurlitzer-Erlebnis ist das weit entfernt.

Etwas näher angeschaut habe ich mir diesmal einige Teile der Nord Sample Library. Diese ist über die Jahre stark gewachsen und man kann sich auf der Clavia-Seite recht beindruckend ein Bild davon machen, was einem da alles ohne Mehrkosten geboten wird. Die Bibliothek erstreckt sich von den beiden bandbasierten Kostbarkeiten Chamberlin und Mellotron über natürliche und künstliche Strings, Bläser, Percussion und Drums, Akkordeons und gesampelte Orgeln, Gitarren, Bässe, Vocals, Akustik- und E-Pianos bis hin zu einer stattlichen Fülle an Synth-Schätzchen, zu denen selbstverständlich mit den Nord Leads auch Klangerzeuger des eigenen Hauses gehören. Naturgemäß ist die Qualität sehr unterschiedlich, allerdings immer auf einem guten Niveau. Für mich sehr hervorzuheben sind einige Streichersounds, die ich z. B. in meinem Nord Wave benutze. Selten haben Sounds live so häufig zu Nachfragen geführt: „Kamen die DA raus?“

Für die nächsten Sounddemos habe ich mich bei den Samples des Yamaha CS-80 und des Oberheim OB8 bedient. Technisch funktioniert dies so, dass man sich die Files zunächst von der Website herunterlädt. Danach startet man den Clavia „Nord Sound Manager“. Über USB baut dieser eine Verbindung zum Nord Electro auf, und man kann nun Programme und Samples hoch- und runterladen und bearbeiten. So kann man nicht nur in der eigentlichen Piano-Sektion die Varianten in den Kategorien bestimmen (also Rhodes MkI auf Variante 1, MkII auf Variante 2 etc.), sondern auch jene Samples aus der Nord Sound Library auswählen, die im Nord Electro dann verfügbar sein sollen.

Kommt man beim Nord Electro 4D an diesem Punkt an, stellt sich schnell heraus, dass der Speicherplatz tatsächlich sehr knapp bemessen ist. Nachdem ich alles außer meinen beiden Lieblingsstreichersounds im Speicher gelöscht habe, lade ich die 19 Samples des CS-80 in den Nord Electro und: Es bleiben mir nur noch 14 MB. Damit finden nicht mal mehr die OB8-Sounds Platz, und ich muss schon anfangen auszusortieren. Auch wenn der Nord Electro sicherlich nicht als Sampleworkstationmonster gedacht ist, bleibt diese dünne Ausstattung ärgerlich, weil man so einfach schlecht arbeiten kann und außerdem ständig am Speicherplatz-Hungertuch nagt. Beim ebenfalls brandneuen Nord Electro 4HP hat sich der Platz beider Speicher (für Pianos und die Sample Library) immerhin verdoppelt. Das sollte das Minimum sein. 

Sobald die Sounds im Speicher sind, profitiert der Nord Electro – wie alle seine Brüder – davon, dass Clavia den schnellen Zugriff favorisiert. Um beim gewünschten Gesamtsound anzukommen, muss man eben nicht durch nüchterne Menüs steppen, sondern kann bei Tastern und Potis Hand anlegen. Noch in der Piano-Sektion lässt sich zum Beispiel zwischen jeweils langem oder kurzem Attack und Release wählen. Das ist zwar nicht zu vergleichen mit den Möglichkeiten einer richtigen Hüllkurve, funktioniert aber erstaunlich gut. Also: Streicher mit langsamem Attack und langem Release. Synth-Arpeggio-Sound jeweils mit den kurzen Varianten. Fertig.

Vom Basissound ausgehend, führt der nächste Schritt unweigerlich in die Effektsektion, die wirklich ein ganzes Pfund an Bearbeitungsmöglichkeiten bietet. Neben einem 3-Band-EQ mit durchstimmbaren Mitten gibt es 4 weitere Effekte, die zugeschaltet werden können. Bei „Effect 1“ hat man die Wahl zwischen Tremolo, Pan und Wah. „Effect 2“ bietet Phaser, Flanger und Chorus. Die dritte Einheit versammelt 3 Amp-Simulationen (Jazz Chorus, Fender Twin und etwas kleines Giftiges), das Leslie und einen Kompressor. Schließlich folgt eine Abteilung mit Delay und Reverb.

Die Bedienung der Effekte ist schlicht. Sie können ein- und ausgeschaltet werden, über einen Taster steppt man durch die einzelnen Wahlmöglichkeiten pro Effektslot, und ein Poti regelt die Intensität des Effekts. Dabei gibt es in der Regel von jeder Effektart 3 Varianten, die unterschiedlich heftig sind. Möchte man also einen Chorus, kann man sich unter „Effect 2“ zwischen 3 Exemplaren mit unterschiedlicher Modulationstiefe entscheiden. Das Poti regelt dann die Modulationsgeschwindigkeit. Dies ist z. B. beim Nord Stage cleverer gelöst, denn dort teilen sich die Effekte einfach zwei Potis für „Rate/Tempo“ und „Amount“, so dass für jeden Effekt Intensität und Geschwindigkeit voll regelbar sind. Aber ähnlich wie bei anderen Verknappungen, die Clavia (aus nachvollziehbaren Gründen oder nicht) einbaut, liefern die voreingestellten Parameter immer gute Ergebnisse, so dass man ganz detaillierte Kontrolle selten vermisst.

Etwas eigen ist das Modul für Delay und Reverb. Hier regelt das Poti sinnvollerweise einfach den Effektanteil. Zwischen Delay und Reverb schaltet man um, indem man die Shift-Taste gedrückt hält, welche generell bei Clavia die Zweitfunktionen von Tastern aktiviert, und einen Delay-Taster bedient. Da man hierzu zwei Hände benötigt, finde ich diese Haptik ziemlich unpraktisch. Hier hätte ein weiterer Taster geholfen.

Mit einem Auswahltaster klickt man sich beim Reverb durch die größer werdenden Hallprogramme von Room bis Hall. Beim Delay wird von Programm zu Programm das Feedback größer. Die Delay-Zeit wird recht umständlich mit festgehaltener Tempo-Taste über Up- und Down-Taster bestimmt (während man immerhin die Delayzeit in Millisekunden im Display sieht). Das ist allerdings ziemlich unpraktisch, zumindest wenn man die Zeit live bearbeiten möchte. Schon viel handlicher ist da die Bedienung des Tap-Taster. Dennoch halte ich eine Kombination aus Poti und Tap-Knopf, wie z. B. beim Nord Wave, für sehr viel besser.

An dieser Stelle bietet sich ein kurzer Produkt-philosophischer Exkurs an, denn ich frage mich, warum Clavia klare Detailverbesserungen entwickelt, sie dann aber nicht allen Kindern der Familie zuteil werden lässt. Beispiele: Die aktuellen Modelle der Nord Stage und Nord Electro-Reihen verfügen nun (endlich) über USB-MIDI, die neue C2D aber nicht. Der neue Nord Electro 4HP bietet eine Verdoppelung des Speichers gegenüber der Version 3, der Nord Electro 4D jedoch nicht. Dafür hat der 4D die neuen Zugriegel, der ebenso neue 4HP nicht. Beim Nord Stage lassen sich Effekt-Geschwindigkeit und -Stärke für alle Effekte getrennt regeln, beim Nord Electro nicht. Als der Nord Electro 3HP herauskam, gab es bereits die C2-Orgel, dennoch musste sich der 3HP mit der C1-Variante begnügen. Rein technisch scheint mir das alles nicht erklärbar, und ein bewusstes Downsizing von Produkten wollen wir Clavia mal nicht unterstellen. Das Problem ist, dass man sich bei ganz neuen Produkten technisch abgehängt fühlt, wenn es in der gleichen Firma bereits bessere Lösungen gibt, als die, welche man in seinem Produkt vorfindet. Davon bin ich jedenfalls kein Fan.

Zurück zu den Effekten. Wie man an den Soundbeispielen hören kann, sind eigentlich alle Effekte von guter Qualität. Sogar beim Recording hinterlassen sie noch einen passablen Eindruck, auch wenn sie sicherlich primär für den Live-Einsatz gedacht sind. Dass sich das Reverb nicht mit einem Faltungshall à la Altiverb messen kann, versteht sich. Aber ich finde es doch erstaunlich, wie man beispielsweise aus den Synth-Sounds der Library mit wenigen Handgriffen ziemlich ordentlich klingende Patches bauen kann, die druckvoll bleiben und sich schön ins gemachte Effektbett setzen.

Was die Sounds der Nord Sample Library angeht, sollte sich jeder – auch anhand der Soundbeispiele auf der Clavia-Seite – selbst einen Eindruck verschaffen. Ich bin bei Sounds immer ziemlich kritisch und habe es selten erlebt, dass ich einen neuen Synthesizer von Yamaha, Roland, Korg oder sonst wem anteste und denke: „Wow, was für geile Sounds.“ Ich halte es da eher mit den Analogen. Insofern hätte ich mir durchaus vorstellen können, dass man bei einer Auswahl von weniger als 20 Sounds des legendären Yamaha CS-80 für mehr Aufsehen hätte sorgen können, als Clavia das hier gemacht hat. Aber wir wollen nicht unfair sein, denn alle Sounds, die ich bisher aus der Library probiert habe, klangen gut, und in jedem „Paket“ waren mindestens 4 oder 5, die ich richtig gut fand. Wenn man also mit dieser Quote nach dem eigenen Geschmack eine Auswahl aus der Bibliothek trifft, landet man bei einem sehr stattlichen Pool guter Sounds. Und man darf nicht vergessen, dass die Kernaufgaben des Nord Electro durchaus bei Orgel und (E-)Piano zu sehen sind.

Um den Workflow noch zu Ende zu führen, muss der programmierte Sound natürlich noch gespeichert werden. Hierfür bietet der Nord Electro 32 Bänke mit je vier Speicherplätzen an. Eine Besonderheit sind die vier Live-Speicherplätze, auf die man zum einen sehr schnell zugreifen kann und die zum anderen deshalb besonders sind, weil sie die gemachten Änderungen automatisch sichern. Die Anzahl der Speicherplätze finde ich ausreichend, allerdings muss man auch an dieser Stelle der Bedienung kleine Abstriche machen. Denn aufrufen lassen sich die Programme nur über zwei Taster für Bank auf/ab und 4 Buttons für den Programmplatz. Es gibt also – wie bei Clavia üblich – keine Zahlentasten zum Direktanwählen, was ich nicht unbedingt problematisch finde. Anders als beim Nord Stage oder beim Nord Wave gibt es aber auch kein Drehrad. Wenn man da von Programm 1:3 zu Programm 28:2 möchte, werden die Finger schon mal heiß und es dauert auch ein Weilchen – definitiv unpraktisch und wiederum unverständlich, da es auch hierfür die bessere Lösung bei anderen Clavia-Produkten schon gibt.

Der Samplespeicher ist gefüllt, der Sound programmiert, das wertvolle Werk abgespeichert – ab jetzt geht es nur noch ums Spielen. Deshalb ein letztes Wort zur Tastatur. Wie bei Clavia üblich stammt die Waterfall-Tastatur des Nord Electro 4D aus dem Hause Fatar und ist qualitativ über jeden Zweifel erhaben. Sie spielt sich wunderbar präzise und griffig. Das Leid mit den Tastaturen ist für meinen Geschmack immer nur, dass sie eben unterschiedlich gut zu unterschiedlichen Sounds passen. Die Waterfall gehört natürlich originär zum Hammond-Sound, und Orgeln oder Synthsounds spielen sich darauf wunderbar. Das gilt für mich dann bei E-Piano-Sound schon sehr viel weniger, und akustische Pianos spiele ich auf dem Leichtgewicht ziemlich ungern. Hier punktet die HP-Variante des Nord Electro mit einer unglaublich tollen, satt gewichteten Tastatur, die dann aber wieder das Orgelspielen zur Qual macht. Sei's drum, für diese Dilemma kann ja Clavia nun nichts ...

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