Workshop
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19.05.2021

NI Kontakt 6 Tutorial

Workshop: Layering, eigene Instrumente und Effekte

Mehr rausholen aus dem Sampler-Giganten

Kontakt von Native Instrument (NI) ist, was Menge und Vielfalt an Sample-Libraries betrifft, unangefochtener Spitzenreiter im Softwarebereich und zentrales Instrument in Komplete 13. Nicht nur die vielen fertigen Libraries von Native Instruments sowie Output, Spitfire und unzähligen Free-Instrumente machen den Sampler zu einem der vielfältigsten Instrumente auf dem Markt. In Kontakt selbst geht noch so viel mehr. Vom einfachen Layering von Sounds und Multi-Ausgang-Routing über selbstkreierte Instrumente hin zu Modulation wie im Synthesizer könnt ihr fast alles damit machen. 

Wenn ihr Kontakt, das mit 399 Euro nicht gerade günstig ist, erst einmal antesten möchtet, dann seht euch vielleicht zunächst den Kontakt Player, Teil des kostenlosen Softwarepakets Komplete Start, an. Haupteinschränkung im Vergleich zur großen Version sind hier die fehlenden Möglichkeiten, Instrumente selbst zu kreieren und bestehende zu bearbeiten. Außerdem könnt ihr nur Libraries großer Hersteller in Kontakt Player laden, Freeware-Instrumente bleiben meistens außen vor. Dass aber auch mit dem Kontakt Player schon einiges möglich ist, seht ihr in den ersten beiden Abschnitten unseres Workshops.

Nach der Arbeit mit Kontakt Player geht es ans Selbermachen, fertige Instrumente spielen kann ja jeder. Wir fangen an mit einem einzelnen Klavier-Sample, das wir in Kontakt laden, einstellen und speichern. Anschließend zeigen wir euch, wie ihr ein Sample in Kontakt loopt, wie ihr im Sampler Effekte ladet und ihr diese moduliert – Stichwort Wah Wah und Vibrato. Zum Schluss schauen wir uns noch an, wie ihr die Abspielgeschwindigkeit von Samples unterschiedlicher Tonhöhen in Kontakt mit Time-Stretching-Algorithmen angleicht, sodass ihr aus einer Gesangsaufnahme (fast!) einen ganzen Chor machen könnt.

Layering in Kontakt (Player)

Das Hauptfenster in Kontakt lädt geradezu dazu ein, mehr als ein Instrument gleichzeitig zu laden. Wir bauen uns ein Layer aus drei Instrumenten aus der Kontakt Factory Library: aus dem Cello Ensemble, der Orgel „Born to C3“ und dem virtuellen Chor-Synth-Preset „In a Lonely Place“. Ihr könnt das Layering natürlich auch mit Presets aus ALLEN für Kontakt geeigneten Libraries gestalten. Eine Library mit verschiedenen Presets mehrfach untereinander zu layern ist ebenso möglich, und das bis zu 64 Mal in einer Kontakt-Instanz!

  • Per Drag-and-drop ziehen wir uns das Cello Ensemble aus den VSL Strings im Orchesterordner der Kontakt Factory Library ins Hauptfenster – so weit, so klassisch. 
  • Dann geht es innerhalb der Kategorie „Band“ zu den „Organ“-Sounds. Dort wählt ihr den „Born to C3“-Sound und zieht ihn unter das Cello Ensemble. Spielt ihr MIDI-Noten oder einen Clip ab, ist von diesem Sound aber noch nichts zu hören. Das liegt am falsch zugewiesenen MIDI-Kanal. MIDI-Controller und MIDI-Clips senden alle, sofern nicht falsch oder anders eingestellt, auf MIDI-Kanal 1. Kontakt verändert beim Layern die MIDI-Kanäle jedes weiteren Instruments. Das Orgelinstrument ist gerade quasi blind für eure MIDI-Noten. In der Titelzeile von „Born to C3“ gibt es einen Bereich „MIDI Ch.“, dort seht ihr eine 2. Ihr klickt auf den kleinen Pfeil neben der Zahl, geht zu „Port A [from Host]“ und wählt dort die 1. Nun ist das Instrument zusammen mit dem Cello Ensemble zu hören.
  • Dazu passen wir oben rechts in „Born to C3“ noch die Lautstärke auf das Cello Ensemble an und ziehen den Regler auf -6.0 dB. 
  • Für das dritte Instrument geht ihr in die „Synth“-Kategorie, dort zu „2 – Choir“ und zieht dann „In a lonely place“ unter die zwei bereits geladenen Instrumente. 
  • Anschließend ändert ihr wieder den MIDI-Kanal auf 1 und passt die Lautstärke des Instruments an – ebenfalls -6.0 dB.

  • Damit sich der Chor etwas besser von den beiden anderen Instrumenten abhebt, stellen wir ihn so ein, dass er immer eine Oktave höher spielt. Dafür geht es im „In a lonely place“-Instrument unten links zu „Options“ und dort bei „Oct“ auf „1“.
  • Fertig ist euer erstes Multi-Instrument. Damit ihr diese Kombination nicht jedes Mal per Hand laden müsst, speichern wir das Multi noch ab. Oben in Kontakt geht es auf das Speichersymbol und dann auf „Save multi as...“. Das Layering könnt ihr auch schon im Kontakt Player vornehmen. 

Multi-Ausgang in Kontakt – jedes Instrument mit eigenen Effekten

Wenn wir jetzt schon mehrere Instrumente gleichzeitig spielen und ihre Lautstärke variieren, dann ist der Weg zu den individuellen Effekten nicht mehr weit. Bei unserem Layer-Instrument könnte der Chor z. B. etwas Hall gebrauchen, die Orgel etwas Delay und das Cello Ensemble ein wenig mehr Biss durch ein Distortion-Plugin. Laden wir diese Effekte aber einfach in der DAW als Inserteffekt hinter Kontakt, verändert dies alle Instrumente gleichzeitig.

Dafür gibt es den Multi-Ausgangsmodus. Am häufigsten wird er bei Drum-Plugins wie Addictive Drums 2Superior Drummer 3 oder Battery 4 genutzt, um verschiedene Effekte auf die einzelnen Drum-Sounds zu legen. Hier unterscheidet sich das Setup je nach DAW. Grundsätzlich müsst ihr zusätzlich zu der Spur, auf der Kontakt liegt, auch die gewünschte Anzahl an Aux-Kanälen erzeugen. Ihre Eingänge werden dann mit Kontakt verbunden. 

In Kontakt selbst funktioniert die Verteilung mehrerer Ausgänge denkbar einfach.

  • Ihr öffnet den „Output“-Bereich im Ansichtsmenü.
  • In diesem Bereich sind standardmäßig zwei Ausgänge angelegt. Anstatt jetzt mühsam händisch Ausgänge für alle Instrumente zu erstellen und die alten zu löschen, lassen wir Kontakt die Arbeit über einen Befehl erledigen. Klickt auf „Presets / Batch Configuration“ und geht auf „Batch Functions“.
  • Wählt „Clear output section and create one individual channel for each loaded instrument”. Der längste Menüpunkt der Softwarewelt besagt ganz schlicht, dass alle bestehenden Ausgänge in Kontakt gelöscht und jedem geladenen Instrument ein eigener Ausgang zugeordnet wird. Wie praktisch!
  • Ob das Routing erfolgreich war, seht ihr daran, dass in den mit Kontakt verbundenen AUX-Kanälen in eurer DAW die Pegel der einzelnen Instrumente zu sehen sind.
  • Nun kann jedes Instrument jeweils eigene Effekte bekommen. Dieses Routing ist auch mit dem Kontakt-Player möglich!

Kontakt-Instrument mit geloopter Saw-Wave

Ein Piano-Sample zu loopen, Kontakt den Ton also so lange abspielen zu lassen, wie ihr die MIDI-Note haltet, ist wenig sinnvoll, da der Klavierton mit einem Transienten beginnt und dann schnell ausklingt. Wir bauen uns also ein zweites Instrument – mit einer Saw-Wave. Diese Sounds lassen sich einfacher loopen, vorausgesetzt ihr setzt die Loop-Punkte gut. Kontakt bringt dafür praktische Hilfen mit.

  • Wie beim Pianoinstrument zuvor erzeugen wir auch hier eine neue Kontakt-Instanz und ziehen die Audiodatei „Sawwave.wav“ ins leere Hauptfeld von Kontakt. Sofort erzeugt Kontakt ein neues Instrument. Wie schon in Schritt 4 des vorangegangenen Instruments prüft ihr am besten auch jetzt zuerst, ob die Tonhöhe passt. 
  • Länger gehaltene Noten sind immer noch nicht möglich – der Ton bricht ab, sobald das Ende des Samples erreicht ist. Auf geht’s also mit einem Klick auf den Werkzeugschlüssel in das Kontakt-Instrument und anschließend ab in den Bereich „Wave Editor“. 
  • Unten links unter der Wellenform sieht man auch schon den Bereich „Sample Loop“. Am rechten Rand davon befindet sich ausgegraut ein „Anknopf“. Sobald ihr diesen anklickt, wird die Wellenform darüber gelb unterlegt und ihr könnt es in jeder Tonhöhe so lange spielen, wie ihr wollt. 
  • Haltet ihr einen Ton länger, werdet ihr ein leises Klicken hören. Das ist der Moment, wenn Kontakt vom Sample-Ende zum Anfang springt. Der „Loop Edit“-Button hilft dabei, Start- und Endpunkt des Samples so aufeinander anzupassen, dass das Klickgeräusch nicht mehr hörbar ist. Wenn ihr auf den Button klickt, seht ihr jetzt darüber in Großansicht links das Ende des Samples und rechts den Anfang. Schiebt ihr nun beide so aneinander, dass die gelben Sample-Linien am Schnittpunkt genauer ineinander übergehen, ist das Knacken nicht mehr zu hören. 

Tipp: Solltet ihr einen der Timestretching-Algorithmen in Kontakt ausgewählt haben, funktioniert dieses Aufeinanderschieben von Sample-Start- und -Endpunkt nicht. Nur im „DFD“-Modus, in dem das Sample von Kontakt einfach abgespielt wird, könnt ihr diese Anpassung vornehmen. 

Effekte in Modulation in Kontakt

Wie wäre es, wenn wir den Sawwave-Sound etwas interessanter gestalten? Ein leichtes Vibrato für etwas Lo-Fi-Feeling und dazu mit einem Filter und einer Hüllkurve etwas Bewegung erzeugen?

  • Klickt ihr direkt über den „Group Insert FX“ den großen „Tune“-Regler mit rechts an, könnt ihr aus einer Vielzahl an Modulatoren, wie man sie aus Synthesizern kennt, auswählen. Wir wählen bei „LFOs“ die „Sine“-Modulation aus. 
  • Direkt unter dem „Tune“-Regler taucht nun die Verknüpfung zu „LFO (sine)“ auf. Das Vibrato ist noch viel zu stark, wir drehen also die Modulationsstärke runter, bis es musikalischer klingt. 
  • Kontakt macht es bei der Platzierung der Effekte etwas uneindeutig, gibt es doch „Group Insert FX“ und „Instrument Insert FX“. Lediglich Effekte, die in den „Group Insert FX“ geladen werden, können auch moduliert werden. Wir laden also ein Filter im ersten Slot der „Group Insert FX“. Kontakt bringt 54 verschiedene Filter mit, ein klassisches Lowpass-Filter, das angelehnt ist an die legendären Leiter-Filter von Moog, wird es in unserem Fall: „Ladder LP4“.
  • Schon tauchen darunter die bekannten Filterregler „Cutoff“ und „Reso1“ auf. Den Cutoff dreht ihr auf ca. 500 Hz. 
  • Dazu soll eine Hüllkurve den Cutoff modulieren. Ähnlich wie beim Vibrato klickt ihr den Cutoff mit rechts an. Dieses Mal wählen wir allerdings eine Hüllkurve aus, und zwar „AHDSR“ bei den „Envelopes“. 
  • Wir verändern nun noch den Verlauf der Hüllkurve. Um die einzelnen Parameter einzustellen, müsst ihr nach unten zur Hüllkurve springen. Kontakt macht es leicht: Neben dem Modulator ist ein Shortcut, der uns direkt zur Hüllkurve bringt. 
  • „Attack“ wird auf 90 Millisekunden gestellt, sodass die Modulation weicher anfährt. 
  • Dann dreht ihr „Sustain“ komplett nach unten. Schon ist die Modulation gut zu hören. 
  • Speichert das Instrument wie im letzten Schritt des Klavieinstruments ab.

Timestretching für Samples in Kontakt

Wäre es nicht toll, ein ganzes Stück Gesang oder einen kompletten Loop in Kontakt zu laden und diesen dann in verschiedenen Tonhöhen, aber in derselben Geschwindigkeit abzuspielen? Lädt man einfach ein längeres Sample in Kontakt und spielt dann unterschiedliche Tonhöhen auf dem Keyboard, klingt es schnell mal chaotisch, da jede Tonhöhe in einer anderen Geschwindigkeit läuft. Kontakts Time-Machine-Algorithmen halten das Abspieltempo ähnlich wie Warping in Ableton oder Flex in Logic Pro-X immer gleich. 

  • Wir starten mit dem Vocal-Sample „Vocallayer.wav“ und ziehen es in eine neue leere Kontakt-Instanz. Kontakt erzeugt so automatisch ein Instrument. Beim Abspielen hört ihr, dass sich die Geschwindigkeit des Samples je nach MIDI-Note verändert. 
  • Die Ursache für die Geschwindigkeitsunterschiede liegt im Abspielmodus in Kontakt begründet: DFD (Direct from Disc). Im Bearbeitungsfenster von Kontakt finden wir unter „Source“ die entsprechenden Einstellungen. Insgesamt zehn verschiedene Abspiel- und Time-Stretch-Modi bringt Kontakt mit. Stellt ihr beispielsweise „Time Machine Pro“ ein, werden alle Noten in der gleichen (Original-)Geschwindigkeit abgespielt.

Instrumente und MIDI-Clips zum Download

Hier gibt es die vier Kontakt-Instrumente als Zip-Datei für euch zum Download. Habt ihr die ZIP-Datei entpackt, könnt ihr die nki-Dateien einfach in Kontakt öffnen. Bei der nkm-Datei und dem Layer-Instrument müsst ihr in eurer DAW zuerst zwei zusätzliche Aux-/Audio-Kanäle erstellen (siehe oben) und sie mit Kontakt verbinden.

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