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Test
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26.10.2017

Native Instruments Komplete Kontrol S61 MK2 Test

USB/MIDI Controller Keyboard

Verbesserter Workflow, übersichtliches Konzept!

Mit den Controller Keyboards der Komplete Kontrol Serie MK2 schicken Native Instruments ihr virtuoses Flaggschiff in die zweite Runde. Der Berliner Hersteller hat sowohl die Software als auch die Hardware rundum erneuert und will so den Workflow verbessern.

Der Controller ist fortan mit zwei hochauflösenden Farbdisplays im Maschine-Studio-Style, Pitch- und Mod-Wheels und einem zusätzlichen Touchstrip ausgestattet, was mehr Spielraum bei der Performance bietet. Hinzu kommen weitere Bedienelemente, mit denen sich neben Transportsteuerung auch DAW-Mixer und Arrangements in Maschine-Software direkt vom Controller bedienen lassen sollen. 

Zeitgleich erhält die Steuerzentrale „Komplete Kontrol Software“ ein Update auf Version 1.9, das auch die ältere Generation der Hardware mit neuen Features ausrüstet. Wir haben beide Generationen einander gegenübergestellt und gecheckt, wie sich das Hardware-Upgrade in der Praxis schlägt.

Details

Standalone, DAW-Plug-in und Maschine-Software

Bei der Komplete Kontrol Serie handelt sich um ein Verbundsystem aus Controller Keyboard und Softwareschnittstelle „Komplete Kontrol“, mit der sich direkt an der Hardware Plug-ins organisieren und durch vorgefertigte Mappings steuern lassen. Die Kontrol-Software ist ein Host, der vorgefertigte Mappings von über 300 kompatiblen Native-Instruments- und Dritthersteller-Plug-ins bereitstellt. Unterstützt werden auch viele Sample-Libraries, die für Native Instruments Kontakt erworben werden können.

Die Softwareschnittstelle gibt es standalone und als Plug-in für macOS ab 10.11 im VST-, AU- und AAX-Format (64 Bit) und für Windows ab Version 7 als VST- und AAX-Version (32 und 64 Bit). Sowohl die Transportfunktionen als auch der Mixer und Automationen vieler DAWs wie Ableton Live und Logic Pro X lassen sich über das Kontrol Keyboard steuern. Eine Integration für Cubase und Nuendo soll laut Native Instruments gegen Ende 2017 mit einem kostenlosen Update nachgereicht werden. Darüber hinaus sind die Komplete Kontrol Keyboards ohne weitere Konfigurationen zur Steuerung von Maschine-Software kompatibel. Die Controller können auch in einen „MIDI Mode“ versetzt werden, mit dem sich herkömmliche MIDI-CC-Daten an die DAW senden lassen. 

Tastatur

Die Keys fühlen sich sehr hochwertig an, was nicht zuletzt an der halbgewichteten Klaviatur des italienischen Herstellers Fatar liegt. Sie ist anschlagempfindlich, bietet Aftertouch und spielt sich angenehm sowie relativ geräuschlos. Im Vergleich zu ähnlichen Keyboards dieses Preissegments klappert oder bewegt sich nichts ungewollt in der Waagerechten – auch wenn man fester in die Tasten haut. Auf eine 88-Tasten-Variante mit Hammermechanik und eine 25-Tasten-Version, die bei MK1 ebenfalls zum Portfolio gehören, muss man bislang noch verzichten. Das S88 MK1 kam auch mit einer zeitlichen Verzögerung auf den Markt. Ob das dieses Mal auch so ist, bleibt abzuwarten. Der Feature-Umfang beider Keyboards ist identisch, weshalb sie sich nur in der Tastenanzahl (49 oder 61) unterscheiden – ob das einen Preisunterschied von rund 100 Euro rechtfertigt, ist fraglich. Unmittelbar über der Klaviatur befindet sich der Light Guide, welcher kontextbezogene Informationen darstellt. Dazu gehören Splittings, Chords, Skalen und Mappings.

Verbesserte Bedienoberfläche

Mein Wunsch, den ich im Review zur MK1 äußerte, geht mit der aktualisierten Bedienoberfläche in Erfüllung: Zwei hochauflösende Farb-Displays im Stile der Maschine Studio lösen die klein geratenen LC-Displays ab. Mit einer Größe von 95 x 55 mm pro Display gewinnt die Bedienung deutlich an Übersichtlichkeit, was sich beim Browsen der Sounds, dem Fernsteuern der Parameter und der DAW-Integration bemerkbar macht.

Verglichen mit MK1 fallen ebenso die neuen Pitch- und Modulation-Wheels ins Auge. Native Instruments hat die Touch-Strips der MK1 durch mechanische Räder ersetzt, was ich persönlich sehr begrüße. Sie sind gummiert und besitzen eine kleine Einbuchtung, wodurch sie im Eifer des Gefechts sehr griffig bleiben. Schön ist auch, dass sie ein wenig voneinander weggeneigt sind – dadurch rutscht man beim Performen nicht aus Versehen aufs benachbarte Wheel. Ein horizontal angebrachter „Touch Strip“ bleibt der Oberfläche jedoch erhalten, welcher MIDI Control Change Message C11 (Expression) an die Software sendet und mit verschiedenen Aufgaben belegt werden kann, etwa Noten-Strumming und Steuerung von Modulationen.

Wie auch der Vorgänger verfügt MK2 über acht Endlosdrehregler und einen zusätzlichen Push-Encoder zum Browsen von Plug-ins und Presets. Letzterer ist nun auch 4-direktional bedienbar, was ähnliche Bedienungen zulässt wie Pfeiltasten – beispielsweise zur Navigation in der DAW. Die Drehregler wurden dieses Mal endlich unterhalb der Displays untergebracht – so versperrt man sich beim Klangschrauben nicht selbst die Sicht.

Bei den Buttons hat sich weitaus mehr geändert: Auf der linken Seite werden die bisherigen Buttons zur Auswahl von Skalen und Arpeggiator nun durch Undo/Redo, Noten-Quantisierung und Automation ergänzt, sehr schön! Die Transportsteuerung von DAW und Maschine-Software wird mit Metronom und Tempo erweitert, welche die Forward- und Rewind-Buttons ersetzen. Direkt daneben kommen Mute und Solo sowie Preset-Buttons zum Durchskippen der Sounds hinzu. Wer Komplete Kontrol statt in der DAW in Maschine-Software nutzen möchte, darf sich direkt am Display über Buttons zur Steuerung von Scenes, Patterns, Tracks, Keymode und über einen zusätzlichen Clear-Button freuen. Direkt über den beiden Displays befinden sich weitere acht Buttons, die je nach Situation unterschiedliche Aufgaben und Farben erhalten. Bei allen Tastern handelt es sich um angenehm bedienbare Softbuttons inklusive Hintergrundbeleuchtung, wodurch sie auch in dunklen Räumlichkeiten gut erkennbar sind.

Äußerlichkeiten und Anschlüsse

Die Hochglanzbedienoberfläche des Vorgängers wird in MK2 durch eine matt gehaltene ersetzt. Fingerabdrücke und Staub fallen auf dem Controller dadurch weniger ins Auge. Mit Abmessungen von 1.006 x 84 x 297 mm (BxHxT) bringt das Kontrol S61 6,55 kg auf die Waage. 

Rückseitig verfügt der Controller über einen USB-Anschluss zum Datenaustausch mit dem Computer, Kensington-Slot zur Diebstahl-Sicherung, MIDI-I/O, zwei große Klinken für Expression- und Sustain-Pedale und ein 15-Volt-Stromanschluss inklusive Powertaster. Ein Netzteil ist in MK2 nicht enthalten, was daran liegt, dass die Keyboards ihre Stromversorgung nun auch über USB erhalten.

Komplete Select

Damit man sofort loslegen kann, stellt Native Instruments eine 25 GB große Klangpalette zum Download bereit. Darunter befinden sich die Software-Synthesizer Massive, Reaktor Prism und Monark. Hinzu kommen die Kontakt-Libraries The Gentleman, Drumlab, Retro Machines MK2, Vintage Organs, West Africa und Scarbee Mark 1. Als Effekte legt Native Instruments SSL Bus Comp und Replika dazu. Wer auf den gesamten Native Instruments Content zugreifen und die Power der Keyboards voll ausreizen möchte, sollte sich das All-in-One-Paket Komplete Ultimate einmal genauer anschauen, das wir ebenfalls im Test hatten. Für den Anfang ist man jedoch auch mit Komplete Select in puncto Klangmaterial für viele Musikstile ausreichend versorgt.

Aktualisierte Software, neue Features für beide Generationen!

Auch softwareseitig wurde einiges erneuert, um den Workflow zu beschleunigen und der Performance mehr Ausdruck zu verleihen. Das Schöne: Auch MK1 profitiert von den Neuheiten via kostenlosem Update! Viele Funktionen sind zwar umständlicher zu erreichen und durch die kleineren Displays verschachtelter untergebracht, darauf verzichten muss man dennoch nicht. Alle der folgend genannten Features stehen für MK1 und MK2 bereit.

Die DAW-Integration wurde durch automatische Konfiguration verbessert und das Metronom lässt sich direkt vom Controller aus aktivieren. Smart Play erhält über 100 zusätzliche Tonleiter und Modi, mit denen sich Melodien und Harmonien noch umfangreicher spielen lassen. Seit Version 1.1 lassen sich MIDI-Noten vom Smartplay-Feature auch in die DAW routen. Das haben wir im Review zu MK1 noch vermisst. Das Ganze funktioniert mit VST- und AAX-Plug-ins, leider jedoch nicht für AU-Instrumente, weshalb Logic-User leider darauf verzichten müssen.

Ein neuer Akkord-Position-Parameter erlaubt das Festlegen von Positionen einzelner Noten in Akkorden, was noch natürlichere Akkordübergänge erlaubt. Wer gerne in der Standalone-Version arbeitet, beispielsweise auf der Bühne, darf sich über Transportsteuerung von Clock-basierten Instrumenten freuen. Zum Vorhören der Sounds ist eine Sound-Preview-Funktion integriert. Welche Vorteile diese mit sich bringt, schauen wir uns im Praxisteil an.

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