Gitarre Bass
Feature
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18.06.2012

Wegweiser durchs digitale Dickicht

Musiker, das Internet und die digitale Gesellschaft: Tipps für Musiker im Netz

Urheberrechtsdebatte, GEMA vs. Youtube und Piraten, illegale Downloads und Filesharing, Crowdfunding und Spotify – Hier gibt es alle Tipps aus dem bonedo.de Podcast für Musiker im Netz. 

Niemand weiß nichts Genaues nicht: Das Internet bietet riesige Möglichkeiten für Künstler, gleichzeitig steigt aber auch die Konkurrenz ins Unermessliche. Außerdem ist sich die Gesellschaft noch nicht so richtig einig, wie sie mit dem neuen Medium umgehen soll - und da liegt großes Konfliktpotential. Im digitalen Dickicht aus Anonymous-Hackerattacken, einer immer weiter hochkochenden Urheberrechtsdebatte (youtube vs. GEMA), illegalen Downloads und Filesharing, einem Haufen neuer Techniken und yuppiger Start-Ups wie Crowdfunding und Streamingdiensten, wird es immer schwieriger sich zu orientieren. Im bonedo.de-Podcast versucht Jan Kuhlmann, der auch NJoy Radio Moderator ist, Licht in dieses digitale Dunkel zu bringen und Tipps für Musiker zum richtigen Umgang mit der veränderten Marktsituation zu liefern.

Die Urheberrechtsdebatte
Aktuell schlägt sie sich wohl in der vielzitierten "Wutrede" des Element Of Crime Frontmannes Sven Regener nieder, und betrifft natürlich ganz besonders junge Musiker. Aber auch die Konsumenten sind von der naturgemäß abstrakten Rechtsdiskussion über geistiges Eigentum und dem Streit zwischen GEMA und YouTube betroffen: Häufig wird Position gegen die "Verwerter-Mafia" bezogen – und damit unabsichtlich auch gegen die Künstler. Darüber freuen sich nur milliardenschwere Internet-Konzerne wie Google, Youtube und Co. Das regt Sven Regener auf: "Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert!" Es geht also um grundlegende Fragen: Welchen Stellenwert nimmt Kultur in einer Gesellschaft ein? Respektiert die Gesellschaft ihre Künstler? Wo liegt die Zukunft?

Podcast: Kettcar

Sven Regener hat eine raue Urheberrechts-Debatte angestoßen. Marcus Wiebusch von Kettcar sieht alles nicht ganz so kompromisslos.

Mittlerweile hat die Diskussion die virtuelle Welt verlassen und sorgt für handfeste Wellen auf politischer Ebene: Die Piratenpartei hat den Sprung in einige Landtage geschafft und tritt dort vehement für eine Urheberrechtsreform ein. Marcus Wiebusch - Frontmann von Kettcar und Chef des Labels Grand Hotel van Cleef, auf dem u.a. auch Sven Regener unter Vertrag ist, schmeckt diese Entwicklung gar nicht. Seiner Meinung nach habe die Piratenpartei gar nicht das Recht, für Künstler zu sprechen. Sie vertrete nur die Konsumenten und deren Begehren nach kostenfreier Unterhaltung. Konträr dazu die Jungspunde von Kraftklub: Die Band ist trotz und wegen des Internets erfolgreich und kann die File-sharenden Konsumenten zumindest verstehen. Sie sehen die CD nur noch als aufwendige Promo für Konzerte. Die Schärfe dieser Debatte wird bereits in den ersten beiden Folgen des bonedo.de Podcasts deutlich.

Podcast: Kraftklub (II)

Die Jungs von Kraftklub sind im Gegensatz zu Sven Regener mit dem Internet aufgewachsen und widersprechen dessen Wutrede vehement.

Warum sperrt die GEMA YouTube Videos? 
Ein Grund für die an “Shitstorms” reiche Lebhaftigkeit der Diskussion ist sicher der Konflikt zwischen YouTube und der GEMA: Wer die Videoplattform von Deutschland aus aufruft, trifft immer häufiger auf einen unglücklichen “Frownie” und folgenden nervigen Hinweis: „Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderliche Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden." Das ruft unter Usern scharfe Reaktionen hervor: Warum sperrt die GEMA Videos? Das erscheint heutzutage anachronistisch, anmaßend und auch nutzlos, weil sich die YouTube-GEMA-Sperre auch mit einfachen Tricks umgehen lässt. Peter Hempel von der Verwertungsgesellschaft lässt sich das natürlich nicht gern sagen und argumentiert in der dritten Folge des Podcasts für eine starke Position der GEMA: Außerdem seien die Rechteverwerter für die Sperrungen auf der Videoplattform gar nicht direkt verantwortlich.

Die andere Seite der Medaille wird von Kay Oberbeck (Google Deutschland) beantwortet. Dieser sieht die Forderungen der GEMA zwar grundsätzlich als berechtigt an, beim Abrechnungsmodus und der Höhe der Vergütungen scheiden sich aber die Geister. Eine Einigung ist weiter nicht in Sicht und damit klettert der Konflikt langsam die juristischen Instanzen aufwärts. Egal wie es weiter geht, in diesen beiden Podcasts wird der Hörer aus erster Hand auf den aktuellen Stand gebracht.

Podcast: YouTube

Die GEMA vs. YouTube, Teil II. Kay Oberbeck von der Video-Plattform kontert.

Crowdfunding als Finanzierungsmodell für Musik- und Filmproduktionen.
Aber nicht überall wird gestritten: Singer/Songwriterin Julia Marcell, das Stromberg Filmprojekt, Public Enemy oder der Videospiel-Soundtrack-Komponist Chris Huelsbeck haben ihre Projekte über das so genannte Crowdfunding finanziert. Wie diese “Schwarmfinanzierung” funktioniert, und welche Tipps Julia Marcell dazu geben kann, lässt sich Jan Kuhlmann in dieser Folge erklären.

Podcast: Crowdfunding

Alle für einen und einer für alle! Wie Crowdfunding oder auch Schwarmfinanzierung euch helfen kann!

Lohnt sich die klassische Produktion noch? 
Ein Gespräch mit Produzent Franz Plasa. Theoretisch müsste jeder mittlerweile dank erschwinglicher Technik Musik in passabler Qualität aufnehmen können, ohne allzuviel Geld in die Hand zu nehmen. Dieser Umstand erfüllt klassische Produzenten natürlich eher mit Schrecken: Budgets für große Produktionen werden immer seltener, Die Luft wird zunehmend dünner. Franz Plasa, Chef der Hamburger HOME-Studios, hat vielen nahmhaften Künstlern wie Selig, Echt, Felix Deluxe oder aktuell Frida Gold zu einem passenden Soundgewand verholfen. Wie sieht er die Situation, was bedeutet ihm die Produktion mit Band?

Podcast: Franz Plasa

Wie geht aber ein Produzent der alten Schule damit um, wenn plötzlich jeder Musik aufnehmen kann? Franz Plasa im Gespräch.

Neue Verbreitungs- und Vertriebswege für Musik: Spotify und Co. 
Der größte Vorteil des Internets ist natürlich die weltweite Verfügbarkeit: Vertrieb und Verbreitung waren noch niemals so günstig und einfach – über jegliche nationale Grenzen hinweg. Dabei helfen natürlich auch die neuen Streamingdienste, wie SpotifySimfyNapster und Co. Sie können jungen Musikern und Bands eine weltweite Plattform bieten. Anders als YouTube, zahlen sie dafür auch Geld an die Künstler. Die Musikstreamingdienste bieten erstmals eine komfortable Alternative zum illegalen Filesharing. Simfys Marcus van Husen und Spotifys Axel Bringéus präsentieren das im bonedo.de Gespräch natürlich als Zukunft des Musikhörens – und damit auch der Musikindustrie bzw. des Musikvertriebs. Aber Künstler wie Newcomer Tim Bendzko sehen die Entwicklung der Streamingdienste durchaus ambivalent: denn einerseits ist die aufkeimende Akzeptanz zwar positiv, aber keiner weiß, ob sich das rechnen wird!

Podcast: Musikstreamingdienste

Mit Streamingdiensten wie Simfy, Napster und Spotify wird das Hören von Musik im Internet einfach und günstig. Die Zukunft des Musikkonsums?

Die traditionelle Musikbranche und das Netz
Aber ist es denn jetzt einfacher oder schwerer geworden durch das Internet, Erfolg zu haben als junge Band? Ein zweischneidiges Schwert sei das Internet, so der Musikmanager Alexander Maurus. Der langjährige Deutschlandchef des Major-Labels Warner ist ein Business Mann der alten Schule und regelt die Angelegenheiten für Künstler wie Max Mutzke, Sasha oder Locas in Love. Auf der einen Seite lasse sich dank des Internets aus eigener Kraft viel erreichen, auf der anderen wird das aber auch immer mehr von den Branchenvertretern wie Labels - oder eben Musikmanagern - vorausgesetzt. Und entgegen der weit verbreiteten Meinung im Internet werden diese nach wie vor gebraucht, wenn man Erfolg haben möchte. Was aber Erfolg bedeutet, sei eine ziemlich subjektive Sache, so der Manager im Staffelfinale des bonedo.de Podcasts. Ein weiterer interessanter und wenig beachteter Blickwinkel in das schummrige Licht des digitalen Dickichts, das mit jedem Tag weiter die traditionelle Musikbranche zu überwuchern scheint.

Podcast: Alexander Maurus

Ein Musikgeschäftsmann der alten Schule über Vor- und Nachteile des WWW und wozu man heute noch einen Manager braucht.

Natürlich kann niemand abschließend sagen, wie sich das weiter entwickeln wird: wir möchten mit dieser besonderen Staffel zum Themenkomplex aber einen Einstieg ins Thema ermöglichen und einen Überblick schaffen – denn dieses Thema geht alle Musikkonsumenten und Musikschaffenden an!

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