Bass Hersteller_MusicMan
Test
7
10.07.2013

Praxis

Ist man Music Man StingRay Bässe gewohnt, so wird man sich auf dem Classic Sabre umgehend zu Hause fühlen, das gesamte Spielgefühl ist vertraut. Denen, die noch keine Berührung mit diesen Bässen hatten, wird zunächst auffallen, wie schmal und geläufig einem der Hals erscheint, dazu bietet die Polyester-Hochglanzlackierung ein sehr geschmeidiges Spielgefühl. Einige mögen mittlerweile naturbehandelten Hälsen den Vorrang geben, zu dem Classic Sabre Bass passt dieser lackierte Hals jedoch ausgesprochen gut.

Was mir beim allerersten Anspielen mit voll aufgedrehten Potis auffällt, ist das etwas zahmere Soundverhalten des Classic Sabre im Vergleich zu StingRay Bässen. Für mich ein ausgesprochen positives Detail. Speziell die Auslegung des Bassreglers scheint sich hier in einem sinnvollen Normbereich zu bewegen, nachdem beispielsweise einige alte StingRay Bässe starke Subbassfrequenzen ausspuckten, die so mancher Box das Leben schwer machen (und beizeiten verkürzen) konnten. Hier, beim Classic Sabre, ist direkt plug & play angesagt. Die Höhen sind nicht zu harsch und die Bässe druckvoll, aber weder dumpf noch schwammig.

Bei den ersten Klangbeispielen sind deshalb alle Regler aufgedreht. Die Beispiele präsentieren die fünf Stellungen des Tonabnehmerwahlschalters.

Allesamt hochwertige Sounds, die sich klar voneinander unterscheiden. Der in Stellung 4 aktivierte Singlecoil produziert seinen precisionbassähnlichen Ton dank der „Silent Circuit“ Schaltung nebengeräuscharm - eine großartige Erweiterung im Arsenal dieses Basses. Hier geht‘s in die Welt der Bass-Sounds, die vom Sweet Spot profitieren, an dem die Singlecoilspule positioniert ist, und der vor allem in Rock, Blues und ähnlichen Musikstilen super funktioniert.

Hier folgt ein Beispiel mit allen fünf Schaltungsmöglichkeiten nacheinander, jeweils nach zwei Takten wechselnd. Dabei kann man sehr gut hören, wie sich der Charakter des Sounds verändert.

Kommen wir nun zum Slap-Klangverhalten. Erwartungsgemäß zeigt sich der Classic Sabre hier von seiner starken Seite in den Tonabnehmerschaltungen 1 bis 3. Zwar klingen auch die Stellungen 4 und 5 interessant, aber die besten Ergebnisse erreicht man mit den beiden Humbuckern in Kombination (Stellung 3) und in der Stellung 2, bei der Bridge-Humbucker und Singlecoilspule des Hals-Humbuckers kombiniert werden. Die erste Hälfte der Beispiele wird oberhalb des 12. Bundes eher zart geslappt, während in der zweiten Hälfte dann eine typische Slapfigur einsetzt.

Alle Stellungen geslappt:

Nun habe ich mehrere unterschiedliche Pickupschaltungen im Playback verteilt. Hier kann man sehr schön hören, wie wirkungsvoll die einzelnen Sounds im musikalischen Kontext funktionieren. Im Intro liegt im linken Kanal eine Melodie über den Bridge-Humbucker, kurz darauf folgen ein paar Gegenmelodien auf dem rechten Kanal über den Hals-Humbucker. Ganz deutlich ist zu erkennen, dass der Mittencharakter des Bridge-Tonabnehmers sehr schön für soloartige Figuren funktioniert, während der Hals-Humbucker ein sehr fettes Fundament liefert. Nach 12 Takten setzt ein Slapsolo ein, wofür die Stellung 3 mit beiden Humbuckern in Parallelschaltung verwendet wird. Enorm durchsetzungsfreudig und sensationell klar und definiert kommt der Sound. Danach folgt eine Plektrumfigur auf der Singlecoilspule in Stellung 4.

Alles schön, alles toll, ich bin bislang grenzenlos begeistert. Doch kommen wir nun zu einer Soundpalette, wie man sie von Music Man Bässen eher nicht gewohnt ist. In erster Linie möchte ich mich nachfolgend nun den Saitendämpfern widmen. Viele hielten diese Dämpfer früher für ein unnötiges Gimmick, und speziell für die benötigten Basssounds der 80er und 90er Jahre waren sie wohl auch eher überflüssig - dennoch, hier sollen ein paar Beispiele illustrieren, wie man die String-Mutes einsetzen kann.

Möchte man also mit seinem Classic Sabre und seinem Hightechcharakter doch einmal Vintage-Wege beschreiten, kommt man seinem Ziel sehr nahe, indem man die einzelnen Saitendämpfer binnen weniger Sekunden hochschraubt. Dazu werden die Höhen der Klangregelung zugedreht und die Bässe minimal zurückgenommen, und schon klingt das Resultat so:

Schön ist dabei zu erkennen, dass die Saiten zwar gedämpft klingen, keinesfalls jedoch tot. Speziell bei der Melodie in den oberen Lagen ist deutlich auch noch ausreichend Sustain vorhanden. Was man selbst bei zugedrehtem Höhenpoti allerdings nicht vermeiden kann, ist der leicht piezoartige Charakter im Kilohertzbereich, wie er für Music Man Bässe typisch ist. Hierfür müsste man dann noch eine passive Tonblende einfügen, um diese Höhen ebenfalls abzuschneiden. Aber es ist eben der typische Music Man Charakter.

Aber nicht nur Vintage-Musikstile profitieren von den Saitendämpfern. Addiert man nun wieder die Höhen der Klangregelung zum Sound, so wird es im Handumdrehen moderner und geht in die Dance, Hip-Hop, Drum‘n Bass und sonstige Richtungen...

Zuletzt etwas, was man ebenfalls selten auf einem Music Man Bass spielen würde, aber dank des Hals-Humbuckers und der Saitendämpfer nun problemlos möglich ist: Walking Bass! Man kann den Sound dabei relativ gut in Richtung Kontrabass bewegen, der Klangcharakter des EQs erzeugt sogar ein wenig die Illusion, als wäre ein Kontrabass per Piezo-Tonabnehmer zu hören.

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