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29.10.2018

Müssen Tontechniker Noten lesen können?

Kenntnisse in Musiktheorie: Pro und Contra

Skills im Score-Reading: notwendig oder nicht?

In der Ausbildung zum Toningenieurs und -techniker spielt nach wie vor der Punkt Musiktheorie eine Rolle. Aber ist die Kenntnis von Notenlesen, Rhythmik und Funktionslehre überhaupt wichtig für einen technisch fokussierten Beruf wie den des Tontechnikers?

Schaut man sich die Lehrpläne von Hochschulen an (beispielsweise für den Studiengang Ton und Bild der Hochschule Düsseldorf oder auch den Studiengang Tonmeister an der Universität der Künste Berlin) wird klar, dass man dort nicht ohne Musiktheorie auskommt. Sicher kann man bei der Aufnahmeleitung als Tonverantwortlicher nicht nur technische, sondern auch künstlerische Aspekte berücksichtigen. Aber wie viel Musiktheorie ist dafür vonnöten?

Tontechniker sollten Noten lesen können: Pro-Argumente

Für das Wissen um Noten, Takt, Rhythmus und Melodie in der Tontechniker-Ausbildung lassen sich schnell Argumente finden. Das Arbeiten mit Notenmaterial schult das Gehör. Und spätestens, wenn es um das Heraushören von Vierklängen geht, zeigt sich, wie gut die Ohren ausgebildet wurden. Das ist fraglos auch für Tontechniker ein wichtiger Punkt. Über das reine Lesen von Noten und das Verständnis für musikalische Zusammenhänge hinaus bekommen Tontechniker auch ein Gespür für die Differenzierung von Instrumentensounds, beispielsweise wenn sie in ihrer Ausbildung Einblick in Themen wie Orchestration und Instrumentierung bekommen. Nicht zuletzt ermöglichen Notenkenntnisse auch eine bessere Kommunikation mit den Musikern, die im Studio und auf der Bühne nun mal die eigentlichen Stars sein sollten.

Tontechniker sollten Noten lesen können: Contra-Argumente

Aber auch gegen die Notwendigkeit von Notenkenntnissen spricht Einiges. Schließlich können Tontechniker ihr Equipment auch ganz gut ohne Kenntnisse von Musiktheorie bedienen. Und aus Sicht der Tontechniker kann Nichtwissen auch Vorteile haben. So können und müssen sie sich in der Praxis nicht detailliert an Diskussionen beteiligen, die nichts mit Tontechnik zu tun haben, wenn zuvor klar ist, dass es sich dabei nicht um ihre „Baustelle“ handelt. Und auch aus Musiker-Perspektive lässt sich diesem Punkt ein Vorteil abgewinnen. Kennt sich ein Tontechniker nicht mit Musiktheorie aus, kann er nämlich weniger in die Performance des Künstlers hinein reden. Die Musik ist dann Sache der Musiker, die Technik Sache der Techniker.

Realität und Meinungen

Was meint ihr? Habt ihr als Musiker gute oder schlechte Erfahrungen mit Tontechnikern gemacht, die besonders gute oder besonders schlechte Kenntnisse von Musiktheorie hatten? Oder seid ihr vielleicht selbst Tontechniker und Notenkenntnisse haben euch bei einem Job weitergeholfen? Welcher war das und wie hat euch euer Wissen Vorteile gebracht? 

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