Hersteller_Moog
Test
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07.01.2016

Praxis

Der Sound: So klingt der Moog Mother-32

Ich verkabele den MIDI-Eingang mit einem Masterkeyboard und den Output mit meiner Abhöre und schalte den Synthesizer ein, indem ich das Netzteil anschließe. Einen Netzschalter hat der Mother-32 nicht, was nahelegt, dass Moog das Einsatzgebiet hauptsächlich in einem zentral geschalteten Modularsystem sieht. Gleich zu Anfang stelle ich erfreut fest: Die bei vielen VCO-basierten Analogsynths symptomatische Aufwärmzeit braucht der Mother-32 nicht, der Oszillator ist sofort stimmstabil. Hier hört ihr die „nackten“ Sägezahn- und Pulsschwingungen des Mother-32. Auch habe ich es mir nicht nehmen lassen, den VCO mit einem Oszillator meines Moog Sub 37 zu vergleichen:

Im direkten Vergleich mit dem Sub 37 klingt der Mother-32 etwas heller und präsenter, aber in meiner subjektiven Wahrnehmung auch ein kleines bisschen flacher und weniger „edel“, wenn man das so nennen kann. Dennoch lässt sich festhalten: Der VCO des Mother-32 ist typisch Moog und hat eine Menge analoge Persönlichkeit. Es fehlt ihm allerdings die Möglichkeit, die Schwingungsformen stufenlos zu überblenden, wie man es von vielen anderen Moog Synthesizern gewohnt ist. Dazu müsste man die jeweils andere Schwingungsform in den EXT IN Eingang patchen und per Mixer überblenden.

Die Filtersektion enthält zum Einen das typische Moog Ladder Filter, ein Tiefpass mit 24dB/Okt. Flankensteilheit. Hier zeigt sich ebenfalls der Moog-Charakter: Das Tiefpassfilter kann kultiviert und weich, aber auch aggressiv klingen und die Resonanz und Eigenschwingung lassen sich gut dosieren. Auch hier hört ihr zum Vergleich den Sub 37, dessen Tiefpass für mein Empfinden noch eine Spur „teurer“ und cremiger klingt. Bei geschlossenem Filter zeigt sich recht deutlich vernehmbar das Rauschen des VCA, das beim Sub 37 allerdings mindestens ebenso stark ist.

Mit Spannung erwartet hatte ich zum Anderen das 24dB-Hochpassfilter, das kein anderer aktueller Moog Synthesizer bietet. Beim Ausprobieren wurde ich zunächst ein wenig stutzig, denn es verhielt sich doch etwas anders, als man es von einem Hochpass eigentlich erwarten würde. Ein Blick in die Anleitung brachte Klarheit: Das Hochpassfilter verfügt nicht über Resonanz und arbeitet nur dann wie ein echter Hochpass, wenn der Resonanzregler ganz nach links gedreht ist. Bei aufgedrehtem Resonanzregler bleiben die tiefen Frequenzen hingegen erhalten und es scheint mir so, als würde nur ein kleiner Teil des Signals überhaupt das Filter passieren. Eine Betonung der Cutoff-Frequenz bis hin zum „Pfeifen“ findet dennoch statt, obwohl der Hochpass ja angeblich keine Resonanz hat. Dieses Verhalten kann man natürlich kreativ einsetzen und es klingt bisweilen auch toll, gerade weil die tiefen Frequenzen erhalten bleiben. Ein klassisches, resonanzfähiges Hochpassfilter darf man allerdings nicht erwarten. Hier hört ihr den Hochpass mit verschiedenen Einstellungen des Resonanzreglers. Zunächst steht das Poti ganz links und das Filter arbeitet als einfacher Hochpass ohne Resonanz. Dann hört ihr, wie sich das Filterverhalten ändert, wenn man den Resonanzregler aufdreht.

Hier ein Beispiel für einen Sound, bei dem ich mir dieses Verhalten zunutze gemacht habe. Das Signal vom VCO durchläuft das Hochpassfilter (ja, wirklich). Die tiefen Frequenzen bleiben dennoch erhalten, weil der Resonanzregler zu etwa 3/4 aufgedreht ist. Stattdessen klingt es so, als hätte man einen kleinen Teil des Signals abgezweigt und separat durch ein resonanzfähiges Filter geschickt. Gerade bei der ansonsten eher schlichten Struktur des Synthesizers kann diese Eigenheit also durchaus nützlich sein!

Patcht man den Ausgang des Filters zurück in den EXT IN, so kann man mit dem MIX-Regler ein Filter Feedback steuern, was eher dem „normalen“ Resonanzverhalten entspricht. Hier hört ihr das Hochpassfilter mit gepatchtem Feedback und dann einen Sound, bei dem es gemeinsam mit dem eben beschriebenen Verhalten zum Einsatz kommt. Um Zweiflern zuvorzukommen: Ja, auch im Beispiel "Feedback Reso" steht der Schalter in der Stellung High Pass!

Aber nun los, schauen wir mal, was man dem Mutterschiff an Sounds entlocken kann. Schon ohne das Stecken von Patchkabeln lassen sich dem Synthesizer viele typische, druckvolle Analogsounds entlocken.

Mit dem Patchfeld stehen viele zusätzliche Optionen offen. So kann man zusätzlich die zweite Schwingungsform des VCO oder des LFO ins Spiel bringen, den Oszillator von verschiedenen Quellen frequenzmodulieren, Filter Feedback hinzufügen wie oben beschrieben oder beispielsweise die LFO RATE per Hüllkurve steuern. Der seinerseits modulierbare CV-Mixer und das Multiples-Modul erweitern die Möglichkeiten zusätzlich. Die beiliegenden fünf Patchkabel sind manchmal nicht genug, gerade wenn man Steuerspannungen auf mehrere Ziele verteilt. Wer den Mother-32 mit weiteren modularen Komponenten kombinieren möchte, wird definitiv mehr und längere Kabel benötigen. 

Klanglich entpuppt sich der kleine Moog als erfreulich vielseitig, gerade wenn man die Möglichkeiten der Frequenzmodulation und des wie erwähnt etwas unkonventionellen Hochpassfilters einbezieht. Mit einem VCO sind die Möglichkeiten natürlich nicht unendlich, aber zu unterschätzen ist der Mother-32 keineswegs! Von fetten oder knackigen Bässen über blubbernde Sequenzen bis hin zu Leads und Effekten liefert er eine große Bandbreite von Sounds in bewährter Moog-Qualität, die schnell Lust auf mehr machen. Und schon beginnt man zu überlegen, mit welchen modularen Erweiterungen man den Synthesizer am besten kombiniert. Ein zweiter VCO und eine zweite Envelope stünden für mich an erster Stelle, gefolgt von einem weiteren Mixer und mehr VCAs und Multiples. Durch die sehr große und ständig wachsende Auswahl an Eurorack-Modulen sind die Möglichkeiten hier beinahe unbegrenzt. Seine Mission als Mutterschiff für ein wachsendes Modularsystem erfüllt der Mother-32 jedenfalls sehr gut.

Abschließend hört ihr hier noch zwei Vergleichssounds zwischen dem Mother-32 und dem Sub 37. Der Kleine schlägt sich echt nicht schlecht und die Verwandschaft ist unüberhörbar. 

Der Sequencer des Moog Mother-32

Der integrierte Sequencer bietet 64 Speicherplätze für Patterns, jedes Pattern kann bis zu 32 Steps umfassen. Für jeden Step lässt sich die Gate Length einstellen und Akzent und Slide können pro Step aktiviert werden. Außerdem gibt es eine Swing-Funktion.

Zur Programmierung von Patterns gibt es die beiden Modi KB (Keyboard) und STEP. Im KB-Modus gibt man die Noten eines Patterns nacheinander (nicht in Echtzeit) über das „Mäuseklavier“ oder eine externe MIDI-Tastatur ein. Nach jeder Note hat man die Möglichkeit, die zusätzlichen Step-Parameter wie Gate Length, Akzent oder Slide einzustellen, beim Anschlagen der nächsten Note wechselt der Sequencer zum nächsten Step. Im STEP-Modus wählt man den gewünschten Step mit SHIFT und den Klaviatur- oder Pfeiltasten zur Bearbeitung aus, woraufhin man die Note eingeben und/oder die Parameter justieren kann. Das funktioniert auch bei laufendem Sequencer, wodurch man auch im laufenden Betrieb Slides und Akzente setzen oder beispielsweise die Ratchet-Funktion ins Spiel bringen kann. Letztere ermöglicht es, auf einem einzelnen Step eine schnelle Abfolge mehrerer Noten zu erzeugen, also eine Art Stottern bzw. ein Roll. Das lässt sich pro Step mit SHIFT und dem GLIDE-Poti stufenlos regeln, allerdings fehlt hierzu jeglicher Hinweis auf dem Panel. 

Im Prinzip ist der Sequencer recht einfach gestrickt, aber seine flüssige Bedienung erfordert doch ein bisschen Einarbeitungszeit. Das liegt an den zahlreichen Doppelbelegungen der Taster, LEDs und einiger Potis, die zudem nicht alle auf das Panel aufgedruckt sind. Ohne ausführliche Lektüre der zum Glück gelungenen Anleitung kann man kaum wissen, was einem die acht OCTAVE/LOCATION LEDs so alles anzeigen möchten. Schon die Auswahl von Bänken und Patterns erfordert das gleichzeitige Drücken von bis zu drei Tastern und die getroffene Auswahl ist nur sichtbar, solange man den PATTERN/BANK Taster gedrückt hält. Damit ein Pattern beim Ausschalten oder Patternwechsel im Speicher erhalten bleibt, muss man es sichern, wozu es auf dem Bedienfeld überhaupt keinen Hinweis gibt. Wie man ein Pattern speichert, findet man nur in der Bedienungsanleitung; das Panel lässt noch nicht einmal erahnen, dass es überhaupt nötig ist. Auch die Programmierung der Zusatzfunktionen wie Akzent oder Gate Length erschließt sich nicht unbedingt sofort, ebenso wenig wie die oben genannte Ratchet-Funktion. Hier war man wohl gezwungen, die Zahl der Knöpfe auf ein Minimum zu reduzieren, und der Mother-32 lässt einige Punkte in der Benutzerfreundlichkeit liegen. Nach einer gewissen Zeit hat man das Verfahren zwar verinnerlicht und kann dann doch recht flüssig damit arbeiten, aber ich kenne eine Menge Sequencer, die sich intuitiver und geradliniger bedienen lassen.

Sobald der Sequencer eine MIDI Clock empfängt, synchronisiert er sich automatisch dazu. Am Mother-32 selbst lässt sich das nicht einstellen. Wenn man nicht möchte, dass der Synthesizer immer automatisch losläuft, wenn man die DAW startet, muss man also das Senden von MIDI Clock auf dem jeweiligen Port unterbinden.

Die Möglichkeiten zur analogen Synchronisation und zur Einbindung in modulare Systeme sind hingegen recht vielseitig. Über den TEMPO-Input kann ein analoges Clock-Signal bzw. ein DIN Sync Signal zugeführt werden. Alternativ akzeptiert diese Buchse eine Steuerspannung, mit der sich das Sequencer-Tempo modulieren lässt. Über weitere Patch-Buchsen kann man den Sequencer mit analogen Impulsen starten und stoppen sowie auf den ersten Step zurücksetzen. Die Buchse HOLD bewirkt eine Wiederholung des aktuellen Steps, solange hier eine Spannung von +5V anliegt.

Was der Sequencer nicht bietet, ist eine zweite, pro Step frei einstellbare Steuerspannung (neben der Tonhöhe), mit der sich dann beliebige Parameter pro Step programmieren ließen. Man kann also nicht beispielsweise für jeden Step einen anderen Cutoff-Wert programmieren. Die ASSIGN-Buchse ermöglicht zwar bei entsprechender Konfiguration (Step Ramp, Step Saw, Step Triangle, Step Random) Sequencer-gesteuerte Modulationen, aber eben nicht frei einstellbar. Das ist schade, gerade bei einem Synthesizer, der eine Steuerzentrale für ein modulares System sein möchte. Auch hier gibt es Alternativen, bisweilen schon sehr günstig wie etwa der Korg SQ-1, die damit aufwarten können.

Alles in allem bleibt der Sequencer des Mother-32 in meinen Augen etwas hinter den Erwartungen zurück. Die Fähigkeiten sind überschaubar und die Bedienung ist unnötig hakelig. Als Grundausstattung ist er okay, aber gerade im Kontext eines wachsenden Systems könnte ich mir vorstellen, dass schon bald der Wunsch nach einem etwas vielseitigeren und intuitiveren Taktgeber aufkommt.

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