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Test
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12.09.2012

Moog Minitaur Test

Monophoner Bass Synthesizer

Liebling, sie haben den Taurus geschrumpft

Minitaur, ist der kleinste Synthesizer von Moog - doch wie spricht man den Markenamen „Moog“ eigentlich aus? Mit langem O, mit langem U oder eher mit gebundenem OU? Alle drei Varianten sind häufig zu hören. Fragen wir beim Meister selbst nach, denn Robert Moog äußerte sich dazu einmal wie folgt:

- Reviewer: First off: Does your name rhyme with "vogue" or is like a cow’s "moo" plus a g at the end?

- Dr. Robert Moog: It rhymes with "vogue". That is the usual German pronunciation. My father's grandfather came from Marburg, Germany. I like the way that pronunciation sounds better than the way the cow's "moo-g" sounds. (Quelle: Wikipedia)

OK, das hätten wir also geklärt. Robert Moog, Gründer von Moog Music Inc., war einer der herausragendsten Pioniere des Synthesizerbaus und hat Legenden wie die Modelle Prodigy, Minimoog, Poly Moog oder eben den Taurus erschaffen. Im Jahr 2005 ist er im Alter von 71 Jahren verstorben. Die Moogerfooger- Effektpedale und der Minimoog Voyager, eine zeitgemäße Weiterentwicklung des Minimoog Model D, waren seine letzten großen Würfe. Unter der Leitung seines Sohnes wird aber fleißig weiter konstruiert. Der neue Minitaur ist der kleinste Synthesizer, den Moog je entwickelt hat. Doch lassen wir uns von den kompakten Abmessungen nicht täuschen: Seine Klangerzeugung orientiert sich an den Bass-Synthesizern Moog Taurus 1 und 3 – man darf die Erwartungen an den Sound des „Mini Taurus“ also durchaus hoch stecken.

Details

Der Moog Minitaur misst gerade einmal 22,2 x 13 x 7,9 cm, was man auch in der Liga der Desktopsynths noch „mini“ nennen kann. 1,2 kg bringt der kleine Stier auf die Waage. Sein stabiles Gehäuse besteht aus schwarz lackiertem Metall. Siebzehn große Potis sind auf der Oberfläche verankert, und zwar bombenfest. Sie haben alle einen relativ leichten Drehwiderstand und lassen sich butterweich drehen. Ein Finetune-Regler für die Gesamtstimmung und vier selbstleuchtende Knöpfe zum Einschalten der Glide- und Release-Funktionen bzw. zum Umschalten zwischen Sägezahn- und Rechteckwelle runden das Armaturenbrett ab. Das Konzept ist klar: eine Funktion, ein Regler. What you see is what you get! Speicherplätze bietet der Minitaur nicht, zumindest nicht im Gerät selbst. Mit dem kostenlosen Software-Editor ist das Speichern von Sounds aber dennoch möglich – dazu später mehr.

Der Blick auf die Rückseite offenbart neben der Buchse für das externe Netzteil jeweils einen Audio-Ein- und Ausgang (beide mono), einen Kopfhörerausgang (stereo) und vier Anschlüsse für CV-Spannungen. Pitch, Filter, Volume und Gate lassen sich mit analogen Steuerspannungen von 0 bis +5 Volt steuern. Bis auf den Miniklinken-Anschluss für den Kopfhörer sind alle Buchsen als 6,3mm-Klinke ausgeführt. Ein herkömmlicher MIDI-Eingang und ein USB-Anschluss, der MIDI In und MIDI Out empfängt und sendet und der Kommunikation mit der Editor-Software dient, ermöglichen die Einbindung des Minitaur in ein computergestütztes Studio.

Über den Audio-Eingang kann man externe Signale in den Minitaur hinein leiten und mit seinem Filter und VCA bearbeiten. Die VCA-Hüllkurve braucht dabei immer eine MIDI-Note, sonst gibt der Minitaur keinen Mucks von sich. Schöne rhythmische Klangergebnisse erhält man beispielsweise, wenn man ihn bei solchen Filterbank-Einsätzen mit MIDI-Noten-Patterns triggert. Im folgenden Audiobeispiel ist ein Drumloop zu hören; das MIDI-Triggersignal besteht aus Achtelnoten. Beide Oszillatoren sind ausgestellt (linker Anschlag), sodass man nur den gefilterten Beat hört.

Kommen wir zur Klangerzeugung. Der Minitaur besitzt zwei analoge Oszillatoren (VCOs), die jeweils eine Sägezahn- oder eine Pulswelle erzeugen können. Beide Oszillatoren sind in ihrer Lautstärke regelbar. Der zweite Oszillator kann stufenlos um bis zu ±12 Halbtöne verstimmt werden. Das im Signalfluss folgende 24dB Moog Ladder Filter verfügt über eine regelbare Filterresonanz und eine dezidierte Filterhüllkurve mit dem Moog-typischen Aufbau: Attack, Decay&Release, Sustain. Die positive oder negative Auswirkung der Hüllkurve auf das Filter wird mit dem „EG Amount“-Poti geregelt. Das Filter kann sich anschlagdynamisch verhalten: Seine Velocity-Empfindlichkeit ist kalibrierbar und auch deaktivierbar. Auch der VCA reagiert auf Anschlagstärke und besitzt eine Hüllkurve mit den gleichen, oben genannten Parametern. Wie bei Moog üblich, werden die Werte für Decay und Release über einen gemeinsamen Regler gesteuert, es sein denn, man schaltet Release mit dem Knopf am rechten Rand des Panels komplett ab. Dann verstummt der Minitaur abrupt nach dem Loslassen einer Taste bzw. nach einem Note-Off Befehl – etwa wie eine Orgel. Zur Modulation des Filters und der VCOs kann ein LFO mit Dreieckswelle herangezogen werden, der im Bereich 0,01-100 Hz schwingt. Seine Modulationsintensität für Cutoff- oder Pitchmodulationen ist stufenlos regelbar. Den MIDI-Kanal des Minitaur kann man frei wählen, womit wir zu den verborgenen Parametern kommen.

Einige Features sind dem Benutzer ohne einen Rechner nämlich nicht zugänglich. Für die „Fernsteuerung“ vom Computer hat man zwei Optionen: den hauseigenen Software-Editor oder das manuelle Programmieren von MIDI-Controllerbefehlen. Via MIDI-CC lassen sich sequenzergesteuerte Automatisierungen von Parametern wie VCO-Tuning, Cutoff-Frequenz, LFO-Geschwindigkeit und dergleichen realisieren. Auf dem umgekehrten Wege sendet der Minitaur sämtliche Poti-Bewegungen als MIDI-CC Werte an die DAW.

Der für registrierte Minitaur-Besitzer kostenlose Software-Editor (Windows und Mac) ermöglicht – im Gegensatz zur Hardware – den Zugriff auf alle Parameter der Klangerzeugung. Die Hauptansicht der Software bildet die Oberfläche des Minitaur detailgetreu ab. Eine weitere Ansicht des Editors beheimatet die „verborgenen“ Parameter wie Filtertracking, Note Sync, Pitchbend-Bereich, Vorverstärkung des Audioeingangs oder Velocityansprache. Im Note Sync Mode (nicht zu verwechseln mit Oszillator Sync) werden die Wellenformen gemäß des Rasters einer MIDI Clock phasengleich synchronisiert. Sogar das Abspeichern und Laden von Sounds ist mit dem Editor des Minitaur möglich – ein Feature, das den praktischen Nutzen vor allem im Studio erheblich steigert! Viele Preset-Sounds sind ebenfalls im Gepäck. Leider funktionierte der Software-Editor mit Mac OS 10.5.8 nicht, mit Mac OS 10.7.4 dafür aber reibungslos. 

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