Workshop
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08.08.2015

Mixing #11 - Mastering und Bouncing

Crashkurs Mixing: Endbearbeitung und Rendern der Produktion

Mit EQ, Kompressor, Reverb und all den anderen Hilfen für einen guten Mix habt ihr eure Mischung fertiggestellt. Nun geht es um die finalen Schritte: das Mastering und das Bouncen (auch „Rendern“).

Zwei Paar Ohren hören mehr als ein Paar Ohren

Es gibt zwar auch gegenteilige Meinungen, doch üblicherweise wird die Stereosumme während des Mixings nicht mit Effekten wie EQ oder Kompressor belegt. Warum? Weil genau dies (und noch einiges mehr) der Vorgang des Masterings ist, der im Regelfall von einer anderen Person durchgeführt wird. Eine externe Person kann mit frischen Ohren hören und ist noch nicht an die Eigenheiten eurer Mischung gewöhnt. Wenn ihr es euch leisten könnt, bucht ein Mastering in einem Mastering-Studio. Dabei geht es nicht nur um das optimale Ergebnis und die Bereitstellung von pressbarem oder „hosting-ready“ Material, sondern auch um Feedback durch den Mastering-Engineer. Wenn nicht: Lasst zumindest andere Musiker oder Tontechniker kritisch über eure Produktion hören. Wenn ihr eure Produktion zum Mastering abgebt, werdet ihr oft nach einer „Vocals Up“- und einer „Vocals Down“-Version gefragt, da die letztliche Positionierung der Stimme sehr schwierig sein kann.

EQ: Globale Fehler in der Mischung ausmerzen – und mehr

Vergleicht eure Mischung mit fertigen Produktionen der gleichen Sparte. Euch wird sicher auffallen, dass die professionellen Produktionen bei gleichen Einstellungen meist deutlich lauter wirken als eure, wahrscheinlich auch dichter, kompakter und einheitlicher. Möglicherweise bemerkt ihr auch, dass ein bestimmter Frequenzbereich eures Songs ein wenig löchrig wirkt oder zu präsent ist. In diesem Fall hilft ein Equalizer, der genau dort ansetzt und diese Fehler behebt. Versucht aber immer herauszufinden, was die Ursache ist und ob sich dieser Umstand anders beheben lässt. Vielleicht hat einfach die Rhythmusgitarre zu viele Bässe oder das Synth-Pad klingt zu nasal? Dann könnt ihr immer noch mal an die Mischung gehen und im einzelnen Kanal ausmerzen. Aber beim Mastering-Vorgang geht es nicht nur um Fehlerbehebung, sondern auch darum, eurer Produktion den richtigen Touch zu geben. Es tut sich viel in der Wahrnehmung eines Songs, wenn er beispielsweise über 10 kHz mit einem Shelf-EQ um ein oder zwei Dezibel abgesenkt und mit einem dB der Bereich zwischen 5 kHz und 10 kHz minimal angehoben wird: Viele Mixes sind heutzutage zu basslastig, zu höhenreich und zu wenig präsent, „kernig“ und „griffig“. Im Bassbereich kann, besonders wenn die Tipps aus der Folge „EQ“ nicht berücksichtigt wurden, ein flaches Hochpassfilter Wunder vollbringen und den Bass ein Stück knackiger und die Mischung aufgeräumter erscheinen lassen.

Kompressoren – mit ein paar Zusätzen

Um die angesprochene Dichtigkeit und Lautheit zu erzielen, kommen natürlich Dynamik-Effekte zum Einsatz, wie sie schon im Crashkurs #5 beschrieben wurden. Es gibt jedoch einige Besonderheiten: Ein ganz normaler Kompressor reagiert schlicht auf Signalpegel. Und dieser ist vor allem bei Bassdrum-Schlägen ziemlich hoch. Dadurch zieht jeder Schlag die gesamte Mischung etwas nach unten, sie kann dadurch unruhig werden oder sogar pumpen. Manche Kompressoren haben Sidechain-Filter, die dem Signal, was den Kompressor regelt (welches man aber nicht hört), die tiefen Frequenzen entzieht. Ein spezielleres Tool ist der Multiband-Kompressor. Dieser teilt das Signal in mehrere Frequenzabschnitte auf und komprimiert diese dann separat. Sollte man wählen können, dann begnügt euch zunächst mit zwei Bändern, wovon eines wirklich nur im Bass tätig ist, also bis etwa 100 oder 200 Hz. Achtet beim Verwenden eines Kompressors auf dem gesamten Signal sehr genau darauf, was sich alles durch die Kompression verändert. Beginnt die Mischung zu pumpen? Werden Snare oder Vocals platt? Wird das Reverb zu auffällig?

 

 

Extremkompressor und extremer Extremkompressor

Im Crashkurs zu Kompression habe ich kurz den Limiter vorgestellt, der ja mit extremer Ratio, kurzen Zeiten und einem sehr hohen Threshold arbeitet. Ein Limiter wird im Mastering fast ausnahmslos dazu benutzt, den Durchschnittspegel zu erhöhen. Es geht aber noch extremer: Ein Psychoakustik-Limiter, wie er beispielsweise bei Apple Logic mitgeliefert wird, schnippelt nicht nur die Signalspitzen ab, sondern arbeitet ebenfalls mit mehreren Bänder. Er „weiß“ quasi, was wir Menschen als besonders laut empfinden und kann dies anbieten. Hier gilt aber, wie auch schon bei der Kompression: Geht äußerst vorsichtig zu Werke, denn man kann wirklich viel kaputtmachen! Behaltet immer auch ungemasterte Versionen eures Songs!

 

Raus damit: Bouncen / Rendern

Ob nun der fertige Mix oder gar das fertige Master aus euren Boxen kommt, im DAW-Programm sind es immer noch allerhand Spuren und Plug-ins, vielleicht auch eingeschleifte Hardware. Alles zusammen in eine Stereospur zu verwandeln, wird meist „Bouncing“ oder „Rendering“ genannt. Dabei nimmt das Audioprogramm seinen eigenen Ausgang auf und erstellt eine Stereodatei. Eigentlich könnt ihr immer wählen, welches Format diese Datei haben soll. Wichtig: Bounct nie ausschließlich in ein reduzierendes Format wie MP3, auch wenn ihr sie für Uploads oder dergleichen benötigt! Erstellt immer auch ein „lineares“ Format wie .aif oder .wav, denn nur dann könnt ihr sicher sein, auch wirklich weiterverwendbares Material zu besitzen. Ihr wisst schon: Wenn ihr berühmt seid und eine „The Early Years“-Compilation erstellt werden soll, benötigt der Mastering-Engineer Daten, die er auch verdrehen kann, ohne dass sie „auseinanderfallen“. Wählt möglichst 24 Bit (selbst wenn 32 angeboten werden), mit einem „Dither“ und „Noiseshaping“ der kleinsten Stufe seid ihr auf der sicheren Seite, ohne verstehen zu müssen, was das eigentlich ist. Idealerweise wählt ihr die Samplerate, in der ihr gearbeitet habt, im Regelfall wird das 44,1 kHz sein. Nachträglich auf 192 kHz oder dergleichen zu erhöhen, bringt im Grunde keine Vorteile, sondern sorgt nur für Kompatibilitätsprobleme. Wollt ihr für die Zukunft gerüstet sein, solltet ihr auch die einzelnen Spuren mit allen Effekten bouncen (manche Programme bieten das in einer Stapelverarbeitung an). Denn wer sagt, dass ihr, wenn ihr in mehreren Jahren noch einmal ein Projekt ausbuddeln wollt, noch eine DAW besitzt, die diese Session öffnen kann und alle Plug-ins zur Verfügung habt? Da ist es besser, die gesamten Spuren von Takt 1 aus als Audiofiles zu besitzen – die können nämlich in jedem Programm geöffnet werden.

 

Done!

So: Der Workshop ist mit dieser Folge an seinem Ende angelangt. Es gibt aber noch eine Menge mehr zu entdecken: Parallel Compression, Dynamic EQs und Modulationseffekte sind nur manche der Möglichkeiten, euren Mix weiter nach vorne zu bringen. Ich wünsche euch weiter viel Spaß beim Mixing und hoffe, euch mit diesen elf Folgen geholfen zu haben.

 

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