Test
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04.11.2017

Meinl Artist Concept Deep Hats und Crasher Hats Test

Signature-Becken Sets

Hüte für besondere Anlässe

Die klassische Größe für Hi-Hats beträgt 14 Zoll, manche mögen es auch etwas kleiner, andere etwas größer. Und dann gibt es die Fraktion der Zweit-Hi-Hat-Spieler, und genau hier kommen Meinl's neue Artist Concept Modelle ins Spiel. Benny Greb's Crasher Hats haben nur noch wenig mit einer „normalen“ Hi-Hat gemein, was nicht nur daran liegt, dass man zweimal hinsehen muss, um sie im Set zu erkennen. Ihre winzigen Dimensionen von nur acht Zoll im Durchmesser gleicht die Hi-Hat nämlich durch den Umstand aus, dass sie nicht aus zwei Becken besteht, sondern aus insgesamt vier Teilen, wovon eines noch nicht einmal als Becken durchgeht. Die Kreation, die die Meinl-Entwickler zusammen mit Anika Nilles erdacht haben, ist kaum weniger extrem. Zwei 18 Zoll Crashes, eines davon gelocht, ergeben die Deep Hats, welche ihrem Namen mit besonders dunklen und tiefen Sounds alle Ehre machen sollen. 

Einen ersten Anhaltspunkt, wofür genau solche extravaganten und speziellen Klänge gut sein sollen, erhält, wer sich beispielsweise mal die neuesten Videos der beiden Ausnahmekünstler ansieht. Sowohl Anika als auch Benny nutzen die Hats als „Gewürz“ für kurze Akzente oder um dem Puls des Gespielten eine interessante Textur hinzuzufügen, die mit einem regulären Hi-Hat- oder Ridesound nicht zu erreichen wäre. Darüber hinaus sollen die kuriosen Konfigurationen durch ihre mitgelieferten, im Anpressdruck variablen, Halterungen viele weitere Klangnuancen ermöglichen. Wer der zischenden und rauschenden Stacksounds irgendwann überdrüssig ist, soll mit den Einzelbecken zudem vielseitig verwendbare Trash Crashes beziehungsweise Splashes erhalten. Ob die beiden Pakete auch unter den Sticks von Normalsterblichen zu etwas zu gebrauchen sind, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details

Beide Hats beinhalten einen Hi-Hat-Halter zur Montage am Stativ

Abgesehen von ihrer speziellen Konstruktion weisen die beiden Hats eine weitere Besonderheit auf, die ich in dieser Form noch bei keinem anderen Oberklassebecken gesehen habe. Es sind nämlich - quasi als „Rundum-sorglos-Paket“ - Halterungen dabei. Wen der zusätzliche Erwerb einer X-Hat plus passender Multiklammer also bis dato vom Kauf einer zweiten Hi-Hat abgehalten hat, bekommt hier eine nicht unerhebliche Entscheidungshilfe frei Haus geliefert. 

Die Befürchtung, dass es sich dabei um minderwertige Ware zum Aufblähen des Gesamtpakets handelt, bestätigt sich nicht. Der Meinl MXH Auxiliary Arm ist von guter Qualität und auch separat erhältlich. Er besteht aus einer Multiklammer und einem geriffelten, etwa 45 Zentimeter langen Ausleger. An dessen Ende sitzt die Aufnahme für die Hi-Hat-Becken, die man in dieser Form auch von einer normalen Stand-Maschine kennt. Sie hält allerdings ein praktisches Ausstattungsdetail bereit: Per Flügelschraube lässt sich der Anpressdruck der Becken (und damit ihr Sound) schnell verändern, ohne dass man die obere Clutch betätigen muss. So fällt auch weniger ins Gewicht, dass sich das Gewinde einer der beiden Clutches bereits bei der ersten Betätigung festfrisst. 

Benny Greb's Crasher Hats

Crasher Hats? Müsste es nicht eigentlich Splasher Hats heißen? Nein, denn unter einem Crasher versteht man normalerweise ein mit Sticks spielbares, kleines Percussion-Instrument, bei welchem zwei oder mehr Metallzungen aufeinander schlagen und einen zischenden, rappelnden Sound erzeugen, der deutlich leiser ist, als sein Name vermuten lässt. Das erklärt die Namensgebung. Aus vier Teilen besteht der Testkandidat: Drei Becken aus der Topserie Byzance, gefertigt aus B20 Bronze, sowie einer Scheibe aus B8-Legierung. Genau genommen handelt es sich bei letzterer eher um einen breiten, relativ dicken Ring. Alle Teile sind acht Zoll groß. Becken Nummer Eins stellt das Top-Becken der Hi-Hat dar und entspricht optisch etwa einem Byzance Dark Splash. Es ist relativ stark gehämmert, sehr fein abgedreht und kommt insgesamt in einem roh wirkenden Finish daher. Mit 150 Gramm ist es sehr leicht. Laut Anleitung folgt dann die B8-Scheibe, die keinerlei Hämmerung, sondern nur ein feines Abdrehmuster aufweist. In der oberen Hi-Hat-Clutch kommt aber noch ein Becken unter. Dieses ähnelt in seiner Anatomie dem Top-Becken, weist aber zusätzliche, große Hammermale auf und ist mit einem rohen, mattierten Finish versehen. 260 Gramm zeigt die Waage dafür an. Nun kann die Konterschraube befestigt werden. Becken Nummer Vier ist als Bottom ausgezeichnet und packt nochmal 100 Gramm drauf. Auch hier sind beide Seiten roh belassen, und es gibt wieder die Mixtur aus kleinen und sehr großen Hammermalen zu bestaunen. Das Finish entspricht jenem der Byzance Extra Dry Serie.

Anika Nilles' Deep Hats

Grob zusammengefasst, stellen die neuen Klangwerkzeuge namens Deep Hats das genaue Gegenteil von Benny Greb's Modellen dar. Sie sind – für eine Hi-Hat – mit 18 Zoll ungewöhnlich groß und präsentieren sich auch optisch speziell. Beginnen wir beim Top-Becken, welches sich am deutlichsten durch die abwechselnd gesetzten, jeweils vier runden und vier länglichen Bohrungen vom „lochfreien“ Bottom abhebt. Es entspricht offenbar weitgehend dem Byzance Vintage Trash Crash und weist eine relativ feine Hämmerung sowie ein Abdrehmuster auf, welches mich stark an alte Zildjian Avedis' erinnert. Ein weiteres Merkmal stellt die mattierte, durch ein Sandstrahlverfahren erzeugte, Oberfläche dar. Mit 1130 Gramm Gewicht zählt es zu den leichten Becken. Freunde makelloser Oberflächen werden die etwas schlierig-unregelmäßige Färbung des Testbeckens bemängeln. Beim Bottom haben sich Anika Nilles und die Meinl-Entwickler für ein Modell aus der Byzance Traditional Serie entschieden, welches viele Gemeinsamkeiten mit dem Thin Crash hat. Mit seiner feinen Hämmerung per Hand, dem beidseitig gesetzten Abdrehmuster sowie dem konventionellen Profil wirkt es von allen Einzelbecken in diesem Test am „normalsten“. 1250 Gramm bringt das Instrument auf die Digitalwaage. 

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