Hersteller_Marshall Gitarre
Test
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28.12.2015

Marshall 2555x Silver Jubilee Test

E-Gitarren Vollröhren Topteil

Triumphale Wiederkehr

Es war 1987, als Marshall den 2555 25/50 Silver Jubilee vorstellte, ein Vollröhren-Topteil, das gleichzeitig das fünfundzwanzigjährige Bestehen von Marshall Amplifications als auch Jim Marshalls fünfzigstes Jahr in der Musikbranche feierte. Leider blieb der Amp eine Rarität, denn schon nach einem Jahr wurde die Produktion mit einer limitierten Stückzahl wieder eingestellt - ein Grund, warum der 2555 25/50 augenblicklich Kultstatus erlangte. Allerdings hörte die Nachfrage nach diesem legendären Verstärker nie auf und 2015, also 27 Jahre, nachdem der letzte seiner Gattung im britischen Bletchley die Lötstationen hinter sich gelassen hatte, erbarmte sich Marshall der hartnäckigen Fangemeinde.

Und einer dieser sogenannten Reissues steht nun bei mir im Studio, und ich kann es kaum abwarten, ihm ein paar Riffs zu entlocken. Vor allem auch deshalb, weil Marshall verspricht, dass außer einigen praktischen und kosmetischen Änderungen der neue 2555 mit dem X im Namen die gleichen charakterlichen und klanglichen Eigenschaften mitbringt wie sein Vorbild.

Details

Optik/Verarbeitung:

Schick sieht er aus! Mit dem silbernen Tolex und dem Bedienfeld in Chrom ist der Verstärker ein echter Blickfang. Im Grunde ist ja alles altbekannt, die Abmessungen sind Marshall-typisch, also 740 x 315 x 215 mm (B x H x T), und auch, was das Gewicht angeht, zerrt das Topteil wie gewohnt ordentlich am Arm. 22,1 Kilo sind kein Pappenstiel und nach einigen Metern muss man sich schon einreden, dass Musik ansonsten Spaß macht. Getragen wird wie immer an einem Kunststoffgriff auf der Oberseite, wobei die Halterungen des Griffs passenderweise ebenfalls verchromt sind. Dort sichert auch ein schwarzes Lüftungsgitter aus Kunststoff die nötige Frischluftzufuhr für den 100-Watt-Boliden. Die Kanten werden von schwarzen Kunststoffschonern geschützt und das Topteil steht fest auf vier dicken Gummifüßen.

Zur Historie hier einige Daten, die bei der Einordnung unseres Testkandidaten ganz hilfreich sind. Basierend auf den äußerst erfolgreichen JCM 800 "2203" und "2204" hatte Jim Marshall in den Achtzigern die Idee, einen Hybriden aus beiden Amps zu entwickeln, denn wie wir wissen, liegt der Unterschied zwischen dem 2203 und dem 2204 in der Ausgangsleistung. Ersterer liefert 100 Watt, der 2204 lediglich 50 Watt. Marshall implantierte dem 2555 25/50 seinerzeit die Möglichkeit, zwischen den beiden Leistungsstufen zu wählen. Dazu kommt, dass 2203 und 2204 Einkanaler sind, daher wurden in den Silver Jubilee zwei Kanäle integriert, einen cleanen und einen Lead-Kanal. Jetzt aber zurück zum 2555x.

Ganz links auf dem Bedienfeld befinden sich ein An/Aus-Schalter, natürlich in Rot samt dem obligatorische Standby. Der Dritte im Bunde schaltet zwischen 50 und 100 Watt. Bezeichnet wird der Schalter dementsprechend mit "LOW" und "HIGH". Wie es sich für einen Marshall gehört, befinden sich auf der Bedienfläche Presence-, Bass-, Mid- und Treble-Regler für die Klangregelung. Auch bei ihnen reicht der Regelweg traditionell von 1-10. Ein Output-Master, der als Push/Pull-Poti ausgelegt ist, schaltet zwischen Clean und Lead und bestimmt die Gesamtlautstärke des Amps. Sobald der Lead-Kanal aktiviert wird, leuchtet eine kleine rote LED, der Lead-Master regelt die individuelle Lautstärke des zweiten Kanals. Ganz rechts schließlich befindet sich das Input-Gain-Poti. Dieses kommt mit einer Besonderheit, die sich Rythm Clip nennt. Dieses Poti lässt sich ebenfalls herausziehen und zündet quasi eine weitere Zerrstufe für den ersten Kanal. Die Klangregelung teilen sich beide Kanäle.

Die Rückseite des 2555x hat im Vergleich zu den alten Silver Jubilees individuelle Boxenausgänge und nicht wie damals üblich, einen Drehschalter, mit dem die passende Ausgangsimpedanz gewählt werden musste. So lassen sich an dem Amp 1x 16 Ohm, 1x 8 Ohm oder 2x 16 Ohm, 1x 4 Ohm oder 2x 8 Ohm Cabinets anschließen. Man sollte sich dabei tunlichst an diese Vorgaben halten, andere Kombinationen könnten dem Amp unter Umständen schaden. Ein DI-Ausgang darf natürlich auch nicht fehlen, an ihm lässt sich ein frequenzkorrigiertes Signal für Mischpult oder entsprechende Verstärkung abgreifen. 

Marshall hat einen Fußschalter beigelegt, der, einmal mit dem Amp über die Footswitch-Buchse verbunden, zwischen den beiden Kanälen schaltet. 

Sollte sich die Sicherung des Verstärkers verabschieden, lässt sich diese von außen zugänglich austauschen. Segnet diese nach dem Austausch aber ebenfalls das Zeitliche, empfehle ich auf jeden Fall den Gang zu einem Techniker, der sich mit Röhrengeräten auskennt. Last, but not least besitzt das Topteil einen seriellen Effekteinschleifweg, der mit den üblichen Send- und Return-Buchsen versehen ist. In seinem Inneren verrichten ganz klassisch drei ECC83 Vorstufen- und vier EL34 Endstufenröhren ihren Dienst und liefern, wie bereits erwähnt, bis zu 100 Watt.

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