Test
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13.03.2010

Praxis/Sound

Ganz gespannt entnehme ich die14 x 6,5 Supraphonic dem Karton, der mir schon die magischen Worte „Ludwig Drums“ flüstert. Sofort liegt mir der Snaresound sämtlicher Led Zeppelin DVDs und Platten in den Ohren. Meine Erwartungshaltung steigt proportional mit jedem Drummer, der sie gespielt hat und mir in den Sinn kommt: John Bonham, Ian Paice, Carmine Appice, Keith Moon, Charlie Watts, Steve Gadd, Joe Morello, Mitch Mitchell, Roy Haynes, Buddy Rich, John Densmore, Hal Blaine, Nick Mason, Roger Taylor, Bun E. Carlos, eigentlich fast alle ...

Aber jetzt Butter bei die Fische: Sind sie noch genau so gut wie früher?


Gleich vorweg: Die Snare hat absolut nichts von ihrem Charme verloren.
Sie ist einfach, schlicht und schön. Die Verchromung von Kessel, Reifen und Böckchen ist mit Sicherheit besser als sie jemals zuvor war. Da die Trommel noch nicht gestimmt ist, fange ich mit dem Resonanzfell an. Ich stimme es bretthart für eine bestmögliche Teppichansprache. Dabei fällt mein Blick auf den 24-spiraligen Low-Budget-Taiwan-Teppich, der einer lebenden Legende eigentlich unwürdig ist. Da hilft auch die Ludwig-Gravur nichts. Aber auch mit ihm bekommt man einen akzeptablen Sound und Ansprache hin. Nichtsdestotrotz wäre ein guter Teppich hier eine deutliche Verbesserung.

Absolut inakzeptabel ist leider die P85 Snare-Abhebung, die in diesem Jahr seit dreißig Jahren ihren Dienst an Ludwig-Snares verrichtet. Sie ist meist hakelig und manchmal nur mit zwei Händen zubedienen. Überspitzt könnte man sagen, dass diese Abhebung nach Anbringen am Kessel schon ihre Belastungsgrenze erreicht. Man könnte so etwas auch „Sollbruchstelle“ nennen. Ich versuche nun, den Teppichgegen einen hochwertigeren auszutauschen. Das formschöne, massive Butt-End (Gegenstück zur Abhebung) lässt sich vorbildlich mit demStimmschlüssel öffnen. Aber für die P85 Abhebung auf der anderen Seitebraucht man einen Kreuzschraubenzieher. Ich werde nächste Woche denTest weiter schreiben, wenn ich meinen gefunden habe ;-) Solche Schwachstellen sind meist auf unumstößliche firmeninterne Gründezurückzuführen, technisch begründen kann man das nicht. Meine Empfehlung wäre, gleich eine Dunnett-Abhebung anzubringen, die derzeit wohl die beste Abhebung am Markt ist und passt, ohne dass Löchergebohrt werden müssen. Damit sollte zumindest in diesem Bereich aufabsehbare Zeit allen Problemen vorgebeugt sein. 

 

Was fällt mir noch auf?

Die Snare lässt sich gut stimmen, ist crisp, warm und hat einen sauberen Oberton. Der Stimmumfang reicht problemlos von funky tight bis zur fetten AC/DC Snare. Pressrolls lassen sich mühelos spielen und nachdem Wechsel vom dicken Ludwig Fell auf ein Remo Ambassador stellt sich endlich auch ein weiches Spielgefühl ein. Auffällig bei Ludwig sind die extrem geschmeidigen Gewinde. Ein „Schnick“ am Stimmschlüssel und die Gewinde laufen los. Das ist super beim Fellwechsel, hat aber den Nachteil, dass sich die Trommel schnell verstimmt. Klanglich ist aber ganz schnell klar, warum diese Trommel denStandard für einen guten Snaresound gesetzt hat. Sie passt von Dave Brubeck bis zu Led Zeppelin und nahezu zu jedem Drumset. Und was haben Led Zeppelin, Jimi Hendrix, The  Rolling Stones, Deep Purple und  The Who gemeinsam? Nein, es ist nicht ihre damalige Affinität für zu enge Hosen. Aber die Supraphonic ist fast ausnahmslos auf allen ihren Platten zu hören. Und welches Instrument kann das schon von sich behaupten? Auf den Punkt gebracht hat das Udo Masshoff: When RollingStones  rock and roll through the Doors of a Deep Purple Led Zeppelin they realized you can perform  like a Queen with a Supraphonic on a Black Sabbath. Yes, it´s not a Cheap Trick, but don´t Rush before a White Snake gives you a KISS.

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