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Test
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22.06.2021

Ludwig Speed King Single Pedal Test

Fußmaschine

Immer noch King?

Jede bekannte Schlagzeugfirma hat irgendwann im Verlauf ihres Bestehens ein Produkt entwickelt, welches ihr entweder zum Durchbruch verhalf oder so beliebt wurde, dass es Legendenstatus erreichte. Bei Ludwig ist dies ganz sicherlich die berühmte Supraphonic Snaredrum, besondere Aufmerksamkeit wurde jedoch auch der Speed King Fußmaschine zuteil, die im Jahre ihres Erscheinens, 1937, geradezu revolutionär war. Sie war stabil, sehr kompakt und ermöglichte bis dato kaum gekannte Spielgeschwindigkeiten. Beschreibt man ihre technische Basis, klingt das auch heute noch ziemlich fortschrittlich. Wir haben es nämlich mit einer direktgetriebenen Longboard-Maschine mit doppelten Kompressionsfedern zu tun. In den 70ern war nicht nur John Bonham ein großer Fan, auch unzählige andere Drummer waren von dem Konzept begeistert. 

Ludwig hat im Verlauf der letzten Jahrzehnte immer mal wieder Reissues dieses Pedals ins Programm genommen, von denen einige tatsächlich nur für hartgesottene Fans gedacht waren. Teilweise quietschten sie genauso laut wie die Originale und besaßen, im Vergleich zu modernen Alternativen, durchaus eigenwillige Laufeigenschaften. Zugegeben, unser heutiges Testexemplar wirkt formal kaum anders als die Vorgängermodelle, mit dem unlackierten Look und auch bezüglich des gesamten Erscheinungsbildes orientiert man sich stark an der allseits bekannten Version, die 1951 vorgestellt wurde. Ob das Teil ein Anachronismus ist oder eine Daseinsberechtigung unter all den modernen Konkurrenten hat, lest ihr auf den folgenden Zeilen.

Details & Praxis

Die Speed King ist ein sehr kompaktes Pedal

Dass die eingangs erwähnten modernen Features der Speed King in natura alles andere als modern wirken, verdeutlicht mir der direkte Vergleich mit einem anderen Pedal der Firma Ludwig, nämlich der frisch vorgestellten Speed Flyer. Die hat mir Ludwig nämlich ebenfalls zum Test geschickt.

Es beginnt bei den Abmessungen. So ist der zweisäulige Rahmen gute zwei Zentimeter niedriger als jener der modernen Maschine, die Länge zeigt mit 31,5 zu 36 Zentimetern einen noch klareren Unterschied. Auch der Karton ist gerade mal halb so groß, seine Aufmachung ist bewusst retro-mäßig gehalten und soll damit eine besondere Zielgruppe ansprechen: Speed King Fans! „The original Twin Spring“ steht auf der Verpackung, dazu jedoch später mehr. Zum legendären Look trägt die Bodenfläche mit ihrer bauchigen, seitlich ausgefrästen Form und „Speed King“-Schriftzug bei. Ein „richtiges“ Fersenteil gibt es nicht, stattdessen ist die Trittplatte im hinteren Sechstel oval ausgeschnitten und kann – nach dem Lösen einer Vierkantschraube unter der Trittplatte – frei gedreht werden. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, zwischen einer Art „Longboard“- und einem stärker profilierten Fersenteil-Modus zu wählen. Dieses drehbare Fersenteil beherbergt auch die Achse, welche im Zuge der Neuauflage qualitativ hochwertig wirkende, spielfreie Lager spendiert bekommen hat. Beim Hantieren mit der Funktion schneide ich mich allerdings kräftig an schlecht entgrateten Kanten. 

Zum Aufbau hängt man Rahmen und Trittplatte ineinander

Eine echte Kuriosität ist auch der Umstand, dass die Trittplatte sowie der hintere Teil der Bodenplatte samt Stimmschlüsselhalter eine vom Rahmen getrennte Konstruktion darstellt. Zum Zusammenbau hängt man sie zunächst auf der unteren Seite des Rahmens ein, anschließend verfährt man genauso mit dem Direktzug, dessen hakenförmiges Ende in den vorderen Teil der Trittplatte eingehängt wird. Das geht erstaunlich zügig, der letzte Schritt besteht aus dem Einstecken und Fixieren des Filzbeaters in die bogenförmige Achskonstruktion. Aber Vorsicht, wer den Beaterschaft zu weit hereinsteckt, riskiert, dass dieser beim Spielen mit dem Direktzug kollidiert, der vor (!) dem Schaftende verläuft. Kommen wir nun zum Rahmen und der Tatsache, dass dieser keine seitlich montierten Federn besitzt. Die Speed King setzt traditionell auf integrierte Druckfedern, welche in den oberen Enden der Rahmen verkapselt eingebaut sind und per Schraubendreher von unten justiert werden, wozu das Pedal von der Bassdrum abgenommen und gedreht werden muss. Immerhin verfügt die neue Speed King über eine gummierte Auflage für den Bassdrumspannreifen sowie zwei mitgelieferte Plastikformteile, welche denselben vor Kratzern durch seitlich hervorstehende Rahmenteile schützen sollen. Eindrehbare Dornen oder gar Verstellmöglichkeiten für den Beater- oder Trittplattenwinkel gibt es nicht. Dafür einen Jutebeutel mit Ludwig-Logo. Ich bin nun äußerst gespannt, wie sich dieses eigenartige Pedal wohl im Praxiseinsatz bewährt.

Mein erster Routinecheck bei Pedalen besteht traditionell im Zurückziehen des Beaters per Hand, um herauszufinden, wie lange er nach dem Loslassen ausschwingt. Das Ergebnis ist ernüchternd. Nach wenigen lustlosen Hin- und Herbewegungen bleibt der Beater abrupt stehen. Das kann ja heiter werden. Umso überraschter bin ich, dass sich die Speed King an der Bassdrum sehr direkt und leichtgängig anfühlt, ein Umstand, der durch die kurze Trittplatte und die bügelförmige Achse noch verstärkt wird. Toll ist auch die Möglichkeit, die Schlagintensität bei aufgelegtem Fuß (heel down) sehr dosiert steuern zu können.

Als Freund sehr flacher Fersenteile sagt mir die Anatomie der Maschine zu, Drummer, die ihre Hacke gerne auf einem Fersenteil aufsetzen, werden hier jedoch enttäuscht, speziell bei großen Füßen, dafür ist die Trittplatte nämlich zu kurz. Kommen wir nun zu den objektiven Nachteilen der Maschine. Da ist zunächst der weit nach vorne ragende Direktlink-Bügel zu nennen, der das Fell meiner 20er Bassdrum auch bei vorne moderat angehobener Trommel noch berührt. Weiterhin steht die Maschine wesentlich weniger solide als ihre modernen Nachfahren, und dass man für die Federverstellung zum Schraubendreher greifen und die Maschine abbauen muss, werden Praktiker ebenso unglücklich finden. Dass das gute Stück extrem transportfreundlich ist, darf hingegen wieder als großer Pluspunkt verbucht werden.

Fazit

Die Ludwig Speed King Fußmaschine ist ein legendäres Hardwareteil, welches bei seiner Vorstellung im Jahr 1937 Maßstäbe bezüglich Spielbarkeit und Praxisfreundlichkeit gesetzt hat. Bei der 2020er Wiederauflage handelt es sich um ein „neues“ Produkt, Ludwig hatte bei der Konstruktion jedoch eindeutig die Fans im Sinn, denn die Maschine wurde sehr nah an die Versionen ab den 50er-Jahren angelehnt. Dies resultiert in einem sehr schnellen, kompakten und gut kontrollierbaren Spielgefühl ohne „Schnickschnack“, die Solidität moderner Pedale kann die Speed King jedoch nicht liefern, geschweige denn deren Einstellmöglichkeiten. Aus moderner Perspektive fehlt es mindestens an der Beater- und Trittplattenwinkeljustierung, und in den Genuss der drehbaren Fersenplatte kommen nur Besitzer sehr kleiner Füße. Dass die Nocke des Direktzugs sehr nah an den meisten Bassdrumfellen entlangläuft oder sie sogar berührt, ist ebenso ein Nachteil wie die sehr umständliche Federverstellung unter der Maschine. Dem Testexemplar mangelte es teilweise auch an einer sauberen Entgratung. Toll ist die extrem kompakte Bauweise sowie der einfache, nahezu werkzeuglose Zusammenbau. Dieses Pedal ist für Ludwig Speed King Fans im Speziellen und für Vintagefreunde im Allgemeinen gebaut. Ob sie den gesalzenen Preis wert ist, muss jeder für sich entscheiden.   

  • Pro
  • direktes, leichtes Spielgefühl
  • sehr gute Dosierbarkeit
  • kompakte Bauweise und einfacher Zusammenbau
  • generell gut verarbeitet (Ausnahme siehe Contra)
  • Contra
  • nicht billig
  • scharfe Kanten an der Unterseite der Testmaschine
  • Nocke des Direktzugs berührte im Testbetrieb das Bassdrumfell
  • sehr begrenzte Einstellmöglichkeiten
  • Technische Spezifikationen
  • Hersteller: Ludwig
  • Typenbezeichnung: Speed King L203
  • Antrieb: Direktzug
  • Bodenplatte: nein
  • Fersenteil/Trittplattenverbindung: spielfreie, seitlich verschraubte Achse
  • Trittplattenwinkel verstellbar: nein
  • Art des Schlägels/Beaters: runder Filzbeater
  • Schlägelwinkel verstellbar: nein
  • Befestigung am Spannreifen: per Flügelschraube unter der Trittplatte
  • Tasche/Case im Lieferumfang: Jutebeutel
  • Zubehör: Stimmschlüssel, Plastik-Kratzschutz, Gummiaufkleber für Spannreifen
  • Besonderheiten: Kompressionsfedern, drehbares Fersenteil
  • Herstellungsland: Taiwan
  • PREIS (Verkaufspreis Juni 2021): 269,00 EUR

Herstellerseite: ludwig-drums.com

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