Anzeige

Ludwig Speed King Single Pedal Test

Jede bekannte Schlagzeugfirma hat irgendwann im Verlauf ihres Bestehens ein Produkt entwickelt, welches ihr entweder zum Durchbruch verhalf oder so beliebt wurde, dass es Legendenstatus erreichte. Bei Ludwig ist dies ganz sicherlich die berühmte Supraphonic Snaredrum, besondere Aufmerksamkeit wurde jedoch auch der Speed King Fußmaschine zuteil, die im Jahre ihres Erscheinens, 1937, geradezu revolutionär war.

01_Ludwig_Speed_King_Reissue_Pedal_Test
Immer noch schnell, schrullig und legendär: Die Ludwig Speed King des Jahres 2021.

Sie war stabil, sehr kompakt und ermöglichte bis dato kaum gekannte Spielgeschwindigkeiten. Beschreibt man ihre technische Basis, klingt das auch heute noch ziemlich fortschrittlich. Wir haben es nämlich mit einer direktgetriebenen Longboard-Maschine mit doppelten Kompressionsfedern zu tun. In den 70ern war nicht nur John Bonham ein großer Fan, auch unzählige andere Drummer waren von dem Konzept begeistert. 
Ludwig hat im Verlauf der letzten Jahrzehnte immer mal wieder Reissues dieses Pedals ins Programm genommen, von denen einige tatsächlich nur für hartgesottene Fans gedacht waren. Teilweise quietschten sie genauso laut wie die Originale und besaßen, im Vergleich zu modernen Alternativen, durchaus eigenwillige Laufeigenschaften. Zugegeben, unser heutiges Testexemplar wirkt formal kaum anders als die Vorgängermodelle, mit dem unlackierten Look und auch bezüglich des gesamten Erscheinungsbildes orientiert man sich stark an der allseits bekannten Version, die 1951 vorgestellt wurde. Ob das Teil ein Anachronismus ist oder eine Daseinsberechtigung unter all den modernen Konkurrenten hat, lest ihr auf den folgenden Zeilen.

Details & Praxis

Die Speed King ist ein sehr kompaktes Pedal

Dass die eingangs erwähnten modernen Features der Speed King in natura alles andere als modern wirken, verdeutlicht mir der direkte Vergleich mit einem anderen Pedal der Firma Ludwig, nämlich der frisch vorgestellten Speed Flyer. Die hat mir Ludwig nämlich ebenfalls zum Test geschickt.

Fotostrecke: 3 Bilder Stilecht, …
Fotostrecke

Zum Aufbau hängt man Rahmen und Trittplatte ineinander

Eine echte Kuriosität ist auch der Umstand, dass die Trittplatte sowie der hintere Teil der Bodenplatte samt Stimmschlüsselhalter eine vom Rahmen getrennte Konstruktion darstellt. Zum Zusammenbau hängt man sie zunächst auf der unteren Seite des Rahmens ein, anschließend verfährt man genauso mit dem Direktzug, dessen hakenförmiges Ende in den vorderen Teil der Trittplatte eingehängt wird. Das geht erstaunlich zügig, der letzte Schritt besteht aus dem Einstecken und Fixieren des Filzbeaters in die bogenförmige Achskonstruktion. Aber Vorsicht, wer den Beaterschaft zu weit hereinsteckt, riskiert, dass dieser beim Spielen mit dem Direktzug kollidiert, der vor (!) dem Schaftende verläuft. Kommen wir nun zum Rahmen und der Tatsache, dass dieser keine seitlich montierten Federn besitzt. Die Speed King setzt traditionell auf integrierte Druckfedern, welche in den oberen Enden der Rahmen verkapselt eingebaut sind und per Schraubendreher von unten justiert werden, wozu das Pedal von der Bassdrum abgenommen und gedreht werden muss. Immerhin verfügt die neue Speed King über eine gummierte Auflage für den Bassdrumspannreifen sowie zwei mitgelieferte Plastikformteile, welche denselben vor Kratzern durch seitlich hervorstehende Rahmenteile schützen sollen. Eindrehbare Dornen oder gar Verstellmöglichkeiten für den Beater- oder Trittplattenwinkel gibt es nicht. Dafür einen Jutebeutel mit Ludwig-Logo. Ich bin nun äußerst gespannt, wie sich dieses eigenartige Pedal wohl im Praxiseinsatz bewährt.

Fotostrecke: 5 Bilder Interessantes Detail: Das Fersenteil ist drehbar.
Fotostrecke

Mein erster Routinecheck bei Pedalen besteht traditionell im Zurückziehen des Beaters per Hand, um herauszufinden, wie lange er nach dem Loslassen ausschwingt. Das Ergebnis ist ernüchternd. Nach wenigen lustlosen Hin- und Herbewegungen bleibt der Beater abrupt stehen. Das kann ja heiter werden. Umso überraschter bin ich, dass sich die Speed King an der Bassdrum sehr direkt und leichtgängig anfühlt, ein Umstand, der durch die kurze Trittplatte und die bügelförmige Achse noch verstärkt wird. Toll ist auch die Möglichkeit, die Schlagintensität bei aufgelegtem Fuß (heel down) sehr dosiert steuern zu können.
Als Freund sehr flacher Fersenteile sagt mir die Anatomie der Maschine zu, Drummer, die ihre Hacke gerne auf einem Fersenteil aufsetzen, werden hier jedoch enttäuscht, speziell bei großen Füßen, dafür ist die Trittplatte nämlich zu kurz. Kommen wir nun zu den objektiven Nachteilen der Maschine. Da ist zunächst der weit nach vorne ragende Direktlink-Bügel zu nennen, der das Fell meiner 20er Bassdrum auch bei vorne moderat angehobener Trommel noch berührt. Weiterhin steht die Maschine wesentlich weniger solide als ihre modernen Nachfahren, und dass man für die Federverstellung zum Schraubendreher greifen und die Maschine abbauen muss, werden Praktiker ebenso unglücklich finden. Dass das gute Stück extrem transportfreundlich ist, darf hingegen wieder als großer Pluspunkt verbucht werden.

Fazit

Die Ludwig Speed King Fußmaschine ist ein legendäres Hardwareteil, welches bei seiner Vorstellung im Jahr 1937 Maßstäbe bezüglich Spielbarkeit und Praxisfreundlichkeit gesetzt hat. Bei der 2020er Wiederauflage handelt es sich um ein „neues“ Produkt, Ludwig hatte bei der Konstruktion jedoch eindeutig die Fans im Sinn, denn die Maschine wurde sehr nah an die Versionen ab den 50er-Jahren angelehnt. Dies resultiert in einem sehr schnellen, kompakten und gut kontrollierbaren Spielgefühl ohne „Schnickschnack“, die Solidität moderner Pedale kann die Speed King jedoch nicht liefern, geschweige denn deren Einstellmöglichkeiten. Aus moderner Perspektive fehlt es mindestens an der Beater- und Trittplattenwinkeljustierung, und in den Genuss der drehbaren Fersenplatte kommen nur Besitzer sehr kleiner Füße. Dass die Nocke des Direktzugs sehr nah an den meisten Bassdrumfellen entlangläuft oder sie sogar berührt, ist ebenso ein Nachteil wie die sehr umständliche Federverstellung unter der Maschine. Dem Testexemplar mangelte es teilweise auch an einer sauberen Entgratung. Toll ist die extrem kompakte Bauweise sowie der einfache, nahezu werkzeuglose Zusammenbau. Dieses Pedal ist für Ludwig Speed King Fans im Speziellen und für Vintagefreunde im Allgemeinen gebaut. Ob sie den gesalzenen Preis wert ist, muss jeder für sich entscheiden.   

Unser Fazit:

Sternbewertung 3,5 / 5

Pro

  • direktes, leichtes Spielgefühl
  • sehr gute Dosierbarkeit
  • kompakte Bauweise und einfacher Zusammenbau
  • generell gut verarbeitet (Ausnahme siehe Contra)

Contra

  • nicht billig
  • scharfe Kanten an der Unterseite der Testmaschine
  • Nocke des Direktzugs berührte im Testbetrieb das Bassdrumfell
  • sehr begrenzte Einstellmöglichkeiten
Artikelbild
Ludwig Speed King Single Pedal Test
Für 219,00€ bei
Immer noch schnell, schrullig und legendär: Die Ludwig Speed King des Jahres 2021.
Immer noch schnell, schrullig und legendär: Die Ludwig Speed King des Jahres 2021.
Technische Spezifikationen
  • Hersteller: Ludwig
  • Typenbezeichnung: Speed King L203
  • Antrieb: Direktzug
  • Bodenplatte: nein
  • Fersenteil/Trittplattenverbindung: spielfreie, seitlich verschraubte Achse
  • Trittplattenwinkel verstellbar: nein
  • Art des Schlägels/Beaters: runder Filzbeater
  • Schlägelwinkel verstellbar: nein
  • Befestigung am Spannreifen: per Flügelschraube unter der Trittplatte
  • Tasche/Case im Lieferumfang: Jutebeutel
  • Zubehör: Stimmschlüssel, Plastik-Kratzschutz, Gummiaufkleber für Spannreifen
  • Besonderheiten: Kompressionsfedern, drehbares Fersenteil
  • Herstellungsland: Taiwan
  • PREIS (Verkaufspreis Juni 2021): 269,00 EUR

Herstellerseite: ludwig-drums.com

Hot or Not
?
04_Ludwig_Speed_King_Reissue_Pedal_Test_Totale_1 Bild

Wie heiß findest Du dieses Produkt?

flame icon flame icon flame icon flame icon flame icon
Your browser does not support SVG files

von Max Gebhardt

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht

Ludwig Speed Flyer Single Pedal Test

Drums / Test

Speed King heißt Ludwig's berühmte Fußmaschine. Ob unser heutiges Testobjekt, die moderne Ludwig Speed Flyer, auch das Zeug zur Legende hat, haben wir im Test gecheckt.

Ludwig Speed Flyer Single Pedal Test Artikelbild

Heute sehen wir uns eine Fußmaschine an, die in ihrer Typenbezeichnung auf eine Legende verweist. 1937 vorgestellt, wurde die Ludwig Speed King zunächst durch ihre – für damalige Verhältnisse – außergewöhnlichen Laufeigenschaften bei kompakter Bauform bekannt. Später wurde das Pedal unter anderen von John Bonham gespielt, was den Legendenstatus für die Ewigkeit konservierte.

Rohema 5A Speed Sticks, Stick Control Sticks, Evolution Sticks und Carbon Rods Test

Drums / Test

Der deutsche Stockhersteller Rohema hat vier neue Spielwerkzeuge auf den Markt gebracht. Was die 5A Speed Sticks, die 5A Stick Control Sticks, die 5A Evolution Sticks und die Carbon Rods können, lest ihr im Test.

Rohema 5A Speed Sticks, Stick Control Sticks, Evolution Sticks und Carbon Rods Test Artikelbild

Dass Schlagzeugstöcke meistens einen runden Querschnitt haben, aus Holz sind und sich vorne verjüngen, dürfte eine ebenso simple Erkenntnis sein, wie der Umstand, dass Hot Rods aus mehreren dünnen Stäbchen bestehen. Und doch gibt es mehr oder weniger subtile Möglichkeiten, an diesen bekannten Designs etwas zu modifizieren. Rohema hat sich kürzlich der Aufgabe angenommen und drei 5A Stockmodelle sowie neue Hot Rods vorgestellt, die sich spätestens auf den zweiten Blick von der Masse abheben. 

Wolfgang Van Halen veröffentlicht erste Single seiner Band Mammoth WVH

Bass / News

Wolfgang Van Halen, Sohn des legendären Gitarristen Eddie Van Halen (RIP), stellt die erste Single seiner Band Mammoth WVH vor: Vorhang auf für "Distance"!

Wolfgang Van Halen veröffentlicht erste Single seiner Band Mammoth WVH Artikelbild

Ausgestattet mit einem der bekanntesten Nachnamen der Musikszene hat sich Wolfgang Van Halen eine zeitlang auf die Veröffentlichung eigener Musik von seiner Soloband Mammoth WHV vorbereitet. Ein Plan, der sich in eben jenem Augenblick entscheidend veränderte, als ihn sein Vater, Gitarren-Ikone Eddie Van Halen anrief und berichtete, dass seine Krebserkrankung zurückgekehrt sei. Wolfgang entschied sich daraufhin, vorerst alle Pläne auf Eis zu legen, um für seinen seinem Vater während seines Kampfes da zu sein. In dieser Zeit komponierte Wolfgang gelegentlich Material für sein kommendes Soloalbum, das 2021 bei Explorer1 Music Group/ EX1 Records erscheinen wird. Nun liegt die erste Single aus diesem Album vor: "Distance"!

Ludwig 13x3 Piccolo Snaredrum Test

Drums / Test

Unser heutiger Testkandidat ist ein Klassiker im Ludwig-Programm. Er heißt einfach Ludwig 13x3 Piccolo Snaredrum und besteht aus einem Linde/Ahorn-Mischkessel. Wir haben die erschwingliche Trommel ausgiebig gecheckt.

Ludwig 13x3 Piccolo Snaredrum Test Artikelbild

Dass die amerikanische Traditionsfirma Ludwig auch für Piccolo-Snaredrums der Größe 13"x3" bekannt ist, geht manchmal in der Flut der Supraphonics, Black Beauties und Classic Maples unter. Wobei, so ganz korrekt ist der Satz nicht, denn von den Bezeichnungen her waren die kleinen Flundern meistens in die Ludwig-Nomenklatur integriert. Die Tradition beginnt allerdings noch viel früher, so wurde das 13x3 „Be-Bop“ Modell schon in den 1950er Jahren vorgestellt.  

Bonedo YouTube
  • Istanbul Mehmet | Nostalgia Cymbal Series | Sound Demo (no talking)
  • DrumCraft | Series 6 | Jazz Set | Sound Demo
  • DrumCraft | Series 6 | Standard Set | Sound Demo (no talking)