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17.05.2017

Leadsheet schreiben: Workshop für Drummer #2

Wie man Kicks richtig notiert und seine Leadsheets optimal archiviert

Workshop-Tutorial inklusive Play-Along und Drumsheets zum Download

Während im ersten Teil des „Leadsheet für Drummer“-Workshops in erster Linie die Grundlagen für das Schreiben von Leadsheets behandelt wurden, befassen wir uns im zweiten Teil mit fortgeschrittenen Themen. Neben der Notation und Interpretation von Kicks gehen wir auch auf sekundäre Aspekte wie etwa die Archivierung von Leadsheets ein. Als „Kicks“ oder „Hits“ bezeichnet man einzelne Notenwerte oder Akzente, die von der gesamten Band unisono, also gemeinsam und gleichzeitig gespielt werden. Auch für den zweiten Teil hat der Kollege Thomas Dill netterweise einen Song komponiert.

Infos zum Song

Der Song, der uns in diesem Workshop-Teil als Anschauungsbeispiel dient, steht ganz im Zeichen amerikanischer Pop/Rock-Musik. Die Form des Songs an sich ist nicht weiter kompliziert, jedoch verstecken sich hier und da ein paar Stolpersteine, die dem Drummer einiges an Aufmerksamkeit abverlangen. Die Grundidee des Songs ist ein viertaktiges Pattern, das sich aus drei gleichen Takten und einer Variation, genauer gesagt einem Takt mit Kicks zusammensetzt. Im Chorus werden diese Kicks akzentuierter gespielt, während sie in der Strophe etwas unauffälliger in den Spielfluss eingebettet sind. Der viertaktige Pre-Chorus baut mit veränderten Akkorden Spannung auf, die sich im letzten Takt in Form einer kollektiv gespielten rhythmischen Figur entlädt, welche sich über den kompletten Takt erstreckt. Die für Drummer vielleicht komplizierteste Stelle findet sich im Mittelteil des Songs in Form von zwei vorgezogenen Sechzehntel-Kicks auf den Zählzeiten „4e“ und „4a“. Nach einem ausgedehnten Schluss-Part, in dem das Kick-Pattern aus den vorherigen Chorussen geloopt wird, kommt der Song im letzten Takt schließlich durch ein leichtes Ritardando gemütlich zum Ende.  

Das ist der Song:

Um den Song zuhause nachzuspielen und somit die besprochenen Themen aus diesem Workshop in die Praxis umzusetzen, könnt ihr hier das Play-Along und das Leadsheet zum Song downloaden:

Notierung von Kicks im Leadsheet

Im ersten Workshop-Teil haben wir bereits besprochen, dass ein Leadsheet von einer  möglichst vereinfachten Darstellung lebt, die einerseits Zeit beim Schreiben spart, zudem aber auch dem Musiker einen gewissen Interpretationsspielraum lässt. Der Unterschied zum komplett ausgeschriebenen Notenblatt, wie man es aus der Klassik kennt, ist, dass ein Leadsheet den Musiker im wahrsten Sinne lediglich durch das Stück „führt“, ohne jedes einzelne Detail vorzuschreiben. Vor allem bei schwierigen Songpassagen, wo etwa Kicks oder Unisono-Parts gespielt werden sollen, ist es wichtig, nur das Essentielle – nämlich die Kicks selbst – zu notieren, um nicht Gefahr zu laufen, die jeweilige Stelle komplizierter aussehen zu lassen als sie eigentlich ist. Notiert man nämlich jedes Detail aus, so droht der Musiker im Eifer des Gefechts den „Wald vor lauter Bäumen“ bzw. „die Musik vor lauter Noten“ nicht mehr zu sehen. Hier seht ihr ein Beispiel für eine zu komplizierte Notation im Leadsheet.

Doch wie notiert man Kicks simpel und verständlich zugleich? Im ersten Teil des „Leadsheets für Drummer“ Workshops haben wir bereits über Rhythmusnotation und in dem Zusammenhang über „Querbalken“ gesprochen, die anstelle der herkömmlichen Notenköpfe zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, ein spezielles rhythmisches Ereignis unabhängig von einer bestimmten Orchestrierung zu notieren. 

Weiterhin haben wir in diesem Zusammenhang über „Viertelbalken“ (Querbalken ohne Notenhälse) gesprochen, die keinen bestimmten Rhythmus implizieren, sondern als Platzhalter für den Viertelpuls fungieren. Beide Varianten können kombiniert werden, wenn es darum geht, Kicks zu notieren, die entsprechende Umsetzung auf dem Schlagzeug jedoch nicht hundertprozentig vorzuschreiben. Dazu füllen wir einfach den Takt mit vier Querbalken (ohne Notenhälse) und notieren über der obersten Notenlinie die Kicks. Für den Drummer bedeutet das, dass er im Spielfluss bleiben soll, während er die notierten Kicks in seinen Groove integriert. 

Die Notation von Kicks muss sich nicht zwangsläufig über einen kompletten Takt erstrecken. Kommen beispielsweise lediglich in der zweiten Takthälfte Kicks vor, so lässt sich die erste Hälfte noch ganz normal notieren, worauf dann zwei Viertelbalken – stellvertretend für die Zählzeiten „3“ und „4“ – mit der entsprechenden Notation der Kicks folgen.

Es kommt auch vor, dass Kicks gar nicht als große Akzente gespielt werden, sondern eher „beiläufig“ in den Groove integriert werden sollen. Eine Möglichkeit besteht darin, dies durch eine entsprechende Notiz zu vermitteln. Die weitaus charmantere Lösung ist jedoch, die entsprechenden Kicks unter die Viertelbalken als Bassdrum-Stimme zu notieren. 

Archivierung von Leadsheets

Hat man nun ein Leadsheet geschrieben, kommt natürlich auch die Frage auf, wie man es am Besten aufbewahrt. Ein Leadsheet ist ja nun mal an erster Stelle für die Bühne bestimmt, wo lose Zettel gern mal verschwinden, durchreißen oder vor lauter Euphorie nach dem Konzert schlichtweg vergessen werden. Da empfiehlt es sich natürlich, im Vorfeld eine Kopie anzufertigen, oder besser noch, das Leadsheet zu scannen und digital auf dem Rechner zu speichern, wo es etwa als PDF-Dokument auch nur sehr wenig Speicherplatz beansprucht. Optimal ist es hierbei, einen Cloud-Speicher zu nutzen, auf den mal von überall und mit jedem Endgerät zugreifen kann. Auf diese Art und Weise hat man – Internetzugang vorausgesetzt – seine Leadsheets automatisch immer dabei.

Die bequemste Lösung besteht heutzutage sicherlich darin, seine Leadsheets auf einem Tablet zu archivieren. Durch seine flache und auffällige Form eignet sich das Tablet sehr gut für den Einsatz auf der Bühne. Mittlerweile gibt es neben speziell konzipierten Tablet-Halterungen auch professionelle Apps, die gezielt für die professionelle Arbeit mit Noten und Leadsheets entwickelt wurden. Die momentan wohl am stärksten verbreitete App auf diesem Gebiet ist „forScore“, mit der man nicht nur Playlisten erstellen und Notizen in die Leadsheets schreiben, sondern auch für jedes einzelne Leadsheet ein Tempo hinterlegen kann, um mal kurz die absoluten Basic-Funktionen dieser App zu nennen.

Nun wünsche ich euch viel Spaß und Erfolg mit euren Leadsheets. Falls ihr Fragen oder Anregungen zu diesem Thema habt, dann äußert diese einfach unten in den User-Kommentaren.

- Jonas

 

Hier geht es zum ersten Teil des Leadsheet-Workshops.

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