Test
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01.08.2013

Praxis

Oszillatoren

Die Oszillatorsektion des volca keys erweist sich trotz der Beschränkung auf Sägezahnschwingungen als recht vielseitig. Es sind immer alle drei VCOs aktiv – einzeln an- und abschalten oder in der Lautstärke regeln lassen sie sich nicht. Allerdings gibt es sechs verschiedene Betriebsmodi, die über einen Drehschalter selektiert werden und trotz der Limitierungen für eine gewisse klangliche Bandbreite sorgen.

Poly: In diesem Modus ist der volca keys dreistimmig polyphon, d.h. jeder Oszillator wird einer Stimme zugeordnet. Optimal für Pads und Chords.

Unison: Die drei VCOs spielen denselben Ton und der Synth ist nur monophon spielbar. Durch Drehen am Detune-Poti lassen sich die VCOs gegeneinander verstimmen, wodurch fette Leads und Bässe entstehen können.

Octave: Zwei Oszillatoren spielen den gleichen Ton, der dritte ist eine Oktave höher gestimmt.

Fifth: Wie „Octave“, aber mit dem dritten Oszillator eine Quinte über den ersten beiden. 

Unison Ring: Die VCOs spielen unisono und sind über einen Ringmodulator gekoppelt. Drehen am Detune-Poti kann recht drastische Effekte zur Folge haben:

Poly Ring: Hier kommt ebenfalls ein Ringmodulator zum Einsatz, aber der Synth ist polyphon spielbar (ein VCO pro Stimme). Also tritt der Ringmodulator erst in Aktion, wenn man mehr als einen Ton spielt.

Filter

Das analoge Filter des volca keys entstammt dem miniKORG 700S von 1974. Es kann kraftvoll zupacken und gefällt mir vom Sound her recht gut. Allerdings ist es gerade beim Filter schade, dass die Potis so klein und fummelig sind. Beim Filter-Schrauben mit den Fingerspitzen kommt irgendwie nicht das richtige Feeling auf. Gleichzeitig an Cutoff und Resonanz zu drehen ist so gut wie unmöglich. Hier hört ihr einige Filterfahrten mit unterschiedlicher Resonanz:

Bei viel Resonanz und langsamer Betätigung des Cutoff-Potis macht sich eine Rasterung der Werte bemerkbar. Um die Reglerbewegungen im Sequencer aufnehmen zu können, wurde die Steuerung des Analogfilters also offensichtlich digital umgesetzt. Das stört aber nur bei sehr langsamer Drehbewegung und viel Resonanz.

LFO und EG

Der LFO verfügt über die Schwingungsformen Sägezahn (fallend), Dreieck und Rechteck. Über zwei Potis lässt sich regeln, wie stark er jeweils auf die Tonhöhe und den Filter-Cutoff wirken soll. Das dritte Poti bestimmt die Frequenz. Leider kann der LFO nicht zum Tempo synchronisiert werden, was bei einer Groove-Kiste wie dem volca keys natürlich wirklich sehr schade ist. Immerhin kann man einstellen, ob er notensynchron neu getriggert werden soll.

Die Hüllkurve (EG) bietet Regler für Attack, Decay/Release und Sustain. Sie wirkt immer auf den VCA und durch Drehen an den entsprechenden Potis auch mit einstellbarer Intensität auf den Filter-Cutoff und/oder die Tonhöhe. Leider fehlt dem volca keys eine separate VCA-Hüllkurve oder wenigstens wie Möglichkeit, den VCA auf hüllkurvenlosen Gate-Betrieb umzustellen (wie z.B. beim volca bass). Deshalb ist die Envelope leider nicht ganz so flexibel einsetzbar, wie man es manchmal gern hätte. Zum Beispiel bräuchte man ja schon gelegentlich ganz unterschiedliche Attack- oder Sustain-Werte bei den Amp- und Filterhüllkurven – das geht beim volca keys leider nicht. Für gängige Pad- und Leadsounds kommt man mit dem EG aber ganz gut hin. Die schaltbare „Step Trigger“-Option triggert die Hüllkurve bei jedem Step neu, und zwar auch während Noten gehalten werden. So kann man zum Beispiel Flächen „rhythmisieren“.

Der volca keys eignet sich hauptsächlich für einfache Pads, Leads, Akkordpatterns und dank des Ringmodulators auch für den einen oder anderen Effektsound. Im polyphonen Betrieb wird allerdings immer wieder deutlich, dass drei Stimmen wirklich sehr wenig sind. Dreistimmige Pads mit etwas längeren Attack- und Release-Zeiten lassen sich kaum realisieren, weil die Noten immer unschön abreißen. Und das Klangpotential ist zwar einerseits wegen der verschiedenen Oszillator-Konfigurationen erfreulich groß, verglichen mit anderen Synthesizern aber doch recht eingeschränkt. Während seine beiden Geschwister mit Charme und Sound in ihren jeweiligen Nischen auf Anhieb zu gefallen wissen, wird der volca keys sicherlich nicht jeden sofort überzeugen können. Aber es ist ein polyphoner Analogsynth mit Sequencer für 140 Euro. Nur um das noch einmal zu sagen...

Sequencer

Beim volca keys ist der Sequencer etwas anders ausgestattet als bei den beiden anderen volcas. Zwar verfügt er auch über 16 Steps und acht Speicherplätze für Patterns. Dank der Flux-Funktion kann man aber auch unquantisierte Patterns aufnehmen, die nicht an die Steps gebunden sind. Sehr praktisch! Dafür fällt beim volca keys der Step-Eingabemodus weg. Das Tempo lässt sich mit dem entsprechenden Poti in einem Bereich von 56 – 240 bpm einstellen, wobei bis 136 bpm auch halbe Werte machbar sind. Etwas versteckt in den Systemeinstellungen verbirgt sich die Möglichkeit, den Tempobereich auf 10 – 600 bpm zu erweitern, was ja aber nur in Ausnahmefällen nötig sein wird.

Löblicherweise hat Korg daran gedacht, dem volca keys ein eingebautes Metronom zu spendieren, das man bei der Aufnahme in Echtzeit sehr gut gebrauchen kann. Und weil man bei Flächen und Leads ja gern mal Sequenzen braucht, die länger als einen Takt sind, kann man das Zeitraster auf Knopfdruck halbieren oder vierteln. So erhält man bei der Einstellung „1/4“ ein viertaktiges Pattern mit einem Step pro Viertelnote. So kann der volca keys im Synchronbetrieb eine viertaktige Akkordfolge spielen, während seine Kumpels volca beats und volca bass ein eintaktiges Rhythmuspattern liefern.

Die „Active Step“-Funktion erlaubt das spontane Abschalten bzw. Überspringen von Steps auch mitten in einem Pattern. So kann man nicht nur Sequenzen mit ungeraden Step-Zahlen erzeugen, sondern auch kreativ ins Playback eingreifen. Wenn man nicht schnell genug ist, geht dabei schon mal etwas schief, aber das tut der Kreativität keinen Abbruch.

Die Synchronisation des volca keys über die analogen Sync-Buchsen funktioniert einwandfrei und zuverlässig. Sobald ein Sync-Signal – z.B. von einem anderen volca oder einem Monotribe – am Eingang ankommt, klinkt sich der keys automatisch ein, ohne dass man dafür irgendetwas einstellen müsste. Das Sync-Signal wird auf den Ausgang durchgeschleift, sodass man eine ganze Sync-Kette mit mehreren volcas und/oder Monotribes aufbauen kann. Einfach und gut. Auch mit der MIDI-Clock aus einer DAW verstand sich der volca keys auf Anhieb. Hier gibt es überhaupt nichts zu meckern, es funktioniert einfach wie erwartet.

Motion Sequencing

Als einziger Vertreter der volca-Serie besitzt der keys umfangreiche Fähigkeiten, Reglerbewegungen im Sequencer aufzuzeichnen. Alle Regler der Klangerzeugung mit Ausnahme der Schalter für den Oszillatormodus und die Oktave lassen sich aufnehmen. Auch die Delay-Einstellungen können aufgezeichnet werden. Das eröffnet eine Fülle von Möglichkeiten. Zum Beispiel können sich die Zeiten der Hüllkurve oder die Frequenz des LFOs im Verlauf eines Patterns ändern oder man versorgt einen einzelnen Ton mit ordentlich Resonanz. Indem man Veränderungen der Delay-Zeit aufzeichnet, können interessante Rhythmen und Pitch-Effekte entstehen. Dabei kann man sich aussuchen, ob die Reglerbewegungen stepweise „springen“ oder per „Smooth“-Parameter geglättet werden sollen. Super! Möchte man die Bewegungen mehrerer Regler aufzeichnen, sollte man allerdings sorgfältig vorgehen, denn es gibt keine Undo-Funktion für die letzte Aufnahme. Man kann nur alle aufgenommenen Reglerbewegungen auf einmal löschen. Wenn man sich beim letzten Poti verheddert, muss man also ganz von vorn anfangen.

Delay

Das Delay bietet Regler für Zeit und Feedback sowie einen Schalter für die Tempo-Synchronisation. Das Feedback-Poti regelt zugleich den Effektanteil – ist es ganz zugedreht, ist das Delay aus. Der Effekt klingt ziemlich trashig-digital, ein bisschen wie 6-bit-Samples. Ich gehe davon aus, dass der Billigsound im Gesamtkontext der volcas (Beats bauen wie in den Achtzigern) durchaus beabsichtigt ist, aber dieses Delay klingt schon arg kaputt und nicht jeder wird es mögen. Dennoch bereichert es den volca keys um zusätzliche klangliche und rhythmische Möglichkeiten. Vor allem, wenn man den Effekt in Verbindung mit dem Motion Sequencing kreativ einsetzt, können unerwartete Ergebnisse und damit Ideen dabei herauskommen. Interessanterweise geht das Delay übrigens bei eingeschaltetem Metronom nicht – womöglich wird es vom gleichen Chip erzeugt.

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