Hersteller_Korg
Test
3
23.09.2014

Praxis

Bedienung

Das Pa300 wird über einen Taster auf dem Bedienfeld ein- und ausgeschaltet. Das Gerät befindet sich also permanent in einem Standby-Modus und verbraucht Strom, sobald das externe Netzteil angeschlossen ist. Etwas Geduld muss man beim Einschalten mitbringen, denn das Keyboard benötigt eine Minute und zehn Sekunden, bis das System hochgefahren ist.

Das wichtigste Bedienelement ist das berührungsempfindliche Farbdisplay. Die Größe ist mit 5 Zoll gerade noch ausreichend. Während beim nächst größeren Modell Pa600 ein 7 Zoll großer Bildschirm keine Wünsche offen lässt, muss man beim Pa300 schon aufpassen, dass man nicht daneben tippt. Vor allem die kleinen Schieberegler und das Pull-Down-Menü an der oberen rechten Bildschirmecke brauchen oft mehrere Anläufe, bis man sie mit dem Zeigerfinger richtig erwischt. Auch die Taster und Drehregler auf dem Bedienfeld könnten etwas größer sein. Insgesamt kann man das Bedienkonzept des Pa300 aber durchaus als intuitiv bezeichnen. Oft gibt es mehrere Wege zum Ziel. So lässt sich eine neuer Style beispielsweise entweder über das Antippen des Feldes auf dem Display oder durch den entsprechenden Auswahltaster auf dem Bedienpanel wählen. 

Sounds und Performances

Das Pa300 ist 128-stimmig polyphon und hat 950 Sounds sowie 64 Drumkits an Bord. Es gibt drei Upper-Parts und einen Lower-Part, die gleichzeitig gespielt werden können. Die Anwahl der Sounds erfolgt durch direktes Antippen des entsprechenden Parts im Display.

Klänge mit dem Zusatz „RX“ nutzen Korgs „Real Experience“-Soundtechnologie. Das bedeutet, dass hier von vielen zusätzlichen Geräuschen, die das Instrument ausmachen, Samples erstellt wurden, die den Klang authentischer machen. So ist jetzt z.B. ein neuer Konzertflügel mit Saitenresonanz und detaillierter Dämpfersimulation dabei. Die Sounds können umfangreich editiert und im User-Bereich abgespeichert werden. Neben den Factory-Sounds gibt es auch eine Abteilung mit Legacy- und GM-Sounds.

Alle Einstellungen der Live-Sounds werden als Performances gespeichert, wofür es 240 Speicherplätze gibt. So kann man beliebte Registrierungen schnell abrufen. Korg hat schon viele Performances vorgegeben, die man aber auch überschreiben kann. Mit der Taste „My Setting“ kann man eine Performance abspeichern, die beim Einschalten des Pa300 als „Startup“ geladen werden soll. Hier kommt eine gute Idee zum Tragen, die auch bei den übrigen Performance-Tastern gut funktioniert: Tippt man den Taster kurz an, wird die „My Setting“-Performance geladen, drückt man lange auf dieselbe Taste, so wird die augenblickliche Einstellung der Live-Parts als „My Setting“ gespeichert. 

Die Klangqualität des kleinen Korg ist für ein Keyboard dieser Preisklasse sehr gut. Echte Schwächen habe ich in keiner Sound-Kategorie feststellen können. Die Klänge stammen zum Großteil aus den größeren Modellen der Pa-Reihe, was dem Gesamteindruck des Pa300 sehr gut tut. Auch die leistungsstarken Effekte werten den Sound auf. Es gibt 125 verschiedene Effekttypen. Das Pa300 besitzt zwei getrennte Master-Effekt-Bereiche – je einen für die Backingtracks (Styles und Songs) und einen für die Keyboard-Tracks – die jeweils zwei verschiedene Effekte liefern können. Jeder Track verfügt zudem über einen eigenen 3-Band-EQ (!), zusätzlich gibt es einen finalen parametrischen Master-EQ.

Bei den folgenden Beispielen habe ich einerseits Einzelsounds, andererseits aber auch Performances, also fertige Sound-Kombinationen angespielt. Bei den Akustik-Pianos sind zwei unterschiedliche Samples vorhanden. Vor allem das Grand Piano RX ist sehr ausgewogen. Auch die E-Pianos und Orgeln können größtenteils überzeugen, wenngleich man beim Pa300 auf die Drawbar-Simulation der größeren Pa-Keyboards verzichten muss. 

Pads, Streicher und Bläser können auch überzeugen:

Auch die Synth-Sounds und Gitarren kommen authentisch und setzen sich gut durch:

Im Legacy-Ordner findet man gute Bekannte aus der Vergangenheit, zum Beispiel aus dem Korg M1:

Styles und Songs

Beim Einschalten befindet sich das Gerät immer im Style-Play-Modus, bei dem der Arranger die gespielten Akkorde der linken Hand nutzt, um die Begleit-Styles erklingen zu lassen. Im Song-Play-Modus werden vollständige MIDI-Files oder MP3-Dateien abgefeuert, zu denen dann noch gespielt werden kann. Der Sequencer-Modus dient dazu, MIDI-Files zu erstellen oder zu ändern.

Das Pa300 besitzt 310 Werksstyles. Der Arranger verwendet dabei acht Begleitspuren. Jeder Style besitzt drei Intros, vier Variationen, vier Autofills, einen Break und drei Endings. Direkt mit dem jeweiligen Style verknüpft sind vier verschiedene STS („Single Touch Settings“), also Registrierungen für die Upper- und Lower-Sounds, damit man während des Live-Spiels schnell zu verschiedenen zum Style passenden Klängen umschalten kann. Diese STS-Einstellungen kann man dem eigenen Geschmack anpassen und speichern. Zusätzlich stehen noch die vier Pads zur Verfügung, die mit MIDI-Patterns oder Sounds aus dem Sample-ROM belegt werden können und vielseitig einsetzbar sind: Sound-Effekte können einmalig abgefeuert werden, Drumloops laufen synchron zum Arranger mit und komplette Sequenzen reagieren harmonisch auf die gespielten Akkorde. Damit kann die Wiedergabe der Styles noch variationsreicher gestaltet werden.

Styles und Pads können im Pa300 selbst erstellt und editiert werden. Im User- und Favorite-Bereich können über 1040 (!) selbst erstellte, geänderte oder gekaufte Styles abgelegt werden, die allerdings auf einem externen Speichermedium (USB-Stick) gespeichert sein müssen. Die Factory-Styles können auch überschrieben werden.

Hier einige Audiobeispiele der Styles. Dabei habe ich für die Live-Sounds jeweils ein STS angewählt, das zum Style passend angeboten wurde.

Man merkt den Unterschied zu teureren Arranger-Keyboards manchmal beim Umschalten der Variationen mit entsprechendem Fill. Das läuft gelegentlich hörbar ab, wenn man die Variationstaste an einem ungünstigen Zeitpunkt drückt.

Wenn man die vier Pad-Taster geschickt mit Percussion- und Drum-Loops belegt und während der Style-Wiedergabe der Reihe nach startet, kann man die Variationen eines Styles noch vielfältiger und dichter machen und so die Dynamik beim Live-Spiel noch mal steigern. Hier habe ich das einmal am Beispiel eines funky Grooves umgesetzt und alle zwei Takte einen Pad-Loop zugefügt. Am Ende hört man kurz den Style alleine:

Beim Pa300 ist es – im Gegensatz zum Pa50 SD – möglich, auch MP3-Dateien von einem USB-Device als Songs abzuspielen. Die Audiodatei kann in der Tonhöhe und/oder im Tempo verändert werden. Dabei sollte man es aber nicht übertreiben, weil es sonst zu hörbaren Artefakten kommt. Enthält ein MIDI- oder Karaoke-File Text-Daten, können auch Lyrics dargestellt werden.

MIDI-Songs lassen sich schnell auch selbst erstellen. Hat man einen Style und passende Sounds zum Spielen auf der Tastatur gefunden, genügt ein Tastendruck auf Sequencer und auf Record und schon kann man loslegen. Drückt man die Start-Taste, ertönt ein Einzähler vom Metronom und man kann normal mit dem Arranger und den Upper- und Lower-Sounds spielen. Alles wird als MIDI-Song auf separaten Tracks aufgenommen und kann später bis ins Kleinste editiert werden. So kann man sich blitzschnell Backingtracks erstellen, die man dann im Songbook (s.u.) speichern kann. 

Songbook

Die komfortabelste Art, die kompletten Einstellungen des Pa300 zu sichern und zu verwalten, bietet das Songbook. In dieser Musikdatenbank werden Styles oder Songs mit den je vier STS und Pads unter dem Namen des Titels, der gespielt werden soll, abgespeichert. Dabei ist es egal, ob die Darbietung mit einem Style gespielt oder durch Abspielen eines MIDI-Files oder einer MP3-Datei unterstützt werden soll. Alles wird in derselben Liste gespeichert und kann mit Angaben für Tempo, Tonart, Artist und Genre versehen werden, damit Ordnung in die Datenbank kommt und Songbook-Einträge mit Hilfe der umfangreichen Suchfunktion schnell gefunden werden können.

Korg hat hunderte Datensätze mit Styles vorinstalliert, sodass man zu unzähligen bekannten Songs sofort die passenden Einstellungen findet und loslegen kann. Dabei musste man die Namen der Songs aus urheberrechtlichen Gründen leicht abändern. Viele bekannte Titel lassen sich mit den von Korg programmierten Registrierungen gut umsetzen. Vor einem Gig kann man Playlists erstellen, sodass das Umschalten auf der Bühne reibungslos abläuft. Für den Windows-PC (leider nicht für Mac OS) steht zudem ein praktischer Songbook-Editor kostenlos zum Download bereit.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare