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Test
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31.03.2021

Korg Nautilus 88 Test

Digitale Synthesizer-Workstation

Die Alternative zu Kronos?

Wenn Korg eine neue Workstation herausbringt, horcht man auf. Revolution oder eher Evolution? Der neue Korg Nautilus orientiert sich stark an dem mittlerweile zehn Jahre alten Flaggschiff Kronos und bietet ähnliche Möglichkeiten. Die Anzahl der Regler ist im Vergleich zum Kronos jedoch stark reduziert worden, dafür wurde das Bedienkonzept umfassend modernisiert. Wieder an Bord sind die neun bekannten und jetzt weiterentwickelten Kronos Sound-Engines. Anstelle des Karma-Moduls bietet Nautilus nun einen Arpeggiator und einen Drum-Sequencer. Das Display ist etwas kleiner geraten als beim großen Bruder und die Tastatur verzichtet auf Aftertouch. Dafür spart man im Vergleich zum Kronos ca. 400 - 500 €, je nach Modell.

Die Einordnung des Nautilus ist nicht ganz einfach. Mit dem Kronos brachte Korg 2011 einen Bestseller auf den Markt, der sich im Bereich der Music Workstations sowohl für den Studiobetrieb als auch im Live-Einsatz als Standard etablierte. Im Kronos sind neun unterschiedliche Sound-Engines in einem Instrument vereint, sodass praktisch alle denkbaren Klänge mit einer jeweils passenden Klangerzeugung realisiert werden können. Mit dem Krome führte Korg 2012 eine weniger als halb so teure Mittelklasse-Workstation ein, dessen PCM-Sounds vom Kronos abgeleitet sind, der aber nicht seine Klangvielfalt besitzt. Der neue Nautilus ist etwas preiswerter als der Kronos, besitzt seine neun Sound-Engines, verzichtet allerdings auf einige Kronos-Features. Die große User-Gemeinde des Kronos diskutiert aktuell in vielen Foren darüber, ob der Nautilus als günstige Alternative oder sogar als Nachfolger des Kronos angesehen werden soll. Sein Erscheinungsbild und sein Bedienkonzept ist moderner und aufgeräumter als das des Kronos-Flaggschiffs, es fehlen aber auch viele Regler und Bedienelemente. Wie die Veränderungen aussehen, ob der Nautilus an die klanglichen Möglichkeiten des Kronos anknüpfen kann und ob es sogar Verbesserungen gegenüber dem Kronos gibt, zeigt dieser Test.

Details

Die neue Korg Nautilus Serie ist in Varianten mit 61, 73 oder 88 Tasten erhältlich. Im Gegensatz zum Kronos bietet lediglich die 88 Tasten-Version eine gewichtete RH3-Klaviatur mit Hammermechanik, die beiden anderen Modelle sind mit leicht gewichteten Tastaturen ausgestattet. In der Kronos-Line ist auch der Mittlere mit 73 Tasten mit der Hammermechanik-Tastatur ausgestattet. Für diesen Test stand die große Version des Nautilus mit 88 Tasten zur Verfügung.

Erster Eindruck

Das Instrument wiegt 23,1 kg und ist somit nur 1 kg leichter als der Kronos 88. Auch ist der kleine Bruder Nautilus tatsächlich etwas kompakter als der Kronos. In allen drei Dimensionen misst er ca. 1 – 2 cm weniger. Das mattschwarze Instrument macht einen sehr stabilen und wertigen Eindruck. Das Frontpanel besteht aus Aluminium, die Unterseite aus einer stabilen Spanplatte und die Seitenteile aus edlem dunkelbraunem Holz. Insgesamt wirkt das Design des Nautilus moderner und stromlinienförmiger als das des Kronos.

Bedienfeld

Im direkten Vergleich zum Kronos ist das Frontpanel beim Nautilus sehr übersichtlich gestaltet und bietet für ein Instrument dieser Komplexität nur wenige Regler und Taster. Korg gibt damit dem Design Vorrang vor der Funktion. Das sieht man auch daran, dass die wenigen vorhandenen Drehregler versenkbar sind. Als zentrale Schaltzentrale dient das 7“ Touch-Display, das etwas kleiner ausfällt als das des Kronos (8“), aber beim Nautilus eine noch größere Rolle spielt, da jetzt noch mehr Parameter-Veränderungen direkt am Bildschirm vorgenommen werden müssen.

Nautilus bietet auf der linken Seite einen MASTER VOLUME Fader, gefolgt von sechs versenkbaren Drehreglern, sogenannten RT (Realtime)-Reglern, die recht klein ausfallen. Die Regler zeigen keine fühlbare Mittelstellung, liegen recht eng nebeneinander und sind damit nicht sonderlich gut bedienbar. Wenn alle Regler versenkt sind, zeigt die Bedienoberfläche des Nautilus keine Erhebungen mehr, was den Transport des Instruments vereinfacht, denn so können sie nicht abbrechen. Mit einem Taster lassen sich den Reglern drei verschiedene Funktionen zuordnen. Entweder steuert man damit typische Parameter, die den Klang betreffen (SOUND), den Arpeggiator bzw. Drumtrack (ARP/DRM), oder es lassen sich eigene Zuweisungen programmieren (USER). Im ersten Fall leuchtet eine weiße LED, im zweiten eine rote und im dritten Fall eine blaue. Der DYNAMICS-Taster aktiviert den darüber liegenden, ebenfalls versenkbaren Drehregler, mit dem man das Anschlagsverhalten der Tastatur blitzschnell variieren kann. Eine praktische Funktion für die Bühne und fürs Studio.

Unterhalb der RT-Regler liegen die Taster für die Steuerung des Arpeggiators (LATCH, ARP, DRM, TAP) und Taster, mit denen man die Master- und Totaleffekte (MFX, TFX) ein- und ausschalten kann. Schließlich gibt es Taster für die Oktavlage (OCTAVE +/-) zum Aktivieren des Audio-Eingangs (AUDIO IN) und die SHIFT Taste. Betätigt man die SHIFT-Taste zusammen mit einer anderen Taste, so erhält diese eine neue Funktion. Beispielsweise kann man den Nautilus durch Drücken von SHIFT und OCTAVE +/- in Halbtonschritten transponieren. Das farbige 7“ TFT Touchdisplay mit einer Auflösung von 800 x 400 Pixeln reagiert auf leichten Druck. Rechts daneben hat Korg das Datenrad, die „+“ und „-“ Tasten sowie die ENTER- und EXIT-Taste untergebracht. Mit der MODE-Taste gelangt man in ein übergeordnetes Menü, in dem der gewünschte aktuelle Modus des Nautilus ausgewählt wird, z. B. SET LIST oder SEQUENCER. Innerhalb eines Modus sind mehrere Seiten untergebracht, die mithilfe der PAGE-Taste im Display angezeigt werden. Die sechs QUICK ACCESS Taster erinnern mich stark an den Yamaha Genos. Diese Taster können frei belegt werden und z. B. auch die Transport-Funktionen des Sequenzers übernehmen oder wichtige Menüs aufrufen.

An Spielhilfen bietet Nautilus nur den Joystick und die beiden frei belegbaren Taster SW1 und SW2. Der Joystick kann in vier Richtungen ausgelenkt werden, wobei die Richtungen rechts und links in der Regel für Pitchbend und die Richtungen vor und zurück für Modulationseffekte verwendet werden. Mit den beiden Tastern können Sounds moduliert oder Modulationswerte des Joysticks verriegelt werden.

Anschlüsse

Auf der Rückseite bietet sich ein ähnliches Bild wie beim Kronos: Neben dem Stereo-Master-Output und dem Kopfhöreranschluss liegen vier separate Einzelausgänge. Die analogen Audio-Eingänge INPUT 1 und 2 dienen für Aufnahmen zum Sampeln oder dazu, externe Audiosignale mit den Effekten des Nautilus zu versehen. Beim Kronos gibt es noch die Möglichkeit, den Gain mit einem kleinen Regler auf der Rückseite anzupassen und die Empfindlichkeit von Line auf Mic umzuschalten. Das geschieht im Nautilus per Software in einem entsprechenden Menü. Schließlich sind noch das obligatorische MIDI-Trio, ein USB-to Host- und ein USB-to Device-Port sowie drei Anschlüsse für Fußcontroller im Angebot: Dazu gehören ein Anschluss für das Dämpferpedal und zwei zuweisbare Fußpedal-Anschlüsse für einen Fußtaster und ein Volumen/Expression-Pedal. Auf die optischen S/P DIF-Ein- und Ausgänge des Kronos hat man beim Nautilus verzichtet, ebenso auf einen zweiten USB-to Device-Port. Schade, dass der Kopfhöreranschluss beim Nautilus auf der Rückseite verbaut ist. Beim Kronos findet man ihn leicht erreichbar an der Frontseite unterhalb des Joysticks. Auch der Einschaltknopf ist beim Nautilus anders gestaltet als beim Kronos: Während Kronos einen stabilen Schalter besitzt, bietet Nautilus einen kippeligen, ziemlich weit herausstehenden Stand-by-Taster. Zum Einschalten genügt eine kurze Betätigung, zum Ausschalten muss man den Taster länger drücken.

Tastatur

Beim Nautilus 88 wird die gleiche gewichtete Hammermechanik-Tastatur verbaut wie beim Kronos. Die sogenannte RH3 (Real Weighted Hammer Action 3) hat sich in der Vergangenheit bewährt und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Gewichtung der RH3-Tasten ist in vier Bereiche unterteilt (wobei der Widerstand im Bass-Bereich am größten und im Diskant am geringsten ist) und damit der einer Flügelklaviatur nachempfunden. Leider verzichtet die gut spielbare Tastatur des Nautilus auf Aftertouch, was bereits ein Nachteil ist, wenn man Klänge während der Performance durch nachträglichen Druck auf die Tasten modulieren möchte.

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