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Test
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24.05.2013

Korg Monotron Duo und Monotron Delay Test

Mini-Synthesizer

Analoge Zwergsynthesizer im Praxischeck

Korg Monotron Duo und Monotron Delay im Test: Die beiden Testprobanden gehören zu den analogen Synthesizern, vor dessen Erwerb es tendenziell nicht erforderlich ist, den Bankberater vorher zu kontaktieren. Zu einem jeweiligen Straßenpreis von weniger als 40€ bekommt man analoge Technik mit Korg MS-10/20- und Korg Mono/Poly-Genen.

Analoge Technik der späten 70er und 80er-Jahre mit legendärem Ruf, für die man meist einiges mehr auf den Tisch legen muss, in zugegebenermaßen abgespeckter Variante. So zum Beispiel entpuppt sich das sogenannte „Analoge Space Delay“ des Korg Monotron Delay als digitale Emulation - lediglich Filter und Oszillator sind analog, doch mindert das den Spaß? Was lässt sich mit Korg´s Mini-Synthesizern, die den hier bereits getesteten Korg Monotron (ohne weitere Namenszusätze) zur eigenen Gattung komplettieren, denn so anstellen?

Details

Abgesehen von der farblichen Gestaltung sind beide Modelle äußerlich zu 99,9 Prozent identisch. Lediglich auf der Rückseite des Monotron Duo befindet sich ein kleiner, roter Button anstatt der versenkten Kreuzschraube des Monotron Delay - auf die jeweiligen Funktionen werde ich an späterer Stelle eingehen. Gemeinsam sind das Gehäuse mit den 5 Potis, ein Schalter für Standby und zwei weitere Funktionen, der Ribbon-“Tastatur“ und dem Lautsprecher. Zwei 3,5mm Klinkenbuchsen (Aux In, Kopfhörerausgang) und Lautstärkeregler befinden sich auf der Geräterückseite.

Ebenfalls gleich ist bei beiden Synthesizern auch die Überraschung über die tatsächliche Größe. Wohlwissend, dass es sich um kleine Geräte (120 x 72 x 28mm) handelt, hatte ich mir die Monotron-Modelle um einiges größer vorgestellt. Rein zufällig (!) sind sie in der Höhe bündig mit einem MacBook Pro und integrieren sich somit optisch und haptisch sehr gut in meinen Arbeitsplatz.

Die Verarbeitung macht einen, dem Preis entsprechend soliden Eindruck - hier wurden kein Aluminium und keine Materialien verbaut, die sonst nur in der Raumfahrt zu finden sind, sondern schlicht und einfach Hartplastik. Dennoch wirkt das Gehäuse samt der kleinen Potis und Schalter recht stabil und praxistauglich.

Beide Monotrons sind ausschließlich batteriebetrieben (2x Typ AAA im Lieferumfang/ bis zu 8 Stunden Betrieb) und haben bis auf die erwähnten Audio Ein- und Ausgänge keine weiteren Verbindungsmöglichkeiten zur Außenwelt - sprich: kein MIDI, USB, CV/Gate oder ähnliches! Doch Technik-Nerds aufgepasst: Korg hat auf seiner Homepage die ausführlichen Schaltpläne zur Verfügung gestellt und zwar hier und hier. Damit wurde branchenunüblich ziemlich offiziell zu Modifikationen ermuntert, lasst den Lötkolben schon mal vorglühen. Musiker ohne technischen Background sind in beiden Fällen auf das Ribbon-Keyboard angewiesen - und damit zu den Unterschieden.

Ribbon-Controller

Trotz ähnlichem Erscheinungsbild unterscheiden sich beide Geräte in ihrem musikalischen Einsatzzweck. Obwohl beide „Synthesizer“  klangerzeugende analoge Oszillatoren besitzen, ist der Monotron Duo der eigentliche Synthesizer im Sinne eines Musikinstruments. Im Gegensatz zum Monotron Delay eignet sich die Ribbon-Tastatur mit einiger Übung zum Spielen von Noten und Melodien. Die aufgedruckte „Klaviatur“ des Monotron Delay dagegen ist ein Trugbild, da der steuerbare Tonumfang vier Oktaven umfasst und in erster Linie zur Erzeugung tonaler Glides als „Delay-Futter“ sowie wabernder LFO-Effektsounds dient. Auf der Rückseite des Monotron Duo befindet sich der bereits erwähnte rote Button. Dieser dient definitiv der Performancetauglichkeit der Ribbontastatur. Durch Betätigung des Buttons wird die Tastatur in den chromatischen, Dur-, Moll- oder stufenlosen „Theremin“-Modus versetzt.

In Audiobeispiel 01 spiele ich eine Melodie auf dem Monotron Duo, einmal ohne Skalierung und anschließend in der Moll-Skala:

Im Folgenden weitere Funktionen beider Geräte im Detail.

Monotron Duo

Der Namenszusatz „Duo“ begründet sich in den beiden Oszillatoren, die in dem Winzling ihren Dienst tun. Anwählbar sind die Modi VCO1 und VCO1+2. Im ersten Modus erklingt ausschließlich Oszillator 1, der zweite Oszillator kann allerdings als Modulationsquelle der stufenlos regelbaren Cross-Modulation verwendet werden. Im Modus VCO1+2 erklingen dann beide Oszillatoren, wobei VCO2 ggf. weiterhin als Modulator der Cross-Modulation dient, die im übrigen dem Korg Mono/Poly entstammt. Dank stufenlos regelbarer Tonhöhe beider VCOs, die ca. dreieinhalb Oktaven umfasst, lassen sich Unisono- und Intervall-Sounds erzeugen. Praktisch, dass das eingestellte Intervall den Tonhöhenänderungen von VCO1 folgt. Das erzeugte Signal durchläuft zu guter Letzt die, dem MS-10/20 entnommene, Filterschaltung (12dB/Oktave) mit regelbarer Cutoff-Frequenz und Resonanz.

Im folgenden Audiobeispiel ist nur VCO1 aktiv und das Filter geöffnet. Zu hören ist ein „Sweep“ über den kompletten Tonhöhenbereich des Oszillators, anschließend wird bei maximaler Resonanz die Cutoff-Frequenz langsam abgesenkt.

Monotron Delay

Vorweg: Die Farbgebung im trashigen Arcade-Style der frühen 80er ist weltklasse! Der kombinierte Standby-Schalter stellt einen vor die Wahl, auf Dreiecks- oder Rechteckwellenform einzurasten. Hierbei handelt es sich um die Wellenform des LFOs und nicht etwa des klangerzeugenden Oszillators, für den es im Übrigen keine Regelmöglichkeiten gibt. Da er aber das einzige und feste Modulationsziel des in Geschwindigkeit und Intensität regelbaren LFOs ist, lassen sich auch ohne Delay bereits sehr spacige Effektsounds realisieren.

So klingt der VCO über den kompletten Tonhöhenbereich:

Und in Audiobeispiel 04 hört man den LFO (Dreieckswelle) bei der Arbeit:


In diesem Zusammenhang ist die rückseitig versenkte Schraube erwähnenswert. Hier können Pulsweite der Rechteck- und Invertierung der Dreieckwelle eingestellt werden - klasse, aber ein Poti hätte es auch getan! Danach passiert das Signal wiederum das Filtermodul, wobei hier lediglich die Cutoff-Frequenz regelbar ist, was aber kein großes klangliches Manko darstellt, da es immer noch zweckdienlich zupackt. Last but not least befindet sich der namensgebende digitale (!) Delay-Chip im Signalfluss. Die stufenlos regelbaren Delayzeiten reichen von wenigen Millisekunden bis zu ca. einer Sekunde, Feedback reindrehen und ab in den Weltraum! Das Feedback-Signal wird sinnvollerweise vor dem Filter zurückgeführt, wodurch sich die ggf. endlosen Feedbackloops kreativ verformen lassen. Schön auch die Tapedelay-artigen Tonhöhenänderungen beim Variieren der Delayzeit.

Im Folgenden hört ihr einen Zusammenschnitt verschiedener Spielereien mit Delay-Effekt und Filter:

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