Software
Test
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17.05.2015

Praxis

Nach der gesamten Installation von Komplete, welche bei der Datenmenge von 320 GB ohnehin eine Menge Zeit einnimmt, sind trotzdem nicht alle Synths verfügbar, da Rounds und Kontour separat von Native Instruments' Website heruntergeladen werden müssen. Reaktor benötigt zudem noch ein Update zur Version 5.9.2, damit diese beiden Synths in Reaktor geöffnet werden können. 

Abgesehen von FM8, Massiv und Absynth werden alle Synths über Reaktor geladen. Dieser wird als Software-Instrument in die DAW geladen und bietet einen Browser, mit dem man die einzelnen Synths öffnen kann. Beginnen wir mit dem neuen Drum-Designer.

Polyplex:

Wer Überraschungen mag, wird Polyplex lieben. Ein Klick auf das Würfel-Symbol genügt, um sich einen frisch geschichteten Sound ins Kit zu holen oder beispielsweise die Hüllkurve der einzelnen Ebenen zufällig generieren zu lassen. Nahezu jeder Parameter kann per Zufallsgenerator verändert werden. Für die ganz spontanen Producer kann sogar ein ganzes Drumkit zufällig generiert werden – falls man mal im kreativen Loch sitzen sollte. 

In einem kurzen Video möchte ich die Sound-Randomization demonstrieren. Ich lade ein Kit, ändere einige Parameter und lasse mich danach vom Würfel überraschen.

Die Sound-Randomization von Polyplex

Aber natürlich können auch eigene Samples geladen und in den vier Layern geschichtet werden, welche jeweils in den acht Pads verfügbar sind. Einige Producer suchen natürlich gezielt in ihrer Library nach einem Sound, der gerade ins Kit oder als Layer passt. Manchmal jedoch findet man vielleicht gerade nicht den passenden Sound und könnte sich genau an dieser Stelle einfach mal von Polyplex überraschen lassen. Das funktioniert im Grunde auch gut, denn Polyplex verändert beispielsweise beim Klick des Würfel-Symbols für ein Pad zwar den Sound, bleibt aber in derselben Kategorie. Ein Clap bleibt ein Clap und verändert sich nicht zu einer Snare. Wer seine Sounds lieber von vornherein selbst unter Kontrolle haben möchte, kann alle Parameter selbst editieren oder gleich mit eigenen Samples arbeiten. Genau das empfinde ich allerdings als „Fummel-Arbeit“, da die einzelnen Samples, wie auch im Video kurz zu sehen, mit einem kleinen Schieberegler in den Werten von 1-127 eingestellt werden. Das hätte man auch sicherlich etwas übersichtlicher gestalten können, zum Beispiel mit einer Eingabe-Möglichkeit der Zahlenwerte, oder noch besser durch den von Native Instruments gewohnten Attribute-Browser. 

Die vorgefertigten Kits liefern tonal abgestimmte Sounds, die sicherlich production-ready sind, jedoch etwas „überproduziert“ auf mich wirken. Teilweise klingt ein Kit in sich schon übersteuert, was schade ist, da es keinen Mixer gibt und man daher nur die Pads leiser regeln kann. Gut gelungen ist dagegen die Funktion namens Kit Variations, mit der es möglich ist, mehrere Variationen abzuspeichern. So hat man die Option Variationen zu vergleichen und das funktioniert  ohne Ladezeit, daher auch gut nutzbar bei einer Live-Performance.

Rounds:

Der Synthesizer Rounds

Die Verbindung der analogen und der digitalen Engine macht Rounds zu einem wirklich sehr interessant klingenden Synthesizer. Das Besondere an Rounds ist der Voice Programmer, der vier Zellen in jeweils acht Blöcken bereithält. Jede dieser insgesamt 32 Zellen beinhaltet einen Sound. Da diese entweder nacheinander oder gleichzeitig abgespielt werden können, sind dadurch komplexe Sequenzen oder aber vielschichtige Sounds möglich.

Für mich ist Rounds ein Highlight der Komplete 10. Flache Sounds sucht man hier glücklicherweise vergeblich, denn die Verbindung der digitalen und analogen Engine ergänzt sich perfekt. Nahezu jedes Preset verleitet beim ersten Anspielen zur kreativen Handlung. Und auch beim eigenen Soundschrauben hat man recht schnell gute Ergebnisse. Rounds ist ein sehr vielseitig einsetzbarer Synth, der sowohl mit sehr fett klingenden, mehrstimmigen Sounds als auch mit komplexen Sequenzen des Voice Programmers punkten kann. 

Kontour

Wie alle neuen Synthesizer wird auch Kontour über Reaktor geladen. Das Interface zeigt in Ansicht „A“ den so genannten „Motion Recorder“ und in Ansicht „B“ den eigentlichen Synthesizer und dessen Parameter.

Das Besondere an dem Phase-Modulation-Synth ist der Motion Recorder, zur Auf- und Einzeichnung von Parameter-Verläufen. Dieser besteht aus vier „Makro Controls“, welche aufgeteilt sind in "Drama“ für Envelopes und Effekte, „Color 1“ für Filter, „Color 2“ für Filtertypen und Oszillatoren und „Loudness“ für Output, Phase-Modulation und Sättigung. Die Makro Controls findet man sowohl im Motion Recorder, als auch im eigentlichen Synthesizer, wodurch immer ein direkter Zugriff ermöglicht wird.

Klickt man auf das kleine Pluszeichen von einem der Makro Controls, werden die jeweilig verfügbaren Parameter farblich markiert. Wählt man nun einen Parameter aus, kann der Bereich angepasst werden, in dem sich der Regler bewegen soll. Durch betätigen des „Play-Symbols“ von einem der Makros, bewegen sich dann die ausgewählten Parameter. Wie man z. B. einen Filter mit dem Motion Recorder modulieren kann, zeige ich euch in folgendem Video. 

Da ein einziger Makro-Control mehrere Parameter gleichzeitig steuern kann, sind später durch bewegen eines Regler radikale Soundveränderungen möglich. Wie man weitere Parameter zu  Makro Controsl hinzufügt, zeige ich Euch in folgendem Video. Weiterhin bediene ich mich für den Loudness-Makro an den Wellenform-Presets und verändere die Loop-Länge, um eine Art Pump-Effekt zu erzeugen. Aber seht lieber selbst.

Die Parameter-Verläufe können dabei nicht nur eingezeichnet, sondern auch aufgezeichnet werden. Wie das wiederum funktioniert, zeige ich euch in diesem Video.

Zu guter Letzt möchte ich Euch aber auch noch einen kleinen Einblick in die Preset-Library geben.

Anfangs war ich beim Durchstöbern der Presets zwar etwas skeptisch, da sich darunter viele metallische, starre Klänge befinden. Um so mehr ich mich jedoch mit dem Motion Recorder und den Makro Controls beschäftigte, merkt ich schnell, das es bei Kontour praktisch keine "unbeweglichen" Sounds gibt. Eigene Sounds sind ebenfalls schnell geschraubt, und auch das Einzeichnen geht einfach von der Hand. Außerdem gibt es eine Menge Presets für Wellenformen, welche sich schnell an die eigenen Vorstellungen anpassen lassen. 

Klasse ist außerdem, dass viele Parameter gleichzeitig mit einem Motion Controller bedient werden können. Belegt man sich einen solchen Makro Control (mit Rechtsklick der Maus) auf einen Hardware Controller, eignet sich Kontour auch bestens für eine Live-Performance. Alles in allem ist Kontour somit ein mächtiges Werkzeug um sehr schnell lebendige Synth Sounds zu kreieren.

Molekular:

Das Reaktor-Plug-In Molekular könnte auch den Namen „Modular“ tragen. Denn genau das ist es, ein Plug-In mit modularen Aufbau zur Sound-Manipulation in vier Slots. Die insgesamt 35 Effekte können in diese vier Slots geladen werden. Bei der Anzahl an Effekten ist es nicht verwunderlich, dass man mit Molekular das Ausgangsmaterial so verfremden kann, dass vom Ursprungssound nichts mehr übrig bleibt – wenn es so gewünscht ist. 

Abgesehen von den Parametern der vier gleichzeitig möglichen Effekte hat man hier auch noch die Möglichkeit, mit vier LFOs pro Modul Bewegung ins Spiel zu bringen. Zudem gibt es eine X-Y-Achse, mit der man nahtlos zwischen den vier Effekten überblenden kann. Den Möglichkeiten sind also kaum Grenzen gesetzt. 

Natürlich kann man die einzelnen Effekte auch dezent einsetzen, je nach Anwendung. In folgendem Klangbeispiel habe ich Molekular verwendet, um eine zuvor in Rounds verwendete Spur zu modulieren. Zunächst noch einmal die unbearbeitete Spur „For Berlin“.

Beeindruckend, wie ein Plug-In alleine eine solche Verfremdung des Ausgangsmaterials ausmachen kann. Natürlich sind die Effekte von Molekular auch einzeln nutzbar, aber gerade zur extremen Modulierung ist Molekuar ein nützliches Werkzeug. Wer etwa einen einzelnen Hall nutzen möchte, sollte eventuell zu anderen Plug-Ins greifen. Möchte man den Sounds jedoch noch mal extrem unter die Arme greifen, wird man bei Molekular ganz sicher die passende Modulation finden, denn abgesehen von den Presets, die je nach Anwendung vielleicht zu stark in die Materie eingreifen, kann man sich auch in kürzester Zeit selbst die nötigen Effekte parallel oder seriell schalten, die man benötigt, um dem Sound auf die Sprünge zu helfen. Insgesamt ist Molekular ein Werkzeug, das sowohl im Studio als auch bei einer Live-Performance zur Sound-Manipulation geeignet ist.

Supercharger GT

Röhrengeräte, die in ihrer originalen, analogen Form schon unter anderem in vielen Hit-Produktionen genutzt wurden, werden heutzutage gerne in Form von Einsen und Nullen nachprogrammiert. Nicht nur ihre Parameter werden virtuell nachempfunden, sondern auch ihr  Klang, wie z. B. die Sättigung, also mehr oder weniger starke, gewollte Verzerrung. Beim Supercharger und nun auch beim Supercharger GT wird zwar das generelle Verhalten, wofür Röhrengeräte bekannt sind, emuliert, jedoch gibt es kein analoges Original als Vorbild, welches exakt dieselben Parameter aufweisen kann.

Wie beim Vorgänger springt auch beim GT der große Poti in der Mitte ins Auge, der als einziger Regler für Threshold, Ratio und Makeup Gain gleichzeitig dient. Allerdings wurde die GT-Version um Attack und Release erweitert, um die Regelzeiten des Kompressors selbst zu kontrollieren. Zur Vereinfachung wurden hier noch die Parameter Gentle, Punch und Slam als wählbare Voreinstellungen von Attack und Release hinzugefügt. Nach dem Betätigen können weiterhin Feinjustierungen von diesen vorgenommen werden. Neu hinzugekommen sind zudem ein Sidechain-Input und eine kanalunabhängige Kompression (Dual-Mono) und eine getrennte Kompression von Mitten- und Seitensignal (M/S). Schön ist weiterhin der Mix-Regler, mit dem eine parallele Kompression möglich ist, mit der man zwischen dem bearbeiteten und unbearbeiteten Signal überblenden kann. Die Parameter Saturation, Compress und Charakter bieten Werte von 0 bis 10. Im Folgenden ein Klangbeispiel für die Bearbeitung eines elektronischen Drum-Kits.

Wer ein Plug-In sucht, das schnell und ohne viele Einstellungsmöglichkeiten brauchbare Ergebnisse in puncto Sättigung und Komprimierung liefert, für den könnte der Supercharger GT eine Bereicherung sein. Möchte man tiefer in die Dynamik eingreifen, ist dieses Werkzeug eher ungeeignet.

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