Ratgeber_Drumsets_klein
Test
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30.04.2021

Vergleichstest Kompakte Drum Kits und Kinderschlagzeuge (2021)

Mini-Sets, Travel-Sets und Jazz-Kits in der Übersicht

Kleine Schlagzeuge für schleppfaule Trommler

Das kleine "Drumset to go" – hier stellen wir euch unsere Testberichte zu den beliebtesten Kompakt- und Kinderschlagzeugen vor und zeigen euch, worauf ihr beim Kauf eines solchen kleinen Sets achten solltet. Woher kommt der seit ein paar Jahren anhaltende Trend zu den Mini-Sets überhaupt? Jeder Mensch, der schon eine Weile trommelt, weiß: Das Schlagzeug ist mit Abstand das coolste Instrument in der Band – wenn da nur nicht die elende Schlepperei und das langwierige Auf- und Abbauen bei den Auftritten, Bandproben oder Jamsessions wäre. Als DrummerIn taucht man meist als erstes beim Gig auf, und wenn das Trommel- und Ständergeraffel dann endlich richtig steht, sind alle anderen aus der Band längst fertig.

Genau in diese Lücke stoßen die kompakten und transportfreundliche „Schießbuden“ -  für den Gig auf kleinstem Raum, die Probe mit dem Akustiktrio oder bei etwas eingeschränktem Platz im Kinderzimmer. Es hat sich langsam herumgesprochen, dass kleine Sets nicht nur für Jazzgigs oder als reine Kindersets zu gebrauchen sind. Mit dem richtigen Instrument und der passenden Befellung im Gepäck könnt ihr guten Sound bei sehr überschaubarem Materialaufwand realisieren. Viel Spaß beim Stöbern.

Welche Arten von Kompakt-Schlagzeugen gibt es?

1. Kompaktsets mit 16“ Bassdrum

Kompaktsets mit 16“ Bassdrum  zählen mittlerweile zu den „Klassikern“. Die Vierteiler bestehen zumeist aus zwei Tom-Toms in 10 und 13 Zoll, einer 13“ oder 14“  Snare und einer 16“ Bassdrum, die mit einem Riser ausgestattet ist, damit der Schlägel der Fußmaschine mittig auf’s Fell trifft. Diese Sets sind ganz klar für die spontane Probe oder den Gig auf kleinen Bühnen gedacht. Die Zielgruppe dieser Trommelsätze sind SpielerInnen, die schon Becken, einen Hardwaresatz und Drumhocker besitzen, denn diese sind im Lieferumfang nicht enthalten. Stattet man diese Sets mit den zuletzt genannten Utensilien aus, gehen sie natürlich auch problemlos als robustere Kinderschlagzeuge ins Rennen. 

2. Jazz- / Bopkits mit 18“ Bassdrum

Diese Vierteiler sind seit Mitte des 20. Jahrhunderts in Jazzcombos beliebt, im Prinzip sind sie die Vorläufer der oben angesprochenen Kompaktsets, nur dass sich mit der 18“ Bassdrum und den 12“ und 14“ Toms sowie der 14“ Snare ein etwas größerer Stimmumfang realisieren lässt. Während die 18“ Bassdrums ohne Riser von Haus aus eher für einen tonalen Klang konzipiert sind (dieser lässt sich natürlich auch anpassen), sind die 16“ Bassdrum-Modelle der kleineren Sets eher auf einen Kick-lastigen, poppigen Klang getrimmt. Auch bei den 18“ Shellsets ist zumeist keine weitere Hardware im Lieferumfang.

3. Kinderschlagzeuge

Im Gegensatz zu den oben angesprochenen Sets sind die meisten Kinderschlagzeuge komplett mit einem Hardwarepaket, einem einfachen Beckensatz sowie einem Drummersitz ausgestattet. Das heißt, der Nachwuchs kann direkt loslegen. Je nach Preisklasse - zum Teil sind die Kindersets sehr preisgünstig - muss man aber Kompromisse bei der Qualität der Hardware / der Beschlagteile und der Fellbestückung eingehen.

Die besten Kompaktsets mit 16“ Bassdrum

Pro & Contra

  • gute Verarbeitung (Ausnahme siehe Contra)
  • moderater Anschaffungspreis
  • sinnvolle Werksbefellung bei Toms und Bassdrum
  • ...

  • unsauber geschnittene Stimmschraubengewinde am Floortom
  • Snareabhebung etwas umständlich festzustellen

Pro & Contra

  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • insgesamt gute Verarbeitung (Ausnahme siehe Contra)
  • leicht und flexibel stimmbar
  • ...

  • Tomfelle begrenzt haltbar
  • Snaredrum bei Rimshots nicht stimmstabil
  • ...

Pro & Contra

  • vielfältige Sounds
  • geringes Packmaß
  • durchdachter Bassdrum-Riser
  • ...

  • seitliches Spiel am Strainer-Hebel
  • Snarebeds nicht exakt mittig gefräst

Ludwig Breakbeats

Dieses Set wurde in Zusammenarbeit mit Hip-Hop-Drummer Questlove konzipiert. Es besticht neben dem immer noch recht günstigen Anschaffungspreis (333 bis 456 Euro) durch eine gute Werksbefellung, die mit den Pinstripe-Fellen auf den Toms ideal für fette und kurze Sounds ist. Auch die 14“ Snare ist im Vergleich zu den sonst üblichen 13“ Modellen flexibler einsetzbar. Die Pappelkessel des Breakbeats klingen gleichzeitig rund und fett und haben einen sehr ordentlichen Stimmumfang. Die Hardware und der Bassdrum-Riser wurden in der zweiten Generation verbessert. Bei unserem Testset gab es allerdings Schwächen bei den Gewindehülsen des Standtoms.

Pearl Midtown

Das Midtown von Pearl (aktuell je nach Finish für 419 bis 469 Euro zu erwerben) ist bezüglich der Kesselgrößen - mit Ausnahme der 13“ x 5,5“ Snare - identisch zum Breakbeats gestaltet. Auch dieses Set hat Pappelkessel, die Hardware-Ausstattung entspricht den aktuellen Export- / Decade Maple-Sets. Insgesamt wirken die Beschlagteile im Vergleich zum Breakbeats noch eine Spur robuster und praxistauglicher. Auch bei dem an einer separaten Halterung befestigten Riser hat Pearl weitergedacht. Gespart wird allerdings bei der Fellbestückung, besonders bei den beiden Toms, ebenso war die Stimmstabilität der Snaredrum ein Kritikpunkt im Test. 

Sonor AQ2 Safari

Wer lieber etwas härtere Hölzer bevorzugt, könnte bei den Ahornkesseln des AQ2 Sets von Sonor fündig werden. Die Hardware des Sets beinhaltet eine Kombination aus Tomhalter und Beckenhalterung auf der Bassdrum. Ebenso haben alle Böckchen eine Stimmsicherung. Das AQ2 Safari überzeugte im Test durch einen sehr runden und flexiblen Klang. Mit 669 bis 899 Euro (foliert oder lackiert) muss man allerdings etwas mehr auf den Ladentisch legen. 

Die besten Kompakt- & Jazzkits mit 18“ Bassdrum

Pro & Contra

  • erschwinglicher Preis
  • klassische Optik
  • ansprechende Sounds von Bass Drum und Toms
  • ...

  • defekter Snare-Teppich und hakelige Abhebung der Snare
  • Sound der Snare fällt insgesamt stark zum Rest des Sets ab

Pro & Contra

  • überzeugende Sounds
  • praxisnahe Gesamtausstattung (Ausnahme siehe Contra)
  • günstiger Anschaffungspreis
  • ...

  • nur sechs Spannschrauben pro Seite bei der Bass Drum
  • Snare könnte eine Stimmsicherung vertragen

Pro & Contra

  • günstiger Preis
  • flexible Klänge
  • wenig Eigengewicht
  • ...

  • Tom-Halter lässt sich nur über Umweg durch den Bassdrum-Kessel befestigen
  • kleine Mängel an der Verchromung
  • ...

Pro & Contra

  • ansprechende Optik
  • wertige Hardware-Lösungen
  • großer Stimmumfang
  • ...

  • etwas Flugrost an FT-Bracket und loses Bassdrum-Folienstück
  • kein Gummischutz für BD-Spannreifen

Gretsch Catalina Club Jazz

Das Gretsch Catalina Club Jazz zählt ohne Frage zu den beliebtesten und meistverkauften Vertretern in dieser Konfektionsgröße. Eine Vielzahl an Finishes, der klassische Vintage-angehauchte Look der Beschlagteile und natürlich der immer noch echt attraktive  Anschaffungsspreis (639 bis 677 Euro) sprechen für das Set. Die enthaltene Holzsnare kann in der Klangqualität allerdings nicht ganz mit dem Rest des Sets mithalten.

Yamaha Stage Custom Bop Kit

Das Stage Custom Bop besteht aus 100% Birkenkesseln, bei diesem Kit ist allerdings keine Snaredrum enthalten. Diese ist aber für einen relativ schmalen Taler einzeln erhältlich. Wen die im Vergleich zum Catalina Club Jazz etwas nüchterne Optik nicht stört, bekommt hier ein gut verarbeitetes und vor allem flexibel klingendes Set, das eine Spur klarer (man könnte auch sagen moderner) als das Catalina Club Jazz mit seinen Kesseln aus asiatischem Mahagoni klingt. Der aktuelle Anschaffungspreis von 599 Euro ist ebenfalls ein klares Kaufargument. 

DDrum SE Flyer

In eine ganz ähnliche Kerbe wie das Catalina Club Jazz schlägt das ab 369 Euro erhältliche vierteilige Jazzkit namens SE Flyer von DDrum. Dabei handelt es sich um ein Fernost-Set mit Lindenkesseln, das im Test mit sehr runden Sounds beeindrucken konnte. Nicht ganz so rund ließ sich der Tomhalter installieren, auch der verbaute Riser ist technisch nicht der Weisheit letzter Schuss. 

Tama S.L.P. New-Vintage Hickory

Wer auf der Suche nach einem etwas edleren Set ist, sollte unbedingt auch das New-Vintage Hickory Set aus Tama’s S.L.P.-Serie in Augenschein nehmen. Hickoryholz kennt man vor allem von Trommelstöcken. Im Test zeigte sich, dass sich aus diesem US-amerikanischen Hartholz auch sehr attraktive Schlagzeugklänge formen lassen. Der Dreiteiler kostet aktuell knapp 1500 Euro und kann auch den Klangansprüchen von Profis genügen

Die besten Kinderschlagzeuge

Pro & Contra

  • gute Ausstattung um direkt loszulegen
  • passable Sounds
  • schicke Optik
  • ...

  • Bassdrum tendiert zum Rutschen
  • wenig haltbare Tomfelle
  • ...

Pro & Contra

  • günstiger Preis
  • komplette Ausstattung
  • gute Sounds bei Toms und Bassdrum - besonders mit Markenfellen

  • unrunde Spannreifen an Snare und Toms
  • Federspannung an Bassdrum-Pedal zu gering
  • ...

Pro & Contra

  • klanglich flexibel
  • gute Hardware-Ausstattung
  • hochwertige Lackierung

  • Halteböckchen für die Toms direkt am Kessel verschraubt
  • kein Hocker im Lieferumfang

Pro & Contra

  • logisch verpackt, problemloser Aufbau
  • kindgerechte Bedienbarkeit
  • guter Klang der Trommeln
  • ...

  • Bassdrumpedal besitzt nur eingeschränkte Funktionalität
  • ein Bassdrum-Spannreifen ist stark verbogen
  • ...

Pearl Roadshow Junior

Das Pearl Roadshow Junior (329 EUR) ist ein komplett ausgestattetes, stylish aussehendes Kinderschlagzeug, das für Vorschulkinder konzipiert ist. Im Test ließen sich durchaus gute Klänge damit realisieren, auch mit den mitgelieferten Becken lässt sich für’s Erste arbeiten. Bezüglich der Haltbarkeit der Trommelfelle sollte man allerdings nicht zu hohe Ansprüche stellen. Auch die Hardware kann mit der sonst von Pearl bekannten Markenqualität nicht mithalten

Millenium Focus Junior

In eine ganz ähnliche Kerbe wie das Pearl Roadshow Junior schlägt das fast baugleiche Millenium Focus Junior. Auch hierbei handelt es sich um ein voll ausgestattetes Vorschulkinder-Schlagzeug. Allerdings kostet es mit 149 Euro nicht einmal die Hälfte, und auch mit diesem Set lassen sich gute Klangergebnisse erzeugen. Der Rotstift wird bei den Becken und den Beschlagteilen angesetzt. Letztere sind beim Pearl robuster. Auch die Federspannung der Fußmaschine erwies sich als etwas zu gering.

Yamaha Manu Katché Junior

Wer keinerlei Kompromisse in puncto Trommelkessel und Hardware eingehen möchte, der sollte sich das Yamaha Manu Katché Junior Set anschauen. In Zusammenarbeit mit dem französischen Stardrummer wurde ein „mitwachsendes“ Kinderschlagzeug auf Basis der Stage Custom Serie konzipiert, welches auch semiprofessionellen Ansprüchen genügt und einen langlebigen und nachhaltig produzierten Eindruck macht. Qualität hat bekanntlich ihren Preis, aktuell sind 959 Euro dafür zu berappen, zudem ist kein Beckensatz enthalten.

Millenium Youngster Drumset

Für ganz kleine Kinder ab 3 Jahren gibt es das nicht einmal 100 Euro teure Youngster Drumset von Millenium, das in drei knalligen Farben zur Auswahl steht. Zwei Becken und drei Trommeln plus Drumhocker - die Ausstattung ist im Vergleich zum Focus Junior noch einmal reduziert. Kompromisse muss man bei der Qualität der Beschlagteile und der Fußmaschine machen. Anstatt nur auf Kochtöpfen herumzuklopfen, kann der Nachwuchs hier erste Erfahrungen an einem echten Schlagzeug sammeln.

Besondere Kompaktsets

Wer im Kompaktset-Segment nach etwas ausgefallenen Varianten sucht, sollte sich einmal das Yamaha Stage Custom Hip Shellset anschauen. Es hat eine flache 20“ x 8“ Bassdrum sowie ein 13“ Standtom mit eingebauter Snare-Funktion. 

Mit dem Opus IV gibt es ein in Deutschland gebautes Kompaktset in Ultraleichtbauweise mit freischwingender Bassdrum und integrierter Fußmaschine mit Direktantrieb. Diese Sets werden nur auf Bestellung gefertigt.

Kompakter geht’s wohl kaum: Das Tama Club Jam Mini ist mit einer flachen 18“ x 7“  Bassdrum und einer 12“ x 5“ Snare ausgestattet. Das preisgünstige Set lässt sich aber auch um zwei optionale Toms und einen Beckenarm erweitern.

Noch eine Schippe tiefer setzt das Reise-Drumset von Pearl an, das Compact Traveler Kit. Hier wird ganz auf Kessel verzichtet, für den Klang sind also nur die Spannreifen und die Schlagfelle verantwortlich, zudem ist die Snare direkt mit der Bassdrum verbunden.

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