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Workshop
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25.04.2012

ALLEINSTELLUNGSSMERKMALE

Das markanteste Alleinstellungsmerkmal von Ableton Live ist sicherlich die Session-View. Hier können Clips, die Audio- oder MIDI-Aufnahmen bereithalten, in einer sogenannten Clip-Matrix gestartet und gestoppt werden, sodass ein reges Spiel mit kurzen und langen Sequenzen entsteht. Vorrangig wird man die Clips als Loops wiedergeben, und dazu bietet Ableton eine Vielzahl an Optionen. Audioloops unterliegen dabei standardmäßig einer Warp-Engine und können so losgelöst von Tonhöhe und Geschwindigkeit direkt und unkompliziert in der Software manipuliert werden.

Clips, die in einer Zeile der Matrix liegen, können gleichzeitig über Szenen abgefeuert werden. Darüber hinaus ist für viele Bearbeitungsschritte kein Stoppen oder Ähnliches nötig, sodass musikalische Ideen kontinuierlich fließen können. Dass dies nicht nur im Studio ein klarer Vorteil ist, sollte jedem einleuchten.

Aber auch in der Aufführungstechnik machte Ableton dank seines intuitiven Interfaces Karriere, sei es bei der Darbietung als Performance-Tool oder aber nur als „Multi-Track/Playback-Player“. Sogar als DJ-Tool hat Ableton eine gewisse Daseinsberechtigung, manche legen sogar nur damit auf. Das bedarf aber definitiv einer stoischen Vorbereitung für jedes Set und hat dann auch nicht mehr so viel mit „live“ zu tun. Wer wirklich nur auflegen möchte, sollte lieber zu Traktor und Konsorten greifen.

Natürlich bietet Ableton auch eine konventionelle Produktionsumgebungsansicht mit der gewohnten linearen Zeitachse. Es heißt hier aber ganz und gar nicht entweder oder, sondern vielmehr back-and-forward-and-back-and-forward.

Weiterhin ist der generelle Ableton-Style von Minimalismus und logischer Übersichtlichkeit geprägt. So verfolgt man konsequent die Philosophie des „One-Monitor-One-Window“-Prinzips, bei dem sich keine Fenster überlagern, von VSTs und Co einmal abgesehen. Mit dem Hinzuschalten einer neuen Ansicht wird daher innerhalb des Ableton-Workflows fast immer eine andere geschlossen. Bestes Beispiel sind die Clip- und Geräte-Ansichten, nur eine von beiden ist jeweils zur gleichen Zeit sichtbar! Daraus folgt: Je größer der Monitor, desto besser – und nein, zwei Monitore sind hier tatsächlich nicht ganz so praktisch.

Darüber hinaus gibt es unzählige Möglichkeiten, mit MIDI-Geräten jeglicher Couleur zu kommunizieren, und dank seiner teils offenen Struktur ist Ableton im Gegensatz zu anderen klassischen DAW-Anwendungen sehr modifizierbar. Die API ist zwar noch nicht gänzlich offen, aber Gut Ding will Weile haben. Derweil kann man sich bei akuter Langeweile mit der mächtigen DSP- und MIDI-Entwicklungsumgebung Max4Live auseinandersetzen. Doch das würde hier fürs Erste nun wirklich zu weit führen.

Eines sollte man aber nie vergessen: Ableton will spielerisch und leicht sein, deswegen muss man auf ein paar Features der großen Audioeditoren hier und da zugunsten des aufgeräumten Erscheinungsbildes verzichten. Zwar ist vieles machbar, aber man muss teilweise schon sehr um die Ecke denken oder unnötig viel Mausarbeit verrichten. So gibt es zum Beispiel keine direkte Möglichkeit des Drum-Replacings sowie keinen Comp-Mode für loopbasierte Overdub-Aufnahmen, aber auch Stapelverarbeitung oder direkt-integrierten Surround sucht man (noch) vergebens. Selbst die Video-Engine ist eher rudimentär. Nichtsdestotrotz kann Ableton schon eine Menge, und mit wachsender Versionsnummer wird das sicherlich auch nicht weniger. Was es auf jeden Fall schon kann, schauen wir uns jetzt einmal an!

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