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19.09.2019

Kein Sound? – Darum hörst du nichts in deiner DAW

10 Tipps warum Boxen stumm bleiben

Die ultimative Checkliste bei technischen Problemen

Nichts ist frustrierender beim Produzieren als keinen Sound aus den Boxen oder Kopfhörern zu hören und nicht zu wissen, warum. Viele Producer, die am Anfang stehen, gleichzeitig Technik, Musik, Genre, Arrangement und Mixing lernen und verstehen müssen (und wollen), stolpern in den ersten Monaten des Produzierens darüber. Wir haben die häufigsten Fehlerquellen und Lösungen gesammelt. Universell, nicht auf eine DAW bezogen und vor allem für Einsteigerinnen und Einsteiger. Und vielleicht ist auch der ein oder andere Kniff für die Profis dabei...

„Ich höre nichts!“, „Gestern ging doch noch alles“, „Ich hab zweimal geklickt und es kam kein Ton mehr!“ – wir alle sind durch diese finstere, mit aus dem Fenster geworfenen Bildschirmen und zerbissenen Tastaturen gespickte Anfangszeit gegangen, in der man ratlos vor seinem Rechner sitzt, einfach nur Musik machen will und nichts geht. Egal, was man drückt, egal, wo man klickt, die DAW spielt ab, man sieht vielleicht sogar Pegelausschläge, aber die Boxen bleiben stumm. Freunde werden panisch angeschrieben, sich die Finger wund gegoogelt, jeder Tipp probiert, alle Foren leer gelesen. 

Wir haben euch eine einheitliche Checkliste der zehn häufigsten Fehlerquellen zusammengestellt. Diese stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und (ganz wichtig) ist universell angelegt. Zusätzlich bringt jede DAW dann noch mal ihre eigenen Eigenheiten, Einstellungen und Kniffe mit, mit denen man sie zum Klingen bringen kann. Heute geht es aber erst mal um das Allgemeine. Eine Reihenfolge müsst ihr hier nicht einhalten, jeder Tipp steht für sich und kann einzeln überprüft werden.

#1 Hardware: Alles an?

Je größer die Menge an Geräten, desto wahrscheinlicher, dass man den einen oder anderen Powerbutton vergisst. Audio-Interface mit externer Stromquelle? Monitore eingeschaltet? Bei passiven den Verstärker? Es soll sogar vereinzelt Studiokopfhörer geben, die einen separaten An/Aus-Knopf an einem der Hörer haben. Checkt bei allen Geräten, ob sie eingeschaltet sind und das jeweilige Netzteil oder Kabel Strom liefert.

#2 Hardware: Alles drin?

Fehlerquelle Nummer eins sind hier Kopfhörer. Gerade wenn es Studiokopfhörer sind mit den großen Klinkenanschlüssen und ihr ein neues Interface habt, in dessen Buchsen man anfangs noch mit etwas Schmackes einstöpseln muss, kann es sehr schnell passieren, dass ein Kabel mal nur zu 80% drinsteckt und man es kaum sieht. Checkt hier alle Kabel: USB, Kopfhörer, Monitore, Interface – alle sanft abziehen und dann einstecken. Nicht mit Gewalt natürlich, aber stellt sicher, dass das Kabel wirklich steckt.

#3 Hardware: Alles ok?

Habt ihr bis hier alles erledigt und seid euch sicher, dass es auf der Softwareseite keine Fehlerquelle gibt, begebt euch auf den mühsamen Pfad des Kabel- und Gerätetestens. Dabei wird ein Teil der Signalkette nach dem anderen ausgetauscht – anfangs natürlich erstmal die Kabel. Leiht euch erstmal alles aus dem Freundeskreis zusammen, um die Fehlerquelle nach und nach durch Ersatzteile einzuengen. Wichtig bei Kabeln: Wechselt auch die Buchsen! Manchmal kann durch statische Entladungen eine komplette Buchse eines Interfaces oder eines USB-Hubs beispielsweise nutzlos geworden sein. Schritt für Schritt schließt ihr euer Equipment neu an, tauscht einzeln Kabel aus, probiert bei Bedarf das Interface des besten Kumpels. 

Ganz wichtig: macht das immer bei ausgeschalteten und abgekabelten Geräten, nichts darf am Netz sein. Stromschlaggefahr! 

#4 Software: Interface-Verwirrung

Nichts vergisst eine DAW schneller als ihr letztes Audio-Interface. Da mag (siehe Punkt 1) der Strom vom Interface beim letzten Start nicht angewesen sein, irgendwie ein Treiberstolpern (siehe Punkt 7) hat der DAW mal wieder das „Ausgang (integriert)“ eingehaucht, irgendein Plugin (Reference von Sonarworks oder das Pro Tools Aggregate sind häufige Übeltäter) hat sich dazwischen geworfen. Checkt in den Einstellungen eurer DAW (oft im Bereich Audio, bei Pro Tools ist es die „Playback Engine“) mit welchem Audiogerät kommuniziert wird. Bei Windows-Nutzern kommt hier immer noch dazu, dass man zwischen einer ASIO- und einer Direct-X/mme-Version wählen kann. Dazu bringen die meisten etwas besseren Interfaces neben eigenen Treibern oft noch eine eigene dezidierte Mixer- und Routingsoftware mit. Teilweise muss diese vor der DAW gestartet werden, damit das Interface richtig funktioniert.

#5 Software: Samplerate-Streit

Viele Homeproducer nutzen ihre Rechner nicht nur zum Produzieren. Nebenher werden die neusten Tutorials angeschaut, Samples gesucht und geladen, kurz per Skype dem besten Kumpel beim Beatmachen über die Schulter geschaut. Das Audiosignal muss also in viele Richtungen gleichzeitig laufen. Meistens schafft das euer Betriebssystem. Sollte aber aus irgendeinem Grund in eurer DAW in den Audioeinstellungen eine andere Samplerate als 44100 Hz eingestellt sein, bringt das die meisten Systeme zum Stolpern. Systemaudio jeder Art läuft nämlich auf dieser Standard-Samplerate. Ist bei euch beispielsweise 48000 Hz eingestellt, schafft das der jeweilige Treiber nicht mehr richtig, wenn ihr zwischen Programmen hin und her schaltet. Also überprüft das in den Audioeinstellungen.

#6 Software: Up-to-date

Never change a running system! Die Menge an Studiobesitzern und Produzenten, die mit aus heutiger Sicht uralten Logic 7- oder Pro Tools 5- oder Cubase SX 3-Systemen arbeiten, ist größer, als man denkt. Ein System ist einmal eingerichtet, macht keine Mucken, ein Update würde hier nur unnötig Ärger machen. Seid deswegen bei Updates von Systemen vorsichtig. Die Faustregel bei vielen Professionellen lautet, grundsätzlich immer ein, zwei Versionen des Betriebssystems hinterher zu sein. So kann man sicher sein, dass alle DAW-, Treibersoftware- und Pluginhersteller mitgezogen haben. 

Sobald aber neue Hardware ins Spiel kommt, oder (Gottbewahre) euer Betriebssystem sich vielleicht versehentlich automatisch in die nächste Version gehievt hat (Stellt das unbedingt aus!), fangen die Probleme oft an. Und die werdet ihr oft nur lösen können, indem ihr Schritt für Schritt für alle Softwarekomponenten die auf den jeweiligen Herstellerseiten verfügbaren neuesten Versionen ladet. Legt unbedingt Backups auf externen Festplatten an, am besten als komplette Spiegelung, damit ihr, falls eine neue Version der Software sich als inkompatibel erweist, wieder zurück switchen könnt.

# 7 Software: Finde den Mute-Knopf!

Ist auf der Hardwareseite alles abgecheckt, ist eine der Hauptursachen, warum man in den ersten Monaten nichts hört, obwohl man doch abspielt, alles außer einer Spur hört, obwohl man die doch gerade in feinster Qualität aufgenommen hat, ein übersehener Mute- oder Solo-Button. Manche DAWs wie Logic Pro X zeigen an, wenn eine Spur Solo geschaltet ist, das lässt sich dann global wieder deaktivieren. Bei anderen müsst ihr auf Spurensuche gehen. Das Komplizierte ist: Solo- und Mute-Funktionen gibt es nicht nur auf einzelnen Spuren, sondern auch auf Gruppen und in Instrumenten selbst! Gerade wenn das Routing komplexer wird, man Gruppen und Subgruppen anlegt, kann so ein kleines Solo-setzen schon mal verloren gehen. 

Dazu gibt es in Softwareinstrumenten wie Battery 4 oder Kontakt oft die Funktion, einzelne Zellen oder Instrumente innerhalb des Plugins auf Solo oder Mute zu stellen. Zack, ist das Streicherarrangement auf einmal ohne Cellos oder der Beat ohne Snare. Letzte Fehlerquelle: Automation. Gerade wenn ihr per Touch- oder Latch-Automation schöne Volume- oder Filter-Bewegungen aufgenommen habt, kann es schnell mal passieren, dass man vergisst den Modus zurück auf „Read“ zu stellen. Schon wird jedes spontane Mute-Stellen beim nächsten Abhören aufgezeichnet. Da hilft dann kein einfaches Ent-Muten, die Automation muss aus der Spur dann gelöscht werden, sonst bleibt es für immer still. 

#8 Software: Kein Input

Moderne DAWs sind grundsätzlich so ausgelegt, dass einiges, was das Routing und den Signalfluss betrifft, automatisiert im Hintergrund passiert (nimmt man Pro Tools mal außen vor). Trotzdem kann es durch einen falschen Klick, ein zu schnelles „OK“ drücken passieren, dass Spuren erzeugt werden, denen der Input fehlt. Wollt ihr also etwas aufnehmen, habt euch eine Audiospur erzeugt und dort schlägt kein Pegel aus, schaut als erstes nach, ob bei dem Spureingang auch ein zu euren gewählten Interfaces passender Input angewählt ist. Etwas anders verhält es sich bei MIDI-Spuren. 

Grundsätzlich gilt: MIDI kann man nicht hören! Das, was ihr auf eurem Keyboard oder Controller spielt sind klitzekleine Steuerbefehle, die dann in einem auf der Spur befindlichen Instrument wie einem Klavier oder einer Drum-Machine dafür sorgen, dass dort das entsprechende Sample abgespielt wird. Habt ihr eine MIDI-Spur erzeugt, aber kein Instrument drauf abgelegt, kann kein Sound rauskommen. 

    #9 Software: falscher Output

    Was bei den Eingängen schiefgehen kann, hat noch mehr Potenzial bei den Spurausgängen ins stille Nirvana zu verschwinden. Spätestens wenn das Routing komplexer wird, man Busgruppen und AUX-Kanäle erstellt, kann es durchaus passieren, dass man an einer Stelle mal einen Ausgang nicht richtig gesetzt hat. Verfolgt als von jeder Spur den Signalweg über alle Busse und Kanäle, um herauszufinden, wo sich das Signal verliert.

    #10 Software: Reset.

    Operation gelungen – Patient tot. Manchmal hilft alles nichts. Alles ist durchgecheckt, alles auf dem neusten Stand, trotzdem nichts zu hören. Und auf dem Rechner des besten Kumpels klappt alles? When in doubt, reboot. Wie oft sich einfache Neustarts oder ein kurzes 10-sekündiges Ausschalten und wieder Einschalten auf magische Weise Softwareprobleme lösen, wissen alle, die im jahrelangen Techsupport für Eltern und Großeltern geschult sind. Wenn die DAW dann immer noch zickt und keinen Ton von sich gibt, dann hilft oft nur noch der Reset. Für jede DAW gibt es im jeweiligen Handbuch eine Passage, wie man alle Einstellungen zurücksetzt. Im schlimmsten Fall hilft dann noch eine Neuinstallation.

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