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Test
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15.10.2012

Praxis

Sounds
Beginnen wir am besten direkt mit den Klaviersounds des ES 7. Für die Klangbeispiele habe ich eine MIDI-Datei aufgenommen und sie durch alle acht Flügel-Modelle des ES 7 geschickt. 

Meines Erachtens klingt gerade der Concert Grand sehr gut und scheint nicht nur für klassische Musik gemacht – mit seinen satten Bässen und einem perlenden Diskant ist er auch prima im Popmusik-Kontext zu gebrauchen. Die hohe Dynamik des Flügels machte es mir dabei sogar sehr schwer, eine angemessene Lautstärke für die Hörbeispiele zu finden!

Wer Wert auf die charakteristischen Nebengeräusche legt, kann diese unter dem Menüpunkt „Virtual Technician“ genau justieren. Im entsprechenden Untermenü hat man Zugriff auf einige interessante Klangparameter. Allen voran sind hier „Damper Resonance“, „Damper Noise“, „String Resonance“ und (Hammer-)„Fall-Back-Noise“ zu nennen. Standardmäßig stehen alle Geräusch-Parameter in Mittelstellung (5) und können nach Belieben zwischen 0 und 10 verstellt werden. Für das folgende Beispiel wurden alle Parameter ganz aufgedreht, um die Klang-Details möglichst hervorzuheben. 

Auch die E-Pianos des ES 7 sind nicht von schlechten Eltern. Neben einem guten Grundsound verfügen auch sie über detailgetreue Dämpfergeräusche und sind darüberhinaus mit Instrument-typischen Effekten (Tremolo, Phaser etc.) versehen. Hinter dem „E-Piano“-Taster verstecken sich insgesamt vier Modelle, zwischen denen man durch mehrmaliges Drücken wechseln kann. Neben einem klassischen Fender Rhodes gibt es ein Wurlitzer, ein FM-Piano à la DX7 und ein leicht angezerrtes Rhodes, das durch die Kawai-eigene Amp-Simulation geschickt wurde.

Neben zwei Hammond-Modellen enthält die Orgel-Sektion des ES 7 auch zwei Kirchenorgeln, die durchaus brauchbar klingen. Das restliche Klangangebot entspricht in etwa dem Standard-Repertoire der meisten Stage-Pianos: Streicher, Flächen, Bässe und ein paar Extras. 

Nebenbei erwähnt finde ich es merkwürdig, dass einige Sounds auf dem ES 7 durch das Haltepedal nicht komplett gehalten, sondern langsam ausgeblendet werden. So verhält es sich z.B. mit der Orgel, den Streichern und auch anderen Sounds. Zum Glück lässt sich dies im Menü (Damper Hold = On) ausschalten – dann funktioniert das Haltepedal bei allen Sounds gleich.

Effekte
Jeder Sound des ES 7 kann mit drei Effekten versehen werden: einem Hall (Reverb), einem Modulationseffekt oder Delay (Effects) und einer Verstärker-Simulation (AMP). Die zugehörigen Taster Effects und Reverb, welche in Kombination auch die Amp-Simulation aufrufen, befinden sich auf der rechten Seite des Bedienpanels. Hält man den entsprechenden Knopf etwas länger gedrückt, so gelangt man in das Auswahlmenü des jeweiligen Effekts. Gerade in der Delay- bzw. Modulationsabteilung gibt es eine nicht zu verachtende Auswahl von Effekten (u.a. Delay, Tremolo, Chorus, Phaser und Rotary), die man jeweils in vier Parametern justieren kann. Im nächsten Beispiel ist eine kleine Auswahl verschiedener Effekte zu hören:

Split- und Dualfunktion
Den meisten Benutzern werden diese Funktionen vertraut sein, schließlich sind sie in den heutigen Digitalpianos fast immer vertreten. Beim Kawai ES 7 erhält man einen Dual-Sound – also eine Schichtung von zwei Klängen – wenn man zwei Soundkategorien gleichzeitig anwählt. Eine Tastatur-Teilung lässt sich über den Split-Button aktivieren – in diesem Fall blinkt der Taster für den zweiten Sound. Selbstverständlich ist der Splitpunkt frei wählbar, ebenso wie das Lautstärkeverhältnis der beiden Sounds. Darüberhinaus bietet das ES 7 einen Vierhand-Modus, der sich zum Beispiel für den Unterricht eignet. Auch hierbei wird die Tastatur in zwei Hälften geteilt, wobei beide Hälften mit dem gleichen Sound belegt und im gleichen Register spielbar sind. So können Lehrer und Schüler gemeinsam an einem Gerät sitzen.

Begleitautomatik
Kommen wir nun zur Begleitautomatik des ES 7. Sie ähnelt den typischen Arrangerkeyboards, ist aber im Verhältnis zu diesen im Funktionsumfang etwas reduziert und damit – zum Glück – recht übersichtlich und einfach zu bedienen. Sie muss zunächst mit dem zugehörigen Taster Rhythm Section aktiviert werden und lässt sich dann mit einem Tastenfeld auf der rechten Seite des Bedienfelds steuern.

Die 100 integrierten Rhythmen können dabei in drei Modi abgespielt werden. DRUM aktiviert nur die Schlagzeug-Spur, bei B+DR erklingen die Schlagzeug- und Bassspuren und mit ALL bekommt man die gesamte Band (inklusive Harmonieinstrumente). Jeder Style existiert in zwei Variationen. Die Umschaltung der Variationen erfolgt wie die Rhythmusauswahl über die Rhythm-Taster, wobei die Begleitautomatik leider gelegentlich etwas “stolpert”. Fill-Ins werden automatisch in einstellbaren Abständen eingefügt (z.B. alle vier oder alle acht Takte). Insgesamt bleiben die Features dieser Begleitautomatik also im Vergleich zu ausgewachsenen Arranger-Keyboards recht eingeschränkt – wer sich mehr wünscht, der sollte daher auf ein solches oder ein Begleitmodul zurückgreifen. Um zu Hause beim Üben etwas Spaß mit einer “virtuellen Begleitband” zu haben, reichen die Rhythmen aber aus.

Man muss übrigens nicht unbedingt die typischen Keyboard-Begleitakkorde spielen: Statt des voreingestellten “Begleitungsbereichs” lässt sich auf Wunsch auch die gesamte Tastatur zur Steuerung der Begleitautomatik verwenden. Per Splitfunktion und der genannten DRUM-Variante kann man den Bass auch selber spielen. Weitere Einstellungen bezüglich der Rhythm Section sind im Menü möglich - u.a. die Häufigkeit der automatischen Fill-Ins, die Länge der Auftakte, und auch die Abstimmung der Lautstärke einzelner Begleitungs-Parts. 

Etwas versteckt im Menü findet sich die sogenannte "One Finger Ad Lib"-Funktion. Dahinter verbirgt sich ein nettes Spielzeug, das bei Aktivierung auf den 17 obersten Tasten kleine, zum gewählten Style passende Phrasen abspielt. Die Phrasen passen sich auch an die gespielten Akkorde an. Neben Blues-Licks findet man hier auch Bebop- und Montuno-Phrasen.

Song Recorder
Das Kawai ES 7 bietet die Möglichkeit, zehn eigene Songs aufzunehmen und abzuspielen. Jeder Song besteht dabei aus zwei Spuren, die nacheinander eingespielt werden können. Dabei kann die jeweils erste Spur auch die Begleitautomatik aufnehmen. Die aufgenommenen Songs lassen sich dann auf einem USB-Speichermedium sichern. Neben Aufnahmen als MIDI-Datei (Format 0 und 1) ist sogar auch die direkte Aufnahme als Audio-File (MP3 oder WAV) möglich. So erspart man sich eine Menge Zeit und auch das Recording-Equipment, das für solche Aufnahmen normalerweise erforderlich ist. 

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