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24.10.2018

Kaufberatung: Mikrofon-Zubehör (2019)

Ratgeber: Kabel, Stativ, Kopfhörer, Poppschutz und Co.

Was ihr alles zusätzlich zum Mikro braucht – und was nicht unbedingt

Wenn ihr ein gutes Gesangsmikrofon für eure Vocal-Recordings zuhause, im Proberaum oder Projektstudio gekauft habt, dann kommt früher oder später der Punkt, an dem ihr euch überlegen müsst: „Was brauche ich außer meinem Mikro sonst noch?“. Klar: ein Kabel, einen Mikrofonständer… sonst noch etwas? Dieser kleine Ratgeber soll euch helfen, aus dem ganzen Zubehör das auszuwählen, was ihr wirklich braucht.

Wenn ihr schon mal eine Fotokamera oder auch nur ein Fahrrad gekauft habt, wisst ihr, dass es eine Menge an Zusatz-Equipment gibt, von dem einiges wirklich sinnvoll ist, manches ganz nett und anderes für die meisten Anwender ausgemachter Käse. 

Kurzüberblick Mikrofon-Zubehör

 

Welches Zubehör ist absolut notwendig, wenn man mit einem Mikrofon aufnehmen will?

 

• Es muss ein ordentliches Mikrofonkabel angeschafft werden.

• Ein Mikrofonstativ wird eigentlich immer benötigt.

• Ohne (geschlossenen) Kopfhörer lässt sich nicht vernünftig aufnehmen.

• Ein Audio-Interface (oder Hardware-Recorder) wird für das Recording benötigt.


Was für Mikrofon-Zubehör ist optional?

 

• Eine elastische Halterung ("SPinne") für das Mikrofon bewahrt vor vielen Problemen.

• Oftmals ist ein Poppschutz zur Verhinderung von Störsignalen sinnvoll..

• Manche verwenden einen Mic-Screen, um rückwärtige Reflexionen zu vermeiden.

• Ein Notenständer für Texte und Lead-Sheets ist sinnvoll.

• Manche Mikrofone kommen „nackt“ und benötigen Transport- oder Aufbewahrungsboxen.

• Ein externer Mikrofonvorverstärker kann den Klang positiv beeinflussen.

1. Dinge, die ihr zwingend benötigt

Mikrofonkabel

Ein Mikrofon wird über ein Kabel angeschlossen. Außer, wenn es ein USB-Mikrofon ist, werdet ihr ein aktuelles Mikro immer über ein XLR-Mikrofonkabel anschließen. Diies ist die weltweite Norm, von der es nur sehr wenige Ausnahmen gibt. Das Mikrofonkabel ist in Shops unter genau dieser Bezeichnung erhältlich und hat einen „weiblichen“ dreipoligen Stecker an der Seite, an der es mit dem Mikrofon verbunden wird, und einen „männlichen“, erkennbar an den drei Zinken zum Anschluss an den Vorverstärker oder das Audio-Interface. Die Tipps zum Thema Kabel sind recht einfach:

Kauft die Länge, die ihr benötigt. Zwar sind längere Kabel meist nur unwesentlich teurer, doch die restlichen 16 Meter eines 20-Meter-Mikrofonkabels werdet ihr verfluchen, wenn ihr mit ihnen hantieren müsst. Zudem ist ein Kabel schon prinzipiell ein „Klangverschlechterer“ – da ist es besser, das kürzestmögliche anzuschaffen. Eine typische Länge beträgt sechs Meter.

Seid dabei nicht zu geizig! Es gibt professionelle Studios, die schließen Mikrofone für mehrere tausend Euro an Mikrofonkabel an, die pro Stück um die zehn Euro kosten. Ein wirklich ordentliches Kabel kommt von den üblichen Markenherstellern, also beispielsweise Cordial, Klotz, Sommer oder Van Damme. Ab knapp 20 Euro für sechs Meter Länge bekommt man schon sehr vernünftige Qualität. Einstreuungsempfindlichkeit, Höhenwiedergabe und andere Parameter: Man kann sie tatsächlich hören, das ist kein Voodoo. Besonders der Unterschied von sehr schlechten Kabeln zu „vernünftigen“ ist enorm. Wer es edel möchte: Vovox, Monster und einige andere bieten hervorragende Kabel an, die allerdings erst dann Sinn machen, wenn auch der Rest der Aufnahmekette entsprechend hochwertig ist. Nach meiner Erfahrung sind bei Mikros mitgelieferte Kabel im Regelfall einen direkten Austausch wert. Bei Röhrenmikrofonen ist das meist nicht so (und wäre sehr teuer). Dynamische Mikros, also Tauchspulenmikrofone und Bändchenmikros sind üblicherweise empfindlicher, was die Kabelwahl angeht!

Mikrofonstativ

Üblicherweise wird im Stehen gesungen und gesprochen, wenn man die beste Performance liefern will. Dementsprechend sind Mikrofonständer ein unverzichtbares Utensil, selbst für den "Handheld-Betrieb" auf der Bühne benötigt man zumindest eine Ablage für das Mikro.

Mikrofonstative beginnen mit recht geringen Preisen, sind jedoch oft wackelig und nicht besonders gut verarbeitet. Besorgt euch ein stabiles Stativ aus einem System, das ihr im Zweifel noch erweitern könnt. Vielleicht reicht es, ein gerades Stativ ohne Ausleger zu verwenden, nur um Freiraum für das Gestikulieren zu haben oder ein Notenpult unterzubringen, wird ein Galgenstativ verwendet. In diesem Fall, besonders dann, wenn ihr ein schweres Mikrofon verwendet, solltet ihr unbedingt auf Qualität achten, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn ein Mikrofon durch einen instabilen Ständer oder eine sich lösende Galgenverbindung beschädigt wird. Es gibt sogar Zubehör für Zubehör: Stative lassen sich mit speziellen Gewichten ausstatten, etwa von K&M, die an den Beinen, dem Hauptrohr oder den Auslegern befestigt werden, aber auch Sandsäcke vergrößern Gewicht und Stabilität. Es geht bei diesem Thema übrigens nicht nur um Mechanik: Ein schwingendes Stativ kann auch auf das Mikrofon und somit das Signal einwirken. Einen Testmarathon über (Bühnen-)Stative findet ihr hier.

Kopfhörer

Singen wird man eigentlich immer zu einem Playback, und sicher möchte man auch die Stimme hören, wie sie vom Mikrofon aufgenommen wird – selbst als Sprecher. Lautsprecher würden natürlich auch vom Mikrofon aufgenommen, also muss ein Kopfhörer her. Es ist ratsam, einen geschlossenen und ohrumschließenden zu wählen, damit möglichst wenig Signal von den Kopfhörertreibern („Spill“ oder „Bleeding“ genannt) zum Mikrofon gelangen – denn dort hat das Kopfhörersignal nichts zu suchen. Und die Headphones sind sehr nah am Mikro. Es gibt sehr viele verschiedene Hersteller. Achtet auf ganz praktische Sachen: Kann man das Kabel austauschen? Wenn etwas kaputtgeht, bekomme ich Ersatzteile? Sitzt er gut auf dem Kopf, auch für lange Recording-Sessions? Zu Kopfhörern haben wir einen Grundlagenartikel, einen Testmarathon und mehrere Budget-Empfehlungen.

Audio-Interface

Logisch, deswegen kommt dieser Punkt nur sehr kurz: Ohne Audio-Interface schafft es das Mikrofonsignal nicht bis in den Computer. Benutzt ihr kein Mischpult oder einen zusätzlichen Mikrofonvorverstärker, so muss dieser eingebaut sein. Fast alle Kondensatormikrofone und aktiven Bändchenmikrofone benötigen zum Betrieb 48 Volt Phantomspeisung, die mittlerweile aber fast alle Interfaces zur Verfügung stellen. Wenn ihr Gesang aufnehmen wollt und kein Mischpult benutzt, muss das Interface „Direct Monitoring“ besitzen, also auf analoger Ebene das eingehende Mikrofonsignal gemeinsam mit dem Playback verzögerungsfrei auf die Kopfhörer bekommen. Wenn ihr nicht alleine arbeitet, sind zwei getrennt adressier- und regelbare Kopfhörerwege Gold wert. Einen Kaufberater zu preiswerten Interfaces findet ihr hier. Sehr praktisch und preiswert sind die kleinen Mic-Plug-Interfaces wie das Shure X2U.

2. Dinge, die sinnvoll sein können

Spinne / elastische Halterung

Je nach Stativ und Bodenbeschaffenheit kann es notwendig sein, das Mikrofon zu entkoppeln. Üblicherweise wird das Mikrofon mit elastischen Haltern, die durch ihre Gummibänder und Ausleger bei klassischer Bauart sehr spinnenförmig aussehen, freischwingend aufgehängt. Dadurch wird vor allem die Übertragung des „Trittschalls“ oder „Körperschalls“ verhindert. Ursache dafür kann der mitwippende Fuß des Sängers sein, aber auch die Waschmaschine des Nachbarn oder der LKW auf der Straße. Es ist gut, wenn man eine Spinne hat und bei Bedarf anwenden kann, ich selbst benutze sie eher selten – stabiler Boden, schweres Stativ mit guten Verbindungen und ruhige Umgebung. Bei manchen Herstellern gehören Spinnen zum „guten Ton“ des Lieferumfangs, bei anderen muss man extra investieren. Es gibt keine wirkliche Anschlussnorm, aber die universellen Spinnen lassen sich einfach gegen den Mikrofonkorpus drücken. Die wahrscheinlich beste Spinne (aber auch wenig ansehnlich, wie ich finde) ist von Rycote.

Poppschutz

Der Poppschutz, auch Poppfilter oder Ploppschutz genannt, verhindert, dass eine zu mächtige Wellenfront die Membran schlagartig und etwas länger auslenkt und damit zu einem „brutzeligen“ Schallereignis führt, das man nicht mehr aus dem Audiomaterial entfernen kann. Entstehen kann so etwas besonders dann, wenn man dem Mikrofon recht nahe ist und [p]- und [b]-Laute produziert. Sprecht mal „Papa“, wenn ihr die Hand ein paar Zentimeter vor den Mund haltet. Warum ein Pop-Filter sinnvoll ist, erklärt der gleichnamige Artikel, den ihr über den Link erreicht. 

Markenprodukte lohnen oft deswegen, weil die Halterungen besser sind, eines der teuersten Exemplare ist der „Pauly“, der bei einem unserer Testmarathons um Einsatz gekommen ist (hier sehr gut zu sehen). Es gibt auch Modelle aus Lochblech, mit denen ich (und viele andere) aber nicht so gute Erfahrungen gesammelt habe.

Auf einen Poppschutz kann man manchmal verzichten, wenn das verwendete Mikrofon eine recht feine Metallgaze oder einen Schaumstoffschutz verwendet, der im Grunde als Wind- und Poppschutz dient. Daumenregel: Je besser ihr die Membran im Korb erkennen könnt, desto eher benötigt ihr einen Poppschutz. Auch je näher ihr mikrofoniert, je stärker das Mikrofon richtet (extrem anfällig: Achter-Bändchen!) und je schlechter die Mikrofondisziplin des Vocal-Artisten ist, desto eher wird ein Poppschutz benötigt. Oftmals reicht es aber, das Mikrofon etwas anzuwinkeln oder ein Stückchen an ihm vorbei zu singen. Das ändert zwar den Klang etwas, aber nicht immer zum Schlechteren!

Mic-Screen

An diesem Ding scheiden sich seit seinem Aufkommen vor bald 20 Jahren die Geister: Ein Mic-Screen, auch "Reflection-Filter" genannt, soll die rückwärtigen Reflexionen des Raumes und den eventuell halligen Anteil verringern – besonders, wenn in nicht akustisch optimierter Umgebung aufgenommen wird, wie in einem Homestudio. Das Mikrofon wir dabei auf der Rückseite umschlossen. Allerdings besteht immer auch die Gefahr, dass durch den Mic-Screen selbst Probleme entstehen, denn schließlich ist das Akustikelement in nächster Nähe zum Mikrofon aufgebaut, was für Rückwürfe sorgen kann, die man im Mikrofonsignal als störend wahrnehmen kann. Ich sage es mal so: Es sind auch schon Hits ohne dieses Hilfsmittel produziert worden, bei kleinem Mikrofonabstand und Verwendung einer Nierencharakteristik sind die typischen Rückwürfe eines Raumes oft nicht allzu schlimm oder lassen sich flexibel mit "Hausmannskost" wie Matratzen und Decken steuern. Fakt ist dennoch: Sie funktionieren, sie machen das Signal definitiv "trockener". Entscheidet ihr euch für einen Screen, achtet darauf, dass er nicht komplett undurchlässig für Schall ist, groß genug und flexibel. Einen Überblick erhaltet ihr hier.

Notenständer

Wenn der Text nicht ausschließlich aus „Uhh, Baby!“ besteht, ist es manchmal notwendig, einen Notenständer beim Einsingen vor der Nase zu haben. Ein Blatt hochzuhalten behindert die Performance und sorgt durch Rascheln und Reflexionen für üble Überraschungen auf der Aufnahme. Ein Notenständer ist daher keine schlechte Wahl. Es gibt für wenig Geld halbwegs ordentliche. Gut ist, wenn sie gelocht und mit einem etwas schallschluckenden Material überzogen sind, damit die Reflexionen weniger ins Gewicht fallen. Ebenfalls mittlerweile erhältlich: Tablet- und Smartphone-Halter.

Transport- und Verwahrungszubehör

Euer Mikro bleibt immer an Ort und Stelle? Dann benötigt ihr keinen Koffer. Wenn ihr es transportieren wollt und kein Case im Lieferumfang war, gönnt ihm zumindest einen kleinen Koffer aus dem Bauhaus, möglichst mit Schaumstoffblöckchen. Während dynamische Mikrofone mit Tauchspule äußerst unempfindlich sind, gilt das nicht für Kondensatormikrofone und erst recht nicht für Bändchen! Diese sollten bei Nichtverwendung durch einen Überzug vor Staub, Bändchen vor allem vor magnetischen Teilchen geschützt werden. Nehmt einen kleinen Jutesack, einen Samtbeutel oder etwas vergleichbares, das gerade greifbar ist. Von Plastiktüten würde ich die Finger lassen, denn Feuchtigkeit tut Mikros auch nicht sonderlich gut – und die kann durch handelsübliches Plastik nun mal nicht entweichen…

Externer Mikrofonvorverstärker

Wenn euer Interface keine Vorverstärkung bietet, braucht ihr ihn sowieso, aber auch so ist es teilweise eine sehr gute Entscheidung, einen externen Preamp zu verwenden. Manchmal ist er sinnvoll, um dynamische Mikrofone rauscharm ausreichend hochverstärken zu können, denn an dieser Aufgabe scheitern viele in Audio-Interfaces eingebaute Mikrofon-Preamps. Entgegen den meist sehr „brav“, manchmal sogar sehr charakterlos klingenden Vorverstärkern der Interfaces kann man mehr oder weniger stark färbende Preamps erstehen, die teilweise über unterschiedlichste Ausstattungsmerkmale verfügen. Von Fredenstein beispielsweise gibt es einen preiswerten, charaktervollen Pre-Amp (hier der Test des V.A.S. MicPre), aber auch sehr cleane kann man anschaffen. Oder einen absolut edlen Mono-Preamp wie den unfassbaren REDD von Chandler. Wenn ihr Mikrofonvorverstärker sucht, hilft euch sicher der Kaufberater Mic Preamps weiter!

Ihr seht: Mit dem Kauf eines Mikrofons ist erst ein Teil der Entscheidungen gefallen – glücklicherweise aber der größte und wichtigste.

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