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12.11.2018

Kaufberater: Die besten Ribbon Mics

Welches Ribbon-Mikrofon soll ich kaufen?

Hilfe für die Auswahl vor dem Kauf

Ihr wollt ein Ribbon Mic kaufen, wisst aber nicht, welches? Immerhin ist die Auswahl riesig. Für 69 Euro bekommt man ein t.bone RB 100 (Produkt auf thomann.de), für manche AEA- und Royer-Ribbons muss man mehr als 5000 Euro locker machen. Aber welches Ribbon-Mikrofon ist das richtige? Hier gibt es ein paar hilfreiche Tipps zum Kauf.

Wie funktioniert ein Ribbon Mic?

Ein Ribbon Mic setzt die Schwingung von Schall mit einem dünnen, länglichen Alu-Bändchen (=Ribbon) in einem Magnetfeld um. Durch die Bewegung im Magnetfeld wird eine Spannung induziert, die als Audiosignal abgegriffen werden kann. Fast alle anderen Mikrofone besitzen hingegen runde Membranen, auf die entweder eine Spule aufgeklebt ist (Tauchspulenprinzip) oder welche mit einer Gegenelektrode einen Kondensator bildet (Kondensatormikrofone).  

Sind Ribbon-Mics wirklich so empfindlich? Wo sind Vor- und Nachteile von Ribbons?

Es gibt mehrere Mythen über Ribbon-Mikrofone, die wir im verlinkten Artikel zusammengestellt haben. Um vorwegzugreifen: So schlimm is es nicht – und klanglich lohnt es sich!

Das Ribbonmikrofon Beyerdynamic M130 ist eine echte Allzweckwaffe. Es ist absolut winzig, hat aber durch die Doppelbändchentechnologie ordentlich Output. Es wird seit Jahrzehnten in Heilbronn von Hand gebaut.

Das the t.bone RM-700 ist sehr preiswert – klingt aber nicht danach. Es ist ein klassisches passives Ribbon.

Mit dem Coles 4038 ist eines der charaktervollsten, aber auch schrulligsten Mikrofone in der Liste. Ebenfalls seit Jahrzehnten für seinen speziellen Sound und seine hohe Qualität geliebt. Wir haben ein How-To zum Umgang mit ihm und anderen Ribbon-Mikrofonen.

Stereo-Ribbons müssen nicht teuer sein. Am Drumkit, der Akustikgitarre, aber auch vor Chören, Orchestern oder ganz einfach als Mono-Ribbon für die Stimme leistet der riesige Brecher Golden Age Project R1 ST hervorragende Dienste.

Aktives oder passives Ribbon Mic kaufen? Wo ist der Unterschied?

Das Aluminium-Ribbon im Magnetfeld gibt nur sehr wenig Spannung aus. Diese wird zwar in einem Übertrager hochtransformiert, ist dann aber immer noch sehr gering. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, der Mikrofonvorverstärker schafft es, das schwache Signale problemlos enorm zu verstärken – woran viele preiswerte Preamps scheitern! – oder aber eine kleine aktive Verstärkungselektronik wird in das Ribbon Mic eingebaut (= „aktives Ribbon“). Man kann aber auch passive Ribbons „aktivieren“, etwa mit dem Triton FetHead. Aktive Ribbons erscheinen oft praktischer, allerdings verringert ihr damit die Möglichkeit, auf den Sound Einfluss zu nehmen. Passive Ribbons klingen unterschiedlicher an verschiedenen Mikrofonvorverstärkern und reagieren oft stärker auf umschaltbare Eingangsimpedanzen.

Ist ein Stereo-Ribbon sinnvoll? 

Es gibt Stereo-Ribbons, welche im Grunde zwei Ribbon-Mikros übereinander sind. Das ist praktisch, denn mit diesen Mikrofonen – das Golden Age Project R1 ST ist so eines – kann man an einem Ort Stereoaufnahmen machen. Diese "One Point Stereo"-Recordings sind dann entweder in MS-Technik oder aber als XY-Art "Blumlein Stereo".

Ein Stereomikrofon ist bisweilen riesig und wirkt als Gesangsmikrofon überdimensioniert. Und für unterschiedliche Quellen oder Spaced-Stereo-Systeme kann man die beiden Ribbon-Einheiten natürlich nicht benutzen.

Alternativ lassen sich auch immer zwei Ribbons zu einem Stereosystem zusammensetzen. Dafür gibt es Zubehör. Mit zwei Mikrofonstativen ist es etwas hakelig und umständlich, wenn man Positionen sucht.

Lohnt es sich, ein teures Ribbon Mic zu kaufen?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Tatsache ist, dass aufgrund der Einfachheit ihres Aufbaus schon Ribbon Mics unter 100 Euro durchaus gut klingen können. Mechanisch sehr gut verarbeitete (Grill, Gehäuse, Oberflächen…) gibt es bereits ab knapp 500 Euro. Aber natürlich hat ein Ribbon wie ein Royer Labs SF-2 umwerfende Klangeigenschaften. Und umwerfende Preise. Fragen, die ihr euch stellen solltet, sind:

  • Wie gut ist der Rest meiner Aufnahmekette? Ein mehrere tausend Euro teures passives Ribbon an einem preiswerten Audio-Interface ist wirklich verkehrt.
  • Kann ich die klanglichen Vorteile der „letzten paar Prozent“ wirklich ausnutzen? Dazu müssen neben der Signalkette auch Raum, Fähigkeiten der Musiker, die Qualität der Instrumente und nicht zuletzt die eigenen tontechnischen Fähigkeiten ausreichend genug sein.
  • Wie wichtig ist es, dass das Ribbon möglichst exakt so klingt wir ein zweites, dass ich als Ersatz oder für Stereoaufnahmen dazukaufen will (Stichwort: Serienstreuung)?
  • Wie wichtig sind mir Dinge wie Firmennamen, perfekte Verarbeitung, Exklusivität und Wiederverkaufswert? 

Wodurch unterscheiden sich verschiedene Ribbon Mics klanglich?

Zunächst einmal wäre die Frage nach dem Anwendungsgebiet: Es gibt Ribbons, die werden in erster Linie für Instrumente und weniger für Vocals eingesetzt, etwa das Coles 4038. Andere, etwa das KU4 von AEA, sind klassische Vocal-Mikrofone. Allerdings lassen sich prinzipiell alle für alles verwenden. Die beiden genannten sind klanglich sehr charaktervoll, wohingegen beispielsweise ein Rode NTR oder ein Beyerdynamic M130 ziemlich zurückhaltend sind.  

Unterschiede gibt es beispielsweise darin, wie das Ribbon mit hohen Schalldrücken umgeht. Das 4038 etwa wird sanft und steuerbar satter und beginnt immer stärker, eine (oft zunächst angenehme) Zerrung zu entwickeln. Andere „brechen auf“, und das recht plötzlich. Und auch, bei welchem Schalldruck das geschieht, ist durchaus unterschiedlich, genauso der Umgang mit leisen Signalen.

Der Frequenzgang ist ebenfalls nicht bei allen Ribbons gleich: In den Höhen sind besonders passive Ribbons eher schwach (Aber auch hier gibt es Ausnahmen, das sE Electronics sE X1R beispielsweise.). Allerdings kann man diese meist sehr gut mit dem EQ bearbeiten, außerdem ist die Verzerrung in den Höhen bei diesem Mikrofontyp sehr gering (!). Aktive Ribbons hingegen sind oftmals mit einer Elektronik ausgestattet, die den Höhen schon ein wenig unter die Arme greift. Im Nahbereich von Ribbons zeigt sich eine Eigenschaft der meisten Mikrofone ganz besonders ausgeprägt: der Nahbesprechungseffekt. Je näher man ihnen kommt desto bassiger wird das Signal. Manche Mikros bleiben hier recht sachlich und konkret (Rode NTR beispielsweise), andere werden groß und voluminös, wieder andere sind schnell dröhnig bei zu geringem Abstand.  

Eine „echte“ Acht, die nicht aus zwei Nierenkapseln (wie im Doppelmembran-Kondenser üblich) zusammengebaut wird, ist besonders frequenzstabil. Bei einigen Bauarten ändert sich aber nicht nur der Pegel, sondern auch die die Höhenwiedergabe, je weiter das Signal von der Seite her kommt. Meist ist das aber unerheblich. Es gibt einige wenige Ribbons, die mit einer rückseitigen Dämpfung eine stärkere Richtwirkung (Hyperniere) hinbekommen. Das sind momentan aber nur AEA KU4 und KU5 sowie das Beyerdynamic M160.  

Nicht vergessen: Ribbons gibt es von winzig klein und federleicht (M130) bis geradezu monströs (GAP R1 ST Sund viele AEA). Dementsprechend ist auch das nötige Ständerwerk nicht unerheblich – vor allem, wenn man bedenkt, dass Ribbons tendenziell recht empfindlich gegenüber Trittschall sind. Auf historischen Studiofotos sieht man nicht umsonst die RCA-Brocken an den riesigen Starbird-Stativen hängen (die jetzt wieder von Triad-Orbit gebaut werden).  

Checkliste zum Kauf von Ribbon Mics

  • Was erwarte ich klanglich von einem Ribbon?
  • Sind meine Kette, meine Audiosignale und meine eigenen Fähigkeiten so gut, dass wirklich teure Ribbons gerechtfertigt sind?
  • Benötige ich ein Stereo-Ribbon?
  • Ist vielleicht ein aktives Ribbon das geeignetere Mikrofon?

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