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08.12.2020

Jazz-Drumming Workshop #3: Afro-Cuban Grooves am Schlagzeug

“Das kleine Latinum für Jazz-Drummer”

Hola! Salvete! Und willkommen zum dritten Teil meines Jazz-Workshops! Heute soll es um die Grundlagen des Latin-Jazz gehen. Hier erfahrt Ihr alles, was Ihr wissen solltet, um einen guten und gesunden Einstieg in das Thema zu finden, denn ein “Latin-Feel” wird in Eurer Drummerlaufbahn sicher früher oder später auftauchen und darauf sollte man vorbereitet sein.

Die lateinamerikanische Musik und ihre Geschichte ist ein Riesenthema, und man könnte sicherlich viele Bücher damit füllen. Deswegen kann ich hier die Thematik nur anreißen und versuchen, sie Euch schmackhaft machen. Ein weiteres Stöbern lohnt sich aber, denn es ist wirklich sehr interessant, wie sich die Musik entwickelt und andere Musikstile beeinflusst hat… wie z.B. den Jazz, in dessen Entstehung bereits die afro-kubanische Musik eine wichtige Rolle gespielt hat.

Kleiner Geschichtsexkurs: Was versteht man unter dem Begriff Latin-Jazz?

Was oft gemeint wird, wenn man im Jazz von “Latin” oder einem “Latin-Feel” spricht, ist das rhythmische und musikalische Konzept der karibischen Musikstile, insbesondere der afro-kubanischen Musiktradition. Brasilianische Stile wie Bossa Nova und Samba, welche ebenfalls eine sehr wichtige Rolle im Jazz spielen (und welche man unbedingt kennen sollte!), sind hier normalerweise nicht gemeint. Möchte man ein solches Feel verwenden, wird normalerweise direkt von “Bossa Nova”, “Samba” oder einfach generell “Brazilian (-Feel)” gesprochen. Die Spielweise der brasilianischen Musik unterscheidet sich sehr von der Spielweise der afro-kubanischen bzw. karibischen Stile, weshalb hier meist klar abgegrenzt wird.

Wann wurde die Stilistik Latin-Jazz geprägt?

Der Latin-Jazz als eigener Begriff und Stil entstand in den 1940er Jahren in New York City, als Musiker und Komponisten damit begannen, afro-kubanische, auf Clave (die Erklärung des Begriffs findet Ihr im Abschnitt „Afro-Cuban Basics“) basierende Rhythmen und musikalische Elemente mit den Harmonien und Improvisationstechniken des zeitgenössischen Jazz (Swing und Bebop) zu kombinieren. Das Resultat nannte sich treffend “Cubop” (Cuba + Bebop), bald dann auch “Afro-Cuban Jazz” bzw. “Latin-Jazz". Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Personen Mario Bauza und Francisco Grillo alias “Machito” mit ihrer Band “Machito and his Afro-Cubans”, – welche großen Einfluss auf die Latin-Szene hatten und wohl als erste Bigband-Arrangements, kubanische Rhythmen und Jazzimprovisationen zusammenführten – sowie der Star der Bebop-Szene, der Trompeter Dizzy Gillespie in Zusammenarbeit mit dem Perkussionisten Chano Pozo.

Diese Fusion von Latin und Jazz fand allerdings nicht von heute auf morgen statt, sondern bahnte sich langsam an. Viele Migranten aus den Karibikstaaten zog es in den 1930er Jahren nach New York City, wo sie sich insbesondere im Stadtteil East Harlem (auch El Barrio oder Spanish Harlem genannt) niederließen und ihre Musiktraditionen fortführten und austauschten. 

Es dauerte nicht lange, bis Musiker beider Genres, des Jazz und der lateinamerikanischen Musik, damit begannen, grenzüberschreitend zu agieren und das jeweils andere musikalische Territorium zu betreten und zu erkunden. So entstanden wegweisende Kompositionen wie z.B. dem Lied “Caravan”, welches vom Posaunisten Juan Tizol um 1936 komponiert und durch Duke Ellington und sein Orchester weltberühmt wurde. Nun waren diese Kompositionen allerdings noch nicht “in Clave” geschrieben bzw. gespielt und somit noch nicht wirklich lupenreine “Latin-Jazz” Songs.

In den 1940er Jahren kam es dann schließlich zu den genannten bahnbrechenden Experimenten bzw. Entdeckungen seitens der Latin-Musiker, als sie traditionelle rhythmische Elemente Ihrer Musik auf das Arrangement der Kompositionen übertrugen und mit Improvisationen von Jazzsolisten verbanden. Der Latin-Jazz war geboren. Rasch gewann er an Beliebtheit und viele Jazzmusiker und Komponisten übernahmen ebenfalls Latin-Elemente in ihre Kompositionen und in ihr Spiel. Man tauschte sich aus und inspirierte sich gegenseitig. Latinmusiker spielten mit den Jazzern und umgekehrt. So entwickelte sich die Musik auf beiden Seiten stets weiter und es entstanden einige typische Jazz-Latin-Grooves, welche wir von diversen Jazz-Aufnahmen der 50er und 60er Jahre kennen und welche stark an die afrikanischen und afro-karibischen Musikkulturen angelehnt sind. 

Welche Kompositionen zählt man zu den ersten Latin-Jazz-Standards?

Die erste Jazzkomposition, die auf der Clave basierte und somit die erste “wahre” Latin-Jazz Komposition darstellt, ist das Lied “Tanga”, welches von Mario Bauza 1943 komponiert und im gleichen Jahr von seiner Band aufgenommen wurde. Dieses war allerdings noch ein sogenannter “Cuban Jam” (Descarga) und keine jazztypische Komposition mit einer Bridge.

 Die erste Latin-Jazz-Komposition, die als Jazz-Standard berühmt wurde, ist das Lied “Manteca”, welches 1947 von Chano Pozo & Dizzy Gillespie komponiert wurde.

Was ist ein Jazz-Standard?

Als Jazz-Standard (oder auch einfach nur “Standard”) bezeichnet man berühmte Kompositionen und Melodien, welche von Jazzmusikern über die Jahre sehr oft aufgeführt und aufgenommen wurden und dem Publikum und den Musikern daher bekannt sind. Als Jazzmusiker lernt man viele dieser Standards, welche einem besonders bei spontanen Jamsessions oder in Situationen mit unbekannten Musikern helfen, spontan zusammen zu musizieren, da man sich leicht auf diese Lieder berufen kann.

Tipp: Weitere Hintergrundinfos findet ihr in unserem Jazz Drumming Wiki.

Wo setze ich als Jazz-Schlagzeuger an?

Man muss als Jazzdrummer kein Experte im Latin-Drumming und in der traditionellen Musik Lateinamerikas werden, aber ein solides Grundwissen ist auch für uns sehr gesund und hilfreich. Zumindest hat es mir bereits sehr oft dabei geholfen, Musik zu verstehen und in diversen Situationen zu bestehen, sollte es doch mal etwas authentischer oder progressiver zur Sache gehen. Oft ist es einfach die fehlende Kenntnis der Basiselemente, welche die Trommler beim Thema Latin ins Schwitzen bringt, dabei ist es gar nicht so kompliziert, wie man so oft meint.

Von Percussioninstrumenten zum Drumset

Traditionell wird die lateinamerikanische Musik auf Percussioninstrumenten wie Timbales, Congas, Bongos, Kuhglocken, Claves, etc. gespielt. Am Schlagzeug versuchen wir nun, diese zu imitieren und in die Musik einzubauen, daher ist es hilfreich und wichtig, sich mit den einzelnen Parts und Patterns der Perkussionisten vertraut zu machen. Hierbei imitieren wir nicht nur die Rhythmen und deren Phrasierung, sondern auch den Klang der originalen Instrumente. Hat man richtige Percussioninstrumente zur Hand, dann kann man diese natürlich in das Schlagzeug integrieren und die Patterns darauf spielen. Alles ist erlaubt… naja, fast alles… Ist man der alleinige Drummer im Ensemble, hat man relativ viele Freiheiten, sein Spiel zu gestalten. Spielt man mit weiteren Perkussionisten zusammen, übernimmt man den Teil, welcher gerade fehlt. Es geht darum, sich zu ergänzen. Man sollte z.B. kein Conga-Pattern spielen, wenn bereits ein Conga-Spieler diesen Teil abdeckt. 

Passend zum Thema:

WORKSHOP

Afro-Cuban Basics – Am Anfang war die Clave

Sicherlich haben einige von Euch schon einmal von der Clave gehört und den gleichnamigen Rhythmus auch schon gespielt. Die Clave ist ein wichtiges zweitaktiges rhythmisches Element in der afro-kubanischen Musik. Als Claves bezeichnet man außerdem runde Klanghölzer, auf welchen traditionell der “Clave-Rhythmus” gespielt wird. Die Clave jedoch als bloßen Rhythmus zu verstehen, wäre falsch, denn sie ist nicht einfach nur ein Pattern, welches man zur rhythmischen Untermalung spielt. Sie ist ein Konzept zum gemeinsamen Musizieren!

“Clave” ist spanisch und bedeutet übersetzt “Schlüssel” und genau das ist sie auch - der Schlüssel zur Musik! Basierend auf dem Clave-Rhythmus werden die Melodien und ihr Rhythmus komponiert, und die Musiker bauen Ihr Spiel und ihre Begleitung auf ihr auf. Alles steht in Relation zur Clave. Sie ist somit in jedem Part der Musik vorhanden, auch wenn man sie nicht explizit spielt. Selbst die Tänzer tanzen zur Clave und wahrscheinlich kocht der Chef in der Salsa Bar auch sein Menü zur Clave… Sie hält die Musik und die Musiker zusammen, und sie zu verstehen, ist daher sehr wichtig.

Alle Übungen findet zum Workshop findet ihr unter diesem Link zum download:

Beginnen wir mit der wohl bekanntesten Clave, der Son Clave.

Spielt sie für eine Weile in einem für euch gemütlichen Tempo. Ihr könnt sie klatschen, auf der geschlossenen Hi-Hat spielen, als Side Stick auf der Snare, usw. … Der Puls der afro-kubanischen Musik wird üblicherweise in Halben gefühlt. Ihr könnt zur Übung mitzählen und/oder mit dem Fuß den Puls schlagen.

Die Rumba Clave

...ist ein bisschen spezieller, da sie in ihrer Phrasierung flexibler ist. Manchmal spielt man sie genau wie in den Noten geschrieben, oft wird sie aber auch irgendwo zwischen 4/4 und 6/8 gespielt oder es werden beide Spielarten kombiniert. Es ist ähnlich wie im Jazz, wo man zum Beispiel das Ridebecken näher an den Sechzehntelnoten oder den Triolen phrasieren kann. So entsteht der Groove und der Swing in der Musik, und man kann es nicht wirklich notieren. Die Musik aus New Orleans ist ein weiteres Beispiel hierfür... 

Die 6/8-Clave

Schaut euch als drittes nun die 6/8-Clave an. Sie steht rhythmisch in enger Relation zur Rumba Clave.

Übt zwischen diesen beiden Claven hin und her zu springen und sie zu kombinieren. Ihr werdet bald ein Gefühl für die Flexibilität der Clave entwickeln (siehe Übungsblatt - Phrasierungsübungen). Was man in der Regel nicht macht, ist zwischen der Son- und der Rumba Clave innerhalb eines Liedes zu wechseln. Der Unterschied zwischen den beiden Claven ist zwar auf den ersten Blick klein, die Wirkung jedoch groß, da man zu den Claven unterschiedlich phrasiert. Zudem swingt die Rumba Clave mehr, was der Musik einen anderen Fluss gibt.

Clave in 3:2 und in 2:3

Wie ihr auf den Notenbildern sehen könnt, ist die Clave ein zweitaktiges Pattern. Einer der beiden Takte beinhaltet drei Schläge und der andere zwei Schläge. Je nachdem, mit welchem Takt man beginnt, spricht man von einer 3:2 Clave oder einer 2:3 Clave. Das ist wichtig zu wissen, denn das Feeling und die Phrasierung der Musik ändert sich hierdurch. Außerdem sollte man aufpassen, dass man sein eigenes Pattern nicht falsch herum zu den anderen Musikern spielt. Üblicherweise ändert sich die Richtung der Clave innerhalb eines Liedes nicht. Soll heißen, einmal angefangen (z.B. in 2:3), läuft sie bis zum Ende in unveränderter Form unter der Musik durch. Es kann aber sein, dass das Arrangement eine ungerade Zahl von Takten eingebaut hat. Dann dreht sich die Clave “gefühlt” um, denn der Anfang des neuen Teiles im Lied beginnt auf einmal im zweiten Takt der Clave. Das ist typisch im Latin-Jazz und man sollte sich dieses Konzepts bewusst sein.

Im Jazz-Alltag wird man wahrscheinlich nicht so oft hierauf treffen, denn wenn man normale Jazz-Standards als Latin-Nummer spielt, ist es eher selten, dass sich die Clave dreht, da die Kompositionen fast immer auf einer geraden Anzahl von Takten basieren. Sollte man jedoch in den Genuss eines Arrangements kommen, welches dieses Konzept aufgreift, dann sollte man aufpassen, dass man nicht überrascht wird und aus Versehen die Clave wieder “zurück dreht”. Klingt kompliziert, doch so schwer ist es nicht… 

In dem Lied “Bilongo”, gespielt von Eddie Palmieri auf der Platte “Superimposition” könnt ihr das gut beobachten: Spielt oder klatscht die Clave ohne Unterbrechung zu der Aufnahme, auch wenn die Band Breaks spielt. Ihr werdet merken, wie sie mehrmals die Richtung ändert. Dieses Lied verwendet eine Son Clave und beginnt in 2:3.

Wiederholt diese Übung mehrere Male und hört, wie die verschiedenen Parts sich mit der Clave vereinen: Klavier, Bläser Background, Rhythmusgruppe, etc. Ein weiteres Beispiel: Tito Puente - “Complicacion”. Auch dieses Lied verwendet eine Son Clave und beginnt in 2:3.

Die Cascara

Ein wichtiger, wenn nicht gar DER wichtigste Rhythmus, welcher als erstes (neben der Clave) von Timbalisten und Schlagzeugern gelernt werden sollte, ist die sogenannte Cascara, auch “Paila” genannt (nicht zu verwechseln mit der Paella - ein spanisches Reisgericht aus der Pfanne!). Dieses Pattern lässt sich gut mit dem Ridebecken-Beat eines Jazzdrummers vergleichen, denn es hat die gleiche Funktion innerhalb der Musik. Nur mit diesem Rhythmus alleine kann man schon die ganze Band leiten und Feuer unterm Kessel machen.

Meist wird die Cascara an der Seite der Timbales am Kessel gespielt. Am Schlagzeug imitieren wir den Klang durch das Spiel auf der geschlossenen Hi-Hat, am Spannreifen einer der Trommeln oder am Kessel des Floortoms (Vorsicht, das kann Dellen geben! Ich bevorzuge die Spannreifenvariante). Man kann die Cascara auch auf dem Ridebecken spielen, für den Anfang empfehle ich jedoch, einen kurzen perkussiven Klang zu verwenden, was der traditionellen Spielweise entspricht und das korrekte Erlernen des Patterns unterstützt. Die Cascara ist ebenfalls eine zweitaktige Phrase, welche mit der Clave synchronisiert ist. Auch die Cascara hat daher eine 3er und eine 2er Seite.

Übt die Cascare alleine und dann zusammen mit der Clave. Alle Übungen findet ihr auch wieder in den oben verlinkten PDFs.

Spielt zuerst sehr langsam und steigert Euch dann allmählich im Tempo. Achtet dabei auf das Feeling der Cascara. Sie sollte nicht zu mechanisch, jedoch präzise klingen. Wenn die Cascara sicher sitzt, spielt sie ebenfalls zu der vorher erwähnten Eddie Palmieri Aufnahme! Erst alleine und dann in Kombination mit der Clave. In den Teilen, in denen die Band Breaks hat, spielt ihr vorerst weiter.

Bell Patterns

Als nächstes schauen wir uns drei wichtige und häufig verwendete Glocken-Patterns an: die “Bongo Bell”, die “Mambo Bell” und die “Cha Cha Bell”. Auch diese Glockenfiguren stehen wieder in Relation zur Clave.

1. Bongo Bell

Die Bongo Bell ist ein relativ simples Pattern, ideal also, um sich dem Thema zu nähern. Die Schläge, die mit dem O-Symbol gekennzeichnet sind, spielt ihr auf dem Rand der Kuhglocke, bzw. mit dem Schaft des Sticks, falls es nicht so brachial sein soll. Auf dem Ridebecken entspricht dieses Symbol der Bell des Beckens. Die unbetonten Schläge werden somit mit der Spitze des Stocks auf dem Korpus der Kuhglocke, bzw. auf der Fläche des Ridebeckens gespielt.

2. Mambo Bell

Das Mambo Bell Pattern kann variieren und fungiert oft, ähnlich wie die Cascara, als Ridepattern für die Mitmusiker. Im Latin-Jazz spielen wir sie daher oft auf dem Ridebecken oder der Glocke eines Beckens. Achtet auf die Verzahnung mit der Clave und auf die richtige Platzierung der Akzente. Das kann besonders am Anfang etwas tricky sein! Also wie immer langsam anfangen und mit Geduld und Muße das Tempo steigern.

3. Cha Cha Bell

Wer seine Jugend in der Tanzschule verbracht hat (macht man das heute noch?), der ist bestimmt schon einmal über diesen Musikstil "gestolpert". Mit Cha-Cha-Cha bezeichnet man sowohl einen Tanz als auch eine musikalische Stilistik. Er wird meist in mittlerem Tempo gespielt und das Markante ist sein Viertelnotenpuls! … im Gegensatz zum sonst üblichen Puls “in Halben”. 

Schaut Euch das typische Pattern auf dem Übungszettel “Bell Patterns” an. Üblicherweise spielt man es auf einer kleinen Glocke, welche man auch Cha Cha Bell nennt. Durch Andrücken des Stockes beim Schlagen dämpft man ihren Ton ab und erhält einen kurzen und prägnanten Klang. Man kann das “Cha Cha Feel” aber auch auf der Hi-Hat oder durch das Spiel am Kessel oder den Spannreifen erlangen und so den Klang einer Timbales imitieren. Ähnlich dem Spiel auf der Kuhglocke, spiele ich auch oft auf der Glocke eines Beckens und erlange einen ähnlichen Effekt durch Andrücken des Stockes zum Abdämpfen.

Das Conga Pattern

Was wäre die lateinamerikanische Musik ohne Congas?! Schaut Euch einmal das typische Pattern eines Conga-Spielers an. Man nennt es auch Conga Tumbao oder einfach nur Tumbao. Wenn kein Conguero in der Band ist (oder er mal kurz austreten muss), wird sein Part oft am Schlagzeug imitiert. Da ein Jazz-Schlagzeug von der Stimmung her den Congas sehr nahekommt, bietet sich das auch hervorragend an. Das Basispattern kann man eintaktig oder zweitaktig spielen. Auch hier spielt die Clave wieder eine Rolle und in der Regel richtet sich der Conguero mit seinen Akzenten nach der 3er Seite der Clave. Die Noten zu den weiteren Hörbeispielen findet ihr ebenfalls im oben verlinkten PDF.

Passend zum Thema

Hier findet Ihr Bassdrum- und Hi-Hat Patterns, welche Ihr mit den Übungen zum Conga Tumbao verbinden und zu kompletten Grooves am Schlagzeug ausbauen könnt.

Woher weiß ich, ob ich 3:2 oder 2:3 spielen muss?

Manchmal ist es in den Noten bereits vorgegeben. Spielt man ohne Noten, kann es sein, dass der Bandleader oder ein anderer Musiker es vorgibt. Erhält man gar keine Anweisung, dann hilft es nur, die Ohren aufzusperren und gut hinzuhören! Sollte man noch immer nicht wissen, auf welcher Seite man sich befindet, dann kann man erst einmal etwas Neutrales spielen, wie z.B. ein Conga-Pattern, und abwarten oder man nimmt es selbst in die Hand und gibt es einfach vor, insbesondere wenn im Ensemble allgemein Unklarheit herrscht. Tendenziell kommt die 2:3 Clave häufiger zur Anwendung, aber eine Garantie gibt es hierfür nicht. Im Latin-Jazz, besonders in moderneren Spielweisen, kommt zudem die Rumba Clave häufiger zum Einsatz, dank ihrer Flexibilität und ihres Swings. 

Wichtig zu kennen ist zudem das typische “Latin-Pattern”, welches der Pianist oft spielt. Man nennt es “Montuno”. Es ist wieder ein zweitaktiges Pattern, welches in Beziehung zur Clave steht. Auf welcher Seite der Clave ihr Euch befindet, hört ihr daran, ob der Montuno auf dem Schlag 1 des Taktes beginnt oder auf dem Offbeat (Schlag 1&).

Es kann vorkommen, dass der Pianist einen Montuno spielt, welcher auf beiden Seiten der Clave funktioniert, 3:2 und 2:3, dann hilft wieder nur, oben Genanntes zu beachten… Am Anfang kann das alles noch etwas verwirrend sein, doch mit der Zeit sammelt man Erfahrung und es wird deutlich leichter. Viel Musik hören, um ein Verständnis und Gefühl dafür zu erlangen, ist ratsam, ebenso hilft es, die gelernten Patterns zu Aufnahmen zu spielen. Der Sound wird sich einprägen und mit der Zeit werdet ihr es einfach fühlen. Hört auf die Perkussionisten, hört aber auch unbedingt auf das Klavier und die Phrasierung der weiteren Bandmitglieder. Sollten die Musiker wissen, was sie tun, dann wird die Clave von alleine vor Euch erscheinen…

Afro-Cuban 6/8 - Das “Afro” in Afro-Cuban!

Das Interessante und für mich Reizvolle an diesem Stil ist, dass man seinen Grundpuls in einem Zweier- und einen Dreierpuls fühlen kann. Polyrhythmik ist das Stichwort. Manche kennen dieses auch als “Zwei gegen Drei”. Wir haben also einen Zweier- und einen Dreierpuls zur gleichen Zeit. Das ist ein typisches Konzept der traditionellen Musik Westafrikas, welches sich auf die Musik Lateinamerikas übertragen hat und ein wichtiges Merkmal darstellt. Das gleiche Konzept lässt sich übrigens auch im Jazz wiederfinden und ist der Grund, weshalb sich ein “Jazz-Waltz” (ein Swing-Rhythmus im ¾-Takt) auch so offen und frei spielen lässt. 

Die afrikanische Musik hat einen sehr großen Einfluss auf die Musik Lateinamerikas, bedingt durch afrikanische Sklaven, welche nach Lateinamerika verschleppt wurden. Ihre Traditionen mischten sich mit musikalischen Elementen der europäischen Siedler und entwickelten sich zu neuen Stilen. Daher auch der Name AFRO-kubanisch, AFRO-brasilianisch, etc.. Ein wichtiges rhythmisches Motiv im Afro-Cuban 6/8 ist die sogenannte “Bembe Clave”, welche auch unter “Afro Bell” bekannt ist.

Dieses rhythmische Pattern stammt ursprünglich aus Westafrika, wo man es in diversen Kulturen wiederfindet. Es hängt sehr eng mit der Clave zusammen. Es wird auch vermutet, dass die Clave in diesem Pattern ihren Ursprung hat… aber handfeste Beweise dafür gibt es nicht, auch wenn es sehr nahe liegt. Man kann die Afro Bell eintaktig im 4/4-Takt oder im 12/8-Takt notieren. Der Rhythmus und der Klang ist identisch. Notiert man sie zweitaktig im 6/8-Takt und nimmt Akzente hinzu, erhält man die 6/8-Clave.

Latin Grooves der Jazz-Meister

Schauen wir uns zu guter Letzt ein paar Beispiele aus dem Jazz der 50er und 60er Jahre an. Latin-Grooves, wie wir sie von bekannten Aufnahmen her kennen und welche oft im Jazz-Repertoire Anwendung finden, orientieren sich noch recht nah an der Quelle und sind nicht zu kompliziert, daher eignen sie sich sehr gut zum Studium und zum Einstieg. Außerdem passen sie wunderbar in den “Mainstream Jazz” und sind somit sicherlich beim nächsten Gig oder auf der nächsten Session sehr nützlich…

Schaut bitte für die Notationen auf die Übungsblätter “Latin Grooves der Jazz-Meister” & “Latin Grooves der Jazz-Meister 6/8” 

Und hier sind noch ein paar Beispiele für klassische 6/8-Grooves der Jazzgeschichte.

In diesem Sinne - bis zum nächsten Mal!

“We play Jazz with the Latin touch, that's all, you know.”

Tito Puente

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Hörempfehlungen

  • Tito Puente
  • Eddie Palmieri 
  • Willie Bobo
  • Mongo Santamaria
  • Dizzy Gillespie with Chano Pozo
  • Willie Colon (Platte: The Hustler)
  • Cal Tjader (Platte: The Great Latin Jazz Concert)
  • Ray Barretto
  • Kenny Dorham - Afro-Cuban
  • Ruben Gonzales (kein Latin-Jazz, dafür sehr traditionell kubanisch!)
  • ...

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