Drummer_Interview_national
Feature
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26.12.2018

Interview und Gear-Chat: Flo König

Ein Gespräch mit dem Drummer von Cro und Lena

Flo König bereichert mit seinem lässigen Drumming schon seit einigen Jahren die Livebands von Cro und Lena. Mit seinem abgefahrenen Hybrid-Setup verbindet er akustische Grooves und synthetische Beats zu einem geschmackvollen Style. Als treibende Kraft der großen Liveshows ist er aus der Band des Stuttgarter Rappers Cro nicht mehr wegzudenken. Sein Gespür für Sounds und die Liebe zum Detail lebt er in seinem Studio in München aus, das für ihn der kreative Spielplatz seiner Band „ooi“ ist. Dort kreiert er innovative Sounds und produziert und mischt die Songs gemeinsam mit seinem Bandkollektiv. Wir trafen Flo beim Tourstop von Cro in der Max-Schmeling-Halle in Berlin und sprachen mit ihm über seinen Werdegang, den Kreativprozess in der Zusammenarbeit mit Cro und wie er die Beats an seinem Setup umsetzt.

Wie kamst du zum Schlagzeug?

Ich habe im Alter von zehn Jahren angefangen zu trommeln. Zu Beginn war das mehr ein Hobby für mich. Erst als mich mein Vater einfach bei einem Bandworkshop angemeldet hat, sprang der Funke so richtig über. Da war ich 14 und eigentlich total überfordert, durfte aber dort auch mit älteren Musikern spielen, was mich natürlich sehr motiviert hat. Später hat mich dann der Besitzer des örtlichen Jazzclubs mit meiner Band bei „Jugend jazzt“ angemeldet, wo wir dann später den Bundespreis gewannen. Das habe ich auch zum Anlass genommen, mich für die Musikhochschule zu bewerben, was in Stuttgart dann auch auf Anhieb klappte. Das war damals der Versuchsstudiengang Popularmusik, den es heute in der Form nicht mehr gibt. Ich fand das damals unglaublich spannend, weil ich so viele unterschiedliche Dinge ausprobieren konnte. Schlagzeugunterricht hatte ich dort bei Eckhardt Stromer und Manfred Kniel. Manfred kommt eher aus dem Jazz, wurde aber im Verlauf des Studium irgendwann zu einer Mentorfigur für mich. Immer wenn ich aus dem Unterricht kam, hatte ich so Bock auf Musikmachen und war einfach inspiriert. Er hat mit mir viel Polyrhythmik und afrikanische Musik behandelt, und auch wenn ich das nicht immer alles bis ins Detail geübt habe, war ich fasziniert davon, wie sein Drumming einen tranceartigen Zustand in mir auslöste. Das ist auch das, was ich an elektronischer Musik oder straighten Hip-Hop Beats so mag. Es muss nicht immer viel Virtuosität sein, sondern es geht mir um dieses Tranceartige, was man ja im Hip-Hop auch durch ständiges Kopfnicken hat.

Ist dir das besonders wichtig beim Musikmachen?

Grundsätzlich schon. Im Studio befasse ich mich besonders mit der Sound-Ebene und versuche, aus kleinen Elementen etwas zu bauen. Bei Cro und Lena bin ich aber nochmal in einer anderen Rolle und verstehe mich eher als Motor. Da ist neben der Musik auch die soziale Komponente sehr wichtig. Wie schaffe ich es beispielsweise, über einen langen Tourzeitraum eine gleichbleibend gute Energie am Start zu haben? Irgendwann ist das einfach relevanter, als ob man in dem einen Song die Hi-Hat lauter oder leiser spielt. In der richtigen Konstellation entwickelt sich das Musikalische ja irgendwann von selbst. Das finde ich auch so toll an der Zusammenarbeit mit Cro. Er lässt uns alle erstmal machen. Er ist zwar ein Perfektionist in seiner musikalischen Vision, aber immer offen für Input. Tim, der Gitarrist und Keyboarder, und ich bereiten die Sounds und Songs erstmal vor, aber es passiert dann auf dem Weg noch unglaublich viel. Es kann also vorkommen, dass nach dem Soundcheck noch fünf Sachen verworfen oder geändert werden, was alle erstmal ins Schwitzen bringt. Dadurch bleibt aber ein kreatives Chaos, beziehungsweise eine Spielwiese erhalten, die gerade so eine große Produktion mit Timecode frisch hält.

Macht dich das nicht nervös?

Mittlerweile nicht mehr, aber in der Vergangenheit hat mich das manchmal wirklich fertig gemacht. Dadurch dass der Timecode und die Tracks ja bei mir zusammenlaufen, habe ich viel Verantwortung. Früher war das echt Stress. Wenn jetzt aber mal was nicht funktioniert, mache ich mich nicht mehr so verrückt. Wir sind Menschen. Das passiert und wird einem im Nachhinein nicht krumm genommen. Da gibt es sicher auch andere Bandleader, die zum Tyrann werden. Im Gegenteil, ich finde Carlos Ignoranz gegenüber der Technik sogar gut. Wenn kurz vor der Show nochmal was geändert wird, bedeutet das für uns alle natürlich kurz Stress, vor allem für die Crew, die Licht und Visualisierungen betreut. Die fahren da ja keine Powerpoint-Präsentation ab, sondern sitzen an einem Viertelmillionen-Euro-Medienserver, wo die kleinste Änderung stundenlanges Umprogrammieren zur Folge hat. Trotzdem sollte das einem in der künstlerischen Vision ja nicht im Wege stehen. Manchmal ist zu viel Technik eben auch nicht gut. Ich merke das manchmal, wenn ich nicht in meinem optimierten und voll auf meine eigenen Bedürfnisse angepassten Studio bin, sondern mal eben woanders an irgendeinem alten, kaputten Drumset mit billigen Mikrofonen etwas einspiele und auf einmal auf ganze andere Ideen komme. Ich liebe Technik, wenn man sie kreativ nutzt, aber ich versuche mittlerweile den technischen Anteil im Kreativprozess so klein wie möglich zu halten.

Erzähl uns mal mehr über deine Band „ooi“!

„ooi“ ist eine Band, hinter der ein Kollektivgedanke steckt. Viele Freunde steuern dazu bei, aber im Kern sind es drei Mitglieder, nämlich Nicolai Zettl, Dodo dal Bosco und ich. Die Band gibt es seit Ende 2015, und der Sound hat sich nach und nach entwickelt. Wir haben uns über das Internet kennengelernt. Da wir an verschiedenen Orten (teilweise sogar auf verschiedenen Kontinenten) wohnen, arbeiten wir übers Internet an unseren Songs. Veröffentlicht wird zu jedem Vollmond. Am Anfang war alles noch viel elektronischer und das Setup technisch sehr aufwendig, während der Sound im letzten Jahr Stück für Stück organischer wurde. Das hat auch mit der Art und Weise zu tun, wie ich spiele. Früher wollte ich immer wie eine Drum Machine klingen, sehne mich aber jetzt wieder mehr nach dem organischen Sound und versuche, da eine Schnittmenge zu finden. Ich versuche, den Charme aus beiden Welten zu verknüpfen. Da eine geschmackvolle Mitte zu finden, empfinde ich als schmalen Grat und große Herausforderung. Einige Sachen funktionieren auch nur im Studio gut. Da kann man den elektronischen Aspekt mit dem Charme von Vintage Drums kombinieren und beispielsweise Trap Snares mit einem alten Drumset und extremer Kompression zu einem modernen Sound verbinden. Das lässt sich aber natürlich live schwer reproduzieren.

Wie löst du das im Live-Kontext?

Das ist dann natürlich spannend. Vor dieser Aufgabe stehe ich ja auch immer bei Cro, der sehr auf Vintage Drumsound steht, aber in seinen Produktionen auch viele moderne, teilweise hart geschnittene MPC-Sounds verwendet. Für die Konzerte ist echt jeder Song eine neue Herausforderung und braucht immer auch etwas Zeit, um sich zu entwickeln. Ich spiele bei den Tracks der neuen Platte viele Songs auch ausschließlich mit Trigger-Signalen, während es bei manchen älteren Tracks eine Mischung ist. Oft spiele ich dann die akustische Hi-Hat und Bass Drum, aber dazu eine getriggerte Snare. Das fühlt sich am Anfang komisch an, weil man sich nicht so in den Groove reinlegen kann, aber für den Song macht es viel aus.

Ist die akustische Snare dann mit einem Trigger versehen oder spielst du die Sounds auf einem Pad an?

Auf einem Pad. Selbst eine total gedämpfte akustische Snare nimmt in manchen Songs über die Overheads noch zu viel Platz im Mix ein. Wenn es um einen richtig kurzen Sound geht, bringt es nichts, wenn das Snare-Mikrofon zwar aus ist und nur das Triggersignal durchkommt, man aber den akustischen Snaresound noch über die Overheads hört. Auch für den Monitormann wäre das bei einer so großen Produktion zu viel Stress, wenn zwischen den Songs einzelne Mikrofone an- und ausgehen müssten. Deshalb verwende ich dafür lieber zwei Pads, die ich links neben meiner Hi-Hat aufgebaut habe und damit Snares oder auch mal Kicks spiele, die mit der Hand leichter und exakter zu spielen sind. Ich habe bis jetzt auch einfach noch keinen Kick Trigger gefunden, mit dem man wirklich exakte Kontrolle über die Velocity und damit die Intensität des Signals hat.

War es für dich keine Option, einfach die akustische Bassdrum mit einem Kick Trigger zu versehen und die Sounds damit zu mischen? Für das Spielgefühl wäre das doch sicherlich die beste Variante.

Ich habe da echt viel ausprobiert. Bei Cro habe ich drei Mikrofone an der Bass Drum. Ein dynamisches und eine Grenzfläche in der Bass Drum und ein Subkick davor. Die drei Mikrofone alleine aufeinander abzustimmen, ist schon mal sehr schwierig. Wenn man jetzt noch Kicksounds hat, die in jedem Song variieren, wird das einfach der Horror für den Tonmann. Deshalb spiele ich entweder die Akustik-Bassdrum oder eine E-Kick.

Neben den Konzerten bist du ja auch viel in deinem Studio in München aktiv. Tüftelst du da vor allem an Beats und der Produktion der Songs deiner Band?

Ich habe mir bislang den Luxus herausgenommen, dass das Studio mein kreativer Raum ist. Bislang habe ich es also nicht im großen Stil als Vermietstudio oder Studioplattform für andere angeboten. Neben dem Studio ist noch ein Raum, in dem ich einen Tag in der Woche unterrichte. Das macht mir großen Spaß und ist ein guter Ausgleich. Momentan möchte ich meine gesamte freie Zeit und Energie, neben den Konzerten mit Cro und Lena, meiner Band „ooi“ widmen. Mein Herzenswunsch ist es, dass sich das alles weiter so gut entwickelt und irgendwann kein reines Investment von uns gefordert ist, sondern wir in den nächsten zwei Jahren richtig an den Start kommen. Bis Mitte 2020 habe ich eine Förderung der Stadt München bekommen, wodurch die Miete für das Studio reduziert ist. Bis dahin möchte ich das als kreative Zelle behalten und einfach mein Ding machen. Ich habe wahnsinnig viele Drum Machines, unterschiedliche Kompressoren und experimentiere dort sehr viel mit dem Sound. Beispielsweise arbeite ich gerade mit ganz sparsamer Mikrofonierung und versuche, mithilfe einer PA die E-Drumsounds ins Drumset zu integrieren, wodurch sie Teil des Sounds im Raum sind und nicht später dazugemischt werden. Das jeweilige Sample wird also auch in den Raummikrofonen eingefangen und bei extremer Kompression entsprechend gefärbt.

Mischst du die Sachen auch selbst?

Ja, ich habe einige analoge Kompressoren von API, Universal Audio oder beispielsweise den Kush Tweaker, sowie viele analoge EQs, mit denen ich die Sachen bearbeite. Bei der Aufnahme färbe ich den Sound auch schon mit meinem Outboard, arbeite dann mit Plugins im Rechner weiter und gehe am Schluss wieder mit den Gruppen über das analoge Outboard. Ich mag die Kreativarbeit an analogen Geräten einfach lieber und lege mich dann wirklich mit dem Sound fest.

Hast du einen Plan oder eine Vision für deine Zukunft?

Ich habe auf so viele unterschiedliche Dinge Lust. Ich könnte mir vorstellen, dass ich mehr Musik produziere, obwohl mich dieses Diskutieren um Musik und die Anteile an Komposition oder Produzentenpunkten ziemlich nervt. Live machen die großen Hallen wie mit Cro natürlich großen Spaß, aber ich würde in Zukunft gerne viel mehr mit „ooi“ auf Tour gehen. Ich finde gerade die Intimität kleiner Clubkonzerte so reizvoll und möchte einfach mit meinem Herzensprojekt voran kommen. Vielleicht verkleinere ich deshalb dann auch irgendwann mein Studio und spare dort ein. Ich glaube, ich kann mich mit vielen Sachen arrangieren und würde auch lieber etwas anderes machen als Musik, die mir nicht am Herzen liegt. Jetzt gerade halte ich mir die Dinge aber noch offen. Vielleicht unterrichte ich auch später mehr, und wer weiß schon, was mit der Musik von Cro oder Lena in den nächsten Jahren passiert?

Vielen Dank für's Gespräch!

  • Flos Equipment:
  • Drums: Tama Starclassic Performer in Diamond Dust
  • 20” x 16“
  • 16” x 16“ Floortom
  • Snare:
  • 14”x5” SLP Classic Dry Aluminium
  • Becken: Meinl
  • 15” Byzance Traditional Medium Hi-Hat
  • 18” Byzance Jazz Thin Crash
  • 22” Byzance Vintage Sand Ride
  • Percussion:
  • Meinl Bongos
  • Meinl Chimes
  • Meinl Jingle Ring
  • Meinl Compact Tambourine
  • Meinl Cymbal Bacon
  • Electronics:
  • Roland SPD-SX Sampling Pad
  • Trigger: Roland KT10, 2x Roland PD80, Roland RT30
  • Keith McMillen BopPad mit Midiexpander
  • Ableton Live
  • Radial SW8 (2x)
  • Native Instruments Audio 10 (2x)
  • Felle: Remo
  • Bassdrum: Remo Powerstroke P3 Coated, Floortom: Remo Emperor Coated oder Ambassador Coated, Snare: Remo Ambassador Coated oder CS Coated
  • Sticks: Meinl SD2 Concert
  • Hardware: Tama
  • Porter & Davies BC2 Buttkicker

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