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Test
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02.03.2009

Praxis

DAS RACK UND DIE MODULE IM TEST

Öffnet man T-Racks, erscheint das Masterrack. Beginnen wir oben links:
Steht der Preset-Selektor auf Global, lassen sich ganze Masteringketten von mehreren Modulen einladen. Dies geschieht in Sekundenbruchteilen, man kann die Presets richtig durchsteppen. Ob dies beim Mastering immer sinnvoll ist, sei dahingestellt - erfreulich ist es trotzdem, denn lange Ladezeiten können den Arbeitsfluss empfindlich stören. Natürlich lassen sich auch Presets für die einzelnen Module aufrufen und abspeichern. Die einzelnen Plug-Ins - hier Module genannt - werden ebenfalls in der oberen Leiste über die Slots verwaltet. Hier können sie komfortabel aufgerufen und „gebypassed“ werden. Ein großer Vorteil beim Mastering, denn so kann man mal eben entscheiden, ob es Röhren-EQ oder Linear Phasen-EQ sein soll. Stetiges Überprüfen und Gegenhören geht in diesem Rackverbund doch merklich schneller als gewohnt.
Mittig tauchen die einzelnen Module auf und werden dort eingestellt. Ihre Größe und die der Rackteile lassen sich nicht skalieren oder verändern. Darunter befindet sich die besagte Metering-Sektion, dazu später noch mehr.

Die Plug-Ins lassen sich leider nur innerhalb des Masterracks benutzen. Ich hätte mir gewünscht, das eine oder andere Modul auch mal direkt in meiner DAW anwählen zu können, aber das geht definitiv nicht. Schade. Dies ist für diejenigen, die ohnehin massig CPU-Power vorweisen können, vernachlässigbar. Die Besitzer von etwas älteren Rechnern haben ein wenig das Nachsehen.

Kommen wir zu den einzelnen Modulen:

 

VINATGE COMPRESSOR MODEL 670

Der Fairchild 670 genießt im Dynamikprozessorenbereich Legendenstatus. Zum Original wurde allerorts schon viel berichtet, deswegen erspar ich mir das. Dieser Nachbau ist mit virtuellen Kratzern und etwas Flugrost auf Vintage getrimmt. Man stelle sich vor, jemand würde tatsächlich ein Gerät im Gegenwert eines oberen Mittelklasseautos so verrotten lassen ...

 

In der virtuellen Welt ist Zerfall von Technik dankenswerterweise kein Thema.
Wie das Original, so entspricht auch der Vintage Compressor vom Aufbau her nicht dem üblichen Threshold/Ratio-Prozedere. Dies fordert etwas Einarbeitungszeit. Hat man die aber hinter sich gebracht, wird man mit genau dem belohnt, was man von einem Fairchild erwartet: Smoothe, fette und sehr angenehm klingende Resultate. Die Gain Reduction-, Input- und Output-Anzeige (umschaltbar) erfolgt hier per virtueller VU-Meter. Da ich allerdings kein Freund von VU-Metering bin, kann ich mich dafür auch nicht unbedingt begeistern. Das Model 670 kann in Stereo und im Lat/Vert-Modus (dem Fairchild-eigenen Mid/Side-Betrieb nachempfunden) betrieben werden. Hier lohnt es sich zu experimentieren. Wie alle anderen Module lässt sich auch dieses per Kippschalter auf Bypass stellen. Dabei ist Treffsicherheit gefragt, denn der Schalter reagiert nur, wenn man ihn genau in der Mitte trifft. Ich habe den Vintage Compressor mit der Hardware-Emulation des Fairchild 670 im Empirical Labs Distressor verglichen. Die verwendete Einstellung am Distressor ist quasi meine Ideal-Standard-Summenkompression beim Endmix. Sie schweißt die Einzelelemente zart schmelzend angedickt zusammen, so, als wären sie schon immer füreinander bestimmt gewesen ...

Dass die Unterschiede hier so knapp ausfallen, hat mich überrascht. Beim Filmsoundtrack produziert der Distressor meiner Meinung nach das leicht kremigere Resultat, ist aber auch ein bisschen ”mulschiger”. Beim Drumloop hört man kaum noch Unterschiede. Kürt euch euren Sieger selbst. Im Preisleistungsvergleich geht der Sieg eindeutig an T-Racks!

Das 07_Drumloop_Parallel.wav ist eine Mischung aus dem Original-Drumloop und dem T-Racks 670er-Kompressionsfile.So erhält man einen schön angedickten Sound und mehr Lautheit, ohne den Raumklang bei starker Kompression übermäßig zu betonen.

Anzumerken ist, dass ich im Verlauf dieses Tests bewusst auch mal mit älteren, soundtechnisch suboptimalen Soundfiles – wie in diesem Fall dem Filmsoundtrack - gearbeitet habe. Denn bei drastischen Eingriffen in das Ursprungsmaterial lässt sich die Qualität der verwendeten Prozessoren besser beurteilen.

VINTAGE EQP-1A

Auch der Pate für dieses EQ-Modul hat sich seinen Platz in der Hall Of Fame der EQ-Klassiker bereits gesichert: Der Pultec EQP-1A! Er wird stets für seine “Musikalität” auch bei deftigem Einsatz gelobt. Auch hier spare ich mir weitere Mythenbildung. Wie beim Original ist auch bei der Nachbildung die Bedienung ungewohnt: Es stehen lediglich zwei regelbare Frequenzbereiche zur Verfügung. Diese lassen sich gleichzeitig(!!!) anheben (BOOST) und absenken (ATTEN). Klingt sehr unlogisch, produziert aber interessante Resultate. Tiefen- und Höhenbereich können in jeweils fünf fest vorgegebenen Frequenzen per Schalter angewählt werden. Präzise Klangkorrekturen sind damit nicht unbedingt Sache des EQP-1A. Geboten wird hier eher Klangfärberei mit deutlichem Charakter und keine puristische Klangneutralität. Auch die Pulteq-Emulation kann in Stereo und in M/S betrieben werden. Der Art Director hat hier für den speziellen Vintage-Look ebenfalls mit etwas virtuellem Flugrost nachgeholfen. Wer´s mag ...

Audiobeispiele zum EQP-1A gibt’s weiter unten im T-Racks EQ-Vergleich.

OPTO-KOMPRESSOR

Opto-Kompressoren werden für ihre völlig verfärbungsfreie Dynamikreduktion geschätzt. Hier führt auch deftiger Einsatz nicht zu Verzerrungen und Verlust an Höhen- oder Bassanteilen. Schön ist, dass man beim hier vorliegenden Opto Comp wenig falsch machen kann und sich stets über sehr musikalisch klingende Resultate freuen darf. Angetrieben wird der Opto Comp ebenfalls nicht per Threshold, sondern per Input-Regler. Die Ratio, Attack und Release sind stufenlos einstellbar, und Stereo- oder M/S-Betrieb sind hier ebenfalls möglich. M/S-Betrieb ist durchaus eine sinnvolle Option beim Mastering, man kann damit per Kompression oder Filterung noch nachträglich Einfluss auf Mischverhältnisse nehmen, ohne dass man die Einzelspuren zur Verfügung hat. So lassen sich die üblicherweise in der Mitte liegenden Signale wie zum Beispiel Leadgesang oder Kickdrum durch Kompression anheben oder absenken. Hier die Audiobeispiele zum Opto Compressor:

Auch hier habe ich beim Drumloop eine Parallelversion gezogen.
Zum Wie und Wozu siehe die Erläuterung der Audiobeispiele vom Model 670.

MULTIBAND LIMITER

Erwartungsfroh habe ich mich auf dieses Modul gestürzt, denn ich bin schon lange auf der Suche nach einem Multiband-Limiter in Plug-In Form nach meinem Geschmack. Zwar habe ich bisher durchaus hörenswerte Resultate mit den Waves C4 und L3 Multimaximizer erzielt, an deren etwas kryptische Bedienung mochte ich mich aber nicht so recht gewöhnen. Auf den ersten Blick scheint IK Multimedia eine deutlich einfachere, selbsterklärende Bedienoberfläche zu bieten. Von meiner nicht gerade schwelgerischen Zuneigung zu Drehregler-Bedienung und VU-Metering mal abgesehen, finde ich mich hier recht schnell zurecht. Der große Wurf in Sachen Multiband-Kompression ist es zwar auch nicht geworden, etwas einladender als die israelischen Pendants ist die T-Racks Variante allerdings schon. Falls hier ein ambitionierter Hersteller mitlesen sollte: Vorschweben würde mir eine Bedienoberfläche im Stile des nicht mehr erhältlichen Aphex Dominators, eines meiner gern verwendeten Mastering Tools in den 90ern ... Aber zurück zum T-Racks Multiband Limiter. Ein Vergleich mit dem Waves L3 war natürlich naheliegend. Hier bitte:

Auch hier liegen die Resultate fast gleichauf. Wobei die T-Racks Bearbeitung für mich ein kleines bisschen „runder“ klingt.

SOFT CLIPPER

Die Soft Clipping-Funktion habe ich bei den Apogee-Wandlern kennen- und schätzen gelernt. Das Plus an Overload-Schutz hat diesen Wandlern der absoluten Referenzklasse sicherlich mit zu ihrem durchschlagenden Markterfolg verholfen. Macht ein Soft Clipper als Plug-In Sinn? Durchaus, denn er gefällt nicht nur als leicht in die Übersättigung fahrender Wärmespender, er kann – ganz im Gegensatz zu seinem Namen -– auch richtig hart zur Sache schreiten. Der Clipper macht zu Beginn einer Masteringkette vielleicht als kleiner Vorglüher Sinn, aber auch am Ende der Kette macht er als Lautmacher und Overloadschutz eine gute Figur. Die Bedienung ist selbsterklärend; eine willkommene Alternative zu den üblichen Lautmachern und für mich eine der wirklichen Entdeckungen bei diesem Test. So klingt der Clipper:

LINEAR PHASE EQ

Herkömmliche Equalizer veranstalten Phasenschweinereien, sie können gar nicht anders. Vielfach ist dieser vermeintlich unerwünschte Vorgang sogar prägend für den Klangcharakter eines Filters. So manch ein hochgeschätzter Analogklassiker würde wohl jedem Messtechniker den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Bei einigen EQ-Anwendungen sind jedoch Klangverfärbung und Phasenprobleme absolut unerwünscht. Hier kommt der Linear Phase EQ ins Spiel. Er bildet den absoluten Gegenpol zur Pulteq-Emulation, und IKM verspricht hier absolute Klangtreue und Präzision. Zur Verfügung stehen sechs komplett identische Frequenzbänder mit frei wählbarem Filtertyp (Shelf, Parametrisch, Hi-Cut, Lo-Cut) und wählbarem Q (=Filterbreite). Der Knopf neben dem Filtertyp schaltet das jeweilige Band ein (=grün). Die optische Band-Anzeige sowie die darunterliegenden Drehregler können beide zur Feinjustierung per Maus bemüht werden. Wobei die Zahlenkugelschieberei im Frequenzband eine präzise Feinarbeit nicht gerade leicht macht. Der Linear Phase EQ ist tatsächlich ein im positiven Sinne unauffällig zu Werke gehender Proband. Da ich bereits über mehrere dieser linearen Spezies verfüge, hält sich mein Enthusiasmus allerdings in Grenzen. Ein ganzes Arsenal derartiger Filter braucht kein Mensch, aber wer häufig schwierige oder besonders präzise Klangreparaturen vornehmen muss und noch nicht über ein solches Tool verfügt, der kann sich über den Linear Phase EQ bestimmt mehr freuen. Häufigster Anfängerfehler beim EQing ist ein übermäßiges „Reindrehen“ von Frequenzen. Stattdessen kann eine Absenkung störender Frequenzen viel eher zum gewünschten Ergebnis führen. Genau dafür ist der Linear Phase EQ der geeignete Kandidat aus dem T-Racks Verbund!

(Audiobeispiele zum Linear Phase EQ gibt es im EQ-Vergleich.)



CLASSIC COMPRESSOR

Dieser Kompressor gehörte schon zur Urversion von T-Racks. Die Bedienelemente sind fast identisch mit denen des Opto-Compressors, er muss sich aber im Gegensatz zu ihm mit nur einer VU-Anzeige begnügen. Ansonsten wird auch der Classic Compressor, wie die anderen T-Racks-Dynamikbearbeiter, nicht über eine Threshold-Schwelle angefahren, sondern per Input Drive. So ungewöhnlich ist dies übrigens nicht: beim Urei 1176 oder auch dem Röhren-Limiter TLA-100 von Summit verfährt man genauso.
Als besonderes Leckerli hat er eine Stereoverbreiterungs-Option (STEREO ENHANCEMENT). Beim End-Mastering würde ich von dessen Einsatz eher abraten, kann man damit doch recht schnell über das Ziel hinausschießen. Insbesondere das Fundament eines Mixes (Kick, Bass, Drums) verträgt selten eine willkürliche Verbreiterung. Auf Einzeltracks oder Subgruppen kann eine maßvolle Stereoverbreiterung (bei Pads, Backing-Chor und ähnlichem) dagegen sehr gut funktionieren. So kann man mit dem Classic Comp in einem Abwasch beispielsweise Chorstimmen zusammenschweißen, dynamisch zügeln und gleichzeitig schön in die Breite ziehen. Das verschafft ihnen Raum in der Tiefenstaffelung im End-Mix und die Hauptstimme gewinnt ohne Lautstärkeveränderung an Durchsetzungskraft. Dankenswerterweise hat man durch den im Metering-Rack vorhandenen Korrelationsgradmesser stets im Blick, wann es zuviel des Breiten wird. Um die Stereoverbreiterung zu demonstrieren, habe ich ein paar Rhodes-Akkorde durch den Classic-Compressor geschickt:



CLASSIC EQUALIZER

Auch der Classic-EQ gehört schon seit der Erstauflage zur T-Racks Mannschaft.
Die Bedienung gestaltet sich ähnlich wie beim Linear Phase EQ. Bei den sechs zur Verfügung stehenden Bändern ist die Filtercharakteristik allerdings fest vorgegeben. Man hat die Wahl zwischen Low Cut, Low Shelf, Lo Mid, Hi Mid, Hi Shelf und Hi Cut. Auch hier kann man entweder per Drehregler oder über die lustigen Nummernkugeln ins Klanggeschehen eingreifen. Stereo oder M/S-Betrieb ist möglich. Der Classic EQ stellt sich für mich als das etwas überflüssig gewordene, ungeliebte Kind im Deluxe-Verbund heraus, denn im Gegensatz zum Classic Compressor fehlt ihm das gewisse Etwas, um sich gegen seine EQ-Kollegen abzusetzen.

Hier kommt nun der angekündigte T-Racks EQ-Vergleich.
Den Anfang macht eine etwas missglückte Akustik-Gitarrenaufnahme:



Der leicht dröhnige Sound wird bei allen etwas entschärft, der Pulteq schafft das - meiner Meinung nach - angenehmer klingende Ergebnis. Aber: Aus einer suboptimalen Aufnahme macht auch T-Racks keinen perfekten Wohlklang. Tja, auf den „aus Scheiße mach Gold“-Knopf werden wir wohl zeitlebens vergeblich warten müssen ...

Als nächster Testkandidat geht ein etwas angestaubtes Orchestersample ins Rennen:

Hier hat erwartungsgemäß der Linear Phase EQ die Nase vorn. Orchesteraufnahmen reagieren in der Regel Phasen-sensibel und „mögen“ Schönfärberei nicht so gerne. Hier kann der Linear Phase mit seiner Klangneutralität punkten.

BRICKWALL LIMITER

Wie der Name so schön sagt: Hier fängt die sprichwörtliche Betonmauer ab, was nicht ins digitale Overload darf. Es wird aber nicht nur abgefangen: Mit dem BW-Limiter haben wir auch einen exzellenten Lautmacher mit selbsterklärender Bedienung. Idealerweise ist der BW-L die letzte Instanz einer Masteringkette. Per Input bestimmt man hier, wie heiß der Limiter angefahren wird. Dies lässt sich schön nachvollziehbar in dB-Schritten erledigen.

 

Die Gain-Reduction-Anzeige empfinde ich als schlecht ablesbar, ein Peak Hold wäre hier wünschenswert. Unter STYLE lassen sich verschiedene Algorithmen zur Anpassung des Limiterverhaltens einstellen. Wieso die Input-Anzeige bei einigen Algorithmen ihre Arbeit einfach einstellt, habe ich nicht rausgefunden. Ein Bug?  OUTPUT CEILING ermöglicht es, die Ausgangslautstärke festzulegen. Dabei rate ich dringend, statt mit 0 dB mit 0,1 oder 0,2 zu arbeiten, denn so bewahrt man sich digitalen Headroom für eventuelle Formatwandlungen.

 

Brickwall Limiter sind aus der modernen Pop- und Rockproduktion nicht mehr wegzudenken, man kann und will sich dem stets herrschenden Lautheitswettbewerb nicht entziehen. Leider führt dies zu oft leblosen, überprall klingenden Presswurst-Tracks. Stets ist man dabei geneigt, zuviel des Guten zu tun. In der Regel funktionieren hier maximal drei bis sechs dB Gain Reduction, je nachdem, wie stark das Ursprungsmaterial bereits komprimiert ist. Mit dem Perceived Loudness-Meter (=wahrgenommene Lautheit) hat man im Blick, wie es um die eigene Lautheit steht. Brickwall-Limiter haben für mich aber auch eine segensreiche Safety-Komponente in das tägliche Schaffen gebracht: Einmal in den Stereo-Masterbus eingefügt, kann man digitale Overloads getrost vergessen. Fährt man einigermaßen vernünftige Pegel, geschieht dies in der Regel verfärbungsfrei. Ich muss zugeben, hier war ich also besonders gespannt, kosten doch die meisten ernstzunehmenden Kandidaten in der Lautmacherliga bereits als Einstandspreis das, was man bei IK Multimedia für das ganze Bundle veranschlagt. Bei den Audiobeispielen habe ich die Lautmacher-Referenz schlechthin, den Waves L2, als Vergleich hinzugezogen.

Hier mag ich keinen Sieger küren, ich finde, die Resultate liegen zu nah beieinander; beim Filmsoundtrack höre ich allenfalls leichte Vorteile bei T-Racks.

METERBRIDGE

Stets sollte man im heutigen Recording-Alltag darauf achten, bei der Vielfalt an optischen Anzeigen nicht zu sehr mit den Augen zu hören, und stattdessen wieder mehr den eigentlich dafür vorgesehenen Sinnesorganen zu vertrauen. Aber wie es so schön heißt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Als letzte Instanz vor der Vervielfältigung – gleichgültig, ob als herkömmlicher Tonträger oder als Mp3-Downloadfile - ist beim Mastering trotzdem eine gewisse Vorsicht geboten. Im T-Rack hat man stets alle wichtigen Anzeigen im Blick – in punkto Vollständigkeit lassen die optischen Kontrolleure keine Wünsche offen. Mir persönlich ist der Spektrum-Analyser ein bisschen zu klein geraten, um ernsthaft als große Arbeitshilfe zu taugen. Leider lässt er sich, wie auch seine Kollegen, nicht skalieren. Das schreibe ich schon mal auf den Wunschzettel für das nächste Update. Korrelationsgradmesser und Lautheitsmesser sind zwar auch eher kleinwüchsig, aber trotzdem sehr willkommene Neuankömmlinge auf meinem Studiorechner. Sie werden künftig sicherlich öfter mal zu Rate gezogen werden. Sehr schön ist die Option, die Perceived Loudness-Anzeige (=wahrgenommene Lautheit) mit verschiedenen Musikstil-Algorithmen aus einem Pulldown Menü seinem Track anzupassen.

Die Anzeigen scheinen verlässlich zu funktionieren und machen einen deutlich besseren Eindruck, als die in Logic implementierten. Profi-Studiostandards wie die Meter von RTW können sie allerdings nicht ersetzen.

MASTERING MIT T-RACKS

So eng einem anfangs das Masterrack-Korsett des T-Racks erscheint, hat man sich einmal eingearbeitet, macht die Arbeit im Rackverbund großen Spaß. A/B-Vergleiche sind blitzschnell veranstaltet. So kombiniert man gern auch mal weniger Offensichtliches und wird ein ums andere Mal für die Experimentierfreude belohnt. Hätte ich bei IKM einen Wunsch frei, würde ich das Rack gern auch für Drittanbieter-Plug-ins nutzen können. Natürlich lassen sich die meisten T-Racks-Prozessoren nicht nur für Mastering einsetzen. Die Tauglichkeitsprüfung in der Masteringkette steht noch aus: Ich habe zum Vergleich jeweils Model EQ1A, T670, Linear Phase EQ und Brickwall Limiter aus dem T-Racks gegen den Waves Renaissance 4 EQ, Renaissance Vox (mag ich lieber als den Renaissance Comp) Lin Phase EQ und L2 antreten lassen.

Um eine gewisse Vergleichbarkeit der Resultate zu gewährleisten, habe ich möglichst identische Einstellungen vorgenommen, entsprechend verwandt sind die Hörergebnisse. Durch die Bank höre ich hier leichte Vorteile bei T-Racks.

PRESETS

Ich habe oft Presets als Ausgangsmaterial für meine Schrauberei benutzt. Dazu taugen die Vorgaben von IK Multimedia allemal. Mastering per Preset ist allerdings schlichtweg unmöglich, jeder neue Musiktrack stellt einen vor eine neue Herausforderung. Es lohnt sich aber durchaus, Lieblingsgeräteketten und modulspezifische Lieblingseinstellungen als Eigen-Presets abzulegen.

PROFESSIONELLES MASTERING - ODER DO-IT-YOURSELF?
Über keine andere Tätigkeit in der Musikentstehungskette herrschen derartig kontroverse Ansichten. Ich kenne nicht wenige erfolgreiche Produzenten, die ein zusätzliches Mastering ihrer Produktionen ablehnen oder gar untersagen. Andere wiederum schwören auf einen bestimmten Mastering-Engineer, ohne dessen Nachbearbeitung sie ihre Produktionen niemals auf das gemeine Volk loslassen würden. Mit Abstrichen gehöre ich wohl eher der letzteren Fraktion an.

Obwohl ich selbst bereits professionell gemastert habe, bemühe ich bei offiziellen Veröffentlichungen immer gerne einen Mastering-Kollegen. Denn nach tage- oder gar wochenlanger, intensiver Arbeit an einem Musiktrack verliert man als involvierter Produzent (Komponist/Band, Musiker ...) oft den nötigen Abstand. Da können ein paar frische Ohren beim letzten Feinschliff durchaus noch mal was bewegen. Allerdings, und dies sollte man immer vor Augen haben, sollte das Budget einen solchen Schritt auch erlauben. Oft genug ist genau das nicht der Fall. Grade weil aber mittlerweile ein “amtlicher” Sound bereits auf Demoebene erwartet wird, macht es durchaus Sinn, sich als ambitionierter Homerecorder ein bisschen in die Materie einzuarbeiten. T-Racks sei Dank gibt es die erforderlichen Werkzeuge dazu für vergleichsweise wenig Geld ...

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