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Test
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02.07.2015

Ibanez Premium SR1405-DRF Bass Test

Fünfsaitiger E-Bass

Nach 25 Jahren durch den Jungbrunnen!

Als neues Testinstrument beehrte uns der deutsche Vertrieb Meinl mit einem Ibanez SR-Modell als Fünfsaiter in Rot, der auf die Typenbezeichnung Premium SR1405-DRF hört. Lustig, denn bereits vor mehr als 25 Jahren schrieb ich einen Testbericht über den damals relativ neu erschienenen Ibanez SD GR-Bass - kurz "SR". Es war der Start einer bis heute andauernden Episode der Ibanez "Sound Gear"-Serie.

Während die Modelle im Zuge technischer Innovationen diverse Weiterentwicklungen erfahren haben, findet man bis heute nach wie vor auch Andenken an die Anfangszeit der SR-Bässe. Da wären etwa die unveränderte Korpusform, die über das Griffbrettende hinaus in den Korpus hereinreichende Halszunge mit asymmetrischer Vierpunkt-Halsverschraubung, oder die charakteristische schlanke Kopfplatte. Die Erstausgabe der späten 80er-Jahre war mit P/J (Precision/Jazzbass) Tonabnehmer-Kombination plus aktiver Elektronik bestückt und in knalligen Lackierungen wie "Lipstick Red" und "Caribbean Blue" erhältlich, was den Käuferkreis klar auf den Rock- und Popbassisten eingrenzte. Mittlerweile hält die Ibanez Soundgear-Serie jedoch schon seit vielen Jahren für jeden Geschmack das passende Instrument parat.

Seit 2011 etwa gibt es die etwas teureren Ibanez SR Premium-Bässe, für die im Jahr 2015 zwei neue Farboptionen erhältlich sind. Auch sie basieren wieder auf Rot ("Dark Rose Flat" bzw. DRF) und Blau ("Deep Ocean Flat" bzw. DOF), allerdings sind es auf einem transparenten Oil-Finish basierende Beizfarben, die das Korpusdeckenmaterial malerisch hervorheben. Tonabnehmer, Hardware und Holzauswahl haben nichts mehr mit dem SR-Urmodell gemeinsam. Hier wurde bei den Premium-Bässen einerseits ein klarer Fokus auf moderne Bedürfnisse und Anforderungen gelenkt, andererseits aber auch stets auf einen noch moderaten Endpreis geachtet. Was das für Veränderungen sind und wie sie sich auf Sound und Handling auswirken, wollen wir herausfinden.

Details

Der in Indonesien gefertigte Ibanez Premium SR1405-DRF wird in einem schicken Softcase ausgeliefert, das die stabilen Vorzüge eines Hartschalenkoffers mit dem Leichtgewicht eines Gigbags kombiniert. Im Case selbst liegt der Bass bombenfest in einem passgenauen und mit grauem Samt bezogenen Hartschaumbett. Hier wurde auch ein Staufach eingearbeitet, dessen Deckel dank eines Magnetverschlusses fest in seiner Position ankert. Das schwarze Case wurde mit Regen abweisendem, gut gepolstertem Material überzogen, das man weitreichend als "ballistisches Nylon" von Carry-On Gepäckstücken auf Flugreisen kennt. Es schließt sicher mittels Reißverschluss, und zusätzlich gibt es noch zwei zusätzliche Außentaschen. Als Zubehör legt Ibanez dem Case sein sehr praktisches Multitool (Ibanez Multitool Hex Wrench MTZ11) bei, mit dessen Hilfe sämtliche Einstellarbeiten zu bewerkstelligen sind.

3,2 kg wiegt der Testbass, was aufgrund des Korpusmaterials aus Mahagoni etwas verwundert, aber der Korpus wurde ja auch relativ schlank gehalten. Eine ebenso schlanke (mit zwei dunkleren Zwischenfurnieren perfekt eingearbeitete) Riegelahorndecke in rotem "Dark Rose Flat" verleiht dem Bass unverkennbar Boutique-Charakter. Doch nicht nur die Decke versprüht hochwertiges Flair: Auch der fünffach laminierte Hals aus drei Streifen Wenge und zwei Streifen Bubinga mit Palisander-Griffbrett und ovalen Abalone-Inlays setzt die Ästhetik gelungen fort. Einzig der nicht näher spezifizierte Kopfplatten-Aufleimer, der eventuell auch aus Riegelahorn bestehen könnte, wirkt in seiner dunkelbraunen Farbe fast etwas bieder. Ein in Rot gehaltener Matching Headstock würde dem Bass meiner Meinung nach besser stehen.

Der Wenge/Bubinga-Hals ist neben einer Titan-Halsstellschiene laut Spezifikation zusätzlich mit einem KTS Tone Resonant Titan-Stab verstärkt. Dies soll mehrere Vorteile vereinen: Das Titan wirkt stabilisierend auf den Hals, ferner ist es ein sehr leichter Werkstoff und reduziert somit das Gewicht des Halses, und zuletzt soll es auch über gute Resonanzeigenschaften verfügen und helfen, Dead Spots zu reduzieren. Außerdem erlaubt die Titanstabilisierung, weniger Holzmasse im Hals zu verbauen, was eine überaus schlanke und spielfreudige Halsform ermöglicht.

Und genau das ist beim Testbass gelungen: der Hals besitzt ein sehr flaches, asymmetrisches Shaping, bei dem unter der B-Saite etwas mehr Masse zu finden ist als unter der G-Saite. Zudem ist der Hals für einen Fünfsaiter verhältnismäßig schmal, mit lediglich 72 mm Breite am 21. Bund. Zum Vergleich: ein Sadowsky 5-String JJ-Bass gönnt sich an dieser Stelle immerhin 77 mm Platz. Das macht nicht nur für die Greifhand einen großen Unterschied, sondern auch für das Spielgefühl der Schlaghand, da das Stringspacing im Tonabnehmerbereich ja noch größer ist.

24 Medium-Bünde besitzt der Ibanez Premium SR1405-DRF. Die Bundbearbeitung ist dabei absolut tadellos und verdient die firmenseitige Bezeichnung "Premium Fret Edge Treatment" zu 100%. Wie oft findet man selbst bei hochpreisigen Instrumenten noch mangelhaft bearbeitete Bundenden? Nicht so bei Ibanez!

Der Zugang zur Einstellschraube des Halsstellstabs liegt oberhalb des Sattels an der Kopfplatte und ist von einer Holzplatte mit der Aufschrift "Premium" abgedeckt, die mit drei sehr kleinen Kreuzschlitzschrauben befestigt ist. Zum Entfernen dieser Abdeckplatte und zum Einstellen der Halskrümmung müssen die E-, A- und D-Saite gelockert und seitlich weggeschoben werden. Da existieren andernorts Lösungen, die deutlich zeitsparender sind! Ob man den Hals nachträglich in gewissen Zeitintervallen wird nachjustieren müssen, lässt sich nicht abschätzen. Der Hals des Testbasses hätte durchaus leicht nachgezogen werden können. Er lag aber noch innerhalb komfortabler Toleranz und war absolut schnarrfrei.

Die Kopfplatte hat man stark angeschrägt, was einen hohen Saitenauflagedruck auf den Graphitsattel erzeugt. Saitenrasseln dürfte bei diesem Bass daher nie zum Problem werden. Die goldfarbenen geschlossenen Messing-Mechaniken verteilen sich asymmetrisch auf B/E oben und A/D/G unten. In Verbindung mit dem gleitfreudigen Graphitsattel laufen die Mechaniken sehr leichtgängig, was das Stimmen sehr komfortabel gestaltet.

Die Bridge ist eine Ibanez Monorail, bei der jede Saite isoliert in eine eigene separate Mini-Brücke eingehängt wird. Dadurch, dass es sich hierbei um ein 2D-System handelt, bei welchem die Saite nicht seitlich verschoben werden kann, erfordert die Installation dieser zierlich wirkenden Bridgeelemente ein hohes Maß an Präzision, damit die Saiten exakt über die Tonabnehmermagneten geführt werden. Beim Testbass ist dies wirklich millimetergenau der Fall!

Der Bass wurde ab Werk mit Elixir-Saiten bespannt, wobei die tiefe B-Saite taperwound ist. Das bedeutet, dass bei dieser Saite nur die innere Kernumspinnung über den Steg läuft, während die weiteren Wicklungen erst danach beginnen. Dies verleiht der B-Saite wesentlich mehr Schwingungsfreiheit im Bereich des Sattels. Ebenso lässt sich die Seite durch ihre geringere Steifheit im Stegbereich einfacher aufspannen.

Bei den Tonabnehmern hat man sich nicht lumpen lassen und den Premium SR-Bässen zwei passive Big Single 5-Singlecoils des renommierten kalifornischen Herstellers Nordstrand spendiert. Carey Nordstrand widmet sich mit seiner Firma seit 2002 neben erstklassigen Instrumenten vor allem auch dem Thema "Tonabnehmer", die seither von vielen namhaften Instrumentenbauern verwendet werden. Eine Besonderheit der Big Singles ist, dass deren Gehäuse die Dimensionen von Humbuckern aufweisen. Die jeweils zwei Polepieces pro Saite verlaufen leicht versetzt und nicht parallel, wie man es z.B. von klassischen Jazz Bass-Tonabnehmern kennt. Diese Anordnung sorgt für eine weitere Schwingungsfeldabnahme und eine andere tonale Übertragung, sprich: tonalen Charakter. Die Tonabnehmer sind mit drei Schrauben arretiert und sitzen passgenau in ihren Korpusfräsungen.

Ergänzt werden die Pickups durch eine aktive Ibanez EQB-IIISC Dreiband-Elektronik, die neben der typischen Aufteilung Volume, Balance, Bässe, Mitten und Höhen noch zwei kleine Kippschalter beinhaltet. Der obere Schalter dient dem Umschalten zwischen aktivem und passivem Betrieb, während der untere Schalter im aktiven Betrieb die Regelfrequenz des Mittenreglers wahlweise auf 200 Hz oder 600 Hz schaltet.

Optisch etwas gewöhnungsbedürftig erscheint mir nur, dass die drei EQ-Regler sehr nah an der Unterkante der Decke positioniert sind. Die Decke selbst ist zwar flach (flat top), rundet aber sehr weich und ästhetisch zum Rand hin ab, was dazu führt, dass sich die Achsen der EQ-Potis leicht nach unten neigen, da sie im Bereich der Deckenrundung liegen. Andererseits ist es genau diese Position nah am Korpusrand, die es einem im Dunkeln sehr leicht macht, die Regler zu ertasten. Die EQ-Knöpfe sind zusätzlich zur besseren Unterscheidung kleiner als die weiter oben liegenden Volume- und Balance-Regler. Da sie über Mittelrasten verfügen, kann man die Poti-Einstellung sehr leicht ermitteln, ohne hinzusehen. Ich wäre nur beim Transport im Gigbag vorsichtig, denn die weit außen liegenden Potis werden hier zwangsläufig stark belastet, wenn sich die Außenwand der Tasche eng an den Korpusrand andrückt. Im mitgelieferten Ibanez-Softcase kann dies freilich nicht passieren, da der Bass durch Hartschaum-Abstandshalter im Deckel auf Distanz gehalten wird.

Die schwarze Kunststoffabdeckung des Elektronikfachs wird von drei Schrauben gehalten, die in versenkte Gewindehülsen greifen. Das Elektronikfach ist sehr aufgeräumt und sauber verlötet, und die 9V-Batterie sitzt fest in einem Metallclip. Etwas ungewöhnlich, jedoch effektiv und platzsparend ist die frei schwebende aktive Elektronik, deren Platine kopfüber im Fach hängt - von einer Moosgummischicht umhüllt. Um sie fest zu verbauen, hätte man entweder die Fräsung des Elektronikfachs vergrößern müssen und die Platine zweistöckig auf Abstandshaltern oder am Deckel befestigen müssen. Insofern kann man die präsente Lösung als guten Kompromiss akzeptieren!

Zuletzt sei die versenkte Klinkenbuchse erwähnt, die unterhalb der Bridge im Korpus sitzt und den Klinkenstecker gut geschützt eintaucht und schräg nach oben austreten lässt - im passenden Winkel, um das Kabel hinter den Gitarrengurt zu führen. Winkelstecker sind bei dieser Konstruktion aufgrund der tief liegenden Klinkenbuchse allerdings nicht verwendbar.

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