Bass Hersteller_Ibanez
Test
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26.05.2015

Ibanez BTB1605 Premium NTF Test

Fünfsaitiger E-Bass

Viel Boutique-Flair für kleines Geld

Darf es ein bisschen mehr sein? Zum Beispiel ein Fünfsaiter mit durchgehendem neunstreifigen Hals inklusive Graphit-Verstärkung, mit wild gemaserter Edelholzdecke auf einem modern geformten Korpus aus Mahagoni, bestückt mit erstklassiger Marken-Hardware in Gold - und als besonderes Extra vielleicht noch ein Set "Big Singles" vom weltbekannten Tonabnehmerhersteller Carey Nordstrand aus Kalifornien?

"Sehr gerne, mir fehlt aber gerade das nötige Kleingeld für eine Bestellung in meiner bevorzugten Bass-Manufaktur", werden wohl viele denken. In der Tat sind das aber die Spezifikationen des Ibanez BTB1605-Fünfsaiters aus der Premium-Serie, der das Budget erstaunlicherweise weniger strapaziert als beispielsweise ein fünfsaitiger Jazz Bass aus der American Standard-Serie von Fender. Ob Ibanez mit dem schicken BTB-Fünfer wirklich eine Alternative zu den deutlich kostspieligeren Boutique-Bässen im Programm hat, versuche ich in diesem bonedo-Test zu ergründen.

Details

In der BTB-Serie bietet Ibanez seit jeher äußerst solide und gut verarbeitetet Bässe mit Edelbass-Flair zu einem günstigen Kurs an und treibt dieses Prinzip mit ihren in Indonesien gefertigten Premium-Instrumenten, für die nur ausgesuchte Materialien und noch hochwertigere Hardware verwendet wird, auf die Spitze. Um dem edlen Fünsaiter einen möglichst ebenmäßigen Klang und die berühmte, mächtige H-Saite einzupflanzen, wurde er mit der beliebten langen 35"-Mensur und einem äußerst aufwendig konstruierten durchgehenden Hals ausgestattet. Aus sage und schreibe neun Teilen setzt sich die Halskonstruktion zusammen: schmale Streifen aus Bubinga, Ahorn und Wenge wechseln sich ab und sollten eigentlich genügend Stabilität für einen mitteldicken Fünfsaiterhals bieten. Den Ibanez-Konstrukteuren reichte das aber nicht, denn sie verstärkten die Hälse der BTB Premium-Bässe zusätzlich noch mit Graphitstäben. Auf die ultrastabile Halskonstruktion wurde ein Griffbrett aus Palisander geleimt, darin sitzen 24 Bünde im Format "Medium" und - sowohl an der Flanke als auch zwischen H- und E-Saite - runde Abalone-Markierungen zur Lagenorientierung. Die angeleimten Korpusflügel des Premium-BTB bestehen aus Mahagoni, und für den amtlichen Edelbass-Look sorgt eine Pappeldecke mit wilder Maserung. Die gesamte Konstruktion wurde schließlich inklusive Halsrücken mit einem dünnen seidenmatten Finish überzogen, was sich sehr organisch und geschmeidig anfühlt. Ich muss schon sagen: der BTB sieht mit seiner exotischen Holzkomposition wirklich wie ein amtlicher Nobelschlitten aus und ist darüber hinaus sehr gut verarbeitet. Trotz der ganzen Lagen und Streifen sind nirgendwo im Holz auch nur die kleinsten Unebenheiten zu spüren!

Als nächstes werfen wir einen Blick auf die Hardware des BTB 1605, die mit Sicherheit keinen Vergleich mit der Ausstattung von richtig teueren Boutique-Bässen zu scheuen braucht. Auf der Kopfplatte des BTB1605 sitzen fünf gekapselte Stimmmechaniken vom japanischen Hersteller Gotoh, die Saiten laufen über ein "BLACK TUSQ"-Sattel von Graph-Tech und werden am Ende des Bodies schließlich von den einzelnen Saitenreitern der Monorail-Brückenkonstruktion aus dem Hause Ibanez aufgenommen. Durch die getrennten Saitenreiter dieser Konstruktion sollen die Schwingungen der Saiten voneinander abgekoppelt werden, was letztlich zu einer effektiveren Übertragung der Saitenschwingung in den Korpus sorgen soll. Die Saitenlage wird jedoch wie bei einer herkömmlichen Brücke eingestellt: kleine Imbusschrauben sind für die jeweilige Höhe der Reiterchen und Kreuzschlitzschrauben für die Intonation zuständig. Die Ibanez Monorail-Konstruktion bietet außerdem pro Segment eine weitere Imbusschraube zur Fixierung der Einstellung - damit sitzt dann alles für die Ewigkeit bombenfest!

Aber nicht nur bei der Brücke verlässt sich Ibanez auf die eigene, langjährige Erfahrung: auch die flexible Elektronik mit der kryptischen Bezeichnung "EQB-IIISC" stammt aus dem eigenen Entwicklungslabor. Der Preamp bietet neben dem obligatorischen Lautstärkeregler und einem Balance-Regler zum Überblenden der beiden Tonabnehmer drei etwas kleinere EQ-Regler für Bässe, Mitten und Höhen, mit denen die jeweilige Frequenz angehoben oder abgesenkt werden kann. Bei der Mittenfrequenz haben wir sogar die Wahl zwischen zwei Einsatzfrequenzen, ein Schalter im Cockpit des BTB stellt die Positionen 250Hz und 600Hz zur Verfügung. Mit einem weiteren Schalter kann die Elektronik komplett ausgeschaltet werden, falls man den BTB1605 lieber passiv spielen möchte. Der Passivbetrieb funktioniert übrigens auch ohne Batterie, man steht also nicht auf dem Schlauch, falls dem 9Volt-Block beim Gig die Puste ausgeht. Die Batterie ist zudem im Notfall schnell gewechselt, sie sitzt nämlich lobenswerterweise in einem separaten Fach mit Schnappverschluss.

Ein deutliches Statement setzt Ibanez bei den Premium-Bässen mit der Wahl der Tonabnehmer, die gesamte Serie wird nämlich mit zwei "Big Singles" von Nordstrand ausgestattet. Die Tonabnehmer von Carey Nordstrand gehören ohne Zweifel zum Besten, was die Branche zu bieten hat. Da wundert es wenig, dass Basshersteller rund um den Globus die Nordstrand-Produkte gerne in ihren Kreationen verbauen. Die "Big Singles" von Nordstrand stehen für einen fetten "Jazz Bass on Steroids"-mäßigen Sound, klingen also voluminöser und aggressiver als normale Singlecoils und kommen in einem Soapbar-Gehäuse mit Standard Bartolini-Ausmaßen daher.

Nicht weniger nobel als die Ausstattung des BTB1605 Premium ist auch das Zubehör, mit dem bzw. in welchem der Bass das Ibanez-Werk verlässt. Er wird in einem hochwertigen Softcase in rechteckiger Form ausgeliefert. Mit im Case liegt ein praktisches Multi-Tool, das sämtliche Werkzeuge für das Setup inklusive eines kleinen Lineals zum Messen der Saitenlage bereitstellt. Ein Sticker im Case macht außerdem klar, dass hochwertige und langlebige Saiten der Marke Elixir werkseitig auf das Instrument gezogen wurden.

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