Test
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27.11.2018

Praxis

Möchte man den Inpulse 300 erstmalig nutzen, ist zunächst die Djuced-Betriebssoftware von der Hersteller-Website zu laden. Das Programm ist innerhalb weniger Klicks installiert und hat neben Demo-Tracks zum Einstieg auch einige ausgesuchte Sample-Packs an Bord. Ferner benötigt ihr das Treiberpaket (Win/Mac) und solltet das neueste Firmware-Update drüber bügeln (Option erscheint nach Installation des Hercules-Treiberpakets), damit es nicht zu Störungen hinsichtlich Sound und Bedienung kommt, was bei mir mit der älteren, aufgespielten FW hier und da der Fall war.

Djuced erkennt den Testkandidaten automatisch und lädt das Mapping für die MIDI-Befehle. Der Käufer kann quasi sofort loslegen, seine Tracks importieren und mischen. Alternativ lässt sich auch Soundcloud und der Qobuz-Streaming-Service (mehr Informationen hier) nutzen. Nachstehend ein paar Screenshots dazu.

Workflow und Haptik

Beim Mixen hat man mit den Decksektionen und dem 2-Kanal-Mixer die Tracks gut im Griff. Der Widerstand und Rundlauf, die seitlichen „Fingerkerben“, die „Vinyl-Rillen“ oder kurz gesagt die Jogwheels gehen der Preisklasse entsprechend in Ordnung und so man nicht unsachgemäß fest draufdrückt, schleifen die Ränder auch nicht auf dem Chassis-Boden. Die „Teller“ arbeiten präzise, möchte man nudgen oder auch scratchen und man kann damit sehr genau Positionen im Track anfahren, um bei gezoomter Wellenform beispielsweise Hotcues- und/oder Loops zu setzen. Einen Loop-Speicher bietet die Software jedoch nicht an.

Die Equalizer passen den Höhen-, Mitten- und Bass-Anteil an, das (bedauerlicherweise nur Online verfügbare) Handbuch schweigt sich aus, wie hoch Cut- und Boost ausfallen. Dreht man alle Regler zu, wird das Signal jedenfalls nicht komplett ausgelöscht. Es gibt in der Software allerdings Kill-Buttons, so man diese benötigt. Für das Filtermixing steht das obligatorische, kombinierte Hoch/Tiefpassfilter zur Verfügung, die virtuelle Cue-Schiene mit separaten Tasten zum Abhören des Summensignals und der Einzelkanäle muss zwar auf einen Cuemix-Regler verzichten, doch das Mischungsverhältnis lässt sich in der Software festlegen und bei Bedarf an die Erfordernisse anpassen.

Die fünfschrittigen Pegelmeter sind eine nützliche Dreingabe zur groben Pegelkontrolle und um vor Übersteuerung zu warnen, auch wenn einige – jedoch nicht alle – Profi-Controller vielleicht dreimal so lange Ketten anbieten, was hier selbstverständlich nicht erwartet wird. Ihr könnt eure Mixsession mit der integrierten Recording-Funktion auch im Wave- oder OGG-Format aufzeichnen.

Hinsichtlich der Drehregler ist mir bei meinem Testmuster noch aufgefallen, dass die Lautstärke- und FX-Potis zu Beginn (noch) um einiges schwergängiger waren als ihre Kommilitonen. Das wird sich nach einiger Zeit jedoch legen, wer es nicht abwarten kann, schraubt ein Weilchen im Trockenlauf daran und es wird stetig sanfter.

Mixhilfen

Beim Angleichen der Tracks möchte Hercules dem Newbie, wie auch erfahreneren DJs eine Hilfestellung anbieten, aber damit ist ausnahmsweise nicht der Sync-Knopf gemeint, sondern die integrierten Beatmatching-Hilfen: Jogwheels und Pitchfader sind nämlich mit Beat-Align-LEDs ausgerüstet. Habt ihr die zugehörige Funktionstaste aktiviert, hilft euch der Controller anhand zweier Leuchtpfeile, die Musikstücke hinsichtlich des Tempos und des Taktrasters manuell abzugleichen. Die Pitchfader-Pfeile zeigen dabei die Richtung an, in die ihr den Flachbahnregler schieben müsst, damit die Titel auf das gleiche Tempo kommen. Erlöscht das Licht, könnt ihr anhand der beiden Pfeile am Jogwheel das Taktraster matchen und wenn die Tracks synchron laufen, mixen und/oder überblenden. Das Angleichen der BPM, die im GUI in Hundertsteln angezeigt werden, gelingt nicht haargenau, was der Auflösung/Länge/Feinheit des Pitchfaders in die Schuhe geschoben werden kann. Man bewegt sich damit eher in einem Bereich von 6/100, aber man kommt damit erstmal hin. Auch schön: Aktiviert DJ den intelligenten Musikassistenten (Basis-Deck bzw. Master deklarierbar), bekommt er passende Musikstücke aufgelistet, zu erkennen an den gleichen Farben. Sollten zum Beispiel zu wenig gelbe Tracks (Level 4) da sein, geht’s mitunter von orange (Level 5) nach rot (Level 6) weiter. Eine Garantie, den Tanzflur zu rocken, ist das natürlich nicht. Die Software kann zudem in puncto Harmonic-Mixing von Open-Key auf Standard umgeschaltet werden.

Hercules hat außerdem noch eine integrierte Online-Hilfe mit Video-Tutorials ins Programm eingebaut, die einem Tipps für den Einstieg als DJ zeigt, eine bestehende Internetverbindung vorausgesetzt.

Effekte

Was die Effekt-Abteilung angeht, empfinde ich diese mit lediglich zwei Drehreglern hardwareseitig als ziemlich mager ausgestattet, da die Software Djuced (und die meisten Konkurrenz-Controller) in diesem Punkt einfach mehr zu bieten haben (drei Controller, plus Timing-Regler, plus Dry-Wet-Regler und diverse Tasten, so in der Art). Die Drehregler am Inpulse steuern den ersten Effekt der Kette und den Effektanteil. Im Zusammenspiel mit den Pads gibt es dazu eine Besonderheit zu vermelden, denn diese triggern den FX-Slot 2. Die Parameter und FX-Typen sind hier nicht frei belegbar, (ohnehin ist ein MIDI-Mapper zur Rekonfiguration nicht implementiert), haben aber einige interessante, teils automatisierte Programme anzubieten. Das bedeutet allerdings auch, dass lediglich FX1 hardwareseitig gesteuert frei bestimmt werden kann, es sei denn, man bedient FX2 via Software und drückt nicht auf die vorkonfigurierten Tasten oder nutzt zusätzlich FX3 und den Makroeffekt-Regler, ebenfalls via GUI oder mittels weiterem Controller, konfiguriert über eine geladene XML-Datei. Nicht schlecht. Die Effekte können wahlweise auf Pre- oder Post-Fader geschaltet werden.

Freunden des Schleifenbindens wurden separate Buttons für Loop-In und Loop-Out spendiert, mit denen sich manuell Wiederholschleifen einfangen lassen. Autoloops werden durch längeres Gedrückthalten von „Loop in“ platziert.

Die Transportsektion startet mit dem etwas klein geratenen Cue/Pause/Sync-Trio und einer zusätzlichen Shift-Taste, die einen zum Aufruf diverser nützlicher Zweitfunktionen befähigt. Mittels Shift-Taste ist es sogar möglich, die Kanalfader und EQs der Decks 3 und 4 zu bedienen, nicht jedoch die Transporttasten und Co. Für zwei weitere Decks ist dies eher suboptimal. Aber auch wenn man lediglich Samples triggert, ist Obacht geboten, denn es gibt keinen Pickup-Modus. Greift ihr folglich nach der Shift-Aktion wieder normal auf Fader oder Drehregler zu, springt der Wert direkt an, statt zunächst das Abholen der alten Position einzufordern. Ärgerlich, also besser die Software-Regler im GUI von Deck 3 und 4 zum Lautstärkeabgleich verwenden. Zumal hinzukommt, dass es beim Inpulse 300 nicht möglich ist, Deck 1 als Sample-Deck zu steuern, selbst wenn dieses so ausgewählt ist. Die Tasten bedienen (noch und ausschließlich) den Sampler auf Deck 3. Gut wiederum: Ihr dürft eure Sample-Packs speichern und laden.

Vielleicht kommt bald ja auch ein „noch größerer“ Vierdeck-Controller von Hercules oder ein via ominösem Extension-Port zusätzlich nutzbarer Side Wing für FX und Samples. Mit dem P32 hat man ja bereits Erfahrung hinsichtlich Pad-Controllern gesammelt. Und wenn man sich in einem preislich attraktiven Rahmen bewegt, ich erinnere hier an NI Kontrol F1, ist das sicher eine Option für Inpulse 300 Besitzer.

Performance Pads

Es folgen zwei Zeilen mit viereckigen Pads. Hier gibt es hintergrundbeleuchtete und deutlich bessere Tasten als beim 200er-Modell. Anschlagdynamisch und mehrfarbig sind diese nicht, sondern sie illuminieren ausschließlich rot.

Die Pads bedienen wahlweise Hotcues, Rolls, Slicer und Sampler (deklarieren von Sample-Decks statt Track-Decks notwendig). Tone Play, FX, Slicer Loop und Beatjump sind auf der zweiten Arbeitsebene zu finden, die ausgelöst wird, indem die zugehörige Taste etwas länger gedrückt gehalten wird, woraufhin sich der Status von „an“ auf „blinken“ ändert. Die meisten Modi dürften Controller-DJs hinlänglich bekannt sein, aber hier noch einmal die Auflistung, wie es beim Hercules genau darstellt.

  • Hotcues: 8 an der Zahl
  • Rolls: von 1/16 bis 8
  • Slicer/ Slicer Loop: 8 Unterteilungen (im GUI im Loop-Mode auch weniger machbar), 8 Timings
  • Sampler: 8 Plätze, einstellbar via Software
  • Tone Play: +3 bis -4 Semitöne
  • FX: fadetogray, washout, transdelay, dubdelay, fader, phonevox, scratching
  • Beatjump: 1,2,4,8 Takte in jede Richtung

Schade finde ich, dass für den Slicer dedizierte Parametertasten fehlen, folglich heißt es, in die Software zu greifen, um den Zyklus der Pads 1-8 und den Arbeitsbereich des Slicers selbst festzulegen (1/32 – 64). Extensive Scheibchenfrickler dürfte dies irgendwann mitunter stören. Die Pads triggern entsprechend je 1/8 der eingestellten Slicer-Länge und können nicht separat eingestellt werden.

Klar, dass es in der Software noch einiges mehr einzustellen gibt, darunter den ordentlichen Keylock, die Tempo-Range des Pitchfaders, die Crossfader-Curve, neue Skins, diverse Verhaltensparameter, Quantisierung und dergleichen. Genug jedenfalls, um Djuced in seiner neusten Ausgabe Versionsnummer 4 einem Test zu unterziehen, den wir euch bald auf bonedo.de präsentieren werden. Nun aber zum Fazit.

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