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Workshop
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07.06.2010

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Theorie
Ein Mix ist in sich harmonisch und rund, wenn die Stücke in ihrer Tonart zueinanderpassen. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf die Musiktheorie, die mit dem Quintenzirkel eine grafische Veranschaulichung der Verwandtschaftsverhältnisse der Tonarten bietet. Die Dur-Tonarten liegen dabei auf dem äußeren Kreisrand, die Moll-Tonarten im Kreisinneren. Laut unserem aktuellen Harmonieverständnis passen diejenigen Tonarten zueinander, die im Abstand einer Quinte (Fünftonschritt oder sieben Halbtonschritten) zu ihr stehen. Quintverwandte Tonarten sind zum Beispiel G-Dur, D-Dur, C-Dur und e-Moll sowie F-Dur, C-Dur, B-Dur und d-Moll etc. Manch einer erinnert sich vielleicht an Gedächtnisstützen für die Abfolge im Quintenzirkel, wie: Geh Du Alter Esel Hole Fische.

Mit dem Quintenzirkel lassen sich Stücke zusammenstellen, die miteinander harmonieren. Um herauszufinden, auf welcher Tonart das Arrangement beruht, kann der angehende Keymixer drei Verfahren anwenden:

1. Er benutzt ein Keyboard und sein geschultes Gehör.
2. Er fragt eine Datenbank ab und hofft, dass der gesuchte Track gelistet ist.
3. Er verwendet eine Software, die digitale Tracks und Live-Inputs analysieren kann.

Im Verlauf dieses Artikels werden wir einen Blick auf vier dieser Programme werfen. Jedoch erweist sich die Übertragung des Quintenzirkels mit seinen Tonhöhenbezeichnungen auf den DJ-Alltag als etwas umständlich. Hier schafft ein modifiziertes System Abhilfe. Die Camelot-Methode stellt eine vereinfachte Zahlenbezeichnung zur Verfügung. Von der Anordnung her entsprechen diese Codes dem Ziffernblatt einer Uhr, das kann sich jeder leicht merken. Oben die Zwölf unten die Sechs. Angrenzende Nummern dürfen miteinander gemixt werden. Das bedeutet, wenn der momentane Track den Key 12 besitzt, sollte der nachfolgenden Song den gleichen Key oder Key 11 oder 1 aufweisen. Problem gelöst? Noch nicht ganz. Denn das System unterscheidet zusätzlich auch zwischen Haupt(A)- und Nebenkeys(B). Es existieren also quasi zwei übereinandergelegte Ziffernblätter (A und B) wo gleiche Zahlen ebenfalls kombiniert werden können. So ist ein Wechsel von 11 A nach 11B ein aus harmonischer Sicht guter Mix.

 

Harmonischer Mix

Dissonanter Mix

1A & 2A
5B & 6B

11A & 11B

6B & 5A
11A & 4A

Die goldene Regel besagt, man sollte nur angrenzende Tonarten mischen. Eine Zahlenreihe kann den Zusammenhang verdeutlichen.

Dies wäre ein harmonisches Beispiel nach „Camelot“:  11B–11A-12A-12B-12B-1B-2B-2B-2A.

Der Computer berechnet die Tonart, der DJ übernimmt die Auswahl von Songs, die aufeinander aufbauen und elegant ineinander übergehen. So kann er Track für Track in den Mix hebeln, ohne gleich befürchten zu müssen, dass der komplette Dancefloor abwandert. Rein von der Theorie her eine gute Sache. Warum hat denn dann noch nicht jeder das Keymixing für sich entdeckt?

Gestatten, Deejay!

Zunächst ist es kaum möglich, bei Änderungen der Tonart einen einzigen vorherrschenden Key festzustellen. Auch ist es etwa auf einer Hochzeit oft egal, ob die Songs harmonieren oder nicht. Der Plattenwunsch ist Gesetz. Ferner macht es keinen Sinn, in einer Indiedisco nach einem zünftigen Stomper einen tonverwandten Dance-Track oder eine harmonisch passende Deutschrocknummer zu spielen. Doch kaum einer wird sich beschweren, wenn auf einer Black-Music-Night zwischen Hiphop, Soul- oder Funkeinlagen, ein paar Clubclassics oder seichte Houseklänge aufgelegt werden. Und selbst ein genretreuer Mix kann ins Auge gehen, wird er ausschließlich nach Tonartkriterien angelegt. Ich halte es für ziemlich kritisch, einen pumpenden Techousetrack mit einer klassischen Vocalnummer a´la Frankie Knuckles zu verbinden und dann in sphärische oder minimalistische Deephouseklänge abzudriften, nur weil die Keyfolge stimmt. Das lässt folgende Schlüsse zu:

1. Es gibt Veranstaltungen/ Stilrichtungen, für die Keymixing nicht primär gedacht ist.
2. Im Sytlemix sollte man möglichst in einem artverwandten Genre bleiben.
3. Es braucht weit mehr als benachbarte Keycodes.

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