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25.10.2008

Guerilla-Gigging #1

Das socialplastic Guerilla-Gigging Tagebuch

Wozu braucht man Clubs? Die ganze Welt ist Bühne! Auftauchen, aufbauen und ab dafür, heißt unsere Devise. Damit Du dir ein Bild davon machen kannst, wie unsere Guerilla-Booking Strategie im Alltag funktioniert, möchte ich Dich in meiner Kolumne an einigen handverlesenen Einträgen aus unserem Tour-Tagebuch teilhaben lassen. Los geht's, wie sollte es auch anders sein, auf der Musik-Messe in Frankfurt – und zwar im Jahr 2006.

Messe FFM:
Ein absolutes Muss für jeden Equipment-interessierten Musiker und so ist es mehr als selbstverständlich, dass auch wir uns Jahr für Jahr in Frankfurt einfinden, um den ein oder anderen Gig abzustauben. Den Einstieg machen wir, traditionell, mit lustigem Frühsport am Torhaus-Eingang, gefolgt von einigen Guerilla-Gigs vor, um und neben der Agora-Stage. Nachdem wir kurzfristig die Audi-VIP-Shuttle-Induktionsschleifen-Verkehrsleitsystemstraßen blockiert haben, spielen wir doch tatsächlich in der heiligen Halle 4.0 im Acoustic Village. Hail, Hail Rock’n’Roll, da geht was. New Yorks Gitarren-As Matt Smith klatscht uns später mit den Worten ab: “You guys really know how to kick ass!”. Anschließend findet er noch zwei Worte für die netten Herren mit den Prüfgeräten, die inmitten der Klangkulisse phonetisch entfernt an “Loudness Gestapo” erinnern. Die ganze Band pustet aus sportlichen Gründen ‘mal hinein: Bleiben trotzdem deutlich unter 110 dB(A). Glück gehabt.  

Schillig: Wir nehmen Kurs Richtung Norden und spielen das Osterfeuer für einen guten Freund. Zu diesem Zweck reihen wir uns kurzerhand mit unserem Ford Transit hinter der aufmarschierenden Spielmannskapelle ein und fahren über den Deich bis ans Meer. Ein Verantwortlicher will später wissen, wer diesen Auftritt gebucht hat. Wir erzählen von Andreas. Ein Andreas wird gefunden. Der kannte uns bis dahin nicht, freute sich aber dennoch. Sensationeller Gig. Deutschland braucht Helden! Schillig ist übrigens die Heimatstadt von Stoertebeker.

Hamburg: Traditionell spielen wir Street Entertainment auf der Reeperbahn. Da wir mit den Gegebenheiten vertraut sind, wenden wir uns zuerst an den Koberer (Ihr wisst schon, der Eintänzer des Etablissements), stellen uns vor, verteilen CDs und machen ihn auf die Problematik aufmerksam, dass wir für die nächsten 20 Minuten diesen Abschnitt der Straße schließen werden. Er lacht, wir grinsen, bauen auf und fangen an.


Nach dem ersten Song steht fest, dass die LapDance-Girls erst einmal Zwangspause haben. Nach vier weiteren Songs steht der Chef des Landens vor uns und bittet uns weiterzuziehen. Findet unsere Mucke cool und bestätigt das, indem er uns einen 50-Euro-Schein in die Hand drückt. Im Bewusstsein um die Verhältnisse ziehen wir zwei Ecken weiter und spielen noch drei Sets.

Um 2.12 Uhr wird uns der Angestellt einer ARAL-Tankstelle am Rande von Hamburg freundlich bitten, ihm doch einen anderen 50-Euro-Schein als obengenannten zum Bezahlen zu geben.

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