Hersteller_Gemini
Test
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08.01.2014

Praxis

Bevor der Testlauf mit dem G2V beginnen kann, ist die Software Virtual DJ LE auf dem Laptop aufzuspielen. Für meinen Test verwende ich ein MacBook Pro 17“, ausgestattet mit einem 2,66 GHz schnellen Core i7 Prozessor und acht Gigabyte Arbeitsspeicher. Die Installation verläuft schnell und ohne Probleme. Die Stromversorgung des Gemini erfolgt über den USB-Port des MacBooks, der Betrieb mit dem beigelegten Netzteil ist optional. Allerdings ist mir hier aufgefallen, dass die Sound-Ausgabe in Verbindung mit Virtual DJ unterbricht, wenn man versehentlich den Stecker zieht. Anders als bei manchem Konkurrenten läuft der G2V dann nicht „USB-gepowert“ weiter.

Nach Betätigen des Netzschalters signalisiert das Gerät seine Funktionsbereitschaft über die Masterpegel-Anzeige. Dabei fällt sofort auf, dass den Bedienelementen eine Grundbeleuchtung fehlt und sie nur im aktiven Modus illuminieren, was das Auflegen in dunklen Umgebungen erschwert. Nach dem Start der Software erkennt diese meine iTunes-Bibliothek und meine in anderen Ordnern abgelegten Musikdateien automatisch. Eine zusätzliche Konfiguration im Setup ist überflüssig. Die grundlegende Bedienung dürfte auch den Laien nicht überfordern, selbst ohne die sechsseitige Bedienungsanleitung zu studieren.

Mit dem Browser und der Back-Taste manövriere ich zunächst durch die Library, um schließlich mittels Load-Button das gewünschten Musikstück auf das linke Deck zu laden. Die Analyse des Tracks erfolgt recht schnell, was somit auch für die grafische Aufbereitung der kompletten Wellenform gilt. Äquivalent gehe ich auf dem rechten Deck vor. Vor dem ersten Mix lege ich einen oder auch mehrere Hotcues fest, entweder über die Cue-Taste unterhalb des Jogwheels oder acht Pads im gewählten Hotcue-Modus. Manuelles Beatmatching oder doch lieber per Sync-Funktion? Die entsprechenden Tasten erleichtern nicht nur die Entscheidung, sondern auch das Auflegen an sich. Die automatische Synchronisation ist sehr präzise, sodass man sich bei elektronischer Tanzmusik getrost auf diesen Komfort verlassen kann. Aber auch das manuelle Beatmatching lässt sich schnell und vor allem genau praktizieren, denn eine Pitch-Range ab sechs Prozent, verteilt auf zehn Millimeter Regelweg, gewährleistest präzise Tempokorrekturen.

Die Tracks starten wahlweise per Cup (der Track spielt stets vom zuletzt gesetzten Cuepoint) oder über Play. Die Buttons reagieren genau auf den Punkt beziehungsweise Beat. Sollte man trotzdem einmal daneben liegen, lässt sich ein Delay über das Jogwheel sehr einfach beheben. Das berührungsempfindliche „Handrad“ dient im Scratch-Modus auch als virtueller Plattenteller und ist schön groß ausgefallen. In seiner Haptik und dem erzeugten Effekt kann es mich nicht voll überzeugen, denn der auf den Jogwheels montierte Sensor-Teller ist gewöhnungsbedürftig, reagiert etwas schwammig und ist daher für schnelle Scratches nahezu ungeeignet. Schade, denn der Slip-Modus ist hierfür eine Offenbarung. Wenn man beispielsweise im Mix einen laufenden Track durch einen Scratch unterbricht, läuft der Track im Hintergrund weiter, sodass er nachdem Drop trotzdem im richtigen Timing des Mixes bleibt.

Um während meiner Mixsession einzelne Frequenzbänder zu modifizieren, drehe ich an den drei Knöpfen des Equalizers, der das Signal komplett killt, sofern Höhen, Mitte und Bässe ihr Minimum erreicht haben. Der auffällig große Filterknopf erleichtert das schnelle Schrauben am Hoch- oder Tiefpassfilter. Für weiteren Effektspaß sorgen die Auto-Loop-, Sampler-, Loop-Roll- und FX-Sektionen. Im jeweiligen Modus können über die acht Pads manuelle Loops, Auto-Loops oder Loop-Rolls getriggert werden. Hier allerdings erst ab einer Länge von einem Achtelschlag bis hin zu sechzehn Beats. Sehr praktisch ist auch der Loop-Move-Regler, mit dem der Anfangspunkt einer aktiven Schleife im laufenden Track verschoben wird.

Der Sampler weckt den Remixer in mir. Bis zu zwölf Samples, die auch per Record-Funktion aus dem Live-Set aufgenommen werden dürfen, lassen sich beatgenau, synchron und individuell justierbar hinzumischen. Somit ist meiner Kreativität diesbezüglich keine Grenze gesetzt. Dafür aber bei den Effekten. Nur fünf Typen führt die Bank, darunter noch nicht einmal ein Echo. Lediglich der wirklich beeindruckende Beatgrid-Effekt, das Flipping-Double, ein dauerhaftes Delay und der Flanger schmälern die Enttäuschung etwas. Mit Backspin und Brake bietet die Software noch zwei weitere Effekte. Diese lassen sich zwar bei anderen Controllern auch mit dem Jogwheel und der Stopptaste erzeugen, aber ein sich ständig wiederholender Backspin-FX in einem laufenden Loop, das hat schon was. Die Parameter der VDJ-Effekte lassen sich nur beim Flanger, Backspin und Brake über die Drehknöpfe modifizieren. Die beiden zuletzt genannten definieren sich über ihre Länge und Geschwindigkeit.

Um die Vielzahl der Funktion am G2V physisch belegen zu können, sind einige Tasten über Shift „doppelt gemappt“. In den meisten Fällen nachvollziehbar, aber nicht bei der Crossfader-Zuordnung, was der Hersteller mit dem separat aufgeklebten Hinweis auf der Gebrauchsanleitung bestätigt. Wie schon erwähnt, ist der G2V ist auf die Zusammenarbeit mit Virtual DJ LE zugeschnitten und die Bedienung und deren Features lassen zunächst auch keine Wünsche offen. Wer jedoch ein individuelles Mapping des Controllers und mehr Konfigurationsmöglichkeiten einfordert oder das Setup nach seinen Ansprüchen anpassen möchte, kommt nicht um ein kostenpflichtiges Upgrade auf Virtual DJ Pro herum. Auch ein Wechsel auf Traktor, Mixvibes und Konsorten ist dank MIDI-Kompatibilität und mit einem passenden Mapping möglich.

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