Bass Hersteller_Fodera
Test
7
22.03.2016

Praxis

In den letzten Jahren ist ja ein deutlicher Trend zu leichteren Bässen zu erkennen. Einige Hersteller bieten mittlerweile sogar Lightweight-Modelle ihrer Instrumente an. Nicht so bei Fodera - im Brooklyner Workshop herrscht die Überzeugung, dass eine gewisse Masse an den richtigen Stellen einem soliden und vollen Basston durchaus zugute kommt. Diese Philosophie macht sich bei meinem Namm Show-Schönling auf der Waage allerdings mit satten 4,65 kg bemerkbar, was für Viersaiter-Verhältnisse schon ein durchaus sportliches Gewicht ist. Die Pfunde relativieren sich allerdings etwas angesichts der hervorragenden Balance des Instruments. Mit einem komfortablen Gurt hängt der Bass super stabil in einer perfekten Spielposition am Körper und zerrt nicht im Geringsten an der linken Schulter. Weil kein zusätzlicher Kraftaufwand nötig ist, um den Bass in die richtige Position zu rücken, fühlt sich der Emperor letztlich leichter an, als man es bei seinem tatsächlichen Gewicht vermuten würde.

Der Hals meines Testkandidaten kam mir als Jazz-Bass-Spieler sofort vertraut vor, denn das Profil der fünfteiligen Konstruktion ist eher auf der schlanken Seite und liegt ungeheuer komfortabel in der Hand, ohne dabei fragil zu wirken. Ganz im Gegenteil: der Hals macht einen geradezu unverwüstlichen und extrem stabilen Eindruck, was wohl der hohen Qualität der Hölzer und der sagenhaften Verarbeitung zuzuschreiben ist.

Aber auch das gute Setup trägt seinen Teil zum hohen Spielkomfort des außergewöhnlichen Instrumentes bei. Der Messingsattel wurde so perfekt gefeilt, dass das Greifen der ersten Bünde kaum Kraftaufwand erfordert, und die tadellos ausgeführte Bundierung erlaubt eine aberwitzig niedrige Saitenlage, ohne ungewollte Scheppergeräusche zu verursachen. Fodera jagt übrigens alle Bässe inzwischen durch die eigene Plek-Maschine und kann mit der exakten Vermessung und Abrichtung der Bünde natürlich das absolute Optimum aus jedem Instrument herausholen.

Derart gut eingestellt spielt sich der Emperor tatsächlich wie Butter und erzeugt dabei schon rein akustisch einen sehr klaren, definierten und relativ lauten Sound. Das Instrument spricht in jeder Lage pfeilschnell an und schwingt äußerst stark - von Deadspots oder stumpfer klingenden Tönen keine Spur. Ich bemerke allerdings eine leichte Kompression des Attacks, wie es bei Bässen mit durchgehend konstruierten Hälsen üblich ist. Am Verstärker und während der Aufnahme der Soundsamples hat mich der Edelbass aus New York mit seiner speziellen Stimme noch nachhaltiger beeindruckt und ich hatte wirklich Mühe, denn Bass nach getaner Arbeit wieder aus der Hand zu geben.

In den ersten beiden schlichten Audios ohne Playback hört ihr den Emperor mit beiden Tonabnehmer im Humbucker-Betrieb erst passiv, dann aktiv, damit die Wirkung des Pope-Preamps auf den Klang gut zu hören ist.

Was für ein Sound, oder? Schon passiv klingt der rote Emperor ungeheuer voll und rund, das Mittenspektrum ist sehr präsent und sorgt für einen warmen Klangcharakter mit hervorragender Durchsetzungskraft und die Höhen runden den Sound am oberen Ende ab, ohne zu prominent in den Vordergrund zu rücken. Wirklich beachtlich finde ich die Tiefe und die Klarheit, mit der die Duncan-Tonabnehmer den Klang übertragen.

Mit aktiviertem Preamp wird der Bassbereich leicht komprimiert und der Höhenklick tritt deutlicher in den Vordergrund. Der Sound wirkt dadurch direkter, büßt dafür aber auch etwas von seiner Dynamik und gnadenlosen Offenheit ein.

Kein Frage, dass dieser fette und transparente Sound ein solides Fundament unter eine Band schieben kann und sich in nahezu jedem Kontext mühelos durchsetzten wird. Für das nächste Beispiel habe ich den Traumbass zu einem relativ dichten Rock/Pop-Playback gespielt, damit ihr euch ebenfalls von seiner Durchschlagskraft überzeugen könnt. Alle EQ-Regler standen bei der Aufnahme in neutraler Mittelstellung - dennoch ist jeder Basston absolut klar zu hören! Trotz aller Klarheit klingt der Bass aber sehr homogen. Keine überflüssigen oder unangenehmen Frequenzen stören das natürliche Klangbild.

Alle Foderas, die bisher durch meine Hände gingen, konnten mit einer enorm großen Bandbreite an extrem praxistauglichen Sounds punkten. Mein Testkandidat macht hier keine Ausnahme, wofür sicherlich nicht zuletzt der Equalizer aus dem Hause Pope verantwortlich ist. Die einzelnen Regler wirken super effektiv und produzieren äußerst musikalische Ergebnisse, ohne den Grundsound des Basses allzu stark zu verändern. Für die nächsten Sounds habe ich den Equalizer des Pope-Preamps deutlich eingesetzt. Im ersten Beispiel wurden die Bässe und die Tiefmitten für einen runden Fingerstyle-Sound deutlich geboostet, im zweiten Clip habe ich ebenfalls die Bässe und zusätzlich noch die Höhen angehoben, um einen saftigen Slapsound aus dem Fodera zu kitzeln. Die Tonabnehmer fahren bei beiden Beispielen im Single Coil-Betrieb.

Mir persönlich gefällt ja ganz besonders der knackige und leicht rotzige Fingerstyle-Sound! Im Singlecoil-Betrieb zeigt sich der Fodera erwartungsgemäß etwas schlanker und klingt wie ein moderner Super-Jazz Bass mit eigenem Charakter, den die stets präsenten, vorwitzigen Mitten im Grundsound des Basses beisteuern. Ungemein hilfreich für den Bühneneinsatz finde ich außerdem, dass der Bass im Singlecoil-Betrieb genauso laut ist wie im Humbucker-Modus. Es ändert sich lediglich der Sound, wenn der Coil Switch umgelegt wird; eine Anpassung des Pegels ist nicht erforderlich.

Um den Höreindruck abzurunden, gibt es zum Schluss noch zwei Samples mit den beiden Tonabnehmen im Solomodus. Beide Tonabnehmer wurden im Humbucker-Betrieb eingespielt. Darüber hinaus habe ich sowohl die Bässe als auch die Tiefmitten leicht angehoben.

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